Folge Nr: 239

B2P123 – Maverick in Crocs – Der Winzer Dirk Niepoort

oder wie er Portugal auf die Landkarte bringen will

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Über die Folge:

Grias Eich!

In dieser Ausgabe des BauertothePeople Podcast war ich zu Gast beim portugiesischen Winzer Dirk Niepoort. Der Dirk führt und vor allem prägt das traditionsreiche Unternehmen nun schon in der fünften Generation und er hat es sich, wie er sagt, zum Ziel gesetzt Portugal wieder auf die Karte zu bringen, nicht nur für Wein.

Erst im Gespräch mit Dirk ist mir bewusst geworden, wie sehr sich die jüngere Geschichte Portugals von der Österreichs oder Deutschlands unterscheidet und somit auch völlig anderen Möglichkeiten der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung gegeben waren.

Dirk selbst ist ein bisserl ein schräger Typ und den Titel Maverick den hat er nicht von mir. Den hat er schon lange. Genauso wie sein Faible für bunte Crocs. Dirk ist an sich ein lieber und gefühlvoller Mensch, nur kann es durchaus vorkommen, dass dir seine ungefilterte Direktheit kurz die Luft nimmt. Er ist zudem gleichzeitig introvertiert und extrovertiert, laut und leise, nah an einem dran und ganz weit weg.

Wein wollte er trotz familiärer “Vorbelastung” eigentlich auch keinen machen. Die Geschichte, wie er über ein Praktikum in der Schweiz dann doch beim Wein gelandet ist, ist aber durchaus hörenswert. Wobei Wein ja bei Niepoorts eigentlich Portwein bedeutete. Wie der gemacht wird, verrät uns Dirk natürlich auch im Podcast.

Der Weinanbau und somit der Wein kamen aber erst mit Dirk in das traditionsreiche Unternehmen. Und das auch nicht ohne Widerstände und vermeintliche Rückschläge. Ja, leicht hatte es der Dirk nicht und ganz sicher hat er es sich auch nicht leicht gemacht. Aber leicht, normal oder gar berechenbar, sind ohnehin keine Kategorien, die Dirk buchstabieren könnte.

Wir lernen etwas über portugiesischen Weinbau, Portwein und vor allem den Zusammenhang von unternehmerischer Entwicklung und unternehmerischer Persönlichkeit. Viel Freude beim Reinhören und Reinschauen!

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Musik:
„Leit hoits zamm“ – Haindling
thx an Jürgen Buchner

„Power to the People“ – Junior Kelly
thx and Michael Lechleitner @ Irievibrations Records
 
… und ein bisserl selbst gesungen
thx to me, my voice und eure Schmerzschwelle 

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Transcript - B2P123 – Maverick in Crocs – Der Winzer Dirk Niepoort

Dirk: Ich habe mit einem Kunden geredet und dann hat er gesagt, guck mal her,

Dirk: was machst du da? Ich habe gesagt, ich rede mit dem Kunden.

Dirk: Nein, das ist ein Idiot, der will nur trinken. Du musst selektiv sein.

Dirk: Dann habe ich gesagt, okay, aber ich mag den Typ. Nein, komm, arbeiten.

Dirk: Und das hat mich dazu bewegt, ein bisschen ein Dickkopf zu sein,

Dirk: weil ich gehe nicht nach Wichtigkeit, sondern nach dem, was ich mag.

Dirk: Ich arbeite biologisch schon seit je und je, aber mir war scheißegal, den Stempel zu haben.

Dirk: Und heute haben wir den Stempel, aber wir füllen nur ein paar separat,

Dirk: weil ich der Meinung bin, dass das Wichtigste ist, was man macht und nicht,

Dirk: dass es abgestempelt ist.

Dirk: Dann war ein Jahrgang, wo es genug Alkohol hatte und Süße und man hat trotzdem Weinband dazu getan.

Dirk: Das hat in Engländern besonders gut geschmeckt und so ist Sportwahlen entstanden.

Dirk: Es gab damals auch Riesenkriege hier.

Dirk: Kriege heißt Unstimmigkeiten, weil Ballant Forrester meinte,

Dirk: es darf nur trockener Wein sein und die Engländer wollten den Süßen und der Markt hat gewonnen.

Dirk: Zum Glück. Meine Eltern haben mich nie unter Druck gesetzt, dass ich es machen muss. Also von dem her.

Willy: Was wolltest du denn?

Dirk: Weiß ich nicht. Nein, ich hatte nichts gegen Wein. Es hat mich nur nicht besonders interessiert.

Music: Music

Music: Leute, holt's zusammen, sonst dauert's nimmer recht lang. Auf einmal tut's einen

Music: gescheiten Schreberer und dann graucht alles zusammen.

Willy: Bauer to the People, der Podcast für Perspektiven rund um Essen,

Willy: Menschen und Landwirtschaft.

Willy: Weil nur durchs Reden kommen die Leute zusammen.

Willy: In dieser Ausgabe des BauertothePeople

Willy: Podcast war ich zu Gast beim portugiesischen Winzer Dirk Niepoort.

Willy: Der Dirk, der führt und vor allem der prägt das traditionsreiche Unternehmen

Willy: nun schon in der fünften Generation und er hatte sich, wie er selbst sagt,

Willy: zum Ziel gesetzt, Portugal wieder auf die Karte zu setzen. Und das nicht nur für Wein.

Willy: Erst im Gespräch mit Dirk ist mir dann auch bewusst geworden,

Willy: wie sehr sich doch die jüngeren Geschichten von Portugal, von Dänen,

Willy: von zum Beispiel Österreich oder Deutschland unterscheiden.

Willy: Und somit auch ganz andere Möglichkeiten für gesellschaftliche oder wirtschaftliche

Willy: Entwicklung gegeben waren.

Willy: Der Dirk selbst, der ist ein bisschen ein schräger Typ.

Willy: Und den Titel Maverick, den hat er auch nicht von mir, den hat er schon lange.

Willy: Genauso wie seinen Fable für wirklich bunte Crocs.

Willy: Der Dirk ist an sich ein lieber und ein sehr gefühlvoller Mensch.

Willy: Man kann es durchaus vorkommen, dass dir seine ungefilterte Direktheit spontan

Willy: kurz einmal die Luft nimmt. Er ist zudem gleichzeitig introvertiert und extrovertiert,

Willy: laut und leise, ganz nah an einem dran und dann doch wieder ganz weit weg.

Willy: Und Wein wollte er trotz familiärer Vorbelastung eigentlich auch keinen machen.

Willy: Die Geschichte, wie er dann über ein Praktikum in der Schweiz dann doch wieder

Willy: beim Wein gelandet ist, die verdient aber durchaus das Prädikat hörenwert.

Willy: Wobei Wein ja bei den Niepoorts eigentlich Portwein bedeutete.

Willy: Und wie Dirk gemacht wird, das verrät uns der Dirk natürlich auch im Podcast.

Willy: Habt ihr euch schon einmal überlegt, wie das geht? Ich sage nur Aha-Momente vorprogrammieren.

Willy: Der Weinbau und somit auch der Wein, die kamen erst mit dem Dirk in das Traditionsunternehmen.

Willy: Und das auch nicht ohne Widerstände und vermeintliche Rückschläge.

Willy: Leicht hat es der Dirk nicht gehabt und er hatte sich auch ganz sicher nicht leicht gemacht.

Willy: Aber leicht, normal oder gar berechenbar, das sind ohnehin keine Kategorien,

Willy: die den Dirk irgendwann einmal auch nur entfernt gestreift hätten.

Willy: Also wir lernen etwas über portugiesischen Weinbau, Bordwein und vor allem,

Willy: das hat mir so Spaß gemacht zuzuhören, den Zusammenhang von unternehmerischer

Willy: Entwicklung und unternehmerischer Persönlichkeit.

Willy: Ja, danke für deine Offenheit, lieber Dirk, und dass ich einen ganzen Tag lang

Willy: in deine Welt eintauchen und hineinschauen durfte.

Willy: Und euch jetzt viel Freude beim Reinhören und natürlich beim Reinschauen.

Willy: Prost!

Dirk: Es fühlt sich alles sehr professionell an.

Willy: Professionell oder professionell?

Dirk: Professionell.

Willy: Birk, ich glaube, das ist ein super Start im Podcast. Ich glaube, so nehmen wir das.

Dirk: Ja, okay.

Willy: Schön, danke für die Einladung. Schön, dass ich da sein darf bei dir.

Willy: Wir sind da bei dir in Porto im Weinkeller.

Dirk: Im Tempel.

Music: Im Tempel.

Willy: Gut, natürlich ist es kein Keller, es ist ein Tempel. Beschreib mal das, wo wir da kurz sind.

Dirk: Ach, das ist Geschichte, das gehört zu Nippoth.

Dirk: Nippoth gibt es seit 1842 und nicht seit 1842 sind wir hier, aber ähnlich.

Dirk: Und das ist ein Teil der Geschichte von dem, was die Vergangenheit war.

Dirk: Und wo wir jetzt gerade sitzen, ist ein bisschen das, was ich versucht habe,

Dirk: nicht zu verändern, nicht besser zu machen.

Dirk: Das ist wirklich ein wichtiger Punkt.

Dirk: Das Briefing war eindeutig der Architektin zu sagen, bitte, fummel nicht an nichts.

Dirk: Ich will nichts Besseres, es soll nicht schöner sein, es soll nicht besser sein.

Dirk: Ich möchte das beibehalten, was mein Vater, mein Großvater und so weiter aufgebaut haben.

Dirk: Und so soll es bleiben. Und es ist mir ziemlich egal, ob es den Leuten gefällt

Dirk: oder nicht. Es ist so und ich bin stolz drauf.

Willy: Ist es das Bewahren einer Erinnerung, um die es da geht? oder ist es etwas,

Willy: von dem du sagst, es geht einfach nicht mehr besser, das soll deswegen nicht verändert werden?

Dirk: Es geht mir gar nicht darum, dass es besser ist. Es ist, was es ist und ich

Dirk: bin stolz drauf. Und ich finde auch,

Dirk: Das Perfekte gibt es nicht.

Willy: Gibt es nicht?

Dirk: Nein.

Willy: Ist auch nicht mein Wein?

Dirk: Nein, nein. Das Perfekte, wenn es geben würde, wäre etwas, was viele in perfekten Details hätten.

Dirk: Und das ist auch ein bisschen das, was hier ist. Es ist nicht perfekt. Es ist, wie es ist.

Willy: Bewahrst du es für alle oder bewahrst du es mehr für dich?

Dirk: Das hier. Ja, wir haben einen Weinglub, oder einen Menschenclub,

Dirk: muss ich eher sagen, wo wir gar nicht so viele Leute haben wollen,

Dirk: sind interessante Leute und die haben ein bisschen Anrecht, teilzuhaben und

Dirk: sie dürfen diesen Raum benutzen für private Sachen, Firmensachen, was sie wollen.

Dirk: Sie dürfen auch Sachen kaufen,

Dirk: die wir sonst nicht verkaufen Wir machen auch Abfüllungen,

Dirk: speziell für Sie Was natürlich für mich ein Vorteil ist Dann kann ich mal ein

Dirk: Fässchen abfüllen Wo ich vorher gedacht habe,

Dirk: das ist ziemlich unlogisch Das ist Blödsinn Und jetzt ist es halt doch kein

Dirk: Blödsinn Und das gibt mir die Möglichkeit,

Dirk: oder uns Spielereien zu machen und aus den Spielereien zu lernen.

Willy: Ja, Blödsinn ist ja quasi eine Tochter oder ein Kind der Zeit,

Willy: oder? Was in einer Zeit blöd ist, kann in der nächsten Zeit schon wieder genial sein, oder?

Willy: Würdest du das unterschreiben?

Dirk: Würde ich total unterschreiben. Ich glaube, mein Leben ist voller Blödsinn.

Dirk: Ich sage ja gerne, dass bei Nippert,

Dirk: Ich sage ja gerne, dass bei Niport machen wir alles falsch, aber das Ergebnis ist okay.

Willy: Also der Weg ist das Ding, aber das Ziel ist, das ist dann ein gutes, oder?

Dirk: Ja.

Willy: Ja, fangen wir doch mal, ich hätte das gerade gesagt, Niport,

Willy: das gibt es ja nicht erst, wenn man diesen Raum jetzt, den man auch sehr schön

Willy: sieht, jetzt hier am Video,

Willy: so anschaut, das gibt es ja nicht erst seit gestern oder seit heute,

Willy: sondern es hatte schon eine lange, lange Tradition und so richtig ganz aus Portugal

Willy: kam die ja auch nicht, oder? Wie ist denn da die Geschichte ein bisschen von Niepoort?

Dirk: Also im Grunde genommen ist unser Name total falsch.

Dirk: Wir sollten immer Port heißen und nicht Niepoort.

Willy: Dann hast du dich jetzt gerade entwickelt, oder? das erste Mal.

Dirk: Wir sind von 1842 und ich bin die fünfte Generation.

Dirk: Die sechste Generation arbeitet schon bei uns.

Willy: Und Daniel ist das?

Dirk: Daniel hier in Portugal, Marco in Deutschland und Anna, sie studiert in Krems.

Willy: Ach, in Österreich.

Dirk: Ja, und Bordeaux und im Moment ist sie in Irland.

Dirk: Und es gibt schon drei Enkelkinder. Ich sage immer gerne, es gibt es hier,

Dirk: weil mein erstes Enkelkind war der Hund von Daniel, Bishka.

Dirk: War? Nein, nein, es ist.

Willy: Ist?

Dirk: Ja, ja, ja.

Willy: Er hat eine Hunde gefunden.

Dirk: Nein, nein, das ist ein spezieller Hund, eine Hündin und sie war mein erster Enkel.

Willy: Was machst du so speziell beim Hund, muss ich noch fragen? Ich bin ein Hundemensch.

Dirk: Nein, ich war mit der Freundin damals vom Daniel in Lamm und noch zwei andere

Dirk: Personen, ich weiß nicht mehr.

Dirk: Dann waren wir bei einem Bauern, wo wir Trauben kaufen, wo sie aber Käse machen

Dirk: und dann war dieses blöde Ding dort und die Kalina meinte, oh,

Dirk: das könnten wir mitnehmen, der Daniel will einen Hund und er sagte,

Dirk: naja, sicher nicht und dann habe ich den Daniel angerufen Und er sagt, ja, ja, ja.

Dirk: Und ich, okay.

Willy: Und dann hattest du meinen Hund, oder?

Dirk: Ich nicht, aber ja.

Willy: Mehr oder weniger.

Dirk: Ich bin verlebt in das...

Dirk: In das kleine Ding da.

Willy: Ja, bei Filien. Das heißt, die siebte Generation ist quasi beim Großwerden,

Willy: die sechste beim Übernehmen.

Willy: Und du ein bisschen so auch dabei, das Vermächtnis zu geben.

Willy: Aber schauen wir noch einmal zurück.

Willy: Du hast gesagt, 1842 hat das begonnen. Was waren denn die Anfänge?

Willy: Vielleicht einmal kurz umschrieben.

Dirk: Wir wissen es nicht so genau, warum Holländer nach Portugal gekommen sind.

Dirk: Wir glauben, dass es mit... Urlaub. Nein, nein, nein. Nein, nein, nein. Ich glaube nicht.

Dirk: Ich glaube, das hat mit Cabalhau zu tun, Bacalhau, portugiesisch.

Dirk: Ich vermute mit Textilien.

Music: Handel.

Dirk: Ja, Handel. Aber auf jeden Fall Handel, ja.

Dirk: Und außerdem, Nipot wurde nicht von einem Nipot gegründet, sondern von einem Eduard Kebber.

Dirk: Und dann kam mein Ur-Ur-Ur-Großvater und dann ist dieser Käber gestorben und

Dirk: seitdem heißt es Nippert.

Willy: Wie seid ihr dann auf den Wein gekommen, wenn ihr sagt, es war wahrscheinlich

Willy: Textilien ganz am Anfang etc.? Wie kam dann der Wein oder ab wann?

Willy: Auf einmal war Wein?

Dirk: Ich vermute einfach mal, dieser Käfer hat mit Wein angefangen und wir sind dann

Dirk: Partner geworden irgendwie.

Dirk: Und dann ist er halt gestorben und dann wurde es halt Wein.

Dirk: Ich weiß nicht, ob noch andere Sachen parallel gemacht wurden damals, da wissen wir nicht.

Willy: Aber ihr wart lange Zeit, viele Jahre und Generationen bekannt für Port-Fortwein.

Willy: Zufall, nie Port und Port-Fortwein ist reiner Zufall, oder? Das würde man sofort

Willy: meinen, irgendwas hat das miteinander zu tun. Das war ein reiner Zufall.

Willy: Vielleicht schauen wir mal, in welcher Familie bist du da? Jetzt können wir

Willy: die Generation natürlich abhandeln, aber das führt jetzt zu weit.

Willy: In welcher Familie, in welcher Zeit bist du hineingeboren worden damals?

Dirk: Mein Vater. Ich habe meinen Großvater kennengelernt.

Dirk: Ich habe ihn aber nicht sehr gut kennengelernt. Ich bin aber überzeugt,

Dirk: es wäre schön gewesen, dass ich ihn länger kennengelernt hätte.

Dirk: Ich bin überzeugt, dass ich mich sehr gut mit ihm verstehen würde.

Dirk: Aber eine der wenigen Erinnerungen, die ich habe von meinem Großvater,

Dirk: außer seinen Sessel und wie er gegessen hat und meine Großmutter,

Dirk: die eine Schublade hatte mit Süßigkeiten.

Dirk: War, dass ich mal eine Zeichnung gemacht habe, wo Kamin nicht so aufrecht gemalt war, sondern falsch.

Dirk: Und er hat mich da ziemlich zusammengehaut, also nicht physisch.

Dirk: Das ist mir so ein bisschen stecken geblieben. Aber auf der anderen Seite,

Dirk: er war vielleicht kein Geschäftsmann.

Dirk: Mein Vater war viel besser, aber er war ein Sammler, ein Intellektueller,

Dirk: ein genialer Mensch, der sich aber für das Verkaufen, für das Geschäft wenig interessiert hat.

Dirk: Und er hätte fast die Firma kaputt gemacht.

Dirk: Seine Idee war, den besten Portfreund zu machen, der heißt VV. Hat er auch gemacht.

Dirk: Aber das wäre wahrscheinlich das Ruin.

Dirk: Und mein Vater hat das irgendwie alles verändert.

Dirk: Man muss auch wissen, Wir waren ein paar Mal fast pleite und schon sehr lange her.

Dirk: Und mein Vater hat es halt gerettet.

Willy: Also dein Großvater, du hast gesagt, du erinnerst dich, du würdest ihn gern

Willy: besser kennen, weil du dich in ihm eher wieder siehst als im Vater oder weil

Willy: du gerne mehr hättest von ihm?

Dirk: Ich hätte gerne mehr von ihm, weil ich glaube, er hatte ein Wissen, ein Respekt.

Dirk: Und er hat die Sachen sehr gut weintechnisch gemacht.

Dirk: Und wir waren nie wirklich bekannt als Haus.

Dirk: Aber wenn man heute zurückschaut, haben wir genauso gute Vintage gemacht wie

Dirk: alle anderen. Vielleicht besser.

Dirk: Vielleicht ist unser 45er der beste Potswine Vintage jemals.

Dirk: Wir haben ein 30-jähriger Fehler.

Dirk: Das ist eine Kategorie für sich und eine Referenz. Also es ist so, dass mein,

Dirk: dass Großvater Sachen kreiert hat, die heute eine Referenz sind.

Dirk: Sie waren nur nicht bekannt, weil wir nicht bekannt waren.

Willy: Weil er, wie du gesagt hast, im Vertrieb, war nicht der größte Vertrieber,

Willy: sondern er war eher ein Erfinder?

Dirk: Ja, er war ein Erfinder. Das ist jetzt lustig,

Dirk: daran habe ich noch nie gedacht, Aber diese Jacke, dass ich immer mit so einem

Dirk: Gelee da rumlaufe, mein Großvater, gut angezogen natürlich, mit Anzug und so weiter.

Dirk: Aber er hatte immer ein Gelee und das war wahrscheinlich so 10 Kilo schwer, ich übertreibe.

Dirk: Aber da waren ganz viele Sachen drin, Glüheisen sogar.

Dirk: Also er hatte immer alles dabei, um Sachen zu reparieren und so weiter.

Willy: Und immer in seinem Gelee sein. Ja. Die Tradition mit dem Gelee,

Willy: die führst du ja fort, hat er damals auch schon, Crocs hat es ja noch nicht gegeben.

Dirk: Nein, nein, er war anständig angezogen. Mein Vater war auch anständig angezogen,

Dirk: allerdings sehr schlecht angezogen.

Willy: Ja, anständig schlecht und du bist jetzt?

Dirk: Und ich bin eine Katastrophe.

Willy: Was bist du?

Dirk: Katastrophe.

Willy: Du bist eine Katastrophe, sagst du. Okay, wenn du das sagst,

Dirk: Dann sag ich.

Willy: Ich habe auf jeden Fall fünf Fotos von dir gegoogelt und auf vier davon hast du gute Crocs angehabt.

Willy: Und irgendwann habe ich was gelesen vom Crazy Hatter. Du hast irgendwann eine

Willy: Hutphase auch gehabt, oder? Kann das sein?

Willy: Die sehe jetzt gerade keinen Hut, aber woher kommt der Crazy Hatter?

Dirk: Das ist ein Etikett, das ich entwickelt habe.

Willy: Also nur unter Anführungszeichen Etikett. Was warst du für ein Kind?

Dirk: Ach, ich war ruhig. Meine Eltern haben mir gesagt, dass ich ein,

Dirk: wie sagt man, jemand, der nicht fleißig ist, ist.

Dirk: Und dementsprechend haben sie mir gesagt, okay, du machst nichts,

Dirk: aber Lernsprachen, das wird wichtig sein in deinem Leben.

Dirk: Und ich muss sagen, die hatten recht.

Dirk: Ich hatte immer schlechte Noten. Bis ich in die Schweiz gegangen bin,

Dirk: dann hatte ich auf einmal unglaubliche Noten.

Willy: Woran lag es? Zuerst die schlechten, dann die guten? Was ist da passiert?

Dirk: Weil ich gar nichts getan habe.

Dirk: Und in der Schweiz musste ich zwei Jahre in einem Jahr machen und da musste

Dirk: ich was machen und dann hatte ich sehr, sehr gute Noten.

Dirk: Und im letzten Jahrgang musste ich wieder nichts machen, dann hatte ich wieder schlechte Noten.

Dirk: Vielleicht war das alles zu einfach.

Dirk: Keine Ahnung.

Willy: Also Schule ist ja grundsätzlich nicht schwer gefallen, aber sie hat sich auch

Willy: nicht wirklich interessiert.

Dirk: Und vor allem, ich habe keine Hausaufgaben gemacht. Ich habe Hausaufgaben und

Dirk: so weiter mit einem Freund gemacht,

Dirk: der der Genialste war, der alles perfekt gemacht hat.

Dirk: Nicht nur eine, sondern sogar die zwei Besten.

Willy: Das waren deine Freunde.

Dirk: Und die hatten alles perfekt, aber wie sagt man, lazy auf Deutsch.

Dirk: Ja, faul.

Dirk: Ich hatte andere Interessen.

Dirk: Ich glaube auch, es hat damit zu tun, dass ich sehr unruhig bin und ich kann

Dirk: nicht sehr lange irgendwo sitzen.

Willy: Du hast vorher gesagt, du bist vom Typ her eher ruhig, aber gleichzeitig bist

Willy: du unruhig, oder? Ja. Also getrieben.

Dirk: Ja, ich kann nicht still sitzen. Ich kann auch beim Abendessen nicht lange sitzen.

Dirk: Es ist auch so, dass meine Freundin irgendwann mal sagte, wir können ja heute

Dirk: mal nichts machen. Und dann habe ich sie angeschaut, wie meinst du das?

Dirk: Ja, aber wir könnten mit dem, dem Mittagessen gehen, wir können das und das machen.

Dirk: Ja, aber wir könnten auch gar nichts machen.

Dirk: Wir sind heute hier in einem schönen Platz, da ist ein Schwimmbad, gutes Wetter.

Dirk: Und das habe ich nicht so richtig kapiert, was sie meinte. Und ich glaube,

Dirk: das ist ein bisschen ein Problem.

Dirk: Aber das ist halt so.

Willy: Wir werden sehen, wie lange du heute hier beim Podcast bist, bis du flüchten musst.

Willy: Du hast gesagt, du hast andere Interessen gehabt. Welche waren das?

Dirk: Ich habe viele komische Interessen gehabt. Ich bin Motorrad gefahren.

Dirk: Ich habe Schreibmaschinen gesammelt.

Dirk: Das liegt wahrscheinlich im Blut der Familie, als jünger Typ,

Dirk: irgendwann mal war es ein bisschen unerträglich, weil die halt sehr groß sind

Dirk: und Platz nehmen und dann habe ich alles verkauft.

Dirk: Aber im Grunde genommen bin ich jemand, der gerne mit Menschen ist,

Dirk: aber nicht so lange und vor allem nicht mit vielen Leuten gleichzeitig.

Willy: Also zu Menschenmengen.

Dirk: Ein Hobby, das ich hatte, war, in Diskotheken zu gehen.

Willy: Das ist genau das Gegenlf, wo du sagst.

Dirk: Ja, ja, aber du musst jetzt weiterhören. Das, was ich mochte,

Dirk: war, in die Diskothek reinzugehen, ohne zu bezahlen.

Dirk: Denn damals in Porto, die Frauen, die mussten nicht zahlen, aber die Männer schon, also die Buben.

Dirk: Und das hat mir Spaß gemacht, die zu linken, irgendeinen Weg reinzufinden.

Dirk: Nachdem ich fünf Minuten drin war, bin ich wieder rausgegangen.

Dirk: Es ging mir nur, um das hinzukriegen, dass ich nicht bezahle.

Willy: Hast du irgendwie das Gefühl gehabt, früher oder erkannt, dass du vielleicht...

Willy: Warst du anders wie die anderen?

Willy: Warst du, ich weiß nicht, Außenseiter oder ein Sonderling?

Willy: Oder wie würdest du dich beschreiben in der Zeit?

Dirk: Damals habe ich mich als normal gesehen.

Willy: Haben das mehrere Leute gemacht, dass sie quasi versucht haben,

Willy: in die Diskothek reinzukommen, um wieder rauszugehen?

Dirk: Nein, wenn ich heute zurückschafe, war ich ein komischer Vogel.

Willy: Also aus heutiger Sicht.

Dirk: Ja, es ist auch so, dass ich mit ein paar Lehrern geredet habe,

Dirk: wo ich dachte, die werden mich beschimpfen und sagen, dass ich eine Katastrophe war.

Dirk: Und alle Leute haben mir gesagt, nein, du warst mein Lieblingsschüler und du

Dirk: warst überhaupt nicht aggressiv und gar nichts.

Dirk: Es ging so weit, dass der Philosophie-Lehrer so viel von mir gehalten hat,

Dirk: dass er mit meinen Eltern geredet hat und gesagt hat,

Dirk: euer Sohn hat schlechte Noten, er ist faul, aber irgendwas ist da, kann ich ihm helfen.

Dirk: Und er durfte das nicht als Lehrer.

Dirk: Und sie haben gesagt, ja, wenn du wirklich glaubst, da ist was Besonderes.

Dirk: Dann hat er mir Privatunterricht gegeben und,

Dirk: Es war auch sehr interessant, in der zwölften Klasse, Abitur,

Dirk: organisierte man immer eine Party, um Geld zu verdienen, um eine Reise nach Deutschland zu zahlen.

Dirk: Und am Schluss, wer fast alles gemacht hat, war ich, der faule Typ.

Dirk: Es gab noch zwei andere, die meine Freunde sind.

Dirk: Zu dritt haben wir das im Grunde genommen alles gemacht.

Dirk: Und ich war dann ziemlich kaputt am Schluss und nach der Party,

Dirk: die erste Stunde, habe ich die Stunde, die erste Stunde verfehlt.

Dirk: Irgendwie habe ich was falsch gesehen.

Dirk: Kam aber dann in diese Philosophiestunde rein und war verwirrt,

Dirk: weil ich dachte, da sei ein anderer Lehrer und war verspätet,

Dirk: was bei mir nie passiert. Ich bin der pünktlichste den es gibt.

Dirk: Und dann sagte der Lehrer nur, hier habt ihr den wichtigsten Menschen,

Dirk: der alles organisiert hat.

Dirk: Und das Allerwichtigste ist, er weiß, wo seine Grenzen sind,

Dirk: denn er hat sie überschritten.

Dirk: Ich habe gar nichts verstanden von dem, was er sagte. Ich war immer noch verwirrt.

Dirk: Und dann war der ziemlich hart und ich habe gesagt, es gibt zwei Leute hier,

Dirk: die mitgeholfen haben und dann gibt es die meisten, die fast nichts gemacht

Dirk: haben und dann gibt es einen Arschloch,

Dirk: der nur im Weg stand und glaubt, dass er wichtig ist. aus dem wird nichts.

Dirk: Und da habe ich gesagt, okay, das ist irgendwas. Das habe ich hier nicht ganz

Dirk: verstanden, aber es war sehr interessant, weil er mir sehr viel beigebracht hat.

Dirk: Wegen meiner Diskologik war ich natürlich Spezialist in nicht bezahlen.

Dirk: Es gab so drei Arschlöcher, die wollten gratis reinkommen.

Dirk: Der Philosophie-Lehrer sagte zu mir, die lässt du jetzt rein.

Dirk: Und er sagt, nie im Leben, ich kenne doch die Tricks alle.

Dirk: Er sagt, nein, du musst lernen, im Leben Entscheidungen zu treffen.

Dirk: Und er sagt, was heißt das? Und er sagt, nein.

Dirk: Du lässt sie jetzt rein, sie werden nicht auslachen, aber wenn du sie nicht

Dirk: reinlässt, dann verlieren wir 50 Leute, die nicht reinkommen,

Dirk: weil du engsternig und dumm bist.

Willy: Weil die an denen dranhängen.

Dirk: Ja, und das dauert alles viel zu lange. Und da habe ich gesagt,

Dirk: na, hallo, na, over my dead body.

Dirk: Und da habe ich gesagt, okay, jetzt mach's. Und es hat mir wehgetan,

Dirk: die haben mich natürlich ausgelacht, weil sie genau wussten, dass ich weiß.

Dirk: Und im Nachhinein denke ich mir, okay, irgendwas habe ich gelernt.

Dirk: Manchmal muss man, ich habe einen philosophischen Satz, desto anpassungsfähiger

Dirk: man ist, umso mehr kann man machen, was man will.

Dirk: Fähigkeit ist nicht anpassen, ist die Fähigkeit, sich anzupassen.

Dirk: Manchmal muss man sich anpassen, damit man das macht, was man will.

Willy: Wann trifft man die Entscheidung? Ich kann mir vorstellen, das ist der Grad

Willy: zwischen einem schlimmen Opportunismus und dem richtigen Grad an Anpassungsfähigkeit

Willy: und sich dann auch anzupassen, der ist aber schwer zu finden,

Willy: oder? Weil es ist leichter, sich anzupassen.

Dirk: Nein, das Wort ist Fähigkeit.

Willy: Man muss sich manchmal die Fähigkeit auch nutzen, um sich anzupassen.

Willy: Die Frage ist, wie oft passt man sich an?

Dirk: Ich würde es noch schlimmer sagen. Ich beobachte die Situation und ich bin fähig,

Dirk: mich anzupassen, aber ich tue es nicht.

Dirk: Oder manchmal tue ich es, aber ich habe die Fähigkeit, mich anzupassen.

Dirk: Wenn es wichtig ist, tue ich es. Es ist auch zum Beispiel jetzt Disco.

Dirk: Du hast eine Freundin, die liebend gerne in die Disco geht.

Dirk: Und du sagst, ich will nicht, weil ich es nicht mag.

Dirk: Okay, dann hast du ein Problem. Also passt du dich an und sagst,

Dirk: okay, wir gehen heute mal in die Disco.

Dirk: Und dann gehst du rein, magst es vielleicht, mehr als du denkst oder weniger,

Dirk: du bist frisch verliebt, passt dich an und so weiter.

Dirk: Und dann passiert es wahrscheinlich, dass es dann sagt, ja, tschüss.

Dirk: Und dann schaut man, wie man sich versteht.

Dirk: Aber man hat der Beziehung eine Möglichkeit zu geben, dass man es vielleicht

Dirk: doch mag, mit der Person dorthin zu gehen oder auch nicht. Aber man gibt die Chance.

Willy: Also, ja, ich glaube, ich verstehe dich schon. Also anpassen als Geben,

Willy: aber nicht anpassen als Dauerzustand.

Dirk: Das kann ich mir bei mir nicht vorstellen.

Willy: Ja, gut, jetzt muss ich es fast sagen, weil du gilst, wenn man dich googelt,

Willy: und es gibt inzwischen schon einiges über dich im Internet, du gilst als unkonventionell

Willy: freigeißig, habe ich gelesen, oder auch Maverick habe ich irgendwo gelesen.

Willy: Was macht dich denn zum Memorik? Ein bisschen haben wir es jetzt eh schon rausgehört.

Willy: Was ist dein Freigeist? Was macht ein Freigeist aus?

Willy: Kann man jetzt ein Freigeist überhaupt fragen oder müssen das andere dann machen für einen?

Dirk: Ich sage mal so. Wir leben in einer Gesellschaft, die mit Klappen funktioniert

Dirk: und man muss nach irgendwelchen Regeln funktionieren.

Dirk: Ich habe nicht studiert, ich habe so etwas Ähnliches gemacht, aber nicht wirklich.

Dirk: Ich habe keine Klappen, deswegen ich habe keine Grenzen.

Willy: Hast du nie Klappen bekommen?

Dirk: Nein, ich erlaube keine Klappen.

Willy: Aber die meisten Klappen bekommt man, bevor man sich bewusst ist,

Willy: bevor man in der Lage ist, sich nicht zu erlauben, Klappen zu bekommen.

Willy: Wer hat dafür gesorgt, dass du von Anfang an keine Klappen hattest oder bist

Willy: du klappenlos zur Welt gekommen?

Dirk: Ich denke, meine Antwort ist vielleicht so.

Dirk: Ich war ein ruhiger Mensch, der keinen Krawall produziert hat,

Dirk: der fast nichts falsch gemacht hat als Jugendlicher.

Dirk: Und dadurch hatten meine Eltern ein totales Vertrauen zu mir und ich durfte immer weggehen.

Dirk: Sie haben mir nie gesagt, wann ich nach Hause kommen muss, weil sie wussten,

Dirk: dass ich um 11 Uhr zu Hause bin.

Willy: Der mündlichste Mensch der Welt.

Dirk: Sie wussten, dass ich nicht um 3 Uhr morgens nach Hause komme und wenn ich es

Dirk: tun würde, würde ich denen das sagen.

Dirk: Und dadurch entsteht ein Vertrauen, dass man machen kann, was man will.

Willy: Das klingt alles so wie Widersprüche. Auf der einen Seite warst du der bravste

Willy: Junge der Welt, um 11 Uhr zu Hause.

Willy: Vertrauen der Eltern, das muss man sicher auch erst einmal verdienen,

Willy: glaube ich, jedes Kind auf der Welt.

Willy: Und auf der anderen Seite warst du immer schon ein bisschen im Widerstand auch, oder?

Willy: Und so ein bisschen klappenlos, quer zu messen.

Willy: Wie geht sich das parallel aus? War das so mehr in dir drinnen?

Willy: Oder ich stelle mir dir jetzt vor, du hast versucht, in die Disco reinzukommen.

Willy: Ganz ruhig, ganz brav. Am 11 warst du wieder zu Hause, weil du bist dann gleich wieder rausgegangen.

Willy: Und das als ruhiger, angepasst wirkender Junge.

Willy: Oder wie stelle ich mir das vor? Also diese Gleichzeitigkeit von brav und Widerstand.

Willy: Das versuche ich mir gerade irgendwie ins Auge zu führen.

Dirk: Das ist das Einzige, was mir jetzt so spontan... Meine Mutter hat sich immer

Dirk: gewundert, dass ich Rolling Stones mag, dass ich Mick Jagger bewundere.

Dirk: Da sagte ich, warum? Er sagt, das hat mit dir nichts zu tun.

Dirk: Und ich sage dir, doch.

Dirk: Vielleicht nicht körperlich, nicht Bewegung, ich bin nicht berühmt,

Dirk: ich bin kein Musiker, aber ich bewundere.

Dirk: Seinen Freigeist, Sachen zu machen, die sogar gegen ihn selber sprechen.

Dirk: Und jetzt, wo er 80 Jahre alt ist, bewundere ich es noch mehr,

Dirk: weil ich es noch besser verstehe, was er gemacht hat.

Dirk: Und er kann sich bloßstellen, er kann dumm tun.

Dirk: Und es funktioniert. Er hat einen freien Geist und es ist ihm ziemlich scheißegal,

Dirk: was die Leute meinen, er tut es.

Dirk: Er hat viele Lieder erfunden, die vielleicht nicht logisch wären,

Dirk: um ein Geschäft zu machen, um wichtig zu sein.

Dirk: Er hat es gemacht, weil er es gemacht hat.

Dirk: Ich zeige es dir später. Es gibt dann ein Video, wo er sich selber Miku Yageru nennt.

Dirk: Ich meine, es ist so genial und es ist so fast lächerlich und davon gibt es einige Videos über ihn,

Dirk: und das hat meine Mutter gesagt, ja du, der schminkt sich der der spinnt und ich habe gesagt.

Willy: Ja, okay und du saß dort, hast du das Video gesehen nach außen hin,

Willy: ganz ruhig aber in dir hat es gebrodelt wie du das gesehen hast Das kann man

Willy: mir so ein bisschen falsch stellen.

Dirk: Man muss unterscheiden zwischen heute und früher. Früher war es instinctive.

Willy: Du wirkst auch heute sehr ruhig.

Dirk: Ja, ich bin ein hochsensibler Mensch.

Dirk: Das ist vielleicht etwas Typisches für mich.

Dirk: Und meine Schule sind andere Menschen, sind Leute, die mich beeindrucken,

Dirk: Leute, die ich kennenlernen möchte und die ich beobachte. Ich beobachte sehr viel.

Dirk: Und die kleinen Details machen den großen Unterschied.

Dirk: Und ich bin ruhig, aber ich bin, ja, es kommen wir zu deinem Thema,

Dirk: dass du sagst, dass ich zappelig bin.

Dirk: Ja, ich bin ein sehr ruhiger Mensch, der es durchzieht.

Dirk: Und es passiert sehr oft, wenn ich dann mit irgendwelchen wichtigen Leuten bin

Dirk: und so weiter und in einer komischen Situation, wo alle wollen wichtig sein.

Dirk: Und du wirst mich dann sehen in einer Ecke.

Dirk: Ich mache nichts. Ich werde nicht kämpfen, um den zu kennenlernen oder was auch

Dirk: immer oder wichtig erscheinen.

Dirk: Und das Erstaunliche ist, dass auf einmal der Mensch, der von allen Seiten attackiert wird,

Dirk: auf einmal kommt er zu mir und redet mit mir und dann sagt, können wir woanders

Dirk: hingehen, wo es ruhiger ist.

Willy: Früher auch schon, oder jetzt? Du bist ja, du hast ganz am Anfang gesagt,

Willy: Nippert kannte man nicht.

Willy: Das hat sich ja über die Jahre geändert. Inzwischen kennen dich und dieses Unternehmen sehr, sehr viele.

Willy: Später dann ist klar, dass Dirk braucht sich in die Ecke stellen und die Leute

Willy: kommen von selber. Aber war das früher auch schon so, wie der Name noch nicht so war?

Dirk: Nein, überhaupt nicht. Aber ich glaube,

Dirk: das bewundere ich, stelle ich infrage, versuche zu verstehen,

Dirk: warum haben gewisse Leute mich ernst genommen?

Dirk: Und ich war gar nichts. Ich meine, dieses Beispiel, was ich jetzt gerade meinte,

Dirk: ist ein sehr wichtiger Silicon Valley Typ,

Dirk: der was erfunden hat und super reich ist inzwischen und so weiter.

Dirk: Und er kam dann einfach zufällig dahin. Die Probe war schon fertig,

Dirk: also er wusste nicht wirklich, wer ich bin, vermute ich.

Dirk: Und alle wollten mit ihm reden. und ich bin auf die Seite gegangen,

Dirk: weil ich mir das nicht antun möchte.

Dirk: Obwohl ich gedacht habe, sieht nach einem interessanten Typ aus.

Dirk: Und auf einmal kam er zu mir und wusste nicht wirklich, wer ich bin. Also, ähm,

Dirk: Es gibt halt Leute, die man kennenlernen will.

Dirk: Ich gebe dir noch ein Beispiel. Ich habe ein Tattoo-Menschen kennengelernt bei einer Probe.

Dirk: Und innerhalb von zwölf Leuten, die dort waren, irgendwie ist er mir aufgefallen. Ich hasse Tattoos.

Dirk: Und es hat mich gewundert, wie der angezogen ist und wie er sich bewegt.

Dirk: Und dann, am Schluss bin ich zu ihm gegangen.

Dirk: Und habe neugierig ein bisschen gefragt, was er macht.

Dirk: Und er stellt sich heraus, das ist ein ganz wichtiger Tattoo-Mensch,

Dirk: der macht die ganzen Tattoos von Fußspaltspielern und so weiter.

Dirk: Und wir haben in dem Restaurant zum Mittagessen und er hat am Mittagessen ein

Dirk: Tisch nebendran, also ein Zimmer nebendran, sage ich mal.

Dirk: Und wie das so ist, war ich halt zappelig und war nicht, wo ich sein sollte.

Dirk: Aber unser Tisch war nicht so wichtig für mich, sondern der Typ.

Dirk: Und dann bin ich zu dem gegangen, immer wieder, habe ihm Weine gebracht.

Dirk: Wenn es eine Frau wäre, würde ich sagen, man hat sich verliebt, aber nicht physisch.

Dirk: Egal, der Typ hat mich interessiert. Und an meinem Tisch war meine Freundin,

Dirk: die Tattoos hat und eine andere Frau von einem Freund.

Dirk: Und irgendwie kamen wir zum Thema Tattoos und haben gesagt, naja, ich hasse Tattoos.

Dirk: Und dann sagte sie, ja, aber du redest die ganze Zeit mit dem. Und ich habe gesagt.

Willy: Ja.

Dirk: Und schalte natürlich meine Freundin an mit den Tattoos.

Dirk: Und er hat gesagt, ja, ich hasse Tattoos, aber irgendwie ist der Typ interessant.

Dirk: Und dann war sie fast so schützend vor meiner Freundin.

Dirk: Und da habe ich sie nur angeschaut, hey, das ist das größte Zeichen von Liebe,

Dirk: dass ich verliebt bin in eine Frau, die Tattoos hat.

Dirk: Das wäre für mich absolut nicht denkbar.

Dirk: Und die haben das alles nicht wirklich so verstanden es ist positiv was ich

Dirk: sage okay und übrigens tschüss, ich gehe mal zu meinem Tattoo und,

Dirk: inzwischen war ich ein paar mal mit ihm, inzwischen hat er mir seinen besten

Dirk: Tattoo Typen vorgestellt also der ist zu mir gekommen und hat uns besucht und

Dirk: das ist irgendwas Aber es ist faszinierend an den Menschen.

Willy: Kannst du nicht sagen, was? Oder kannst du es benennen? Man muss ja nicht sagen,

Willy: wer es ist, aber weißt du, was es ist oder ist es eher so etwas Diffuses?

Dirk: Nein, es sind Menschen, die dickköpfig sind, die ziehen das durch,

Dirk: was sie machen, sind eigenwillig.

Dirk: Ich weiß es nicht, sie faszinieren mich. Und was mich fasziniert ist,

Dirk: dass ich fasziniert bin von jemandem, der genau das macht, was ich überhaupt nicht mag.

Dirk: Und es bleibt immer noch so, ich verstehe immer noch. Bist du nach wie vor nicht detouriert.

Willy: Obwohl du jetzt schon so einen besten... Schließt du es für immer aus oder würdest du...

Willy: Eigentlich dürftest du es ja nicht ausschließen. Das habe ich auch immer,

Willy: was ich jetzt gehört habe.

Dirk: Nein, ich kann es nicht ausschließen, aber wenn ich mich kenne,

Dirk: wenn ich ein Tattoo mache, wird es ein Punkt im Finger sein, den keiner sieht.

Dirk: Und wenn jemand mich fragt, ob ich eine Tattoo habe, ja, hier.

Willy: Das hast du tatsächlich noch nie gesehen. Du wärst wahrscheinlich einer der

Willy: Ersten, die da am Punkt haben.

Willy: Warte mal, ich würde dann ungefähr so ausschauen. Genau.

Dirk: Das war lustig. Meine Freundin hat dann im Internet gesehen,

Dirk: dass meine Tochter ein Tattoo gemacht hat.

Dirk: Und hat mir gesagt, du, meine Tochter, ganz ruhig und so. Da habe ich gesagt, okay, okay.

Dirk: Und hast das Bild. Ja, okay.

Dirk: Und dann hat meine Tochter mich angerufen, ganz lieb und Papi,

Dirk: du weißt du, ich habe eine Tattoo gemacht.

Dirk: Und sie sagt, ja, zeig es mir mal. Okay, ich habe so getan, als hätte ich ihn ja nicht gesehen.

Dirk: Dann hat sie es mir gezeigt, er sagt, voilà, das ist super, das ist superschön,

Dirk: Papi, redest du noch mit mir? Bist du nicht sauer?

Dirk: Er sagt, ich finde das sehr schön.

Dirk: Naja, so ändert man sich.

Willy: So ändert man sich.

Dirk: Aber ich kann mir trotzdem noch nicht vorstellen, dass ich ein Tattoo machen werde.

Willy: Ja, reden wir den Film schon noch einmal. Vielleicht sagen wir,

Willy: da muss man mal deine Fingers erst sagen.

Dirk: Ja, das mit dem Finger kann ich mir vorstellen.

Willy: Okay, ich hoffe, der Freund hört das jetzt. Er wird wahrscheinlich bald in der Tür stehen.

Willy: War ich dir eigentlich bewusst worden, dass du in eine ziemlich wichtige portugiesische

Willy: Portweindynastie hineingeboren wurdest?

Willy: Und dass du da eventuell in der Erbfolge irgendwann mal mit der Würde oder wie

Willy: auch immer du das damals gesehen hast, der Übernahme belastet oder beschert werden könntest?

Dirk: Nein, ich hatte Krieg mit meiner Mutter und Schwester.

Dirk: Das hat mich sehr belastet. Aber das mit dem Gewicht von der Dynastie und so weiter ist eher jetzt.

Willy: Jetzt?

Dirk: Ja, wegen dem Krieg, der mich fast zerstört hat, leide ich ein bisschen darunter.

Dirk: Wie kann ich es gut machen, dass die nächste Generation keinen Krieg hat, wie ich hatte?

Willy: Mit der Übernahme?

Dirk: Ja.

Willy: War das bei dir Übernahmekrieg?

Dirk: Nein,

Dirk: meine Schwester und Mutter haben... Weiß nicht, was sie wollten,

Dirk: aber meine Schwester wollte dann die Firma kaufen.

Dirk: Meine Mutter und Schwester hatten sowieso alles in der Hand.

Dirk: Und es ist eine komplizierte Geschichte. Familien.

Dirk: Am Schluss lernt man, dass Familiensachen muss man nicht mit Logik lösen,

Dirk: sondern mit irgendwas anderem.

Willy: Das ist oft beim Streiten so, dass das nicht darum geht, wer recht hat.

Dirk: Nein, überhaupt nicht.

Willy: Das ist schwierig zu begreifen.

Dirk: Naja, inzwischen bin ich ein Spezialist in dem.

Dirk: Aber ich möchte das vermeiden und am Schluss habe ich die Firma gekauft.

Willy: Wie lange ist das her?

Dirk: 18. Februar 2008.

Willy: Okay.

Dirk: 18, entschuldige. 18, okay.

Willy: 7 Jahre.

Dirk: Und war es natürlich ein bisschen hässlich, peinlich ist.

Willy: Wollt ihr was?

Dirk: Im Grunde genommen habe ich meine ganze Arbeit bezahlt.

Dirk: Die Firma ist heute wesentlich mehr wert, wenn man jetzt nur finanziell redet,

Dirk: abhängig vom Namen und so weiter, als vor 30 Jahren.

Dirk: Und ich habe den Preis bezahlt von meiner Arbeit.

Dirk: Aber ich schlafe gut und es ist gelöst, mit der Firma geht es gut,

Dirk: ich muss noch drei Jahre zahlen, fertig.

Willy: Das heißt, die Firma hat, man liest im Netz,

Willy: dass du und deine Vater einen schweren Übergabeprozess hattet,

Willy: Also zwei Dickköpfe, glaube ich, sind dort gestanden in dem Artikel,

Willy: sind da aufeinandergeprallt.

Willy: Aber wenn man vielleicht noch einen Schritt zurückgeht, du wolltest ja eigentlich

Willy: gar nicht ins Weihendusiness gehen. Stimmt das?

Willy: Das war ja ursprünglich gar nicht der Ziel, oder?

Dirk: Nein, und meine Eltern haben mich nie unter Druck gesetzt, dass ich es machen muss.

Dirk: Also von dem her...

Willy: Was wolltest du denn?

Dirk: Weiß ich nicht.

Willy: Du wolltest nur nicht weinen?

Dirk: Nein, nein, ich hatte nichts gegen weinen. Es hat mich nur nicht besonders interessiert.

Dirk: Und dann habe ich in einer Privatschule in der Schweiz studiert,

Dirk: um danach zur Universität zu gehen.

Dirk: Und da habe ich eben zwei Jahre in allem gemacht, was schon ein bisschen heftig ist.

Dirk: Denn wir hatten dann 45 Stunden in der Woche und sowas Blödsinn,

Dirk: und das ist natürlich ein bisschen, du machst das erste Jahr und das zweite

Dirk: Jahr gleichzeitig und woher sollst du wissen, was das ist, wenn du das nicht

Dirk: hattest also musstest du,

Dirk: und aber der Punkt war, dass ich danach ein Stage gemacht habe bei Mövenpick Ein was?

Dirk: Ein Stage, ein Praktikum.

Willy: Intern.

Dirk: Und das war sehr interessant, weil ich war früher noch schlechter angezogen als heute.

Dirk: Und ich hatte ein Dishwo, aber ich war pünktlich. Das ist wichtig.

Willy: Du hast das jetzt, glaube ich, schon ein paar Mal betont. Also es dürfte wirklich wichtig sein.

Dirk: Das ist eine Krankheit von mir.

Willy: Schlecht angezogen sein oder pünktlich sein?

Dirk: Pünktlich.

Dirk: Ich wäre gerne gut angezogen, aber ich fand es nicht.

Dirk: Naja, aber ich bin pünktlich angekommen, aber ich hatte ein Problem mit dem

Dirk: Auto und war ziemlich dreckig mit Öl.

Willy: Also das Auto?

Dirk: Irgendwas muss ich da reparieren und so weiter. Und dann hatte ich ein Interview mit einer Dame.

Dirk: Ich würde sehr gerne wissen, wer diese Dame ist, weil von meiner Erinnerung

Dirk: her war sie sehr lustig und hat sich die ganze Zeit kaputt gelacht über mich.

Dirk: Und ich habe dann immer gesagt, wieso lachen Sie nicht?

Dirk: Ja, du bist witzig, du bist anders. Und ich, okay.

Dirk: Und dann haben wir geredet wegen verdienen. Ich sage jetzt eine Zahl,

Dirk: die vielleicht nicht mehr stimmt, aber damals war Praktikum,

Dirk: glaube ich, 400 Schweizer Franken.

Dirk: Und ich habe 600 gesagt, aber nicht bewusst. Es war ein Fehler.

Dirk: Da hat sie sich kaputt gelacht. Und dann hat sie ein paar Fragen gestellt.

Dirk: Da habe ich gesagt, hören Sie mal, aber habe ich überhaupt eine Chance?

Dirk: Sie lachen mich aus die ganze Zeit.

Dirk: Dann sagt sie, wissen Sie, wenn ich entscheiden würde, ich würde sie tatsächlich

Dirk: sofort nehmen, weil ich noch nie jemanden so erlebt habe. Aber ich entscheide nicht.

Dirk: Dann sagte ich, okay, dann habe ich keine Chance. Dann sagt sie,

Dirk: weiß ich nicht, schauen wir mal.

Dirk: Und dann bin ich zurück zur Schule gegangen und habe den Kollegen erzählt, wie das gegangen ist.

Dirk: Und habe gesagt, ich habe 600, wie das ist, normal.

Dirk: Und sie, nein, normal ist 400.

Dirk: Und ich, ah, okay, komisch.

Dirk: Und eine Woche später, was normalerweise wesentlich länger dauert,

Dirk: hat sie mich angerufen und hat gesagt, du bist eingestellt.

Dirk: Und dann habe ich gesagt, wow, danke.

Willy: Für 600?

Dirk: Ja.

Willy: Alle wussten, es sind 400, bis einer kam, der das nicht wusste.

Dirk: Dann gab es noch viele Geschichten.

Willy: Was hast du gemacht mit mir?

Dirk: Die haben mich ausgenutzt, die haben mir was in die Hände gegeben,

Dirk: Ich habe das sehr ernsthaft dargestellt.

Dirk: Ich war ein Stagiaire und dachte, das ist so ein Test für Idioten, die ja anfangen.

Dirk: Und habe das so nebenbei gemacht und habe das nicht wirklich ernst gemacht.

Dirk: Es stellt sich heraus, dass es sehr wichtig war.

Dirk: Dann war ich irgendwo in verschiedenen Sachen.

Dirk: Dann war ich bei zwei Frauen, die die Bestellung bekamen von Mövenpick. Weinbestellung.

Dirk: Ich habe mich ganz gut mit denen verstanden. Die waren alle ein bisschen älter.

Dirk: Und dann kam der Chef eines Tages und sagte, ja Dirk,

Dirk: Ich würde dich bitten, dass du deren Platz übernimmst, zwei Wochen,

Dirk: denn die gehen zusammen in Urlaub und wir haben niemand mehr.

Dirk: Dann habe ich gesagt, ja, okay, aber ich betone, ich trage keine Verantwortung,

Dirk: ich bin nur ein kleiner Idiot hier, okay?

Dirk: Ja, ist okay. Dann habe ich ihn angeschaut, ich hätte aber eine Bitte,

Dirk: schicken Sie mich in die französische Schweiz für zwei Monate.

Dirk: Und dann habe ich ihnen angeschaut, sie wissen, das ist illegal,

Dirk: was sie jetzt gerade von mir verlangen.

Dirk: Und wenn sie mich nach die französische Schweiz schicken, kann man das ein bisschen erklären.

Dirk: Hatte überhaupt keine Erklärung.

Dirk: Dann hat er gesagt, ja, okay.

Dirk: Und nach den zwei Wochen, oder besser gesagt vor den zwei Wochen,

Dirk: haben sie meinen Gehalt verdoppelt.

Dirk: Dann habe ich gesagt, wow, okay.

Dirk: Dann war ich in der französischen Schweiz.

Dirk: Da waren zwei Direktoren, die irgendwie mich mochten.

Dirk: Die haben darauf bestanden, mir immer wieder am Ende des Tages Weine zu zeigen.

Dirk: Dann musste ich ein Problem lösen.

Dirk: Das ist eine komische Geschichte. Aber es gab dann ein richtiges Problem.

Dirk: Es gab einen Fehler im ganzen System. Und seit Jahren konnte das keiner lösen.

Dirk: Und dann kam der große Chef da und gab mir Dinge in den Händen und sagte, löst das.

Dirk: Ich wusste nicht, dass es ernst war. Mal wieder. Ich habe wieder gesagt, ich bin nur ein Stagier.

Dirk: Und dann kam ich mit diesen Daten ins Büro. und da war eine alte Dame und sie

Dirk: sagte, ach, der Nächste. Was ist das?

Dirk: Es gab hier ein Problem. Der Direktor, der ist weggelaufen, der hat,

Dirk: falsch verkauft, wir haben viele Schulden und der ist weggelaufen nach Brasilien und so weiter.

Dirk: Er sagt, ist das ernst? Er sagt, ja. Ist doch ernst. Ist doch ernst.

Dirk: Wie ernst?

Dirk: Irgendwann mal schließen sie uns, wenn wir das Problem nicht lösen.

Dirk: Und ich habe das Problem gelöst. Da hatten schon zehn Leute daran gearbeitet.

Dirk: Der Praktikant. Ja, und dann kam der, am Tag vorher gab ich das dem Direktor

Dirk: und sagte, nein, behalte das.

Dirk: Morgen kommt die Polizei und du gibst es denen.

Dirk: Ich bin nur ein Stagierer und ich gebe es denen. Er sagt, nein,

Dirk: nein, du erklärst es denen.

Dirk: Und eine halbe Stunde später kamen mit Maschinengewehr und alles.

Dirk: Die wollten alles schließen.

Dirk: War er ernst? Und dann kam der Boss raus und sagte so, Herr Haier,

Dirk: es sieht aus, dass es endlich mal eine Erklärung gibt. Ich muss es genauer anschauen.

Dirk: Es ist okay. Wir gehen jetzt und wir schauen uns das genauer an.

Dirk: Und dann habe ich den angeschaut. Er sagte, was ist hier gerade passiert?

Dirk: Er sagte, du hast es gelöst.

Dirk: Und die wollten uns schließen, Leute. Und ich sagte, Entschuldigung,

Dirk: aber ich bin nur ein Stasier. Ich sagte, nein, du hast es gelöst.

Dirk: Und dann haben sie mir auch die Verantwortung von der IT gegeben für eine Woche,

Dirk: weil einer in Urlaub ging.

Dirk: Ich meine, es war nichts Besonderes. Das war im Grunde genommen,

Dirk: habe ich zwei Wochen lang dort verbracht, zu lernen, wie man das Backup macht

Dirk: und so weiter. Aber die Firma ist nicht so klein.

Dirk: Also hatte ich Access zu allen und habe natürlich Mist gemacht und habe ein

Dirk: Mädchen eine Nachricht geschickt.

Dirk: Nur die ist an die falsche Adresse gegangen, an den Präsidenten von Wüffelbeck.

Dirk: Und dann hat er mich angerufen und sagte, wer sind Sie?

Dirk: Ich sagte, wer sind Sie?

Dirk: Ich bin der und der und ich, ah, okay, wieso rufen Sie mich an?

Dirk: Ich glaube, du solltest ein bisschen aufpassen mit den Nachrichten,

Dirk: die du schickst. Ah, scheiße. Naja.

Willy: Das war ein Ausflug in die Welt von Möwenbeek. Und was war das Ziel?

Willy: Wohin wolltest du damit? Oder war das einfach mal so, in der Schweiz sich ausprobieren?

Willy: Wann ist dann der Ruf zum Wein gekommen?

Dirk: Genau. Wo ich angefangen habe bei Möwenbeek, haben sie ein internes Buch über Wein.

Dirk: Und das habe ich gelesen so in einem Tag oder zwei Tage.

Willy: Ein internes Möwenbeek-Buch über Wein.

Dirk: Ja, und das hat mich fasziniert.

Willy: Vielleicht sagst du kurz dazu, was Möwenbeek damals gemacht hat?

Willy: Warum hat ein Unternehmen ein internes

Dirk: Buch über Wein? Möwenbeek war ein großes Schweizer Unternehmen.

Dirk: Die Hotels hatten, Restaurants.

Willy: Also es macht Sinn, dass die ein Buch über Wein intern hatten.

Dirk: Eis gemacht haben. Nebenbei hatten sie Carvots, das heißt Weinläden.

Dirk: Und belieferten halt die eigenen Hotels und so weiter und so fort. Also es war recht groß.

Dirk: Ja.

Dirk: Und ziemlich fortgeschritten, was die Carvots, also die Weinläden, anging.

Dirk: Was für mich ein Vorteil war, weil ich dann denen geholfen habe, also einschenken.

Dirk: Und ich wollte aber nicht bezahlt werden, weil ich war sehr geizig.

Dirk: Also ich habe überhaupt kein Geld ausgegeben.

Dirk: So schlimm, dass ich in gewisse Cafés nicht mehr gehen durfte,

Dirk: weil ich immer nur Harnwasser bestellt habe und irgendwann mal haben sie mich

Dirk: nicht mehr reingelassen,

Dirk: und ich habe dann angefangen zu Hause zu kochen, weil somit habe ich angefangen zu kochen Warum.

Willy: Hast du das denn

Dirk: Jetzt? Weil ich kein Geld hatte Ja, weil ich meine Eltern gaben mir schon Geld,

Dirk: aber keine Ahnung ich habe einfach kein Geld ausgegeben Wolltest du?

Dirk: Nein, Schweiz ist teuer und Und für einen Portugiesen ist es sehr, sehr teuer.

Dirk: Aber es war nicht so, dass meine Eltern mir kein Geld gaben, sondern ich wollte...

Dirk: Meine Eltern hatten nicht so viel Geld.

Dirk: Das Geld, das mein Vater hatte, war nicht wegen der Firma, sondern Sammlungen,

Dirk: die er hatte und so private Sachen, die er gemacht hat.

Dirk: Aber ich glaube, das lag mehr an mir.

Dirk: Es war nicht so, dass sie mir gesagt haben, du darfst nicht oder sonst irgendwas.

Willy: Das heißt, internes Weinbuch, du bist in der Schweiz, du bist ein bisschen weg

Willy: vom Wein, aber Möben, die Entscheidung war doch für Gastronomie,

Willy: für Lebensmittel, für Tourismus, das heißt, das war schon deine Welt, oder?

Dirk: Ja, und diese zwei Menschen in der französischen Schweiz, die haben mir sehr viele geholfen.

Dirk: Ich habe dann angefangen, Proben zu machen. Das war wieder so ein bisschen peinlich.

Dirk: Ich war schlecht angezogen und hatte komische Haare.

Dirk: Und das war so, dass irgendein reicher Typ, die erste Probe,

Dirk: die ich gemacht habe, das heißt eingeschränkt habe, war Petrus.

Dirk: Und dann schaute er mich an und sagte, gib mir 10 Franken, geh mal deine Haare schneiden.

Dirk: Und ich vermute, der dachte, dass ich dumm reagiere.

Dirk: Und ich habe sehr nett reagiert und habe gesagt, vielen Dank, kann ich gebrauchen.

Dirk: Und das hat ihn mehr geärgert als sonst. Ich glaube, er wollte mich mehr ärgern als sonst.

Dirk: Naja, und dann habe ich einen Anzug angezogen, das war doppelt so groß wie ich. ich war damals dünn.

Willy: Du hast auch keinen in deiner Größe gefunden, oder?

Dirk: Ich hatte kein Geld dafür, deswegen hat mir ein Freund geliehen.

Dirk: Das sah noch peinlicher aus als alles.

Willy: Du wolltest keines dafür ausgeben, sag es einfach, wie es ist.

Dirk: Und dann wollten sie mir für meine Arbeit zahlen und habe gesagt,

Dirk: nein, ich will kein Geld.

Dirk: Ich will nur irgendwann mal am

Dirk: Ende des Jahres, dass sie mir eine Flasche gibt, die ich nie kaufen will.

Dirk: Und dann war es sehr interessant, dass ich,

Dirk: Eines Tages mit meiner Freundin damals sind wir in einen supermarktlichen Shopping

Dirk: gegangen. Ich mag Shoppings nicht.

Willy: Ja, da muss man Geld ausgeben.

Dirk: Schon damals mochte ich es nicht, aber heute ist es noch schlimmer.

Dirk: Aber ich bin in einen Weinladen gegangen und habe es ganz formell gesagt,

Dirk: man muss dazu sagen, ich wäre bereit, an dem Tag 25, 30 Schweizer Fangen auszugeben.

Dirk: Das war für mich, boah.

Dirk: Und dann sagen sie, haben sie Chateau-Petris?

Dirk: Ja, welchen Jahrgang wählen sie? Und ich, aha, ja, was haben sie?

Dirk: Und kostet die Sache 900 Franken, 1000 Franken.

Dirk: Und ich, Chateau-de-Gembe, das war das gleiche Theater.

Dirk: Und dann bin ich rausgegangen, kam meine Freundin, saß da auf deiner Bank und

Dirk: sagte, sag mal, was ist mit dir los? Du bist bleich?

Dirk: Bist du krank? Geht's dir schlecht? Und ich, ja, ich verstehe die Welt nicht.

Dirk: Und sie, was ist? Ich wollte 30 Franken ausgeben.

Dirk: Und die verlangen 1000 Franken. Wer zahlt denn 1000 Franken?

Dirk: Was ist das? Irgendwas verstehe ich hier nicht.

Willy: Wie alt warst du da?

Dirk: 18 oder 19 oder so.

Dirk: Ich glaube, das hat mein Leben ein bisschen zerstört oder verändert, nicht zerstört.

Dirk: Dann habe ich gesagt, okay, ich möchte das probieren. Kann doch nicht sein,

Dirk: dass ein Wein so viel kostet.

Willy: Es klingt so verwundet, du kommst zu so einer Weinfamilie, ihr seid Weinhändler,

Willy: ihr habt Weine gekauft, daraus Bordwein hergestellt, der eigene Weinbau ist

Willy: erst dann mit dir gekommen.

Willy: Und du warst verwundert, wie viel Wein kosten kann, mit 18.

Dirk: Ja.

Willy: Wie kann diese Welt, in der du quasi aufgewachsen bist, die ist ja völlig an

Willy: die vorbeigegangen, ist jetzt mein Eindruck, oder?

Dirk: In Portugal gab es keine ausländischen Weine. Die Weine waren billig,

Dirk: und zu dem Zeitpunkt war ich noch nicht durch die Welt gereist.

Dirk: Also das ist ein bisschen an mir vorbeigegangen.

Dirk: Aber deswegen war es auch so, dass ich, wenn ich in ein Restaurant gegangen

Dirk: bin, und das kostet, ich sage mal einen Kaffee, auch wenn ich keinen Kaffee trinke, fünf Franken,

Dirk: in Portugal kostet das 30 Cent oder sowas.

Dirk: Und deswegen, das ging in meinen Computer halt nicht rein.

Dirk: Genau, kann ich es dir nicht erklären, ich weiß nicht.

Willy: Hättest du die Erfahrung einfach nicht gemacht, bis dahin?

Dirk: Nein, aber ich kann es vielleicht andersrum erklären. Mein Vater hat immer ein

Dirk: bisschen gelästert über unseren Importeur aus Belgien, dass er super reich ist

Dirk: und immer nur Geld ausgibt in teure Restaurants und so weiter.

Dirk: Irgendwann war ich bei dem und,

Dirk: Und da habe ich gemerkt, er ist nicht superreich.

Dirk: Die haben einfach mehr Geld. Der Unterschied zwischen Portugal und Belgien war so.

Dirk: Er ging in teure Restaurants, ja, aber das sind seine Kunden.

Dirk: Er hat teure Weile im Keller, ja, aber er trinkt sie auch nicht jeden Tag.

Dirk: Es ist einfach eine ganz andere Welt. Und dann irgendwann habe ich gedacht,

Dirk: Papi, der Jan ist nicht wirklich reißreich.

Dirk: Er hat vielleicht mehr Geld als wir, aber er lebt in einem anderen Planeten.

Dirk: Portugal war sehr verschlossen. Wir reden nicht im Vergleich von heute,

Dirk: sondern ich bin halt schon ein bisschen älter. Und damals war Portugal...

Willy: Was haben wir da ungefähr in welchem Jahr?

Dirk: 80.

Willy: 1908.

Dirk: Ja,

Dirk: da war Portugal noch weg.

Willy: War noch viel weiter weg.

Dirk: Da gab es Armut, die Leute konnten nicht schreiben, das Land war verschlossen,

Dirk: es gab keine EU. Ich weiß nicht, dass du das jetzt erwähnst.

Willy: Das war einfach so aus heutiger Perspektive einfach anders, wirklich.

Dirk: Das kann man sich heute überhaupt nicht vorstellen.

Willy: Es gab kein Internet, es gab keine Handys.

Dirk: Du kamst gar nicht raus. Meine Mutter ist ein paar Mal mit uns mit dem Auto

Dirk: nach Frankreich in Urlaub gefahren. Das war,

Dirk: So wie heute zum Mond fliegen.

Dirk: Als Frau alleine mit zwei Kindern. Durch die Grenze und so weiter.

Willy: Der Wut des Teufel, muss man uns sagen.

Dirk: Ja, genau. Das war unmöglich. Das geht gar nicht.

Dirk: Ich glaube, das ist ein bisschen, wenn man älter wird, man hat Sachen ein bisschen

Dirk: anders erlebt als heute.

Dirk: Wir haben hier ein altes Telefon, und meine kleine Tochter, damals jünger,

Dirk: sagt, Papi, was ist das für eine Maschine?

Dirk: Das ist ein Telefon. Ich sage, Papi, Telefon ist so... Das ist mit Wehnscheibe? Ja.

Dirk: Und dann habe ich gesagt, Anna, hier, nimm mal. Das ist ein Telefon. So wählt man. Hä?

Music: Was? Geht das noch?

Dirk: Ja, das ist oben in dem Probierraum.

Willy: Kann ich nach Hause telefonieren?

Dirk: Das geht, glaube ich, nicht mehr. Also ich habe nicht versucht.

Willy: Aber gut, dass du das jetzt gesagt hast und gut, dass ich diese blöde Frage

Willy: gestellt habe, das ist eigentlich eine gute Frage,

Willy: weil man ganz oft einfach zu sehr seine eigene Welt, auf die der anderen drauflegt

Willy: und sagt, wie kann man so etwas nicht wissen, aber genau das,

Willy: wie du es jetzt beschrieben hast, erklärt das eigentlich relativ gut.

Willy: Warum kann so eine Flasche Wein 900 Franken kosten oder 1000?

Willy: Und das war so deine Erweckung.

Dirk: Ja, ich merke auch mit dem Daniel, mein Sohn, der jetzt arbeitet und so.

Dirk: Und dann kam er und hat mir ein Foto gezeigt und hat gesagt, Papi, was ist das?

Dirk: Und er sagt, das ist die Kellerei, wo ich die Weine gemacht habe. Und er sagt, Papi?

Dirk: Und er sagt, Daniel, ich hatte kein Geld. Es waren Tanks, die ich selber designt

Dirk: habe, damit sie keine Füße haben.

Dirk: Und auf dem Zement direkt festgelegt sind.

Dirk: Und dann fiel das alles in den Zement und dann ging es in die Presse.

Dirk: Und wenn es geregnet hat, war es scheiße. Dann war alles matschig und wir hatten kein Lach.

Dirk: Und er, wieso hat er denn kein Lach? Weil es zu teuer war.

Dirk: Und das kann er sich nicht vorstellen. Aber es sind einfach Momente.

Dirk: Das sind andere Zeiten.

Dirk: Deswegen reg ich mich auch auf über,

Dirk: Viele Leute, die meckern, dass es dem Dolo schlecht geht, dass alles scheiße ist und so weiter.

Dirk: Dem Dolo geht es sehr, sehr gut. Wir haben Riesenprobleme, ja, aber verglichen mit...

Willy: Dolo ist, muss man dazu sagen, die Region, ne?

Dirk: Ja. Verglichen mit 87, kann es nicht vergleichen.

Dirk: Damals gab es keine Kühlschränke oder es gab keinen Strom.

Willy: Das heißt, wenn man von Niport als Dynastie redet und sagt, jetzt kennt dieses

Willy: Haus Portugal in der Europäischen Union, Europa steht ganz woanders,

Willy: zumindest jetzt, wie damals, die Dynastie, gab es die damals in dieser Art und Weise schon?

Willy: Und diese Firma, die man jetzt kennt, diesen Namen, der klingt,

Willy: war das in Portugal schon ein Name damals? oder war das, du sagst ja kein Dach, kein Ding.

Dirk: Nein, nein, da musst du auch wieder etwas verstehen.

Dirk: Nippert war bekannt unter den Insidern, aber sonst niemand.

Dirk: Wir hatten einen guten Namen in Portugal, aber hauptsächlich für Brandy.

Dirk: Portwein auch, aber Brandy.

Dirk: Die Portweinwelt lebte von 80 Prozent Export.

Dirk: Wir waren relativ gut in Portugal, verglichen mit in England.

Dirk: Die Engländer haben Portugal ignoriert.

Dirk: Dadurch kannten die Engländer zwar Portugal, aber auf einer englischen dominanten

Dirk: Art, wie sie es gewohnt waren in India und Kolonie und so.

Dirk: Also ich glaube nicht, dass die Engländer schlecht waren, sondern sie waren gut für die Gegend.

Dirk: Aber sie hatten natürlich ein ganz anderes Benehmen. Sie lebten in London,

Dirk: studierten in London, kamen hierhin und hatten die Leute sich darum gekümmert

Dirk: und haben die Weine gemacht und nach England verschippt.

Dirk: Bei uns war es so ein Michsatz. Wir waren hier und wir waren hier und wir waren

Dirk: hier. Wir waren aber Ausländer.

Dirk: Mein Vater reiste viel wegen dem Verkauf. Dadurch hatte er einen offenen Kopf.

Dirk: Aber er war Portugieser vom Kopf her.

Dirk: Und dann sind wir halt komische Holländer.

Dirk: Wir sind Holländer vom Pass her, aber nicht wirklich. Ja, ja, immer noch.

Dirk: Ich habe einen holländischen Pass.

Willy: Nur den oder schon den anderen auch?

Dirk: Im Moment nur holländisch. Immer noch.

Willy: Spannend.

Dirk: Ich bin zwar Portugiese inzwischen, aber ich habe keinen portugiesischen Pass. Ach.

Willy: Wir sitzen hier im Herz von Portugal, im Herz der Porto-Produktion und du bist

Willy: tatsächlich an holländischem Pass.

Music: Ja.

Willy: Ach, schade.

Willy: Ja, mein Gott, das geht doch alles. Aber zurück zum Tim, bevor man 1.000 Euro,

Willy: Franken hat die Flaschen gekostet und du hast einfach

Willy: und das war so dein Ding, jetzt da ist Potenzial drin, jetzt gehe ich nach Hause

Willy: jetzt war der Ruf schon da,

Willy: Dirk komm oder Dirk du kannst kommen, wenn du möchtest oder musstest du quasi

Willy: anklopfen und Einlass bitten?

Dirk: Nein, ich musste gar nichts meine Eltern waren sehr einfach in allen Sachen,

Dirk: Aber ich finde, das Wichtigste ist, dass sie mich nie gezwungen haben, herzukommen.

Dirk: Mein Problem war damals, ich bin länger geblieben und habe in einem Carvaux

Dirk: arbeiten wollen als Ansteller.

Willy: Carvaux ist denn was?

Dirk: Im Weinladen von Mövenbeck.

Dirk: Und der Prozess dauerte ein bisschen länger, deswegen bin ich ein paar Monate

Dirk: geblieben, aber sie haben es mir nicht

Dirk: erlaubt, haben mich als Ausländer weggeschickt und ich musste halt weg.

Dirk: Und dann hat mein Vater mich nach Kalifornien geschickt.

Willy: Da war dann klar, du willst zurück, du willst rein,

Dirk: Willst mitmachen, willst übernehmen. Ja, zu dem Zeitpunkt hat es mich schon interessiert.

Willy: Und da war dann Kalifornien ein Ageekment, wohin? Snapper Valley, oder was?

Dirk: Snapper Valley.

Willy: Das ist so die...

Dirk: Dann sollte ich bei irgendjemandem arbeiten und der hatte gerade Probleme mit illegalen Mexikanern.

Dirk: Deswegen durfte ich nicht bei dem arbeiten.

Dirk: Und irgendwie hat mein Vater mich reingekriegt.

Dirk: Als illegaler Holländler war es einfacher als Mexikaner. Ja.

Dirk: Aber wenn du Probleme hast mit illegalen Mexikanern, ist es besser,

Dirk: dass du nicht auch noch einen Holländerer hast.

Dirk: Und dann hatte ich irgendeinen Kontakt.

Dirk: Und dann habe ich gearbeitet bei Cuyveson.

Dirk: Und das war sehr interessant. Cuyveson gehört Schweizer.

Dirk: Und der Geschäftsführer war ein Deutscher, Manfred Esser.

Dirk: Und dieser Manfred Esser war ein sehr eigenwilliger Mensch.

Willy: Hat dir gefallen wahrscheinlich, oder?

Dirk: Nein, ich habe ihm gefallen.

Dirk: Und irgendwie gab es wieder so zwei Seiten.

Dirk: Er hat mich ausgenutzt als, wie sagt man, Aufpasser von den Kindern,

Dirk: wenn der irgendwo essen gehen wollte oder so, war ich Babysitter.

Willy: Du warst Au-pair ein bisschen.

Dirk: Ja, aber er hat mich überall mitten genommen, geschäftlich.

Dirk: Und er war sehr, sehr gut für seine Zeit im Marketing.

Dirk: Und er hat mich überall mitgeschleppt. und hat mir dann aber ziemlich genau erklärt, was er vorhat.

Dirk: Also er war ein guter Communicator.

Dirk: Das hat mir wahrscheinlich sehr viel gebracht, weil er wirklich,

Dirk: ich habe Chauffeur gespielt für ihn.

Dirk: In den ganzen Reisen hat er mir dann immer erklärt, warum wir ihn gehen und so weiter.

Dirk: Dann waren wir auch an einer Messe und ich habe mit einem Kunden geredet und

Dirk: hat gesagt, Sag mal, was machst du da? Ich sage, ich rede mit dem Kunden.

Dirk: Nein, das ist ein Idiot, der will nur trinken. Du musst selektiv sein.

Dirk: Dann habe ich gesagt, okay, aber ich mag den Typ.

Dirk: Nein? Komm, arbeiten. Und das hat mich dazu bewegt, ein bisschen ein Dickkopf zu sein,

Dirk: weil ich gehe nicht nach Wichtigkeit, sondern nach dem, was ich mag.

Willy: Aber du hast ja genau das Gegner gelernt von dem, was er dir eigentlich beibringen wollte, oder?

Dirk: Genau.

Willy: Eiklar.

Willy: Was sonst noch? Und das war die erfolgreiche Strategie oder war das einfach die Strategie?

Dirk: Nein, es geht nicht um Strategie, aber es geht darum, dass,

Dirk: ich sage den Leuten hier, jeder, der herkommt, muss gleich behandelt werden

Dirk: und gut. Okay, es gibt verschiedene Programme.

Dirk: Wenn du für 100 Euro Tickets kaufst, dann kriegst du solche Weile.

Dirk: Wenn du für 1000 kriegst du halt andere Weile. Aber menschlich gesehen müssen

Dirk: alle genau gleich behandeln.

Willy: Und wenn sie nur zum Trinken kam? Bleiben wir bei dem Beispiel,

Willy: das ist eine Metapher, der war ja nur zum Trinken da. Aber du hast ihn sympathisch gefunden.

Willy: Bringt der geschäftlich jetzt ja nicht viel, oder? Zumindest kurzfristig.

Dirk: Ich weiß nicht, ob er nur zum Trinken war, kann sein, aber hier kommen keine Leute nur zum Trinken.

Dirk: Sie trinken vielleicht, aber sie kommen nicht nur zum Trinken,

Dirk: denn sie kommen gar nicht rein.

Willy: Man muss das mal reinfinden, muss man auch sagen, es ist jetzt nicht so,

Willy: dass das quasi groß beschildert wäre. Nein.

Dirk: Ich hatte eine Deutsche, die kam gerade an, wo ich auch ankam.

Dirk: Und jung, nett, hübsch. Und da habe ich gesagt, ja, kann ich helfen,

Dirk: denkend, dass sie nicht reserviert hatte.

Dirk: Er hat gesagt, nein, ich habe ihr reserviert um 11 Uhr. Er hat gesagt,

Dirk: ah, okay. Ja, dann warte ich.

Dirk: Da habe ich, irgendjemand hat sich um sie gekümmert. Die Leute,

Dirk: die mit ihr hätten sein sollen, Die hatten abgesagt,

Dirk: aber dass wir haben andere in einer komischen Zeitverschiebung viel mehr zugesagt.

Dirk: Aber einmal habe ich gemerkt, dass die hier ein Problem haben.

Dirk: Und da habe ich gesagt, okay, sie ist ein Störfaktor, komm, bring sie mir.

Dirk: Ich weiß jetzt nicht, mit wem ich hier war. Und haben wir geredet,

Dirk: was machst du, was machst du nicht und so.

Dirk: Was bist du für ein Jahrgang? Und sie war...

Willy: Das ist ein Rock der Winzer immer, nicht? Was bist du für ein Jahrgang?

Willy: Ich muss mich fragen, was Winzer.

Dirk: Das war ein 93er-Jahrgang. Dann habe ich gesagt, okay.

Dirk: Dann kam einer halt ein bisschen Zeit und habe gesagt, ey, du erklärst das viel

Dirk: besser, zeig dir den Keller.

Dirk: Weil ich hatte wenig Geduld für alles.

Dirk: Inzwischen habe ich in der Flasche 93 aufgemacht.

Willy: Das ist wirklich?

Dirk: Ja, allerdings 1893. Weil 93 sind scheiß Jägern.

Dirk: Und dann habe ich ihr das zu probieren gegeben. Und so weiter.

Dirk: Dann wird überredet und sie, ja, ups, okay.

Dirk: Dann habe ich, war so Mittagspause oder irgend sowas, dann hatten auf einmal

Dirk: die drei Mitarbeiter, die hier waren, an die Putzfrau und die zwei anderen.

Dirk: Komm mal her, setzt euch hin, probiert das.

Dirk: Dann wollte sie auf Toilette und wollte ein Foto machen von der Flasche.

Dirk: Und da habe ich gesagt, da hinten gibt es, hier ist die Flasche,

Dirk: aber dort siehst du mit Etikett, diese Flasche hat keine Etikette und so.

Dirk: Und dann habe ich die gefragt, hey, und ist die Frau wichtig?

Dirk: Ja, woher sollen wir das wissen? Ich habe gesagt, naja, sie hat reserviert.

Dirk: Macht ihr irgendwelche Kontrollen, ob die Leute wichtig sind oder nicht?

Dirk: Wie funktioniert das hier?

Dirk: Und sie, nein.

Dirk: Okay. Wie schmeckt euch der Wein?

Dirk: Super, aber das ist nicht ganz so jung. Ich habe gesagt, nein,

Dirk: das ist 1893. Ihr Jahrgang war ein bisschen älter.

Willy: Minus 100, ja.

Dirk: Und habe gesagt, du, ihr macht einen guten Job, aber warum ist sie hier?

Dirk: Ja, aber du bist doch gerade mit ihr, wir wissen es nicht.

Willy: Mir glaubt jeder, dass der andere glaubt.

Dirk: Es war ein bisschen Spielerei und dann hat einer von denen gesagt,

Dirk: okay, du hast jetzt Zeit mit ihr verbracht. und ist ihr wichtig.

Dirk: Müssen wir sie besser behandeln oder so?

Dirk: Er sagt, genau das ist der Punkt. Ich habe keine Ahnung, wer sie ist.

Dirk: Ich glaube, sie ist überhaupt nicht wichtig.

Dirk: Interessiert sich nicht wirklich für Wein. Aber ich finde es trotzdem interessant,

Dirk: dass eine Frau alleine reserviert, alleine kommt.

Dirk: Also müsst ihr sie gut behandeln. Ihr macht natürlich keinen 1893 auf.

Dirk: Das mache ich auch, okay?

Willy: Das ist nur Nebensatz.

Dirk: Ihr erhaltet euch an die Regeln. Aber ihr dürft immer wieder irgendwas noch zusätzliches geben.

Willy: Es gibt Wein aus dem 19. Jahrhundert.

Dirk: Ja, ja.

Willy: Okay, gut, das habe ich nicht bewusst, dass es Weine gibt, die noch so alt überhaupt sind.

Dirk: Der teuerste Bordwein der Welt ist ein 1863er von uns.

Dirk: Ein Magnum in einem Leekante von Lalique kostet nur 144.000 Dollar.

Willy: Der ist von euch und dann gibt es noch?

Willy: Gut, dann machen wir heute nicht auf.

Dirk: Schmeckt gut, die Schalter.

Willy: Schmeckt gut, kann man vorstellen. Okay, du warst im Napa Valley,

Willy: die Entscheidung war getroffen, du kamst zurück.

Willy: Ihr wart damals nur, nur unter Anführungszeichen, ihr habt keine eigenen Reben angebaut.

Willy: Ihr wart auf Sherry, ihr habt Bortwein, ihr habt keinen klassischen Wein gehandelt.

Willy: Oder habt ihr das auch schon gehabt? Nein, nein. Also richtig?

Dirk: Wir hatten Brandy, ich Sherry.

Willy: Habe ich Sherry gesagt?

Dirk: Ja, nur Portwein und Sherry.

Willy: Sag ich das nicht so? Danke. Ich bin schuld, tut mir leid.

Dirk: Ich liebe Sherry.

Willy: Aber jetzt war das so Brandy. Du hattest Portwein und Brandy.

Dirk: Heute machen wir Sherry. Siehst du, deswegen.

Dirk: Und dann hat sich das verändert. Wir haben Rebär gekauft. Wir haben angefangen, selber zu produzieren.

Willy: Ja, aber das war ja nicht von heute auf morgen. das war ja dein,

Willy: das wolltest ja du, quasi mit der Übernahme oder mit dem langsamen Hineinwachsen

Willy: ins Unternehmen hast du gesagt, ich möchte auch neben den Klassikern, Bordwein und Brandy,

Willy: ich möchte meinen eigenen Wein produzieren, der kein Bordwein ist.

Willy: Du wolltest Winzer werden, ihr wart keine Winzer.

Dirk: Genau, und das war,

Dirk: weil ich es nicht sein lassen konnte.

Music: Weil?

Dirk: Mein Geschäftsführer sagt, ich war ein Visionär. Ich sage einfach,

Dirk: ich konnte es nicht einfach lassen. Ich muss das versuchen.

Willy: Warum wolltest du gerade das versuchen? Weil du diese Weine in der Schweiz gesehen hast,

Willy: für 900 Franken und hast du gesagt, ich will jetzt einen Wein anbauen oder weil

Willy: du Wein als Produkt so faszinierend gefunden hast? Denn ja, woher kommt diese Faszination?

Willy: Weil vorher habt ihr nur Portwein Branding machen.

Dirk: Okay, dann sage ich, gehen wir jetzt ein bisschen zurück. Gut, gern.

Dirk: Zu Hause war ich verantwortlich als Sommelier, als kleiner Furz. Das ist so, okay.

Dirk: Und ich habe die Flaschen aufgemacht und dekantiert und deswegen,

Dirk: ich hatte mit dem was zu tun.

Dirk: Auch wenn ich es nicht getrunken habe, ich habe es vielleicht gerochen,

Dirk: aber das war ein Teil vom Alltag.

Willy: Weil man zu Hause einfach Wein getrunken hat, das war einfach Teil des...

Dirk: Es hat mich nicht wirklich interessiert. Ich habe es einfach gemacht.

Dirk: Es war eine normale Sache.

Dirk: Und erst als ich weg von zu Hause war und das Buch gelesen habe und dann diese

Dirk: zwei Menschen bei Mövenweg kennengelernt habe,

Dirk: die sich um mich gekümmert haben, war ich fasziniert.

Dirk: Und danach bin ich nach Kalifornien.

Dirk: Und dort war es so, dass der ich habe bei einer Familie gelebt und dann habe

Dirk: ich in einem Auto gelebt. Was?

Dirk: Auto? Ja, so ein Van, das habe ich gekauft und habe dann Möbel da reingetan und Bett und so weiter.

Dirk: Und bis ich bei einem Typen war, Abendessen und dann fragte er mich,

Dirk: wo ich lebe, wo ich schlafe.

Dirk: Schmählerpark. Dort.

Dirk: Und er sagt, wie dort? Und er sagt, naja, ich bin der,

Dirk: Hund, der auf die Kellerei aufpasst. Und dort ist halt eine Dusche und ein Microwave,

Dirk: das ich nie benutzt habe, weil ich Microwaves nicht mag.

Dirk: Aber ich hatte inzwischen eine Küche im Van.

Willy: Eine Küche, die das dann noch drin kommt?

Dirk: Ja. Und dann hat er, es war Winter und es fing an, kalt zu werden.

Dirk: Und ich hatte keine Heizung oder sonst irgendwas.

Dirk: Und dann hat er gesagt, ja, es ist nicht ein bisschen kalt und ich,

Dirk: ja, du kannst hierbleiben. Und dann war ich ziemlich lange dort.

Willy: Ah, okay. Also dann werden hast du schnell wieder verlassen eigentlich.

Dirk: Ja, und mit dem Menschen habe ich mich sehr gut verstanden.

Dirk: Ein Jude, der ein Weingeschäft hatte. Er lebt nicht mehr.

Dirk: Und ja, das war halt ein wichtiger Teil wieder, mich für Wein zu interessieren.

Dirk: Und dann, als ich wegging, sagte zu mir ein Gary Andrews, der versuchte französische

Dirk: Weine zu machen, also leichtfüßige und so weiter.

Dirk: Der mir Riesling beigebracht hat, in gewisser Weise.

Dirk: Ich habe einen Keller gefunden in Los Angeles, die hatten so komische Rieslinge,

Dirk: wo die Etiketten alle kaputt waren und so weiter.

Dirk: Und ich wusste, dass er Riesling mag. Und dann habe ich einen Haufen solche

Dirk: Flaschen gekauft, obwohl ich sie selber nicht mochte damals.

Dirk: Und dann habe ich sie so ein bisschen geschenkt nach dem Motto, mach mal was Gutes auf.

Dirk: Dann machte er Heiz, Martha's Vignette 74 auf und so weiter.

Dirk: Okay. Aber er machte halt Riesling dann auch auf und dann fing ich an,

Dirk: das zu verstehen und zu mögen und so weiter.

Dirk: Und er sagte mir, und jetzt gehst du zurück, wirst du Wein machen?

Dirk: Ja, sicher, werde ich Portwein machen. Nein, ich rede von Rotwein. Wo ist das passiert?

Willy: Da ist das passiert.

Dirk: 86.

Willy: Da wolltest du zurück im Portwein machen? Er hat gesagt, du wirst doch nicht Portwein machen.

Dirk: Er fragte mich, ja, wirst du aber auch Rotwein machen? Ich habe gesagt,

Dirk: ja, ich kann es mir nicht vorstellen, dass ich nicht ein Wein noch mache,

Dirk: weil die Trauben sind dort.

Dirk: Und dann hat er mir gesagt, und was für einen Wein wirst du machen?

Dirk: Und dann habe ich gesagt, das war Anfang 87, das Gespräch.

Dirk: Habe ich gesagt, mein erster Wein wird ein Monster sein.

Dirk: Aber ich glaube, dass in 20 Jahren werde ich feine Weine machen.

Willy: Also Monster im Sinne von nicht gut?

Dirk: Nein.

Willy: Oder Monster?

Dirk: Heavy. Und dann sagte er, ja, Moment, aber wieso machst du nicht gleich feine Weine?

Willy: Wieso nicht einfach die ersten 20 Jahre überspringen?

Dirk: Ja, und da habe ich gesagt, meine Schule ist euer Scheiß von Kalifornien,

Dirk: ihr macht schwere Weine.

Dirk: Und ich habe gehört, es gibt Franzosen, die machen da irgendwelche Sachen, die elegant sind.

Dirk: Ich kenne sie nicht wirklich und das, was ich kenne, kenne ich durch dich.

Dirk: Ich weiß nicht, aber ich habe das Gefühl, es wird so sein. Und mein erster Wein heißt Robustus.

Willy: Ja, darüber habe ich gelesen.

Dirk: Und 20 Jahre später fing ich an, feinere Weine zu machen. und heute sind unsere

Dirk: Weile verpönt gewesen, weil sie zu leicht sind und jetzt sind sie eben nicht mehr verpönt.

Willy: Sie sind immer noch genau so leicht, wie sie waren.

Dirk: Genau.

Willy: Das haben wir ganz vor dem Anfang gehabt. Es ist eine Tochter der Zeit,

Willy: was gut oder was schlecht ist,

Dirk: Was passt und was nicht passt. Früher wäre das unmöglich gewesen.

Dirk: Wo ich angefangen habe, waren alle dagegen und haben mich für verrückt erklärt.

Dirk: Aber das bin ich schon gewohnt.

Willy: Einer davon war, soweit ich das gelesen habe, ich weiß nicht,

Willy: ob er das für verrückt erklärt hat, aber ganz auf deiner Linie war er nicht.

Willy: Das war dein Vater, oder?

Willy: Der war, glaube ich, nicht so einverstanden mit dem Weg, den du einschlagen wolltest,

Dirk: Oder? Nein, er hat nicht verstanden, warum macht man Wein?

Willy: Warum hat er es nicht verstanden?

Dirk: Dort ist Potsdam. Fertig. Ja, aber die Trauben sind dort.

Willy: Nein, ihr habt die Trauben gekauft, ne?

Dirk: Ja, aber wir haben dann ein Weingut gekauft. Ich wollte ein Weingut kaufen,

Dirk: das gut ist für Portwein.

Dirk: Und er wollte ein Weingut kaufen, der praktisch ist und nicht zu weit und die Straßen gut sind.

Dirk: Es ging mir um, es war ihm scheißegal.

Willy: Hat er noch gelitten unter den Ausritten deines Großvaters, der natürlich wahrscheinlich

Willy: auch das beste Weingut wollte?

Willy: Das dürfe dafür da irgendwo liegen, also nicht der Geschäftsmann.

Willy: Und er hat gesagt, die Zahlen müssen stimmen, aber der Wein muss dafür nicht

Willy: unbedingt der Allerbeste sein.

Willy: War das vielleicht von ihm so, er hat das Unternehmen retten müssen,

Willy: weil es der Großvater aus Liebe und Perfektionismus...

Dirk: Nein, das ist wieder... Das muss jetzt ein bisschen herzuleiten.

Dirk: Früher war es normal, dass du nichts besitzt und Negociant bist.

Dirk: Also wenn du ins Burgund gehst, 90% von den Weinen waren Negoci.

Willy: Heißt?

Music: Handel, Negotion.

Dirk: Nur Handel. Das heißt, der Bauer hat produziert, hat ihr Trauben verkauft oder

Dirk: den fertigen Wein und der Negotion hat es abgefüllt und verkauft.

Willy: Und der, der die besten Trauben gekauft hat, zum besten Preis?

Dirk: Ja.

Willy: Ideal, okay, gut.

Dirk: Okay, heute ist es genau andersrum. Heute gibt es Negotiants,

Dirk: aber es gibt ganz viele Bauern, die selber abfüllen und machen und so weiter.

Willy: Die Negotiants gibt es nach wie vor?

Music: Ja.

Dirk: Okay. Aber in einer ganz anderen Dimension wie früher. Früher haben sie alles kontrolliert.

Dirk: Heute konsultieren sie, ich weiß jetzt, zahlen nicht, aber 30 Prozent oder sowas.

Willy: Und dann noch für gute Weine oder ist es dann eher

Willy: für Massenprodukte oder sowas?

Dirk: Beides. Beides, ja. Aber heute ist Negotiation eher verpönt,

Dirk: auch wenn es gute Negotiations gibt.

Willy: Weil der Winzer so als Idealtyp, wo es jetzt schon in der Werbung,

Willy: im Marketing auch da steht. Das verkaufst du quasi deinen Garten.

Dirk: Ich, ich, ich. Meine Reben, meine, meine, ich.

Willy: Meine Flasche, meine, genau. Deswegen sind die Negosios quasi ein bisschen in

Willy: den Hintergrund gerückt.

Willy: Es ist keine Geschichte, die so schön zu erzählen ist wahrscheinlich.

Dirk: Richtig.

Willy: Und der Vater wollte aber Negosio bleiben.

Dirk: Er kannte nichts anderes. Das ist wieder, du denkst, wie heute.

Dirk: Er wusste es nicht anders.

Willy: Und mich hast du ihn überzeugt? Nicht von heute auf morgen, oder?

Dirk: Doch, es war sehr einfach.

Willy: Darum steht dann überall, dass es nicht leicht war. Also wenn man nachliest,

Willy: da steht dann, es war nicht einfach.

Dirk: Nein, es war nicht so schwierig. Ich hatte meine Probleme mit meinem Vater.

Dirk: Aber 1987, im Jahr wo ich angefangen habe, habe ich ihm gesagt,

Dirk: Hey Papi, wir brauchen ein Weingut.

Dirk: Weißt du? Damit,

Dirk: wir den Journalisten sagen können, dass die besten Trauben kommen von uns und

Dirk: wir sind die Besten und so weiter und so fort.

Dirk: Aber ich habe überhaupt nicht daran geglaubt. Aber ich habe gesagt,

Dirk: die Masche funktioniert vielleicht bei ihm.

Dirk: Und er hat mir zugesagt. Er hat gesagt, okay.

Dirk: Nur, ich wollte ein Weingut für Portwein.

Dirk: Und er wollte was Nettes, was nicht so weit ist.

Dirk: Und dann haben wir halt, habe ich sogar gekauft, damals, es war eine sehr komplizierte

Dirk: Sache, aber habe ich viel gelernt wieder.

Dirk: Und dann haben wir ein Weingut gekauft, wo ich nicht wollte,

Dirk: aber ich habe es gekauft, weil mein Vater es wollte.

Dirk: Und der Zufall ist, die Gegend, wo das Weingut ist, ist nicht so gut für Port-Wein,

Dirk: was meiner Meinung nach war.

Dirk: Aber es ist vielleicht die beste Gegend für Rot-Wein.

Dirk: Ich wollte sowieso Rotwein machen und dann hatte ich natürlich in meinem Kopf

Dirk: ein Argument, diese Trauben zu nehmen und Rotwein zu machen.

Willy: Hilf mir ganz kurz. Du hast gesagt, du hast nach einem Weingut für Portwein

Willy: gesucht, wolltest aber eigentlich Rotwein machen,

Dirk: Oder? Nein, damals ging es mir um Portwein.

Willy: Damals ging es ja noch um Portwein.

Dirk: Aber als Spielerei musste ich ein Wein machen.

Willy: Ach so, das war so ein Game, als Spielerei. Und Potwein war noch die Strategie

Willy: Nummer eins und du wolltest da

Dirk: Noch ein bisschen was.

Willy: Auszutoben.

Dirk: Und jetzt kauft mein Vater ein Weingut, wo ich sage, das ist scheiße für Potwein.

Dirk: Aber dann habe ich gedacht, das ist vielleicht genau das Richtige für Wein.

Willy: Ein Wink mit dem Schuhspitz quasi. Das muss das eigentlich,

Dirk: Oder? Ja, es ist ein Zufall, aber vielleicht ein guter Zufall,

Dirk: der wichtig ist. Wie heißt die Region?

Willy: Oder wie heißt das Gebiet? Oder wie ist der Name von dem?

Dirk: Ermamal.

Willy: Haben das jetzt Weinkenner gesagt? Weil du gesagt hast, das ist eigentlich vielleicht

Willy: die beste Region für Rotwein.

Dirk: Nein, im Doro gibt es diese Unterschiede noch nicht. Aber für mich ist es ziemlich eindeutig.

Dirk: Es gibt das rechte Ufer vom Doro.

Dirk: Da sind die ganzen Portweingüter. Und es gibt das linke, und das sind meistens

Dirk: Nordhänge, und die sind halt nicht so gut.

Dirk: Aber das Nordorgebiet ist sehr groß, 45.000 Hektar, und wir reden von Rehbergen,

Dirk: die von 80 bis 800 Meter gehen.

Willy: Okay, das ist alles dabei.

Dirk: Und Nord und Süd und so weiter. Und es gibt eine Klassifikation, A, B, C bis F.

Dirk: Und A ist das Beste, A und B ist das Beste für Portwein. Und das macht einen Sinn, das ist logisch.

Dirk: Es ist nur, die besten Rebberger für Portwein sind nicht unbedingt die besten für Wein.

Dirk: Und ich war wahrscheinlich der Erste, der das so gesehen hat.

Dirk: Und deswegen von Anfang an mochte ich gerne Nordhänge und höhere Lagen und so weiter.

Willy: Also das andere Ufer eigentlich?

Dirk: Ja.

Willy: Ich glaube, wieder die andere Seite. Das ist ein bisschen leichtes Muster zu

Willy: erkennen, würde ich mal sagen.

Willy: Das heißt, du warst dann quasi verdammt mit dem eigenen Weingut in den Rotwein

Willy: zu gehen und du hast, glaube ich, der erste Wein, den du gemacht hast,

Willy: war der Robusto, hast du gesagt.

Willy: Das ist, wenn ich es richtig gelesen habe,

Willy: Ist es absolut in die Hosen gegangen oder haben nur die Kritiker den Wein damals

Willy: verrissen? Es war so quasi dein erster eigener Wein.

Dirk: Nein, nein, nein, der Wein war, wie er war.

Dirk: Und dann war ich in Australien und hat mein Vater mich angerufen und ohne mir

Dirk: Hallo zu sagen, ich meine, es gab keine Handys damals, sagte er,

Dirk: dein Wein ist scheiße, es stinkt.

Dirk: Und ich, wie meinst du das? Hallo Papi, ja, der Wein stinkt.

Dirk: Und ich habe gesagt, okay.

Dirk: Und übrigens, ich habe ein Fassweinkaufen bei einem Bauern für mich.

Dirk: Da habe ich mir gedacht, das ist eine persönliche Attacke.

Willy: Er trinkt einen nicht, der kauft ihn beim Bauern.

Dirk: Er hat noch nie einen Wein für sich gekauft. Für das Personal zum Trinken gab

Dirk: es immer. Ja, aber für sich, ein bisschen komisch.

Dirk: Und was sagt der Zezé, der Kellermeister? Ja, er sagt, es stinkt.

Dirk: Dann habe ich gesagt, okay, gut, ich rufe dich später an.

Dirk: Dann habe ich den Zezé angerufen und habe gesagt, wie ist denn das mit dem Wein?

Dirk: Mein Vater sagt, es stinkt. Er sagt, ja, ja, das macht jetzt gerade die Malolaktik.

Dirk: Aber ist alles okay? Er sagt, ja, super.

Dirk: Und das ist die Geschichte mit dem Fass, das mein Vater gekauft hat.

Dirk: Ach, das ist ein ganz normaler Wein zum Baldabfüllen, zum Trinken, ist nichts Besonderes.

Dirk: Okay, ist alles okay. Er sagt, ja, ja, ist alles okay.

Music: Gut.

Dirk: Und ich war ziemlich lange unterwegs. Der Haken ist, dass wenn ich zurückgekommen

Dirk: bin, von fünf Fässern hat mein Vater vier dem Personal zum Trinken gegeben.

Dirk: Das war sehr frustrierend für mich. Dann habe ich ein Muster genommen für die

Dirk: Pottweineliter, Weinmacher.

Dirk: Die haben mich alle ausgelacht und gesagt, das ist viel zu dunkel,

Dirk: viel zu schwer, viel zu scheiße.

Dirk: Dann bin ich zurückgekommen und habe dem Kellermeister gesagt,

Dirk: du, keiner berührt den Wein.

Dirk: Das ist irgendwo mal für meinen Sohn, der inzwischen geboren war.

Dirk: Aber keiner berührt es, vor allem meinen Vater nicht. Okay?

Dirk: Gut. Und ich hatte dann einen deutschen Keller,

Dirk: vom schwarzen Ardler, der Sohn, und der hat das probiert und hat mir gesagt,

Dirk: das ist das Beste, was ich jemals getrunken habe und ich probiere jedes Jahr

Dirk: alle Bordeaux und so weiter aus dem Fass. Was machst du damit?

Dirk: Ich fülle es ab irgendwann mal. Ja, dann tu es mal.

Willy: Ein Fass heißt wie viel?

Dirk: 550 Liter.

Willy: Vier feste Gabe im Personal.

Music: Ja.

Willy: Okay, nur dass man die verhält.

Dirk: Und dann habe ich das abgefüllt und wir haben es nie verkauft.

Dirk: Aber inzwischen ist es so, dass es unglaublich gut ist.

Dirk: Wir hatten eine Probe mit den besten Kultirolen. und das war der beste Wein vor ein paar Jahren.

Willy: Wir reden immer noch vom Robustus, wo man auch lesen kann, dass die Kritik den

Willy: so verrissen hat, dass man gesagt hat, der ist ungenießbar.

Dirk: Nein, das war mein Vater.

Willy: Der Vater war der Kritiker.

Dirk: Die Kritik hat das nie verrissen, weil sie es nie probiert haben und die,

Dirk: die es probiert haben, fanden es das Beste, was es in Portugal gibt.

Willy: Also war es eigentlich eher ein Erfolg, nur quasi in der Familie?

Willy: Mein Vater hat die Referenz gefehlt.

Dirk: Ja, der wollte das haben.

Willy: Was er kannte, und das war es nicht.

Dirk: Eines Tages kam der wichtigste Kritiker damals, Michael Broadbent,

Dirk: und meine Mutter sagte mir, sag mal, kommt der Michael Broadbent morgen zu dir

Dirk: nach Hause, abendessen, und ich, ja,

Dirk: und du lädtst deinen Vater nicht ein, und ich, nein, warum nicht?

Dirk: Ich sage, nö, ich will nicht, dass er meinen Abend zerstört.

Willy: Also da sieht man schon ein paar Reivereien, waren da schon mal reivereit.

Dirk: Ja, natürlich waren Reivereien. Aber ich habe gehört, ihr geht Abendessen und

Dirk: dann geht ihr ins Theater und er will sicher nicht ins Theater.

Dirk: Also nach dem Abendessen schickst du ihn zu mir nach Hause.

Dirk: Und er kam genau, wo wir den Robustes getrunken haben.

Dirk: Und der Michael Brodwin war so richtig glücklich mit dem Wein.

Dirk: Mein Vater kommt und sagt, willst du einen Schluck? Nein, ich will ein Bier.

Dirk: Okay. Und dann habe ich ihm trotzdem ein Schlückchen gegeben und er,

Dirk: ne, ich nehme noch ein Bier.

Dirk: Und dann sagte so nebenbei, ja, dein Großvater, der würde das lieben.

Dirk: Das stinkt wirklich wie ein Stall.

Dirk: Ich, okay. Und dann sagte der Michael Brodman, Rolf, this is the Latour of Portugal.

Dirk: This is incredibly good.

Dirk: Und er, ja, hol mir noch ein Bier. Okay.

Dirk: Na ja, der Michael Brodman war begeistert. Mein Vater hat dumm getan.

Dirk: Dann habe ich eine Flasche 45 aufgemacht und dann war alles gut.

Willy: Dann war Bau wieder glücklich.

Dirk: Ja, dann war alles, die Welt in Ordnung. Es gab Reibereien und 1997 hatte ich

Dirk: meine Probleme mit meinem Vater.

Dirk: Aber ich habe dann die Firma übernommen. Ich war vielleicht ein bisschen aggressiv

Dirk: und habe ihn gegen die Wand geschmissen und gesagt, du, lässt mich machen jetzt bis Ende des Jahres.

Dirk: Ich trage die Haare, wie ich will, die Hosen, wie ich will.

Willy: Die Schuhe, wie du willst.

Dirk: Und am Ende des Jahres machen wir es sehr einfach.

Dirk: Wenn es finanziell besser ist, buchhalterisch, lässt du mich machen.

Dirk: Wenn es schlechter ist, übernimmst du. Ich glaube nicht, dass ich so schlimm bin, wie du denkst.

Dirk: Und wenn du so gut bist, dann wirst du das lösen.

Dirk: Am Ende des Jahres war das Ergebnis unglaublich positiv, maßlos übertrieben.

Willy: Woher wusstest du, wie man Beine macht?

Dirk: Wusste ich nicht. Ich habe es gelernt, indem ich Leute besucht habe.

Dirk: Ich habe nie studiert, ich habe keine Ahnung.

Willy: Der beste Kritiker von damals sagt, nachdem der Vater es natürlich dem Personal

Willy: gegeben hat, es ist einer der besten Wein und die Essenz von Portugal.

Willy: Jetzt ist es nicht so, dass man hergeht und einfach Trauben auspresst und dann

Willy: einen Wein hat, sondern wenn man sich andere Winzer anhört, wie da viel zu viert wird,

Willy: und ich habe auch dir schon zugehört ein bisschen und den anderen Menschen hier,

Willy: da gehört schon viel Know-how dazu.

Willy: Und du warst jung, du warst zwei Jahre im Napa Valley, du warst ein bisschen herum,

Willy: aber woher kommt dieses Know-how dann quasi mit einem Weingarten anzufangen,

Willy: gleich einfach mal so einen richtigen Wein hinzuknallen, der Experten überzeugt?

Dirk: Talent? Man zahlt immer noch keine Steuern beim Träumen und dann machen und

Dirk: nicht bei der ersten Kurve aufgeben,

Dirk: nicht bei der zweiten, nicht bei der fünften, nicht bei der zehnten.

Willy: Ja, aber wann bist du gescheitert? Wann wäre der Punkt gewesen zum Aufgeben,

Willy: wenn man der Widerstand vom Vorderwort, das ist wieder was anderes,

Willy: aber rein didaktisch und von der Fähigkeit des Handwerks her,

Willy: vom wirtschaftlichen Erfolg, wo hast du quasi das erste Mal nicht aufgegeben?

Dirk: Du hast jetzt einen Punkt gesagt, der vielleicht wichtig ist.

Willy: Gut, danke.

Dirk: Das Wichtigste, weißt du, ich habe schon vorher gesagt, bei Nipot,

Dirk: wir machen immer alles falsch, aber das Ergebnis ist ganz gut.

Dirk: Und einer der Punkte, die wie mich vielleicht ausmachen, ist,

Dirk: ich bin nicht krankhaft nach Geld.

Dirk: Ich habe ein ganz komisches Verhältnis zu Geld.

Dirk: Aber Ich habe vielleicht, ich suche Perfektion, weißt du, die Sache, die es nicht gibt.

Dirk: Ich suche, ich träume von etwas und ich ziehe es durch, unabhängig,

Dirk: ob ich Geld mache oder nicht Geld mache.

Willy: Du hast nur zu viel Geld gemacht damit, glücklicherweise. Es hätte auch anders kommen können.

Dirk: Nippo, ja, ich bin kein Idiot.

Dirk: Ich bin auch nicht jemand, der einfach Geld ausgibt.

Dirk: Ich fange immer relativ klein an und...

Dirk: Spüre, lerne, verändere. Aber meistens habe ich ein Ziel oder eine Idee.

Dirk: Und über die Jahre haben sich die Weile verändert. Am Anfang habe ich das alles

Dirk: selber gemacht und hatte kein Geld für nichts und keinen Platz.

Dirk: Und wenn du mich heute fragst, wie kann es sein, dass ein 96er so gut schmeckt,

Dirk: kann ich dir nicht erklären, denn das ist unmöglich.

Dirk: Also wäre heute für mich, sogar für mich unmöglich.

Dirk: Wenn ich dem Daniel erkläre, wie es gemacht war, dann sage ich, das kann nicht sein.

Dirk: Also wir haben heute perfekte Bedingungen.

Dirk: Und heutzutage ist es so, ich glaube, das ist auch etwas, was mich auszeichnet,

Dirk: ich will Leute haben, die mit mir arbeiten, die besser sind als ich.

Dirk: Und das ist wahrscheinlich die Essenz von allem.

Dirk: Ich vertraue denen bis ich nicht mehr vertraue aber normalerweise vertraust

Dirk: nicht endlos ich doktriniere die Person, das heißt ich gebe denen sehr viel,

Dirk: verschwende sehr viel Zeit erkläre was Sache ist nehme sie hin Sachen zu probieren,

Dirk: Leute zu besuchen Interessante das hat natürlich den Nachteil die lernen sehr schnell,

Dirk: und wie immer, ich kreiere Monster, die dann Flügel haben und natürlich dann

Dirk: selbstständig sein wollen.

Dirk: Aber ich leide überhaupt nicht darunter, weil ich lerne immer noch,

Dirk: manchmal hilft es mir zu resetten und sagen, okay, es ist Zeit,

Dirk: dass ich wieder mehr Zeit ins Wein machen tue.

Dirk: Denn es gibt hier einen Schnitt.

Dirk: Ich habe immer alles gemacht, heute nicht mehr.

Dirk: Und manchmal habe ich mich konzentriert auf das Weinmachen, manchmal auf das

Dirk: Verkaufen, manchmal auf das Leiten und so weiter.

Dirk: Und wenn du die richtigen Leute hast, dann ist alles okay.

Willy: Wie lernt man Vertrauen und wie weiß man, wann man das Vertrauen entziehen muss?

Dirk: Kann ich dir nicht beantworten, aber ich kann es psychologisch vielleicht erklären.

Dirk: Daniel hatte als kleiner Junge Probleme und ich merkte, er ist konfus und er hat darunter gelitten.

Dirk: Irgendwann habe ich zu ihm gesagt, weißt du, wo dein Problem ist?

Dirk: Und er, nein Papier, aber ich verstehe es nicht und so weiter.

Dirk: Ich habe gesagt, dein Problem ist, du hörst zu, du hörst, was die Person sagt,

Dirk: aber gleichzeitig hörst du, was die Person denkt.

Dirk: Und das zerstört deinen Kopf.

Dirk: Und jetzt ist es so, das ist ein Vorteil und ein Nachteil.

Dirk: Das heißt, wenn du damit umgehen kannst, hilft es dir total im Leben.

Dirk: Wenn du nicht damit zurechtkommst, dann hast du ein Problem.

Dirk: Wovon redest du? Da habe ich gesagt, ja, hey, der Mensch da.

Dirk: Das ist ein gutes Beispiel.

Dirk: Superfreundlich zu dir, superlieb. Und du hast genau, dass die Person im Grunde

Dirk: genommen die Schnauze hat voll und überhaupt keine Geduld hat für dich.

Dirk: Und das zerstört dich.

Dirk: Und dann schaute er, die Person. Ich habe gesagt, ja, ein Beispiel.

Music: Ich habe gesagt, Papi,

Dirk: Es ist wirklich so. Ich habe gesagt, ja.

Dirk: Okay, du musst jetzt kapieren, die Person ist nicht echt zu dir. Akzeptier das.

Dirk: Du hörst, was sie sagt, nimmst es nicht ernst.

Dirk: Und hörst aber, was sie meint, und nimmst das ernst und akzeptierst es.

Dirk: Jetzt kannst du aggressiv sein, kannst nett sein, kannst dich anpassen,

Dirk: kannst dich nicht anpassen.

Dirk: Das musst du dann selber entscheiden.

Dirk: Ich gebe mir noch ein Beispiel. Dann habe ich ihm noch ein Beispiel gegeben.

Dirk: Das ist ja wirklich so.

Willy: Also er hat es kognitiv verstanden dann?

Dirk: Ja, nicht so schnell, aber ja. Ich habe es jetzt ein bisschen vereinfacht.

Willy: Das ist immer schwierig.

Dirk: Und jetzt Daniel. Es kommt nicht von einem Tag zum anderen.

Dirk: Du musst ein bisschen Disziplin haben mit dir. Und du musst daran denken, das zu trennen.

Dirk: Und damit wirst du der Größte sein.

Willy: Und dann selbstbewusst genug zu sein, quasi das, was du, den Schluss,

Willy: den du daraus ziehst, dann auch zu vertreten und umzusetzen.

Willy: Das, was du siehst, auch...

Willy: Du musst eine Entscheidung treffen.

Dirk: Wenn du damit nicht umgehen kannst, dann schaffst du es nicht.

Willy: Du wirst keine Entscheidung treffen, dann zerreißt es dich.

Dirk: Dann hast du keine Eier.

Willy: Aber Eier kann man quasi aufbauen.

Willy: Die hat man nicht, sondern die kann man auch aufbauen.

Dirk: Du, man muss nur immer wieder das Beste aus den Menschen versuchen rauszuholen.

Dirk: Und ich würde sagen, Die meisten Menschen haben was Gutes und manchmal wissen sie es nicht mal.

Dirk: Also ich habe einen Mitarbeiter gehabt, der in Pension gegangen ist.

Dirk: Das ist so ein Fall für mich bemerkenswert. Er hat 30 Jahre mit mir gearbeitet

Dirk: und ich wollte ihm immer alles besser machen und er wollte es nicht.

Dirk: Und am Schluss, also nicht am Schluss, ein paar Arbeiten vorher,

Dirk: wollte ich ihm wieder was Besseres anbieten.

Dirk: Und er sagte, nein, ich bin nicht gut mit Menschen.

Dirk: Und dann ist er, hat er, am Schluss war er im Büro, in einer Stellung,

Dirk: die er absolut nicht mag.

Dirk: Und habe angefangen, Fehler zu machen, weil er älter ist, weil er überfordert war.

Dirk: Und dann habe ich ihn mal gerufen und habe gesagt, ich nehme mich da raus und

Dirk: ich diskutiere nicht mehr mit dir.

Dirk: Ich hatte immer recht, du hattest nie recht. Du bist der einzige Arsch,

Dirk: der dich nicht selber mag.

Dirk: Alle lieben dich. Kein Selbstbewusstsein. Genau.

Dirk: Und hör auf damit, denn alle Leute lieben dich. und du stehst dir nur im Weg.

Dirk: Und das ist schade.

Willy: Was man die ganze Zeit jetzt fragt, ich denke jetzt die ganze Zeit an den Kauf

Willy: deines ersten Weingartens damals.

Willy: Oder vielleicht auch den nächsten. Du hast weniger Vorraum gehabt.

Willy: Du hast gesagt, du nimmst Leute, die besser sind als du und musst ihnen vertrauen.

Willy: Wie trifft man bei so einer großen Entscheidung? Das war ja ein richtig großes

Willy: Investment wahrscheinlich.

Willy: Weingarten geht aber wahrscheinlich nicht einfach so für La Palle her.

Dirk: Das ist ganz einfach. Mein Vater hat das alles gemacht.

Willy: Das war, das war, okay.

Dirk: Ich habe gar nichts gemacht. Ich war nur der Negotiäter.

Dirk: Du musstest die ganze gewähnten. Und ich habe meinen Vater angerufen,

Dirk: kann ich noch raufgehen? Soll ich?

Willy: Ja, das war's.

Dirk: Ja, ja.

Willy: Wie hast du späteren Entscheidungen getroffen? Weil dieses Know-how hast du ja zum Detail gehabt.

Willy: Aber relativ. Wie trifft man so große Entscheidungen dann? Für neue Weingüter,

Willy: für neue Böden? Woher war es mir das?

Willy: Wir haben nur ein Beispiel jetzt einfach. Oder gibt es ein besseres Beispiel,

Willy: wo du sagst, ich habe es nicht gewusst, ich habe es einfach gemacht?

Willy: Oder hast du dir jemanden geholt, dem du vertraut bist, von dem du glaubst,

Willy: der weiß es? Oder wie hast du das dann gemacht?

Dirk: Das ist eine komplizierte Frage. Danke.

Dirk: Erstens, ich vergleiche mich mit, ich sage mal ein blödes Beispiel,

Dirk: einem riesen amerikanischen Kriegskomputer,

Dirk: der alle Szenarien jeden Tag millionenfach analysiert und durchmacht und irgendjemand,

Dirk: tut die Daten rein und er überlegt und überlegt und überlegt und überlegt.

Dirk: Und wenn dann eine Situation entsteht, dann hat er schon parat, zehn Möglichkeiten.

Dirk: Das ist mal das Wichtigste und die Basis,

Dirk: vom Denken von der ganzen Geschichte. Das heißt,

Dirk: du saugst Informationen und du denkst die ganze Zeit an alles.

Dirk: Und das ist ein bisschen mein Leben, dass ich die ganze Zeit alles denke.

Dirk: Zweitens ist es so, dass wenn ich jemanden kennenlerne.

Dirk: Und das kann egal was sein.

Dirk: Ein Beispiel, ein Typ, der in einem Restaurant sitzt.

Dirk: Und ich beobachte ihn, weiß nicht, wer er ist. Und sage zu meiner damaligen

Dirk: Frau, hey, der Typ wird schon nie dort arbeiten.

Dirk: Und dann schaut sie mich an, was meinst du?

Dirk: Er sagt, nee, der hat was mit Wein zu tun, interessiert sich.

Dirk: Ich glaube nicht, dass er mit Wein arbeitet, aber er hat etwas mit dem Restaurant zu tun.

Dirk: Und sie, ja, wir müssen das wissen.

Dirk: Ich beobachte ihn die ganze Zeit, er interessiert sich, er redet mit dem Chef.

Dirk: Und am Schluss bin ich hingegangen und habe gesagt, du, hallo,

Dirk: ich bin der und der, was machst du?

Dirk: Und er sagt, ja, ich bin Computerspezialist, arbeite für IWW,

Dirk: also für den Staat, aber im Weinbereich.

Dirk: Und er sagt, du machst die Weinkarte hier?

Dirk: Und er, ja, woher weißt du das? Ja, nur so.

Dirk: Hier ist meine Karte. Wir reden dann irgendwann mal.

Dirk: Ich hoffe, sie ist dir bewusst, dass du irgendwann mal für Nippoth arbeiten wirst.

Dirk: Und er hat mich angelachen, er sagte, komm, jetzt spinnst du.

Dirk: Zwei Jahre später hat er für Nippoth angefangen. Und das war so mit unserem

Dirk: Geschäftsführer, mit meiner Beatrice, mit...

Dirk: Die meisten Leute sind Leute, die ich identifiziere in einem Zufall,

Dirk: in einem Restaurant, in einer Situation, in einem Gespräch.

Dirk: Und dann versuche ich, die Leute ein bisschen zu beobachten.

Dirk: Und dann irgendwann mal sage ich was. Und dann ist es so, dass man,

Dirk: man muss warten. Das ist auch wieder so eine Sache, sage ich meinen Kindern.

Dirk: Eine gute Idee zu haben, ist sehr wichtig.

Dirk: Aber es ist noch wichtiger, die Geduld zu haben, zu warten für den richtigen Moment.

Dirk: Und dann kommt die dritte Phase, die Eier zu haben, das durchzuziehen,

Dirk: wenn der richtige Moment kommt.

Willy: Was ist schwieriger, warten oder Eier haben? Phase zwei oder Phase drei?

Dirk: Warten, warten.

Willy: Ich wollte fragen, weil zappelig, oder? Die Ungeduld.

Dirk: Ja.

Willy: Wie machst du das dann?

Dirk: Für mich ist es einfach. Zappeln ist? Ich bin nicht zappelig, ich habe Geduld.

Willy: Du bist zappelig, hast du das immer gesagt?

Dirk: Nein, nein, nein, ich bin der geduldigste Mensch auf diesem Planet.

Dirk: Ich bin zappelig, weil ich nicht ruhig sitze.

Willy: Aber du kannst es erwarten.

Dirk: Ich mache zu viele Sachen gleichzeitig. Deswegen kann ich hier warten.

Dirk: Aber hier ziehe ich es durch. Falsches Beispiel. Hier kann ich warten.

Dirk: Hier werde ich es durchziehen.

Dirk: Hier habe ich keine Geduld, weil ich es schnell machen will. Hier ist es langsam.

Dirk: Kombucha ist ein gutes Beispiel. das erste Mal, wo ich es nicht langsam angehen

Dirk: will, sondern es muss sofort und zwar sehr groß entstehen.

Dirk: Und dafür brauche ich wieder Leute, die besser sind als ich.

Willy: Liegt es an dir oder an der Zeit? Liegt es an dir oder an der Zeit,

Willy: dass es jetzt sofort groß sein muss? Weil du traust dir gegen deine eigene...

Dirk: Nein, an der Zeit.

Willy: Weil die Zeit für das Getränk gekommen ist.

Dirk: Es muss jetzt sein. das macht mir Spaß auf der anderen Seite ist es so wir haben

Dirk: einen Spezialisten der inzwischen ein Freund ist,

Dirk: den ich eingeladen habe er wird Mitpartner sein und er macht das unglaublich

Dirk: gut und das bewundere ich nur wenn ich dann sehe wie er,

Dirk: die Nina ist auch dabei,

Dirk: und wenn die Nina ab und zu dabei ist in den Gesprächen,

Dirk: beobachte ich sie und dann irgendwann mal sage ich zu ihm, hey,

Dirk: ein bisschen langsamer.

Dirk: Wenn ich sehe das Gesicht von der Nina, die Nina würde am liebsten jetzt wegrennen und hat Angst.

Willy: Unterschiedliche Geschwindigkeiten.

Dirk: Ganz ruhig.

Willy: Nina, sagen wir noch kurz kurz, Nina Grundkowski, grünen Tee,

Willy: gibt es jetzt auch, Podcast-Folge, geht jetzt in der Zeit, wo wir sprechen, quasi online.

Willy: Ist da Ex-Lebenspartnerin gewesen.

Willy: Ja, Ex-Lebenspartnerin. Und aus diesem grünen Tee oder aus grünen Tee macht sie jetzt Kambucha.

Dirk: Ja, und die Nina ist sehr wichtig im Projekt, wie im ganzen Teegeschäft und so weiter.

Dirk: Aber es ist lustig, weil ich dann die Nina angeschaut habe und habe gesagt, ich merkte eine Sache.

Dirk: Hätten wir es alles so perfekt gemacht, wie der Typ da macht,

Dirk: Businessplan und Co. Co. Co.

Dirk: Hättest du keine Teeplantage, hätten wir keine Firma, ich wäre sicher nicht, wo ich bin und so weiter.

Willy: Ja, die Geschichte kommt man auch an, wo auch so quasi eine Pflanze hat überlebt

Willy: und nach vorne waren es dann viele und ist relativ schnell gegangen.

Willy: Das ist jetzt Kombucha, da schauen wir nachher gleich hin. Jetzt erklär mir

Willy: noch bitte, wie sich quasi dein Wein dein Wein-Imperium?

Willy: Ein Weinunternehmen aufgebaut hat. Weil es begann mit dem Obustus und dann ging

Willy: es ja weiter und inzwischen, hast du heute schon gesagt, es sind 80% Wein und

Willy: 20% Port und ich sage jetzt nicht Sherry.

Dirk: Sogar Sherry auch. Früher war es Brandy.

Willy: Danke, dass ich es rausbringe. Das heißt, es hat sich ja komplett gedreht.

Willy: Warum war das so und wie hat sich das entwickelt? Erzähl mal kurz die Geschichte.

Willy: Also das ist ja jetzt über 20 Jahre, über 20, 25 Jahre hat sich das entwickelt.

Dirk: Ein bisschen länger, aber ja.

Willy: 25, 27, 27.

Dirk: Es hat sich entwickelt, was soll ich sagen.

Willy: Ja, was war das Ziel? Oder war das einfach so eins nach dem anderen,

Willy: der robust, der erste Wein hat funktioniert, mit dem hast du das nächste Weilengut

Willy: gekauft. Was war die Strategie oder ist es einfach beim Machen so geworden,

Willy: wie man in Österreich so schön sagt?

Dirk: Beobachten und richtigen Leute kennenlernen.

Dirk: Genug Geld haben, um gewisse Schritte machen zu können.

Dirk: Das bedarf jeder Geduld. Gut, hätte ich eine Beatrice, unsere Marketingfrau,

Dirk: eingeladen, zwei Jahre bevor sie zu uns gekommen ist, oder drei,

Dirk: dann wäre das nicht gut gegangen.

Dirk: Hätte sie eingeladen, fünf Jahre bevor sie gekommen ist, wäre das eine Katastrophe.

Dirk: Wieder mal die Geduld. Ich war hinterherher, sage ich mal so.

Dirk: Sie sagt, dass ich sieben Jahre hinterher wäre.

Dirk: Ein Bekannter sagt neun Jahre.

Dirk: Sie ist im richtigen Moment reingekommen, weil wir dann die Möglichkeiten hatten,

Dirk: sie zu unterstützen und machen zu lassen, sei es finanziell,

Dirk: sei es platzmäßig, sei es sonst irgendwas.

Dirk: Dieser ganze Bereich, da war sie sehr wichtig, auch wenn sie nicht die Basis

Dirk: gemacht hat, sie hat es vollendet, die ganzen Veränderungen hier im Keller.

Dirk: Ich weiß nicht, wie ich beantworte.

Willy: Das kann ich gut verstehen. Wie ich gesagt habe, beim Machen so war es eine

Willy: Folge von glücklichen oder richtigen Entscheidungen zu einem richtigen Zeitpunkt.

Willy: Aber war es das Ziel, mit Weih groß zu werden?

Willy: Oder ist es eher so nach und nach?

Dirk: Es ist viel einfacher. Es macht mehr Spaß.

Willy: Jetzt kriegst du es ab. Aber auf die richtige Weise. Es macht Spaß.

Dirk: Das ist der Grund. Fertig.

Willy: Was ist der Philosophie dahinter?

Dirk: Spaß zu haben. Es geht nicht um Geld machen.

Dirk: Aber okay, wenn du jetzt eine richtig große Antwort haben möchtest,

Dirk: gibt es, nein, dann hören wir gar nicht mehr auf hier.

Dirk: Die Basis von allem ist, dass ich die Priorität hatte im Leben.

Dirk: Habe, Portugal, to put it on the map, also Portugal groß zu machen,

Dirk: nicht nur im Wein, sondern Portugal, Punkt.

Dirk: Sei es Gastronomie, sei es Wein, sei es Tourismus, sei es was auch immer,

Dirk: das ist und war immer mein größtes Ziel und,

Dirk: meine Priorität war nicht wirklich, weder Geld zu verdienen,

Dirk: noch Nipot groß zu machen noch sonst irgendwas alle drei Sachen sind Konsequenzen

Dirk: von irgendwas richtig machen für Portugal das.

Willy: Ist deine Vision

Dirk: Das ist die Basis von allem alles aus dem herauskommen.

Willy: Alles erklären Ja, das war eigentlich die Antwort auf die Frage,

Willy: die ich gesucht habe, um zu verstehen, was dich antreibt.

Dirk: Ja, aber die Menschen verstehen das nicht.

Willy: Es ist so kompliziert vermutlich und gleichzeitig völlig einfach,

Willy: wenn man sagt, wenn man eine gute Mission oder eine gute Vision hat,

Willy: die einen sagen so, die anderen sagen so, dann leidet die dich.

Willy: Dann passieren die Dinge dazu ganz von selbst, weil du weißt,

Willy: wo du hinläufst, auf der Art und Weise.

Willy: Und wenn das dein Ziel ist, ich meine, es ist ein sehr großes Ziel,

Willy: da muss man dann jetzt eher das Bedürfnis erklären, warum das ist,

Willy: warum ist das, warum hast du das Gefühl, erstens einmal, warum muss das sein?

Willy: Ist Portugal noch nicht dort, wo du es gern hättest?

Willy: Und warum glaubst du, dass du das schaffst?

Dirk: Nein, es ist frustrierend. Es war frustrierend.

Dirk: Wenn du in New York in einen Weinladen gingst und hast Portugal gesucht, da gab es Portwein, ja.

Dirk: Und dann gab es Matthäus Rosé. Nichts gegen Matthäus. Ich bin stolz auf Matthäus Rosé.

Dirk: Und dann gab es nichts. Und wenn es etwas gab, dann war es so versteckt,

Dirk: dass du es nicht findest.

Dirk: Portugal existierte nicht. Dann kam die Phase, dass Portugal ein bisschen größer

Dirk: wurde in England, aber über den Preis.

Willy: Es ist günstiger als die Dattige.

Dirk: Was nicht das war.

Willy: Was du wolltest.

Dirk: Nein, das hat mich geärgert. Es gab eine Rede von einem Typen,

Dirk: Werbetyp Portugal, der ganz stolz erklärt hat,

Dirk: verantwortliche für England, dass Portugal fünf Prozent gewachsen sei und das

Dirk: sei großartig und so weiter und so fort.

Dirk: Und ich hatte meine Rede danach, wo ich nicht wirklich wusste,

Dirk: wozu und was, aber ich war so verärgert, dass ich gesagt habe, es tut mir leid, aber,

Dirk: wir sind, wo wir sind, weil wir klein denken und es tut mir leid,

Dirk: nichts gegen den Menschen, der das jetzt gesagt hat, aber ich finde das absolut

Dirk: nicht positiv, was ihr alle geklatscht habt.

Dirk: 5 Prozent zu wachsen, aber 17 Prozent im Preis runter zu gehen,

Dirk: das ist nicht schön und das ist nicht gut und das ist nicht, wo wir hin wollen.

Dirk: Deswegen irgendwas ist falsch an diesem Land.

Dirk: Wir müssen an uns glauben.

Dirk: Ihr habt alle Angst vor den eigenen Trauben. Du musst sehen,

Dirk: ich bin der Erste und Einzige immer noch wahrscheinlich, wo Portugal groß auf

Dirk: dem Etikett steht, bei Redoma.

Dirk: Und zwar von ziemlich Anfang.

Willy: Aber selbstbewusst sind. Du müsstest an eure Trauben glauben, hast du gesagt.

Dirk: Ja, weil ich,

Dirk: Das kann man auch wieder erklären. Wo ich angefangen habe, fing die Mode an wegen Amerika.

Dirk: Cabernet, Sauvignon, Chardonnay und fertig alles.

Dirk: Und wenn du dann sagst, das ist Rabo d'Oveglio oder Rabigato, interessiert niemand.

Dirk: Wenn du sagst, es ist ein Mischsatz, ist es absolut negativ.

Dirk: Aber ich habe immer dickköpfig erzählt, nein, es sind 30 Trauben hier, es ist ein Mischsatz.

Dirk: Das ist so, wie es ist und so weiter. Und heute...

Willy: Misch satt, also auf einem Hektar,

Willy: das ist das, was in Österreich super verkauft, was gemischt, er satt.

Dirk: Ja, und weißt du, warum es sich gut verkauft? Der mischt er satt?

Dirk: Wegen mir und der Dolly. Denn... Dolly?

Willy: Moor. Dolly Moor, ja.

Dirk: Weil in Österreich war es verpönt und die Leute haben das versteckt und das

Dirk: war der billigste Wein und so weiter und so fort.

Willy: Ja, weil wir auf Holz auf einem Hang,

Dirk: Einfach alles zusammengemischt und es war lang verpönt.

Dirk: Und die Dolly und ich, vor allem in Wien fing es so an, und sagte,

Dirk: hey, hört zu, das ist der wichtigste Wein, den ihr habt, das ist Tradition, das macht Sinn.

Dirk: Und siehe da, heute ist es sowas Positives.

Willy: Heute ist es einfach, neben den reinen Reben, ist es einfach eine dominante

Willy: Kategorie in Österreich, die sich wirklich gut verkauft und einen Marktanteil hat.

Dirk: Dann könnt ihr euch bei Dolly bedanken.

Willy: Ja, danke Dolly.

Willy: Und danke, du warst da dabei. Also, gut gemacht.

Willy: Und das habt ihr auch. Ihr habt euch auch weggeschaut. Nicht getraut.

Dirk: Ja, die Leute hatten Angst. Und ich habe gesagt, nein, wir müssen,

Dirk: wir sind ein kleines Land, das an sich sogar sehr groß ist.

Dirk: Viel, wir sind, ich weiß nicht, fünftgrößter Landproduktion.

Willy: Tatsächlich?

Dirk: Ja.

Willy: Europa?

Dirk: Ja. Nein, weltweit.

Willy: Was?

Dirk: Ja, oder siebt größter Land.

Willy: Portugal, wenn?

Dirk: Ja. Also Dodo produziert, hat mehr Hektar als Österreich und Schweiz zusammen.

Willy: Du hast vorher gesagt 47.000.

Dirk: 45.000. Ich weiß nicht, ob das stimmt, was ich sage, aber es ist nicht weit weg.

Willy: Ja, ja, es ist ein educated guess. Ja.

Willy: Und trotzdem, kann, bist du der Erste, der bewusst Porto quasi noch draufschreibt auf die...

Willy: Wie kann das sein?

Dirk: Das hat wieder kulturell damit zu tun, dass Salazar, der Diktator,

Dirk: Portugal abgeschottet hat und nur billig Wein machen wollte,

Dirk: weil er glaubte, wir müssen die Portugiesen viel Wein und Brot geben und man

Dirk: verkaufte viel an die Kolonien.

Dirk: Und Portugal hat große Weine gemacht um 1900. Das war ein bisschen wie die Mosel.

Dirk: Die teuersten Weine der Welt waren Mosel und Rheingau.

Dirk: Und dann in den 60er Jahren ist alles kaputt gegangen. Portugal ist ein bisschen ähnlich.

Willy: Österreich hat ja einen Weinskampfball gebraucht, um quasi den Qualitätsanspruch zu entdecken.

Dirk: Das war das Beste, was in Österreich passiert ist. Es hört sich blöd an,

Dirk: aber es war so und auf einmal kam auch zum Beispiel Willi Klinger und hat die

Dirk: besten Produzenten unterstützt, also als Staat,

Dirk: Werbeagentur und so weiter.

Dirk: Und das sind so Entscheidungen, die den Unterschied ausmachen.

Dirk: Ja, und Portugal hat sich dann halt verschlossen und so weiter und es ging nur

Dirk: um Menge, Genossenschaften und so weiter.

Dirk: Naja, vielleicht wie es so ist.

Dirk: Wir können erzählen über die Vergangenheit, das Gute und das Schlechte oder

Dirk: was auch immer, aber es gibt auch die richtigen Momente.

Dirk: Wahrscheinlich war ich im richtigen Moment dort.

Willy: Ja, dann muss ich immer immer dort sein.

Dirk: Ja, wenn ich nicht da gewesen wäre, ich meine, jemand hat einen Artikel geschrieben,

Dirk: Doro vor Dirk und nach Dirk.

Dirk: Okay. Ich bin jetzt nicht der Einzige, aber ich bin vielleicht der,

Dirk: der die ganze Sache ins...

Willy: Das sagen auch andere. Also das ist quasi, du bist für dieses

Willy: Doro, so das Napa Valley Portugal, das ist jetzt eine richtig Sorge,

Willy: und du bist quasi der, der das vermarktet, der das ins Bewusstsein bringt und

Willy: das fördert, dass auch andere in der Region...

Dirk: Das ist genau so ein wichtiger Punkt, den du da erwähnst.

Willy: Ist auch jeder von so.

Dirk: Doro gab es nicht. tischweinmäßig. In 87 machte man 1000 Fässer Wein,

Dirk: wahrscheinlich weniger, und 100.000 Fässer Pottwein.

Dirk: Und heute sind es 90.000 Pottwein und 90.000 Wein.

Dirk: Das ist schon ein Unterschied. Und die Leute verstehen das nicht.

Dirk: Heute ist es selbstverständlich, Dodo ist die berühmteste gegen Portugals.

Dirk: Die gab es nicht. Es gab Barcavela, es gab Nicolau d'Almeida,

Dirk: es gab Quinta do Corto, das war's.

Dirk: Und Barcavela stand nicht mal drauf, Doro.

Dirk: Also es gab halt schon ein bisschen was, Saugrapp hat ein bisschen was gemacht,

Dirk: aber man hat nicht wirklich stolz darüber geredet.

Willy: Wir können natürlich da jetzt, auch wenn es schön wäre, irgendwie ins Detail

Willy: reinsteigen, Aber das heißt, ganz triviale Frage,

Willy: ist Portugal die Region, die du jetzt aufgezählt hast, oder generell Portugal,

Willy: ein gutes Land für den Weinbau?

Dirk: Perfekt. Perfekt. Perfektes Land.

Willy: Das heißt, nächste Frage.

Dirk: Nein, ich sage sogar mehr. Portugal ist vom Terroir perfekt.

Dirk: Weil es abgeschottet war, haben wir...

Dirk: Schätze, die verloren waren und die wir heute haben, während Österreich sie

Dirk: zerstört hat, Deutschland. Was meinst du mit Schätze?

Willy: Boden, meinst du in dem Verlässt?

Dirk: Nein, nein, ich meine Traditionen und Traubensorten und alte Reben und so weiter.

Dirk: Durch Technik, durch Veränderung hat man sehr viel verändert und Portugal ist stehen geblieben.

Willy: Und gut stehen geblieben in dem Sinne,

Dirk: Eingefroren heute sind wir wenn nicht das reichte Land an verschiedenen Traumsorten

Dirk: eines der reichsten wir sind wahrscheinlich einer der wichtigsten Länder mit

Dirk: alten Reben wir haben Traditionen,

Dirk: die wir noch haben,

Dirk: und obwohl Portugal klein ist haben wir sage ich mal bösartig mehr Terroirs,

Dirk: interessanter Terroirs als Spanien, das sehr groß ist.

Dirk: Ich mag Spanien sehr gerne.

Willy: Ja, gut, du bist...

Dirk: Ich bin verliebt in eine Spanierin, jetzt muss ich aufpassen.

Willy: Natürlich, okay.

Dirk: Cut, cut, piep.

Willy: Genau. Das ist gut.

Willy: Ganz kurz zum Begriff Terroir, weil Willi hat immer bei Terroir Boden,

Willy: Terroir. Irgendwie denkt man da am Boden.

Dirk: Terroir ist eine unglaublich großartige Definition aus Frankreich.

Dirk: Und zwar, das ist eine Verbindung aus vielen Sachen, die zusammen mit,

Dirk: sagen, was ein großes Terroir. Das hat auch mit der Taubensorte zu tun.

Dirk: Sorten, Böden, Klima, Wind.

Willy: Also eigentlich Umwelt. Es ist für den Wein relevante Umwelt.

Dirk: Das gibt es nur auf Französisch. Das ist ein bisschen komisch, aber...

Willy: Braucht man gar nicht übersetzen, Terroir.

Dirk: Terroir ist Terroir.

Willy: Es ist auf jeden Fall nicht nur der Porn, sondern sehr, sehr viel mehr.

Willy: Und wenn Winzer von Terroir sprechen, sprechen sie von allem und von gar nichts

Willy: eigentlich, weil du nicht wirklich wissen kannst, was damit genau gemeint ist, oder?

Dirk: Obwohl heute die Mode scheinbar mehr ist, über den Boden zu reden,

Dirk: als über Terroir, was ich schade finde.

Willy: Ja, es geht um die Art der Böden etc. Das müssen wir anders mal vertiefen oder

Willy: beim anderen Punkt machen.

Willy: Aber wir waren auch, okay, Portugal ist ein, du sagst, ein perfektes Land für den Weinanbau.

Willy: Und es ist einfach eingeschlafen gewesen und es taut jetzt ähnlich wie Österreich

Willy: nach einem Weihenskandal langsam, ist ja auch nicht von heute auf morgen gegangen

Willy: und du sagst Portugal ist genau das gleiche, Top-Land

Willy: eingeschlafen, das heißt Riesenpotenzial das noch lange nicht gehoben ist oder ist es jetzt schon

Willy: wo stehen wir, wenn du sagst bei 100% ist alles entwickelt alles ist da,

Willy: Maximum rausgeholt Null ist Null, wo stehen wir das ist eine blöde Frage,

Willy: aber dass du es vollwegs einordnen kannst.

Dirk: 70 Prozent. Ja, doch schon.

Dirk: Aber...

Dirk: Ich würde sagen, Portugal ist in einer Welle, die sehr positiv ist.

Dirk: Und jetzt hängt es ein bisschen von uns aus, von den Menschen,

Dirk: wie er auf dieser Welle schwimmt.

Dirk: Ob er die Welle nutzt, um Geld zu verdienen, um Blödsinn zu machen.

Dirk: Oder ob wir investieren, um besser zu machen, in sich selber reinzuschauen,

Dirk: an sich selber mehr zu glauben,

Dirk: und im Fall von Portugal die Eier zu haben, das zu machen, was wir wollen und

Dirk: nicht irgendwas zu machen, was die Welt will, sondern wir müssen eigenständig

Dirk: Persönlichkeit bewahren und so weiter.

Willy: Hat Portugal das Selbstbewusstsein schon oder fehlt es noch?

Willy: Sind noch so quasi Reste aus der Diktatur, aus diesem Unterdrücktsein?

Willy: Oder ist da schon eine positive Entwicklung da? Oder sagst du,

Willy: Leute, wir brauchen hier in Portugal noch einen Ausstieg. Das ist noch ein bisschen mehr.

Dirk: Beides. Es gibt Ja hin, aber es gibt auch ein bisschen das Ausnutzen. nutzen.

Willy: Ich frage deswegen so blöd, weil ich habe es jetzt erst im Gespräch mit dir

Willy: ein bisschen begriffen,

Willy: Portugal mit einer neuen Brille zu sehen und nicht so quasi die Entwicklung

Willy: Österreichs, die ich kenne, jetzt für Portugal fortzuschreiben,

Willy: sondern ich muss es anders denken.

Willy: Und es gelingt mir gerade noch nicht, jetzt im Gespräch mit dir das zu verstehen,

Willy: aber zumindest ist mir der Anfang,

Willy: darüber nachzudenken. Verstehst du, was ich meine?

Willy: Kannst du mir zu der Frage noch irgendwas mitgeben, auf das mir die Frage gerade nicht einfällt?

Dirk: Ich will nicht so bösartig sein, aber Österreich, du bist halt Österreicher.

Dirk: Das war schon bösartig genug.

Willy: Danke.

Dirk: Du bist halt Österreicher. Österreicher sind schon sehr Chauvinisten. Und die...

Willy: Machst du das jetzt beim Wein oder generell?

Dirk: Nein, reden wir nur vom Wein. Von Wein.

Dirk: Und Österreich hat sich sehr entwickelt.

Dirk: Und dann hat es, glaube ich, hat es sich verfallen in sich selber.

Dirk: Und Österreich hat, glaube ich, ein Riesenpotenzial.

Dirk: Das beste Beispiel ist Blaufränkisch.

Dirk: Hat ein Riesenpotenzial, aber bis vor kurzem war es eine Traumensorte, die keiner wollte.

Dirk: Sondern man redete eher von Zweigl, Cabernet Sauvignon und so weiter.

Dirk: Und den Blaufräglich hat man irgendwo reingemischt und wenig erwähnt.

Dirk: Und heute ist es eine Traumsorte, die sich noch sehr, sehr entwickeln kann und auf einem guten Weg ist.

Dirk: Aber ich glaube, Österreich versucht immer noch, die Welt zu kopieren.

Willy: Also zu wenig eigenindividuell.

Dirk: Ja, zu wenig individuell.

Willy: Das Gleiche, was du auch für Portugal forderst. Wirfst du auch quasi den Österreichern vor, das hinzu.

Dirk: Ja, an sich selber glauben und ein bisschen dickköpfiger zu sein.

Dirk: In sich selber reinzugehen. Ich meine, Österreicher sind großartige Technikers.

Dirk: Also von der Technik her, vom Studieren her, vom Wissen her ist Österreich perfekt,

Dirk: also vielleicht zu viel, zu perfekt.

Dirk: Sie sollten ein bisschen weniger das machen, was sie gelernt haben in der Schule,

Dirk: sondern ein bisschen mehr,

Dirk: Terror anschauen, ein bisschen überlegen, hey, was können wir daraus machen,

Dirk: anstatt das und das zu machen, was man in der Schule gelernt hat.

Willy: Schauen wir jetzt, ich müsste unbedingt mit dir noch drüber reden,

Willy: mit Zeit nehmen wir uns jetzt da Schauen wir uns jetzt genau darüber zu den

Willy: Wurzeln von Nipport, zu den Wurzeln von dir.

Willy: Und ich glaube, wir brauchen, glaube ich, gar nicht viel Zeit.

Willy: Ich möchte nur verstehen, erstens mal, was ist Portwein?

Willy: Ich glaube, das wissen viele Menschen nicht. Wie wird Portwein hergestellt und

Willy: warum ist Portwein kein Likör?

Willy: Ist Portwein überhaupt Wein? Also das kleine Einmaleins des Portweins mit Dirk Niebhorn.

Willy: Was ist Portwein, Dirk?

Dirk: Portwein ist der beste Fortified Wein der Welt. Was heißt Fortified?

Dirk: Mit Weinbrand zugesetzt.

Dirk: Und damit will ich nicht sagen, dass es nicht andere Großartige gibt.

Dirk: Madeira ist schon unglaublich gut. Muscatel.

Dirk: Also es gibt Madeira. Mag ich sehr gerne.

Willy: Ich muss ans Österreichisch heißen. Madeira.

Dirk: Okay, okay.

Willy: Das klingt mir viel schöner, wenn du es sagst.

Dirk: Also was ist Potwein? Das ist ein Wein aus Trauben vom Doro.

Willy: Das ist die Region.

Dirk: Doro, die,

Dirk: während der Gärung mit Weinbrand zugesetzt werden und dadurch so viel Zucker haben, wie man will.

Willy: Also da stoppt man quasi die Gärung.

Dirk: Man stoppt die Gärung mit Weinbrand.

Willy: Genau, das vielleicht ein bisschen erklären, damit man es versteht.

Willy: Also man setzt ganz normal Wein an.

Willy: Gibt es irgendwie traubenmäßig irgendwas, wo man sagt, das sind typische Portweintrauben,

Willy: das ist nur die Region gesagt, Doro?

Dirk: Ja, es sind so 85 verschiedene Traubensorten.

Willy: Die potenziell Importwein sein könnten.

Dirk: Könnten, ja. Es gibt auch von den alten Reben sind immer Mischsätze.

Dirk: Man macht den Wein wie einen Rotwein, obwohl die Tradition früher war es mit

Dirk: den Füßenstampfen in Lagarde.

Willy: Lagarde.

Dirk: Lagarde, das sind so Schwimmbäder.

Willy: Lagatsch, das ist der österreichische Wort für Füße. Gatsch.

Dirk: Okay. Das ist übrigens die beste Extraktion.

Dirk: Wir denken, dass wir die Füße haben zum Gehen, aber sie sind gebaut zum Treten.

Dirk: Denn das ist, je nachdem, richtige Gewicht, kleine Fläche und du zerstörst alles,

Dirk: ohne nichts zu zerstören.

Dirk: Das heißt, du nimmst die den Saft aus der Traube, öffnest die Schale,

Dirk: aber zerstörst sonst nichts. Dadurch,

Dirk: Dadurch, dass wir kurze Gärungen haben, um die Süße zu behalten,

Dirk: ist es wichtig, dass man sehr viel schnell extrahiert.

Dirk: Und in dem Moment, wo man denkt, man will die Süße bald behalten,

Dirk: wird gepresst und dann der Weinbrand zugesetzt.

Dirk: Und es gibt im Grunde genommen zwei Kategorien, vom Weißwein abgesehen.

Dirk: Es gibt die Rubies und die Tonnies.

Dirk: Die Rubies sind Weine, die weniger lang im Fass sind, dunkler,

Dirk: weiniger und sich in der Flasche entwickeln.

Dirk: Vintage ist der König davon.

Willy: Vintage bedeutet?

Dirk: Der Vintage-Port, so heißt der wichtigste Portwein.

Willy: Was zeichnet den aus? Du hast es nämlich am Anfang schon zwei Mal erwähnt,

Willy: aber ich habe vergessen zum Fragen oder wollte nicht fragen.

Dirk: Das ist der König der Portweiner. Das heißt, das füllen wir nicht jedes Jahr

Dirk: ab, sondern in besonders guten Jahrgängen.

Dirk: Es ist ein kräftiger Wein mit viel Tannine, viel Struktur und an sich gedacht,

Dirk: um in 30, 40 Jahren zu trinken. So Lager. Lager.

Dirk: Und dann gibt es die Tornis. Tornis ist Bernsteinfarbe, man beschreibt das, so wie hier.

Dirk: Weine, die sehr lange im Fass lagern, desto länger umso besser,

Dirk: also je nachdem, aber ja.

Dirk: Und dadurch verlieren sie die Farbe, verlieren sie die Frucht,

Dirk: aber es ist wie ein Pferd, der ohne Klappen ist.

Dirk: Es hat eine ganz andere Dimension, aromatisch, riecht man dann.

Dirk: Es hat sehr viel Expression. während ein Vintage-Port mehr unidimensional ist

Dirk: in der Jugend, fruchtig ist.

Dirk: Und dann gibt es natürlich die Portweine aus weißem Traum.

Willy: Also Portwein sind die zwei Sachen für Anfänger, wie mich Weinbrand zugesetzt,

Willy: um die Gärung zu stoppen, um den Süßheitsgrad im Wein zu halten, deswegen die Süße.

Willy: Deswegen auch der intensivere Geruch im Glas, weil einfach der Alkoholanteil

Willy: größer ist. Das heißt, du hast einfach mehr Alkohol im Getränk.

Willy: Und er ist nicht nur rot. Es gibt auch einen weißen Port und sogar Rosé.

Dirk: Bei mir gibt es keinen Rosé, aber ja.

Willy: Vorhin habe ich mir was getroffen.

Dirk: An dem Tag, wo ich ein Rosé mache, dann bin ich gar nicht auf.

Willy: Es gibt Grenzen. Okay, siehst du, wir haben eine Grenze entdeckt.

Willy: Also sagen wir mal rot und weiß.

Dirk: Ja, und das ist, Portugal ist an sich ganz einfach.

Willy: Wozu hat Portugal ursprünglich überhaupt, hat das lagerfähig,

Willy: Transportfähigkeiten gehabt?

Dirk: Nein, nein, nein, das ist wieder so eine Erfindung von den Engländern.

Dirk: Die haben sich gestritten mit den Franzosen, wenn man es jetzt einfach erzählt.

Dirk: Und haben was anderes gesucht. Und Portugal und England sind die ältesten Allies, auf der Welt.

Dirk: Man hat sich immer gut verstanden und dann sind die Engländer hergekommen und

Dirk: haben Linger Verde gekauft und dann sind sie aber Inland gegangen.

Dirk: Denen passte Dodo besser.

Dirk: Dodo hat 2000 Jahre Geschichte, Weinbau, also es gab es schon.

Dirk: Und dann war es ein trockener Wein und man vermutet Einfach damit die Reise

Dirk: gut überstanden wird, hat man ein bisschen Weinbrand dran getan.

Dirk: Dann war ein Jahrgang, wo es genug Alkohol hatte und Süße. Man hat trotzdem Weinbrand dazu getan.

Dirk: Das hat in England dann besonders gut geschmeckt.

Dirk: Und so ist Botswana entstanden. Es gab damals auch Riesenkriege hier.

Dirk: Kriege heißt Unstimmigkeiten, weil Ballant Forrester meinte,

Dirk: es darf nur trockener Wein sein und die Engländer wollten den süßen und der

Dirk: Markt hat gewonnen. Zum Glück.

Dirk: Deswegen ist beim Pottwein, sage ich mal, der älteste Pottwein, den ich kenne, 1795.

Dirk: Aber ich denke, wie wir ihn heute kennen, ist ab 1820 und so weiter.

Willy: Es ist ja, die Englern haben ja nicht nur den Port, es ist quasi,

Willy: wenn man so will, Craftwein, weil Craftbier haben sie ja quasi auch erfunden,

Willy: weil sie den Hopfenanteil erhöht haben für die Lagerfähigkeit,

Willy: dass es einfach auf den Seereisen ist.

Dirk: Transportfähigkeit und so weiter, ja.

Willy: Also viele Getränke, die wir heute kennen, stammen einfach aus Lagerhaltbarmachen

Willy: eigentlich. Wie vieles? Also, wie heißt euer Fisch?

Dirk: Malaga, Marsala, Sherry.

Willy: Das ist so die kurze Geschichte des Portweigens und es ist für die Vision und

Willy: die Mission von, um das auch nicht aus den Augen zu verlieren, was dich antreibt,

Willy: Portugal wieder auf quasi einen Punkt auf der Land, nicht einen Punkt,

Willy: also ein, how did you put it?

Dirk: Put it on a map.

Willy: Map again, genau. Wichtiger Teil der Mission, oder?

Dirk: Nicht nur Portwein, Portugal.

Willy: Und jetzt, um vom Portwein ein bisschen wegzukommen und auf diese Seite des Tisches auch zu kommen,

Willy: grüner Tee, Kombucha. Wohin geht die Reise und warum Kombucha? Warum jetzt?

Willy: Warum ist das so ein wichtiger Teil, sodass du auch jetzt und gleich und groß und sofort?

Willy: Also eigentlich nicht Dirk.

Dirk: Ich mag Kombucha schon sehr gerne. Mataschitz kam mit dem Carpe Dean vor einer langen Zeit,

Dirk: hat sich dann aber konzentriert mehr auf Red Bull und so Sachen aber das Prinzip

Dirk: fand ich damals schon sehr interessant hast du das Wort inspiriert?

Willy: Der Vorstoß damals von Mataschitz? ich kann mich auch noch erinnern an das Getränk

Willy: wo keiner genau gewusst hat wo er hin soll damit

Dirk: Und damals war auch Jörg Wörther da mit ein bisschen involviert Für mich ist

Dirk: Jörg Wörther der beste Koch der Welt gewesen.

Dirk: Und ich denke, das hat schon eine Inspiration bei mir gehabt.

Dirk: Es ist ein Getränk, das sehr interessant ist. Ich mag die Kombuchas, die wir heute haben.

Dirk: Das sind wie Coca-Cola, das sind Sachen, die süß sind, gemacht sind.

Dirk: Das interessiert mich weniger. Aber durch unsere Verbindung von der Nina und

Dirk: von mir zum Tee haben wir eine ganz andere Einstellung zum Tee, der Qualität vom Tee.

Dirk: Und wir wollten etwas machen, das trocken ist.

Dirk: Wie man bei meinen Sachen ein bisschen

Dirk: austär, also nicht wirklich für irgendjemand, sondern eher für uns.

Dirk: Und ich glaube, das macht total Sinn.

Dirk: Und ich habe eine tolle Leber, die sehr lieb war zu mir mein ganzes Leben.

Dirk: Und jetzt muss ich ein bisschen lieb sein zu meiner Leber.

Dirk: Deswegen ist es auch für mich wichtig, privat, persönlich.

Dirk: Weniger Alkohol zu trinken oder gar nicht und Alternativen zu suchen.

Dirk: Meine Liebe zum Kombucha ist schon vorher.

Dirk: Ich glaube, das ist ein sehr interessantes Projekt.

Willy: Wie wird das eigentlich? Da ist noch ein bisschen was drin, glaube ich.

Willy: Wie wird Kombucha hergestellt? Erklär mir das bitte noch mal kurz.

Dirk: Es ist an sich sehr einfach. Es geht ein bisschen wie beim Essig.

Dirk: Es ist Tee.

Willy: Ja.

Dirk: Und dann hast du einen Scooby. Ich vereinfache wie beim Essig eine Mutter.

Dirk: Das ist so eine schleimige Sache.

Willy: Wie entsteht die?

Dirk: Die kommt von selbst. Wenn du vieles falsch machst.

Willy: Dann kommt die Mutter.

Dirk: Dann gibt es halt bessere Mütter oder schlechtere Mütter. Dann kannst du das

Dirk: natürlich schon sehr beeinflussen.

Dirk: Aber vereinfacht gesagt, Scooby ist sehr wichtig. Und dann,

Dirk: Lässt du das mit dem Scooby? Das ist ein Spiel von einer Gärung,

Dirk: die den Tee zum Essig macht.

Dirk: Das ist sehr wichtig, denn der Tee wird dann ein bisschen Säure bekommen durch

Dirk: den Essig und dann wird es abgefüllt. Also in unserem Fall ist es natürliche Gärung.

Dirk: Da kommt ganz wenig Zucker und wird abgefüllt und dann gärt er in der Flasche.

Dirk: Und das ist so wenig Zucker, dass es nicht zu Alkohol wird.

Dirk: Aber es ist dann halt ein bisschen trüb hier. Wenn du siehst,

Dirk: ist es ein bisschen anders als das hier. Klingt auch ein bisschen anders.

Dirk: Meistens schmeckt mir das besser.

Willy: Das ist aber wieder ein anderes,

Dirk: Oder wie? Das ist das selber, nur hier das vom Ende der Flasche,

Dirk: das vom Anfang der Flasche.

Dirk: Und dann gärt es in der Flasche und dadurch wird es trüb, hat diese Kohlensäure, die sehr wichtig ist.

Dirk: Obwohl wir sind dabei, etwas zu machen, das in diese Richtung geht,

Dirk: ohne die Gärung am Schluss.

Willy: Und das, glaubst du, ist erstens mal gesund, gut für deine Leber,

Willy: aber auch ein Produkt ist am Markt, so jetzt auch diesen Trend weg von alkoholischen Getränken.

Willy: Siehst du den Trend jetzt in Portugal auch generell?

Dirk: In Portugal nicht, noch nicht.

Dirk: Ich sage jetzt mal ein bisschen frech, ich bin nicht jemand,

Dirk: der wirklich hinter den Trends geht,

Dirk: sondern eher, dass ich kreiere die Trends.

Dirk: Ein bisschen arrogant von mir, aber es war schon immer so ein bisschen.

Dirk: Es macht es natürlich nicht einfacher am Anfang, aber wenn es dann läuft,

Dirk: dann sagen mir die Leute, du hast Glück.

Willy: Warum glaubst du, dass Kambucha als Trend etwas werden wird,

Willy: das du gerade kreierst? Warum hat das Potenzial?

Willy: Warum gerade Kambucha? Oder Kambucha?

Dirk: Weil ich glaube, die Leute wollten Alternativen zu Wein haben.

Willy: Zu Wein oder zu Alkohol?

Dirk: Da geht mir ein ganz kompliziertes Thema. Denn man verwechselt Alkohol mit Wein.

Dirk: Und das finde ich sehr schade, denn Wein ist was kulturell Gutes und Gesundes.

Dirk: Alkohol ist ein bisschen das

Dirk: Problem. Wir leben in einer Welt mit einer aggressiven Alkoholindustrie.

Dirk: Es gibt auch gute Weinbrände und so weiter. Es ist nicht alles nur Industrie.

Dirk: Aber es ist eine Industrie, die extrem aggressiv ist. und dummerweise,

Dirk: blöderweise, sich zu sehr konzentriert auf Jugendliche.

Dirk: Und da muss irgendwas gebremst werden.

Dirk: Auch von meiner Seite finde ich es eine Katastrophe.

Dirk: Aber es ist sozial ein bisschen ein Problem, dass man das nicht trennt.

Dirk: Aber...

Dirk: Ein bisschen weiter, wenn du in einem Restaurant bist und du trinkst gerne Weile.

Dirk: Es schmeckt auch ganz gut, sei es ein Tee, warmen Tee, als Zwischengang zu haben,

Dirk: sei es ein Glas Kombucha.

Dirk: Es säubert alles, es ist gut für den Magen und es macht Spaß.

Dirk: Und anstatt dass du drei Liter Wasser trinkst, trinkst du halt so ein bisschen Kombucha.

Dirk: Aber das kannst du natürlich nicht machen, wenn es super süß ist.

Dirk: Dann ist es wieder eine Katastrophe. Und deswegen finde ich,

Dirk: glaube ich, dass es sozial für die Zukunft sehr wichtig ist.

Willy: Hat Kombucha auch das Potenzial wie Wein, dass es in die Breite geht?

Willy: Also wenn man sagt, so Lagenreihen ist Kombucha, Kombucha von dem,

Willy: Kombucha von dem Jahrgang. ist es lagerfähig.

Willy: Hat es dieses Potenzial, das der Wein auch hat? Weil das macht den Wein ja auch so attraktiv.

Dirk: Grundsätzlich ist das Potenzial oder es ist so kompliziert wie Wein oder so interessant wie Wein.

Dirk: Also es gibt da viele Unterschiede, auch vom Terroir und so weiter.

Dirk: Kombucha ist es ein bisschen limitierter, aber gibt es auch.

Dirk: Und interessanterweise, wir kommen zum Ergebnis, dass die Kombuchas unserer

Dirk: Meinung sogar besser schmecken, wenn sie älter sind, als wenn sie jung.

Dirk: Also in meinem Kopf ist es so, dass ich jetzt schon Kombuchas abfülle,

Dirk: die ich auf die Seite tun möchte und in den ersten fünf oder zehn Jahren verkaufen möchte.

Dirk: Wenn du mich fragst, ist das kommerziell sinnvoll? Nein.

Dirk: Das ist ein Blödsinn. Aber ich kann es zeigen.

Dirk: Dann machst du wieder vielleicht auch.

Willy: Also man kann die ersten Kombuchas von dir, von euch schon, von dem Projekt kann man schon kaufen?

Music: Ja.

Willy: Gibt schon? Und ihr baut aus?

Music: Ja.

Willy: Ihr baut weiter aus?

Dirk: Ich will das sehr ernsthaft aufbauen.

Willy: Wenn ich jetzt grüner Tee, Kombucha etc., Wein, Portwein, was noch?

Willy: Also was steht jetzt noch so auf deiner Agenda, auf deiner Mission,

Willy: Portugal zu einem bekannten, leuchtenden Bereich auf der Karte zu machen?

Willy: Gibt es noch, über das du schon reden möchtest oder reden kannst oder gibt es

Willy: noch irgendwas, von dem du träumst, wo du sagst, das möchte ich unbedingt noch

Willy: in diese Reihe hineinstellen?

Dirk: Das ist eine blöde Antwort, aber ich arbeite.

Dirk: Wir haben gerade einen Sherry auf den Markt gebracht. Back to the roots.

Dirk: Weißt du, es interessiert mich, was Sherry macht.

Dirk: Und ich mache es nicht aus Geldgründen, sondern weil es mir Spaß macht,

Dirk: weil Sherry ähnliche Probleme hat.

Willy: Was waren die Probleme mit Sherry? Nur in der Nutshell?

Dirk: Ja, Sherry war das beste Aperitif neben Champagne auf der Welt.

Dirk: Und dann kamen irgendwelche Idioten und haben den Namen zerstört,

Dirk: indem sie nur Mist gemacht haben und Preise runtergebracht haben. und so weiter.

Dirk: Und die leiden seit 50 Jahren und ich habe mir eingebildet, naja,

Dirk: eingebildet, es ist nicht wirklich geplant.

Willy: Da liegt Potenzial brach, dass man heben kann wieder, oder?

Dirk: Ja, und vor 20 Jahren, also 2008, um präzise zu sein,

Dirk: hat man mich gefragt, was ich machen würde und ich habe gesagt,

Dirk: ich würde gerne einen Sherry machen, der nicht mit Weinbrand zugesetzt ist,

Dirk: also das heißt ein Weißwein, aber mit Flor.

Dirk: Flor ist so eine Krankheit, die typisch ist für Manzanilla und Fino.

Willy: Stoppt auch den Prozess, oder?

Dirk: Nein, es ist,

Dirk: sehr wichtig, um das Terroir zu zeigen, den Boden zu zeigen, in diesem Fall. und,

Dirk: die meinten, das geht nicht, das ist unmöglich und das ist interessant,

Dirk: heute produzieren 65 Leute das Zeugs.

Dirk: Man redet sehr viel über Sherry jetzt wegen dem Nicht-Sherry und es gibt natürlich

Dirk: Leute, die sauer sind auf mich, weil sie denken,

Dirk: ich zerstöre die Sherry-Kultur, Aber sie haben noch nicht verstanden,

Dirk: dass ich will nur,

Dirk: dass die Leute die Gegend anschauen, um dann Manzanilla oder Fino zu probieren, das Richtige.

Dirk: Also das ist nicht gegen, sondern dafür.

Dirk: Und es macht mir ein bisschen Spaß, das zu machen.

Willy: Wo kommt denn bei all deinem Anbau, dein Rotwaren wird biologisch dynamisch

Willy: bewirtschaftet, also Demeter eigentlich?

Willy: Demeter ist es, also bei uns ist Demeter die Zertifizierung.

Willy: Wichtig mit T ist, mit Infusion.

Dirk: Aber wir sind in ein paar zertifiziert, aber nicht alles, weil wir auch Zukauf haben von Trauben.

Willy: Die da nicht zertifiziert sind, deswegen geht es dann wieder in der Abfüllung.

Willy: Aber ist es generell der Zugang, dieser nachhaltige, biologisch-dynamische Zugang?

Willy: Oder ist es nur, weil es für den Wein der richtige Zugang ist?

Willy: Oder was steckt denn da, steckt da Überzeugung dahinter?

Dirk: Ich arbeite biologisch schon seit je und je.

Willy: Als Grundprinzip.

Dirk: Aber mir war scheißegal, den Stempel zu haben.

Dirk: Und heute haben wir den Stempel, aber wir füllen nur ein paar separat,

Dirk: weil ich der Meinung bin, dass das Wichtigste ist, was man macht und nicht,

Dirk: dass es abgestempelt ist.

Dirk: Aber wir leben in einer komischen Welt, wo der Stempel wichtiger ist als die

Dirk: Realität in der Hinsicht.

Willy: Wir haben heute über Vertrauen geredet, es gibt halt Menschen,

Willy: die sagen, sie machen es machen es nicht und kassieren dafür dann die höhere Preise etc.

Willy: Und zerstören das Vertrauen in Menschen, die es dann machen.

Willy: Deswegen gibt es ja den Stempel auch wieder.

Willy: Sonst müsste ich ja wieder allen nur vertrauen können, dass sie es machen.

Willy: Du weißt wahrscheinlich auch gut, dass es halt Menschen gibt, die das ausnutzen.

Dirk: Wahrscheinlich vor allem die, die den Stempel haben.

Willy: Könntest du dir vorstellen, Nipport irgendwann zu verkaufen, Exit, raus?

Dirk: Nein.

Willy: Wiegt das Erbe zu schwer oder ist es...

Dirk: Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich habe es in einer...

Dirk: Ich treffe meine drei Kinder einmal im Jahr und...

Willy: Du hast ein einmal im Jahr.

Dirk: Ja, also geschäftlich sage ich mal so. Okay, gut. und zwinge sie, ein Meeting zu haben.

Dirk: Und beim letzten Meeting habe ich ein bisschen als Tag gestellt,

Dirk: entweder ihr versteht euch, sonst verkaufe ich das alles und kaufe eine Yacht

Dirk: und ein Flugzeug und werde dafür sorgen, dass ich das ganze Geld ausgeben werde

Dirk: bis zum letzten Pfennig.

Dirk: Fuck you.

Dirk: So fing das Meeting an. Aber nein, das kann ich mir nicht vorstellen.

Dirk: Also das wäre tödlich für mich.

Willy: Wüsste ich dir in der fünften Generation quasi, der letzte Generation?

Dirk: Ja, außerdem, es sei denn, wir wären so pleite, dass wir verkaufen müssten.

Dirk: Ich wüsste nicht, was ich mit meinem Leben machen sollte ohne E-Pot.

Willy: Wird die Nachfolge für deine drei Kinder, die ja eh schon quasi in der Nachfolge

Willy: schauen, ähnlich einfacher oder machst du es einem auch ein bisschen schwierig?

Willy: Wirst du ein sturer Patriarch, der dann sagt, den Wein trinke ich nicht,

Willy: das ist kein Wein, den man trinken kann und schenkst du dann dem Personal die ersten Versuche?

Dirk: Hey, das musst du meinen Kindern fragen.

Willy: Plan besteht nicht, ne?

Dirk: Ich glaube, dass ich überhaupt nicht so bin. Im Gegenteil, ich vertraue denen zu viel.

Dirk: Aber ich will schon ein bisschen Ordnung zwischen denen und dass es keinen Krieg zwischen denen gibt.

Dirk: Aber beim Daniel, der jetzt enger ist bei der Arbeit,

Dirk: Und ich meine, es ist ein bisschen, was ich meiner Tochter sagte,

Dirk: wo wir mal drüber geredet haben, weil sie meinte, dass ich ein bisschen streng

Dirk: bin mit dem Daniel und zu wenig helfe und so.

Dirk: Und ja, ich bin streng, ich bin ein bisschen komischer Vater,

Dirk: aber ich habe ihr dann nur gesagt, weißt du, wenn der Daniel ein Idiot wäre

Dirk: oder dumm wäre oder so, wäre ich viel lieber zu ihm.

Dirk: Ja, aber er ist eben nicht dumm und kein Idiot, im Gegenteil,

Dirk: er ist so großartig, dass ich ihn ins Wasser schmeißen kann und dann lernt er schneller.

Dirk: Das ist hart für ihn, ja, aber ich kann das nur machen, weil er großartig ist.

Willy: Das hast du sogar gerade noch in die Augen gestalt, glaube ich. Das ist schön.

Willy: Zum Abschluss. In einer utopischen Welt, in der du dir alles wünschen könntest

Willy: oder alles machen könntest, was würdest du in unserem Lebensmittelsystem ändern?

Dirk: Ich würde, also man kann es nicht verändern, aber die Antwort ist hier andersrum.

Dirk: Wir Menschen wollen verarscht werden. und wir verursachen die Scheiße.

Dirk: Sei es, wir wollen verarscht werden wegen Bio.

Dirk: Ich glaube an Bio. Es sollte alles Bio sein. Fertig.

Dirk: Aber die Supermärkte kontrollieren alles. Die Leute wollen ein einfaches Leben.

Dirk: Ich würde gar nichts verändern, weil grundsätzlich ich kaufe so gut wie nichts in Supermärkten.

Dirk: Ich kaufe in kleinen Läden und fertig.

Dirk: Man tut, was man kann mit kleinen Sachen, mit Leuten.

Dirk: Ich will nicht mal sagen, die man kennt, aber der Fleischer,

Dirk: ich gehe meistens zum Fleischer eher wegen dem Gemüse, weil der Vater von der

Dirk: Frau hat einen Garten und produziert das alles selber.

Dirk: Und der Vater von ihm hat in Doro eine Kinte und produziert andere Sachen.

Dirk: Und dann kaufen sie auch andere, normalere Sachen. Das ist nicht alles perfekt,

Dirk: aber man kann ja einfach die Sachen anschauen und entscheiden.

Dirk: Also ich bin nicht fähig, die Welt zu verändern Und die Leute sind zu komfortabel

Dirk: und wollen verarscht werden.

Dirk: Ich glaube, das, was mich am meisten stört, ist, man kann die Leute wirklich

Dirk: verarschen, weil sie verarscht werden wollen.

Willy: Was steht auf deiner Bucketlist ganz, ganz oben?

Dirk: Auf meiner Wort?

Willy: Bucketlist von den Dingen, die du in deinem Leben unbedingt noch machen möchtest.

Willy: Was steht auf dieser Liste?

Willy: Die hat jeder irgendwo implizit, explizit. Was steht da ganz oben?

Dirk: Glücklich zu sein, weiterzuarbeiten.

Dirk: Dass meine Kinder keinen Krieg führen.

Dirk: Und sonst?

Willy: Schließt sich nahtlos an an die nächste Frage. Wenn du dann eines Tages in vielen,

Willy: vielen Jahren diese Welt schon immer verlässt, wofür soll man sich an dich erinnern?

Willy: Was wäre wichtig?

Dirk: Ist mir egal.

Willy: Wirklich?

Dirk: Ja, also ehrlich gesagt ist es so, dass ich habe alles erreicht,

Dirk: was ich erreichen wollen könnte,

Dirk: deswegen, meine Kinder sind manchmal zappelig mit mir, weil sie sagen,

Dirk: ich darf nicht sterben, ich habe nicht vor zu sterben, aber wenn ich heute sterben

Dirk: würde, würde ich glücklich sterben.

Willy: Das ist doch ein schöner Zustand, der man hat, oder?

Dirk: Ich finde es auch.

Willy: Mitte 40 oder so, wo du jetzt bist, ne?

Dirk: Ja, ungefähr auf jedem Bein, ja.

Dirk: Aber es ist ein bisschen, wie mein Vater sich verabschiedet hat.

Dirk: Ich habe ihn, der war schon nicht mehr ganz da.

Dirk: Und da bin ich hingegangen, und er hat gesagt, Papi, jetzt ist die Zeit gekommen. Geh.

Dirk: Du hast alles gemacht, du warst ein glücklicher Typ. Es ist Zeit,

Dirk: dass du gehst, weil du leidest nur.

Dirk: Ich weiß nicht, wie viel du leidest, aber für uns ist es auch nicht gut.

Dirk: Und tschüss. Ich habe den Bus gegeben und so weiter.

Dirk: Interessanterweise ist er ein paar Stunden später gestorben. Nein.

Willy: Das ist schön, oder?

Dirk: Aber er hat sich vorher schon von mir verabschiedet.

Dirk: Ja, deswegen, ich habe eine interessante Beziehung zum Sterben.

Music: Ja?

Dirk: Ja. Ich hatte auch mal einen Tumor. Ja, nein.

Dirk: Ich habe gestern ein bisschen Film angeschaut von irgendwas und es ging um Sterben

Dirk: und nicht Sterben und so weiter und da habe ich meine Freundin gefragt,

Dirk: Hast du sowas mal erlebt, dass du weißt, dass du sterben wirst oder so?

Dirk: Nein, natürlich nicht. Ich habe gesagt, ja, ich schon.

Dirk: Und ich habe nur damals entschieden, ich werde nicht sterben.

Dirk: Aber ich hätte sterben müssen. Ich hatte einen Tumor oder sowas.

Dirk: Aber heute ist es für mich egal.

Willy: Hat das was verändert damals eigentlich, dass du das Gefühl gehabt hast,

Willy: ich habe mit ein paar Leuten schon geredet,

Willy: man nimmt das Leben dann etwas leichter, wenn man einmal in diesen existenziellen

Willy: Abgrund oder in den Tunnel geschaut hat.

Dirk: Ich weiß nicht, aber man bildet sich ein, dass man was verändert hat.

Dirk: Aber ich weiß nicht mehr was.

Willy: Ich habe was verändert, ich weiß nicht mehr was, aber das Gefühl ist latent noch da.

Dirk: Aber ich weiß, dass ich nicht sterben wollte und nicht sterben werde.

Dirk: Also nicht nur wollte, Sondern für mich war es klar, ich werde nicht sterben.

Dirk: Ich habe alles sehr gut überstanden.

Dirk: Ich habe es zum Teil danach so genossen und das war der Moment,

Dirk: wo ich dann anfing, dicker zu werden.

Dirk: Weil ich musste jeden Tag Radiotherapie machen und die sagten mir alle,

Dirk: mir wird schlecht gehen.

Dirk: Und mir ist nur schlecht gegangen, wo ich mein Mittagessen nicht gegessen habe.

Dirk: Weil einfache Logik war, ich muss Mittagessen.

Dirk: Also war ich jeden Tag Mittagessen mit Journalisten oder Kunden oder irgendwas. In London war das.

Dirk: Weil es sehr schwierig war, das Ganze.

Willy: Hast du geklappt?

Willy: Zum allerletzten Abschluss, ein Witz, ein Zitat oder ein Spruch,

Willy: mit dem du uns jetzt nach Hause schicken möchtest.

Dirk: Auf Portugiesisch heißt es, du kannst es,

Dirk: wenn du es willst.

Willy: Ich will es zwar nicht, aber ich kann, ich werde das Gespräch jetzt beenden,

Willy: weil wir haben heute sehr, sehr viel kennengelernt.

Willy: Wir haben einen Menschen kennengelernt, ein bisschen was überweilen haben wir

Willy: kennengelernt, aber vor allem haben wir wieder einmal einen Menschen besser

Willy: kennengelernt und warum er das tut, was er tut.

Willy: Vielen, vielen Dank für die Zeit, Dirk.

Dirk: Prost.

Willy: Prost, jetzt soll ich schon fast rauskommen.

Music: Music

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