Folge Nr: 218
B2P114 – Was ist Regenwald? – Der Regenwaldviertler & Tropenbotaniker Anton Weissenhofer
Eine Forschungsstation im Regenwald und was die Österreicher da in Costa Rica machen
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Über die Folge:
Ja, ab heute gibt es wieder etwas Neues. Und zwar nehmen wir im BauertothePeople Podcast ab jetzt immer wieder auch eine “Glokale Perspektive” ein. Was bedeutet das? Wir sammeln neben den vermeintlich vertrauten bzw. vertrauteren Perspektiven aus den heimischen “vier Wänden”, nun auch Perspektiven aus weiter weiter Ferne. Und weite Ferne verstehen wir sowohl geographisch als auch kulturell.
Und je weiter diese Entfernung ist, des größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass man dabei etwas ganz ganz Neues lernen kann oder auch zu vermeintlich Vertrautem, eine völlig neue Perspektiven entdeckt. Was bei dieser Reise rauskommt, wissen wir erst, wenn wir die Segel gesetzt haben und hinter unserem eigenen Horizont verschwunden sind. Also, neben den wunderbaren Perspektiven aus den eigenen vier Wänden, gibt es in Zukunft immer wieder auch glokale Perspektiven.
Und wenn ihr Menschen rund um diesen Planeten kennt, deren Perspektiven und Geschichten unbedingt erzählt werden sollten, dann schreibt uns das bitte und lasst es uns wissen. Ihr wisst eh: Durchs Reden kommen die Leut’ zamm.
In dieser Ausgabe war ich zu Gast im Regenwald der Österreicher. Und damit ist nicht die Lobau im Regen gemeint, sondern ein immer größer werdendes Stück geschützen Regenwalds in der Provinz Puntarenas im Südosten Costa Ricas. Ganz genau war ich in der Forschungsstation LaGamba mitten im Regenwald. Der Musiker Michael Schnitzler hat den Verein 1991 gegründet. Mit Spenden wurde Regenwald Stück für Stück aus privater Hand erworben und dann der örtlichen Nationalparkverwaltung geschenkt.
Bald wurde die Tropenstation als Zentrum für Tropenforschung der Universität Wien errichtet und hat sich sehr rasch ein internationales Renommeè erarbeitet. Und so musste ich dann fast unweigerlich an einem Tisch mitten im Regenwald mit Anton Weissenhofer landen. Der ist quasi tief verwurzelt mit LaGamba und war von Stunde eins dabei. Über die Jahre wurde so aus dem gebürtigen Waldviertler ein forschender Regenwaldviertler. Und Leute, auf diesen Schmäh ist lt. Anton bis dato niemand gekommen. Leute, was ist los mit euch!
Seine Geschichte erzählt der Anton ohnehin im Podcast. Begleitet von einer unglaublichen Rampensau von einer Zikade, die unbedingt in den Podcast wollte und das hörbar auch geschafft hat. Also verzeiht die gelegentliche tierische Co-Moderation. Aber so ist das halt, wenn man die Leute nicht zum Podcast kommen, sondern der Podcast zu den Leuten.
Wir sprechen viel über Antons Weg zum Regenwaldviertler und vor allem über den Regenwald selbst. Was ist eigentlich genau Regenwald, welche Funktionen hat er und wie hängt das alles mit Klima oder mit Biodiversität zusammen. Ich kann euch versprechen, da gibt es vieles zu lernen und ich hatte ein paar heftige Ahaa!-Momente. Und ja, jetzt weiß ich wenigsten, dass ich nichts weiß. Aber zumindest das. Ich hoffe, dass ihr möglichst viel für euch mitnehmen könnt und viel Spaß bei Reinhören.
Und jetzt hört ihr noch zum Start ein Lied von Oscar Efraín Pineda, genannt Camacho. Der 2024 verstorbene Camacho war die musikalische Stimme von LaGamba und die Musik war, so sagte er immer, Teil seines Lebens. Und einen Teil dieses Lebens, den teilen wir nun mit euch …
INFOS ZUR FOLGE
Forschungsstation LaGamba
www.lagamba.at
Regenwald der Österreicher
www.regenwald.at
Produkte aus LaGamba
www.lagamba.at/verein-la-gamba/gewuerze-und-co
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„Leit hoits zamm“ – Haindling
thx an Jürgen Buchner
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… und ein bisserl selbst gesungen
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Transcript - B2P114 – Was ist Regenwald? – Der Regenwaldviertler & Tropenbotaniker Anton Weissenhofer
Anton: Ein Biologe, der muss die Natur lieben und das muss auch immer ein Schützer sein der Natur.
Anton: Weil letztendlich sind ja immer die Interessen, jetzt habe ich die wirtschaftlichen
Anton: Interessen und dann habe ich aber diese Naturschutzinteressen.
Anton: Das sollte man halt möglichst gut kombinieren und auch fair behandeln und nicht
Anton: jetzt polarisieren und die einen gegen den anderen, das wird nichts bringen.
Anton: Weil letztendlich wollen wir ja alle überleben und wir wollen ja gut überleben
Anton: und wir wollen ja gesund überleben.
Anton: Da gibt es Bam, die wachsen in einem Jahr 5 Meter. Die nehmen sehr viel CO2
Anton: sehr rasch aus der Luft auf und speichern es und bauen es ein.
Anton: Und das ist, warum der Regenwald natürlich jetzt, sage ich mal,
Anton: ein sehr, sehr guter und ein sehr schneller und effektiver CO2-Speicher ist.
Anton: Manchmal hört man so ein Pupp. Ich weiß nicht, ob das noch kommt.
Anton: Weil das ist der Tuberkelhokko.
Willy: Der Tuberkelhokko?
Anton: Das ist so ein großer Vogel. Das sind Ruthann verwandte Vögel und seit ungefähr
Anton: zehn Jahren sind die aus dem Wald, der sie ja regeneriert hat, wieder rausgekommen.
Anton: Und das sind mehrere Familien, die bei uns im Garten brüten.
Anton: Ein Kilo Erdäpfel da sechs bis sieben Dollar, ein Kilo Tomaten acht Dollar, Kilo.
Anton: Das ist natürlich viel Geld. Und da haben wir gesagt, versuchen wir doch gemeinsam
Anton: zu schauen, was geht und machen da jetzt quasi ein landwirtschaftliches Projekt
Anton: innerhalb dieses Korridors.
Anton: Wir machen die Wiederbewaldungen einerseits, wir machen aber auch mit der Bevölkerung
Anton: dieses landwirtschaftliche Projekt.
Anton: Meine Mutter, die hat immer Blumen geliebt und die hat mir sicher was mitgegeben für mein Leben.
Anton: Also diese ganze Begeisterung eigentlich für die Pflanzen. Also ich war wirklich viel in der Natur.
Anton: Hinter uns hat es einen schönen Wald gegeben und da habe ich halt auch Hütten
Anton: gebaut oder ein Baumhaus mit den Freunden.
Anton: Im Sommer sind wir Schwammlzeugen gegangen, im Winter waren wir Skifahren ohne
Anton: Lift, aufgetreten mit den Ski, wenn es einen Schnee gegeben hat.
Anton: Eigentlich immer, immer in der Natur gewesen. Leute, holt's zusammen,
Music: Music
Anton: Sonst dauert's nicht mehr recht lang.
Music: Auf einmal tut's einen gescheiten Schieberer und dann graucht alles zusammen.
Willy: BauertothePeople, der Podcast für Perspektiven rund um Essen,
Willy: Menschen und Landwirtschaft.
Willy: Weil nur durchs Reden kommen die Leute.
Music: Music
Willy: Ja, ab heute gibt es wieder etwas Neues. Und zwar nehmen wir im Bauer-to-the-Bibel-Podcast
Willy: ab jetzt immer wieder auch eine lokale Perspektive ein.
Willy: Und was bedeutet das? Wir sammeln neben den vermeintlich vertrauten bzw.
Willy: Vertrauteren Perspektiven aus den heimischen vier Wänden nun auch Perspektiven
Willy: aus weiter, weiter Ferne.
Willy: Ja, und weite Ferne verstehen wir sowohl geografisch, aber auch kulturell.
Willy: Ja, und je weiter diese Entfernung ist, desto größer ist auch die Wahrscheinlichkeit,
Willy: dass man dabei etwas ganz Neues lernen kann.
Willy: Oder zumindest bei vermeintlich Vertrautem völlig neue Perspektiven entdeckt.
Willy: Ja, was bei dieser Reise dann immer wieder rauskommt, das wissen wir immer erst
Willy: dann, wenn wir die Segel gesetzt haben und hinter unserem eigenen Horizont verschwunden sind.
Willy: Also neben den wunderbaren Perspektiven aus den eigenen vier Wänden gibt es
Willy: in Zukunft immer wieder auch lokale Perspektiven beim Bower to the People Podcast.
Willy: Und wenn ihr Menschen rund um diesen Planeten kennt, deren Perspektiven und
Willy: deren Geschichten unbedingt erzählt werden sollten, dann schreibt uns das bitte
Willy: und lasst uns das wissen.
Willy: Ihr wisst ja, durchs Reden kommen die Leute zu.
Willy: Ja, und in dieser Ausgabe, da war ich zu Gast im Regenwald der Österreicher.
Willy: Und damit ist nicht die Lobau im Regen gemeint, sondern ein immer größer werdendes
Willy: Stück geschützter Regenwald in der Provinz Punta Arenas im Südosten Costa Ricas.
Willy: Ganz genau war ich in der Forschungsstation La Gamba, mitten im Regenwald.
Willy: Dort hat der Musiker Michael Schnitzler 1991 den Verein Regenwald der Österreicher
Willy: gegründet und mit Spendengeldern wurde dann Stück für Stück Regenwald aus privaten
Willy: Händen erworben und dann der örtlichen Nationalparkverwaltung geschenkt.
Willy: Bald wurde dann die Tropenstation La Gamba als Zentrum für Tropenforschung der
Willy: Universität Wien errichtet und
Willy: die haben sich dann relativ rasch ein internationales Renommee erarbeitet.
Willy: Ja, und so musste ich dann fast unweigerlich an einem Tisch mitten im Regenwald
Willy: mit dem Anton Weißenhofer landen.
Willy: Und der ist quasi tief verwurzelt mit La Gamba und war von Anfang an mit dabei.
Willy: Ja, und über die Jahre wurde so aus dem gebürtigen Waldviertler ein forschender Regenwaldviertler.
Willy: Und liebe Leute, auf diesen Schmäh ist laut Anton bis dato niemand gekommen. Was ist mit euch?
Willy: Seine Geschichte, die erzählt der Anton ohnehin im Podcast, begleitet von einer
Willy: unglaublichen Rompensau, von einer Zikade, die unbedingt in den Podcast wollte
Willy: und das Hörbar auch geschafft hat.
Willy: Also verzeiht bitte die gelegentliche tierische Co-Moderation,
Willy: aber so ist es halt, wenn man die Leute nicht zum Podcast holt,
Willy: sondern der Podcast zu den Leuten kommt.
Willy: Wir sprechen viel über Antons Weg zum Regenwaldviertler und vor allem über den Regenwald selbst.
Willy: Was ist eigentlich Regenwald? Welche Funktionen hat der und wie hängt das eigentlich
Willy: alles mit Klima oder mit Biodiversität zusammen?
Willy: Ich kann euch versprechen, da gibt es wirklich viel zu lernen und ich hatte
Willy: ein paar heftige Aha-Momente.
Willy: Und ja, jetzt weiß ich wenigstens, dass ich nichts weiß. Aber zumindest weiß ich jetzt das.
Willy: Ich hoffe, dass ihr euch auch möglichst viel für euch mitnehmen könnt und ich
Willy: wünsche euch wirklich viel Spaß beim Reinhören.
Willy: Ja und jetzt hört ihr noch zum Start ein Lied vom Oscar Efrain Beneda, genannt Camacho.
Willy: Der 2024 verstorbene Camacho war die musikalische Stimme von La Gamba und die
Willy: Musik war, wie er immer sagte, ein Teil seines Lebens.
Willy: Und einen Teil dieses Lebens, den teilen wir jetzt auch mit euch.
Music: Music
Willy: Wo sind wir da? Wir sind da in Costa Rica. Wo macht man am besten einen Podcast
Willy: über das Thema Regenwald, den Regenwald der Österreicher, Biodiversität und
Willy: viele, viele andere Themen. Wir sind direkt mittendrin im Regenwald der Österreicher.
Willy: Und da sind wir heute, oder?
Anton: Ja, da sind wir. Wir sind wirklich fast mittendrin. Am Rande sind wir.
Anton: Aber gleich hinter uns, gleich hinter der Tropenstation, fängt der Regenwald der Österreicher an.
Anton: Der Nationalpark Piedras Blancas, wie er hier heißt.
Willy: Der Nationalpark Pietras Blancas.
Anton: Die Weißen Steine. Danke für die Übersetzung.
Willy: Ich glaube, wir werden heute noch ein bisschen was übersetzen müssen im Laufe
Willy: des Podcasts. Da kommt noch was daher. Wer bist denn du eigentlich?
Anton: Ich bin der Anton Weißenhofer.
Anton: Und ich bin der Leiter oder einer der beiden Leiter der Tropenstation La Gamba.
Anton: Die Tropenstation La Gamba wurde 1993 gegründet durch Michael Schnitzler,
Anton: auch der Gründer vom Regenwald der Österreicher und das waren wichtige Jahre,
Anton: Gründungsjahre und man hat bei Null begonnen.
Anton: Der Nationalpark war im Prinzip nicht existent, es war ein Wald hier,
Anton: Der hat damals noch geheißen Bosque Esquinas.
Willy: Esquinas?
Anton: Esquinas.
Willy: Und haben wir bei der Übersetzung?
Anton: Ja, Esquina ist die Ecke. Wobei man im Spanischen unterscheidet zwischen Innenecke und Außenecke.
Willy: Geil.
Anton: Ja, also die Innenecke da drinnen, das ist der Rincón und die Außenecke ist der Esquinas.
Anton: Und der Esquinas ist ein Fluss, der Rio Esquinas, weil der meandert.
Anton: Schlenklt sich so, wenn man sich die Akkorden anschaut, sieht man das.
Anton: Und das war quasi die Grenze im Norden und im Westen von diesem Wald.
Anton: Und darum, also der Name damals Bosque Eskinas.
Anton: Und der war eben in den 90er Jahren sehr gefährdet von der Abholzung.
Anton: Das ist die Geschichte mit der United Fruit Company.
Willy: Auf die kommen wir heute sicher noch. Später kommen.
Anton: Und der Michael Schnitzler ist also in dieser Zeit hierher gekommen und hat
Anton: also begonnen oder hat gesehen, da gibt es Probleme, da wird abgeholzt und hat
Anton: in Österreich dann den Verein Regenwald der Österreicher gegründet.
Anton: Und das war im Prinzip, sage ich mal, die Geburtsstunde dieser ganzen Aktivitäten.
Willy: Okay. Das war, wann hast du gesagt, war der Michael Schnitzler da?
Anton: Der Michael Schnitzler war Ende der 80er Jahre da.
Willy: Ende der 80er, nur dass wir es ein bisschen zeitlich ein bisschen einordnen können.
Willy: Und irgendwann bist du dann dazukommen zu dem Projekt und wie du dann dazukommen
Willy: bist, das wollen wir jetzt ein bisschen ausholen, aber es ist immer wichtig
Willy: beim BauertothePeople-Podcast, wenn wir da wen sitzen haben,
Willy: der uns dann was erzählt zu gewissen Fachthemen, dass man auch versteht, wer diese Person ist.
Willy: Deswegen schauen wir jetzt bei dir auch mal ein bisschen zurück in deine Vergangenheit,
Willy: wie du quasi zu diesem Menschen wurdest, der da heute bei mir sitzt und gleich
Willy: viele Hüte aus hat, nämlich Obmann des Regenwalds der Österreicher,
Willy: einer der Leiter der Forschungsstation,
Willy: nebenbei noch ein Reisebüro an der Uni Wien, forschst du auch noch und unterrichtest
Willy: du, also da kommt einiges zusammen.
Willy: Wie kommt man da dazu? In welcher Familie bist du und in welcher Zeit hineingeboren worden?
Anton: Naja, also da willst du jetzt wissen, meinen Geburtsjahr an, ich kann es nicht sagen.
Willy: Den können wir dann schätzen auch, wenn du willst.
Anton: Nein, das ist ja völlig egal. Es ist ja kein Geheimnis. Ich bin geboren in einer
Anton: ganz kleinen Ortschaft im Waldviertel. Die nennt sich Schloss Rosenau.
Willy: Ein Waldviertel.
Anton: Ein Waldviertel. Das ist in der Nähe von Zwettl. Also geboren in Zwettl,
Anton: aufgewachsen in Schloss Rosenau, am Land.
Anton: Ja, ich glaube, wir haben damals gehabt, sind die 50 Einwohner.
Anton: Und ich habe die Natur geliebt, eigentlich schon als Kind.
Anton: Und meine Mutter, die hat immer Blumen geliebt und die hat mir sicher etwas
Anton: mitgegeben für mein Leben.
Anton: Also diese ganze Begeisterung eigentlich für die Pflanzen, die begleiten mich seit Kindheit.
Willy: Die Großmutter war das?
Anton: Meine Mutter.
Willy: Die Mutter?
Anton: Meine Mutter, ja. Und sie ist dann immer gefahren zu einem Gärtner in der Nähe,
Anton: das ist der Schoritzer Hans, der Johann Schoritzer, der Schwadetzer Hans,
Anton: er wird auch genannt, der Brennnesselbötzer.
Anton: Brennnessel kennt man, Bötzer auf waldviertlerisch ist veredeln.
Anton: Also den hat man nachgesagt, der liebt die Pflanzen so sehr,
Anton: dass er auch die Brennnessel veredelt.
Anton: Das war so ein bisschen ein Spitzname. Und meine Mutter hat beim Brennnesselbötzer,
Anton: beim Schwadetzer Hans, immer kleine Pflanzen gekauft.
Anton: Also der hat so eine kleine Gärtnerei aufgebaut. Er war zwar Bauer,
Anton: aber er hat nebenbei damals, das war in den 70er Jahren, hat er eben auch so
Anton: kleine Pflanzel gehabt, so ein Miesbäck gehabt.
Anton: Und eines seiner Hobbys waren auch Kakteen.
Anton: Und meine Mutter hat gesagt, geh, wenn du mitfährst, fahr mit.
Anton: Und ich bin mitgefahren und dann habe ich die Kakteen gesehen.
Anton: Und sie hat gesagt, na, sie kauft mir einen. Gut, dann bin ich mit einem Kaktus
Anton: heimgefahren und das nächste Mal hat sie gesagt, wenn du wieder mitfährst,
Anton: so ungefähr, nicht gelockt ein bisschen, hübsch mir, kriegst du wieder einen
Anton: Kaktus. Und so habe ich halt schon langsam begonnen.
Willy: Kaktus zu sammeln.
Anton: Einen Kakteen zu sammeln. Ja, so war das. Und der Schwadetzer Hans und ich,
Anton: also der Schwadetzer Hans ist jetzt über 90, Wir waren eigentlich,
Anton: wir sind richtige Freunde geworden.
Anton: Also wir haben eine Ebene gefunden und das war die Natur.
Anton: Und irgendwann habe ich ihn gefragt, wie das halt ist mit den Kakteen.
Anton: Und er hat gesagt, wenn du willst, fahrst einfach einmal mit. Da gibt es einen Verein.
Anton: Und ich habe gesagt, ja, ich frage einmal, ob ich darf. Da war ich noch ein
Anton: Bub, ich war 10, 11, 12 Jahre.
Anton: Und meine Eltern, mein Vater war immer sehr locker. Und er hat gesagt,
Anton: ja, sicher, das darfst du schon. Meine Mutter war froh, weil dann habe ich ihr wieder geholfen.
Anton: Und so bin ich da mitgefahren mit den Männern, die damals Kakteen gesammelt
Anton: haben nach St. Böten einmal im Monat. Und da gab es dann einen Vortrag über Kakteen.
Anton: Mir hat das so getaugt und dann bin ich Mitglied geworden. Und dann war ich
Anton: das jüngste Mitglied im Kakteenverein in Österreich.
Willy: Wie kann ich mir die als Jugendlicher vorstellen? Im Waldviertel mit dem Brennnessel-Bötzer,
Willy: mit zehn Jahren Mitglied im Kakteenverein.
Anton: Ja, ich meine, am Land, es hat sich nicht viel getan. Was hat man gemacht?
Anton: Also ich war wirklich viel in der Natur.
Anton: Aber hinter uns hat es einen schönen Wald gegeben und da habe ich halt auch
Anton: Hütten gebaut oder ein Baumhaus mit den Freunden.
Anton: Im Sommer sind wir Schwamm und Sagen gegangen. Im Winter waren wir Skifahren
Anton: ohne Lift. Aufgetreten mit den Ski, wenn es einen Schnee gegeben hat.
Anton: Eigentlich immer, immer in der Natur gewesen. Ich bin aber dann doch recht bald,
Anton: eigentlich mit 14 nämlich von daheim weg.
Anton: Und habe in Krems dann die Hotelfachschule, also die eigentlich höhere Bundeslernstalt
Anton: für Fremdenverkehrsberufe mit Matura, habe ich dann besucht.
Anton: Ich wollte eigentlich Gärtner werden.
Anton: Aber meine Eltern, also wir haben ein kleines Kaufhaus gehabt und eine Pension
Anton: und die haben mich eher oder wollten mich eher ein bisschen so,
Anton: naja, der sollte vielleicht einmal den Betrieb übernehmen und da wäre vielleicht
Anton: eine Ausbildung im Fremdenverkehr ganz gut.
Anton: Und ich habe gesagt, ja, es ist auch in Ordnung.
Anton: Als Kind, ich war ja nur ein Kind quasi. Und dann bin ich halt nach Krems gegangen,
Anton: habe die Aufnahmeprüfung geschafft, Gott sei Dank
Anton: und habe aber dann sehr bald gemerkt, also nach zwei Jahren,
Anton: das ist nicht wirklich das Richtige für mich, aber jetzt habe ich schon zwei
Anton: Jahre da quasi gemacht und ich habe da meine Freunde und so,
Anton: also ich schaue schon, dass ich die Matura mache und dann schaue ich mal,
Anton: ob ich vielleicht, ich ziehe das durch,
Anton: ob ich vielleicht studiere.
Anton: Und ich kann mich dann noch gut erinnern, ich habe dann die Praxis gemacht und
Anton: so und das war eh alles super.
Anton: Aber eine Lebenserfüllung war es für mich nicht, weil mich haben immer die Pflanzen interessiert.
Anton: Und ich kann mich noch gut erinnern an ein Gespräch, mein Vater hat mich dann
Anton: besucht, da war er allein, irgendwas haben wir gemacht in Krems und wir sind
Anton: ins Wirtshaus gegangen und haben dort was gegessen.
Anton: Und da war ich glaube ich so 17, 18, also war in der vierten und habe gesagt,
Anton: du, ich würde dann gerne studieren. Ja, weil das war auch nicht so üblich,
Anton: eine kleine Ortschaft im Waldviertel.
Willy: Was haben deine Eltern gehört?
Anton: Also mein Vater war Kaufmann und meine Mutter, die haben quasi zusammengeholfen.
Anton: Die haben einen eigenen Betrieb.
Willy: Selbstständig?
Anton: Ja, selbstständig. Also Kaufhaus und Pension.
Willy: Kaufhaus und Pension.
Anton: Genau. Talismus, Handel.
Willy: Genau.
Anton: Okay, dann kommt es dann. Ja, dann habe ich meinem Vater gesagt,
Anton: ich würde gerne studieren.
Anton: Und er hat gesagt, ja super, dann mach das. Aber ganz was anderes.
Anton: Er war da sehr, sehr offen.
Anton: Er hat damals ein Glashaus gebaut für meine Mutter und für mich.
Anton: Ich habe meine Kakteen gehabt, sie hat ihre Pflanze gehabt und da habe ich natürlich
Anton: schon auch Freiheiten gehabt als Kind. Wirklich sehr viele Freiheiten.
Anton: Die Eltern waren im Betrieb und die waren in der Natur.
Willy: Waren da mehr, war das ja so ein Pflanzen-Klasse oder so ein Kakteen-Klasse da draußen.
Anton: Also du und deine Freunde,
Willy: Oder warst du immer schon so ein Pflanzen?
Anton: Nein, da war ich der Einzige. Aber ich habe ja gehabt einen Schwartzer,
Anton: Hans, und ich habe diese Leute von dem Verein gehabt.
Anton: Und da gab es einen aus Zwettl, also zwei aus Zwettl und wir sind da gefahren
Anton: und wir haben getauscht und die habe ich dann besucht und ich war einfach irgendwie fasziniert.
Willy: Du weißt immer, du hast 10, 12, 12-Jährige nachher mit den 50,
Willy: 60-Jährigen Monen unterwegs, so quasi im Kakteenverein und ich habe es euch
Willy: da quasi ausgetauscht und du hast da mitgesammelt und das hat dir einfach voll fasziniert.
Anton: Das hat mich fasziniert und da sind Leute gekommen, damals, die waren in Peru,
Anton: die waren in Mexiko, Bolivien und die haben die Pflanzen gesammelt.
Anton: Die haben Vorträge gemacht.
Willy: Wir sitzen da gerade in Costa Rica, gell?
Anton: Ja, ja.
Willy: Ist das da schon so ein bisschen angelegt geworden?
Anton: Naja, das sind eher Trockengebiete. Aber es war irgendwie so diese Ferne und das Südamerika.
Anton: Mir hat als Kind schon Südamerika interessiert. Ich kann es nicht sagen, warum.
Anton: Vielleicht, weil es bunter war oder weil ich halt Bücher gehabt habe.
Anton: Also Reisen hat mich immer interessiert. Ich bin als Kind schon mit meinem Großvater
Anton: ein bisschen herumgefahren und habe auch Radl-Touren gemacht mit meiner Freundin
Anton: am Ottenstahner Stause.
Anton: Aber so irgendwie diese Südamerika, diese Aras, wenn man sich da hernimmt,
Anton: diese bunten Vögel, die vielen pflanzen, die Blüten, das war schon faszinierend.
Anton: Und da war Südamerika der Kontinent eigentlich.
Anton: Ja, obwohl ich auch sagen muss, dass meine erste Reise, meine erste geplante
Anton: Reise mit meiner damaligen Freundin, jetzigen Frau. Jetzt wirklich?
Willy: Stabil?
Anton: Stabil. Stabil. Stabil. Wirklich? Ja, wir haben uns in der Schule kennengelernt.
Willy: Nein.
Anton: Ja.
Willy: Wie? Ja. Echt? Und bis heute? Ja. Wir sind beide noch jung, aber das ist schon zettel, oder?
Anton: Ja, das ist viel. Wir müssen jetzt nachrechnen, wie viel, aber das ist,
Anton: sag ich mal, naja, über 30 Jahre.
Anton: 30 Jahre? 40 Jahre? Was heißt 40 Jahre? 40 Jahre? 40. Was?
Willy: Das bin ja Jahrzehnte unterschlagen auch noch. Wirklich, in der Schule habt
Willy: ihr euch kennengelernt? Ja.
Anton: Ja, und am zweiten Anlauf hat es gepasst.
Willy: Am ersten hast du versaut, oder?
Anton: Wahrscheinlich, kann man nicht mehr erinnern. Ist doch so lange her, ist doch 40 Jahre.
Willy: Was war das in welcher Schule? In der Fremdenverkehrsschule?
Anton: In der Fremdenverkehrsschule, genau. Genau. Ja, das hat gepasst. Wenn es passt, passt es.
Willy: Wunderbar. Wenn man ihm anschaut, das schaut er mir in die Augen erstreut.
Willy: Die Augen lächeln. Also Wahnsinn. Kann man nicht verbergen. Gut.
Willy: Ihr habt euch kennengelernt. Wie heißt er?
Anton: Martina.
Willy: Die Martina. Und da habt ihr die erste Reise gemacht.
Anton: Nein, und da war dann, also sie auch gerne gereist schon. Das hat uns immer verbunden.
Anton: Und sie hat dann schon gearbeitet. Sie hat dann gearbeitet und studiert auch.
Anton: Und ich habe quasi studiert und nebenbei gearbeitet. Bei ihr war es umgekehrt
Anton: und ich habe dann schon ein bisschen Geld gehabt, sie auch, und dann haben wir
Anton: gesagt, 1990, jetzt wollen wir nach Madagaskar. Das hat uns fasziniert.
Anton: Warum? Das war jetzt zwar woanders.
Anton: Es war irgendwie, das hat gut geklungen und da hat man Bilder gesehen von diesen
Anton: Baobab-Bäumen und dann gibt es natürlich eine ganz eigene Tierwelt nur für dort
Anton: und die Lemuren und so weiter. Kakteen?
Anton: Kakteen gibt es nicht, aber es gibt sukkulente Pflanzen. Also Kakteen gibt es
Anton: nur in Südamerika, bis auf eine Ausnahme in Westafrika.
Anton: Aber sonst, das ist quasi durch die Entstehung, durch die Inseln quasi.
Anton: Südamerika hat es ja von Afrika getrennt.
Anton: Gondwanderland ist dann auseinandergefallen und Südamerika ist quasi nach Westen
Anton: getrifftet, Afrika Richtung Osten.
Anton: Und Südamerika war ja quasi eine Insel.
Anton: Und da hat sich eine ganz eigene Pflanzen- und Tierwelt entwickelt.
Anton: Und die Kakteen sind so ein sehr gutes Beispiel, dass es nur auf dem südamerikanischen Kontinent gibt.
Willy: Also ich hatte gerade wieder einen Aha-Moment. Aber jetzt sind es nicht zu den
Willy: Kakteen gefahren, sondern wo auch?
Anton: Genau, wir wollten nach Madagaskar. Das hat uns fasziniert.
Anton: Und damals gab es ja ein Reisebüro, das hat Ökista geheißen.
Anton: Vielleicht kennt man das noch.
Willy: Ein paar Hörerinnen und Hörer werden es schon noch kennen.
Anton: Die werden das sicher kennen. und da hat man dort angerufen oder man ist hingefahren
Anton: und die haben dann einen Flug gesucht ja, dann hat man quasi ein Angebot gekriegt
Anton: und dann hat man sich überlegen können nehme ich das oder nehme ich das nicht
Anton: und die haben das dann freigehalten bis zu einem bestimmten Tag,
Anton: ich weiß nicht mehr genau wie lange das dauert hat, aber da war schon,
Anton: weiß nicht, eine Woche oder zwei Wochen und
Anton: Das haben wir schon gehabt und wir haben dann entschieden, heute fahren wir
Anton: hin und kaufen jetzt dieses Flugticket nach Madagaskar.
Anton: Wir fahren in der Straßenbahn und wir reden, dass wir uns schon gefreut haben.
Anton: Und Madagaskar, da kaufen wir jetzt ein Flugticket. Ja, super und alles schön.
Anton: Da fahren wir eine Stimme hinter uns, sagt, Kinderl, Kinderl,
Anton: wo wolltest du hinfahren? Nach Madagaskar?
Anton: Ja, freilich. Nein, nein, nein, da könntest du nicht hinfahren.
Anton: Du hast die Peste ausbrochen. Die Peste ist ausbrochen.
Anton: Und tatsächlich, es war so, es bricht ja heute auch immer wieder aus.
Anton: Aber damals war halt in dem ist dort die Peste ausgebrochen.
Anton: Wir haben gesagt, nein, dann fahren wir nicht hin.
Anton: Nein, dann fahren wir wieder heim. Das Risiko gehen wir doch nicht ein. Und sind heimgefahren.
Anton: Ohne Ticket. Haben gesagt, naja, was machen wir jetzt? Na ja,
Anton: weiß auch nicht, werden wir schauen.
Anton: Und dann ruft mich ein Freund von der Schule oder aus der Schulzeit noch an
Anton: und sagt, ob ich da bin, er würde uns gerne besuchen. Ja gut,
Anton: kommt vorbei. Mike hat er geheißen.
Anton: Und der Mike ist vorbeigekommen. Und wie geht es dir? Was machst du?
Anton: Er kommt jetzt gerade zurück. Er war in Costa Rica für sechs Monate. Ah wirklich?
Anton: Ist das schön dort? Ja, ihm hat es gut gefallen.
Anton: Und ich sage, gibt es da viel Natur und Nationalpark? Ja, das ist super.
Anton: Da gibt es viel Nationalpark. Das ist echt schön. Da kannst du wandern.
Anton: Da sage ich, na ja, wieso? Das ist ja gar nicht schlecht. Fahren wir dorthin.
Anton: Dann haben wir 1990 quasi dann unsere erste große Reise selbst verdient nach Costa Rica.
Willy: Und hättest du da noch träumen lassen, dass dir der Weg noch sehr,
Willy: sehr oft hierher führen wird?
Anton: Natürlich nicht.
Willy: Natürlich nicht.
Anton: Das nicht. Aber es war so, wir sind gefahren im September 1990.
Anton: Das ist eine ziemliche Regenzeit.
Anton: Es hat viel geregnet, aber es war faszinierend. Ich kann mich erinnern,
Anton: die Wolken sind so tief gehangen, da hat man geglaubt, man kann es angreifen.
Anton: Das habe ich überhaupt nicht gekannt.
Anton: Dann sind wir da durch diese Bergnebelwälder gefahren und die Bromelien waren
Anton: da, die hat man angreifen können. Also es war so faszinierend.
Anton: Ich wollte am liebsten gar nicht mehr schlafen.
Anton: Und meine Frau, muss ich schon sagen, die Martina, die hat ja das immer alles mitgemacht.
Anton: Das war sicher nicht immer einfach für sie, aber wir haben das dann geteilt
Anton: und sie hat ein bisschen Spanisch gekonnt.
Willy: Du noch nicht?
Anton: Ich noch nicht, nein. Und ich war halt sehr neugierig, wollte alles wissen und
Anton: ich habe immer gesagt, okay, frag deinen das.
Anton: Pardon, frag deinen das. Und sie hat dann gesagt, hörst du, ich kann schon nicht mehr.
Anton: Wenn wir heimkommen, bitte lern Spanisch. Und das habe ich dann gemacht.
Anton: Und dann habe ich quasi, ich glaube, das muss dann gewesen sein,
Anton: 90 oder 91 begonnen, Spanisch zu lernen.
Willy: Wie alt warst du dann da?
Anton: Da war ich, ich bin ein 67er-Jahrgang, da war ich dann 23, 24.
Anton: Und wir wollten dann 91, irgendwie haben wir dann schon ein bisschen gemerkt,
Anton: Mittelameriker, das ist interessant.
Anton: Guatemala, meine Frau hat ja
Anton: Ethnologie studiert. Sie ist Ethnologin und in Guatemala hast du ja viel Indigene
Anton: und so, also da ist auch die Kultur ein wichtiger Teil. Ja, fahren wir dorthin, super.
Anton: Du, kurz vorher bricht dort der Bürgerkrieg aus.
Willy: Ihr habt super Timing immer benannt.
Anton: Bricht der Bürgerkrieg aus und sagen wir, naja, was soll man tun jetzt?
Anton: Jetzt ist nicht mehr so viel Zeit.
Anton: Sie sehen, Kostrick, es war so toll, es war so schön, es hat uns so gefallen.
Anton: Also warum fahren wir nicht dort nur mehr hin?
Anton: Das haben wir dann gemacht und waren dann quasi 1991, waren wir dann nur mal
Anton: in Costa Rica, haben uns andere Teile angeschaut und da hat sich schon ein bisschen,
Anton: also nicht manifestiert, aber es ist irgendwie gekommen, dann schon die Idee,
Anton: naja, man könnte ja da vielleicht sogar eine Abschlussarbeit machen.
Anton: Ich war dann im Studium schon ein bisschen fortgeschritten.
Willy: Wir haben noch gar nicht darüber geredet, dass du zum Studieren angefangen hast.
Willy: Ja, zum Studieren angefangen.
Anton: Genau. Richtig, ich habe dann quasi, genau, habe ich zum Studieren angefangen, 86.
Willy: 86. Der Papa hat damals gesagt.
Anton: Geh studieren, mach das,
Willy: Hat er dich unterstützt. Und du hast dich für Biologie entschieden.
Anton: Naja, ich wollte Biologie, aber ich habe eine Wirtschaftsmatura gehabt von der
Anton: HLF, von dieser Freienverkehrsschule.
Anton: Und ich konnte nicht Biologie studieren mit der Matura.
Willy: Ah, wirklich?
Anton: Nein, das ist nicht gegangen. Jetzt habe ich gesagt, was mache ich?
Anton: Nein, ich fange halt auf der Bocke an, weil da hat das gegolten, da hat das gepasst.
Anton: Und ich habe aber sehr bald gemerkt, also das, was mich wirklich interessiert
Anton: und was mich fasziniert, wo mein Herz liegt, das ist die Botanik.
Anton: Und ich habe dort alle Botanik-Vorlesungen gemacht, die ich machen habe können.
Anton: Und alles andere hat mich nicht so interessiert. Botanik ist die Kunde der Pflanzen.
Anton: Pflanzen, die Wissenschaft der Pflanzen.
Anton: Also Biologie, Wissenschaft des Lebens und Botanik quasi die Wissenschaft der Pflanzen.
Willy: Das heißt, die Frau hat dann die Gleit studiert und du hast die Pflanzen studiert.
Anton: Ja, das ist ein super Kombi.
Willy: Ja, schaut so aus.
Anton: Ja, weil es gibt überall Pflanzen und es gibt überall Leute. Da wird er nie fad.
Anton: Naja, da habe ich dann angefangen auf der Boko 86 und habe dann aber auch wieder
Anton: bald gemerkt, das ist nicht mein Studium.
Anton: Und habe mich dann erkundigt, wie das ist, was ich machen muss.
Anton: Habe mit den Professoren geredet auf der BOKU. Da gab es dann den Botanik-Professor,
Anton: mit dem habe ich sehr gut verstanden.
Anton: Und habe dann gefragt, was ich machen sollte. Und er hat gesagt,
Anton: nein, ich soll auf der Landwirtschaft bleiben.
Anton: Ich habe Landwirtschaft studiert, weil da finde ich immer einen Job.
Anton: Und in der Biologie, auf der Botanik, das ist schwierig und so.
Anton: Dann bin ich auf die Biologie runtergefahren, habe dort irgendwelche Studenten
Anton: gefragt. Ich sage, könnt ihr mir ihr helfen, was soll ich tun?
Anton: Und ich habe gesagt, nein, Sie wissen es auch nicht, aber geht da rein,
Anton: da drinnen sitzt der Studienpresse, der Herr Nob, Professor Nob,
Anton: ich bin da einfach reingegangen und er hat gesagt, kommen Sie rein,
Anton: wie kann ich Ihnen helfen?
Anton: Also sie waren schon alle total nett da zu mir und ich da der Waldviertler-Bur.
Willy: Hat sich gleich gekannt, oder?
Anton: Ich glaube schon, die gleiche Welt.
Anton: Nein, der war total super und dann habe ich das erklärt und was die denken und
Anton: der auf der Boku sagt, nein, es ist besser, ich bleibe dort,
Anton: weil da kriege ich einen Job.
Anton: Und der hat zu mir gesagt, also wenn sie das unbedingt wollen,
Anton: dann müssen sie das machen.
Anton: Der hat mich dann bestärkt und hat gesagt, und das war es eigentlich.
Anton: Und das ist auch das, muss ich sagen, was ich heute jedem rate,
Anton: wenn er mich fragt, was er machen sollte und sich unsicher sagt, ich mache das, was
Anton: für dich, was du glaubst, für dich das Interessierte und das ist gut und alles
Anton: andere, das weiß man nicht, aber dann hast du zumindest etwas, das dir Freude macht.
Anton: Und ich glaube schon, dass das die Studenten schätzen, aber dass es ihnen auch
Anton: hilft, eine Entscheidung zu finden.
Anton: Und das ist letztendlich ja wirklich das Wichtigste.
Anton: Weil du weißt nie, zu einem Beruf oder zu einem Job hin zu studieren oder zu
Anton: lernen oder zu glauben, wenn ich das mache, kriege ich nachher einen Job.
Anton: Also für mich wäre das nicht der richtige Zugang gewesen.
Willy: Bist du da in ein Studium reingekommen?
Anton: Dann habe ich die Matura gemacht. Die externisten Matura habe ich nachgemacht.
Willy: Wie lange hat das dauert?
Anton: Das war nicht so. Da habe ich dann die Bücher gekriegt, diese AHS-Bücher.
Anton: Da gibt es einfach Prüfungstermine.
Anton: Ich habe das dann gemacht, glaube ich, im Sommersemester. Im Wintersemester
Anton: habe ich die Pflanzen studiert, auch im Sommersemester weiter auf der BOKU.
Anton: Nebenbei habe ich dann diese Bücher gelesen, habe gestrebert wie ein Wahnsinniger.
Anton: Ich wollte das einfach machen.
Anton: Und bin dann hingegangen, habe da quasi vier Jahre nachgelernt in Biologie und
Anton: habe mir gedacht, ich melde mich da jetzt einfach einmal an und das schauen wir mal.
Anton: Und bin dann mit einem Führer durchgerutscht.
Anton: Aber die Botanik hat mich nicht gefragt, die habe ich super gekennet.
Anton: Was sie mich gefragt hat, war das, was ich nicht so gut kennen habe,
Anton: Genetik. Das hat mich nicht so interessiert.
Anton: Und die physiologischen, mikrobiologischen Sachen.
Anton: Ich war eher so immer der Botaniker und immer der Anatom, der sich mit Blütenökologie,
Anton: mit Diversität, Artenkenntnis auseinandergesetzt hat.
Anton: Das war das, was mich interessiert hat. aber das ist halt etwas,
Anton: Botanik ist heute ein sehr unmodernes Fach, studieren ja nur ganz wenig und
Anton: das hat sich da schon ein bisschen manifestiert.
Anton: Also A ist es schon Richtung Genetik, Mikrobiologie gegangen,
Anton: Ökologie ist dann auch gekommen.
Anton: Aber ich wollte halt die Botanik, aber das hat mich nicht gefragt,
Anton: aber das andere hat auch gereicht, so viel habe ich schon kennengelernt.
Anton: Dann habe ich angefangen, 1987 bin ich dann quasi, habe ich gewechselt von der
Anton: BOKU auf die Universität.
Willy: Nach wie viel Semester war das?
Anton: Das war ein Jahr, also zwei Semester. Ich habe das gleich gemerkt,
Anton: ich habe da nichts anbrennen lassen.
Anton: Ich habe gesagt, das ist nicht das meine, ich will die Biologie und ich studiere
Anton: jetzt Botanik und das ist mein Ziel und das habe ich dann durchgezogen.
Willy: Du wirst wahrscheinlich schon viel gewusst haben, oder? Zu der Zeit,
Willy: oder? Durch das Kakteen, durch
Willy: die Beschäftigung, du hast ja schon früh angefangen mit dem Thema, oder?
Anton: Ja, wobei ein Studium ist schon einmal ganz was anderes.
Anton: Da geht man echt in die Tiefe und dann geht es um Forschungsansätze.
Anton: Also natürlich hat man eine gewisse Ahnung, aber wichtig ist dann,
Anton: glaube ich, wirklich diese Liebe auch dazu und das Interesse und auch diese
Anton: Anstrengungsbereitschaft.
Anton: Also ein Studium ist nett, da muss man schon durchhalten. Und da gibt es Hänger, das dauert ja Jahre.
Anton: Da gibt es ja Fächer, die taugen überhaupt nicht.
Willy: Hast du auch gehabt?
Anton: Na sicher, die muss man durchziehen. Die muss man auf die Prüfungen machen.
Anton: Und ich habe mir die letzte Prüfung, die ich gemacht habe, war ja die Genetikprüfung
Anton: im Studium. Hast du dir das aufgeschoben?
Willy: Ah, ich habe es schon aufgeschoben.
Anton: Und irgendwann wächst das halt dann. Aber da hat sich so viel verändert auch
Anton: in der Zeit. Also ich muss sagen, das ist natürlich ein total interessantes Studium.
Anton: Damals hat das halt begonnen. Ich habe ja keine Ahnung gehabt noch vorher.
Anton: Darum hat es mich auch nicht so interessiert. Und es ist auch nicht wirklich
Anton: gelehrt worden. Heute schaut das ganz anders aus. Also das ist voll interessant.
Anton: Das ist überhaupt keine Frage. Aber dennoch.
Anton: Aber ja, also da gab es schon auch Zeiten, wo man so Durchhänger gehabt hat
Anton: und halt Sachen lernen hat müssen. Aber das hilft nichts.
Willy: Erklär mal für Leute von Botanik, also mir, die von Botanik keine Ahnung haben,
Willy: was lernt man in einem Botanikstudium?
Willy: Was ist so, wenn du das für uns einmal kurz zusammenfassen würdest?
Anton: Im Prinzip ist es total schwierig, kurz zusammenzufassen, weil die Botanik,
Anton: das ist ein eigenes Studium, da gibt es eigene Zweige.
Anton: Zweige? Zweige, genau. Abzweckungen.
Anton: Ja, aber im Prinzip lässt sich die Botanik, das ist ja doch die Lehre auch der
Anton: Pflanzen, lässt sich zusammenfassen.
Anton: Pflanze besteht aus Wurzel, Stamm und Blatt.
Anton: Und viel mehr gibt es eigentlich nicht von den Organen.
Willy: War es nicht so schwierig, oder?
Anton: Also war es eigentlich nicht schwierig.
Willy: Doch einfach.
Anton: Und das ist ein Studium und hin und her.
Anton: Aber wenn man schaut, wie vielfältig das Ganze ist, aber es lässt sich sehr
Anton: viel jetzt reduzieren bei den höheren Pflanzen. Ich würde es nicht so sehr ins
Anton: Detail glauben, aber es gibt ja auch Sporenpflanzen und es gibt Algen,
Anton: da ist es ein bisschen anders.
Anton: Aber im Prinzip, also das, was uns jetzt umgibt, diese eher moderneren Pflanzen
Anton: im Sinne der Evolution. Bei uns dreht es ja alles um die Evolution.
Willy: Modern heißt es.
Anton: Modern heißt es in der Evolution weit fortgeschritten. Also das,
Anton: was wir jetzt haben, weil da gibt es ja viele, die sind ja schon wieder ausgestorben.
Anton: Die gibt es ja nicht mehr. Und ich sage, wenn ich jetzt diese Vegetation hernehme,
Anton: vor langer Zeit oder eben jetzt noch im Millionenjahrenbereich,
Anton: waren ja die Pflanzen gar nicht da.
Anton: Da gab es ja andere, die sind die meisten ausgestorben.
Anton: Es gibt schon quasi so Überlebende, manche sagen lebende Fossilien,
Anton: also Überlebende aus der damaligen Zeit, weil die sehr gut angepasst sind nach
Anton: wie vor. Die gibt es immer noch.
Anton: Aber ansonsten dreht sich bei uns alles eigentlich. Man will wissen,
Anton: wie sich das im Laufe der Zeit der Erdgeschichte entwickelt hat.
Anton: Und das befasst doch unterschiedliche Zweige in der Botanik. Und das will man wissen.
Anton: Und das kann ich jetzt beleuchten, dass ich sage, ich möchte wissen,
Anton: wieso die Pflanze jetzt da besser wächst und da schlechter wächst.
Anton: Da geht es ein bisschen in die Physiologie, da wird der Boden mit einbezogen.
Willy: Schnittstelle zur Landwirtschaft dann?
Anton: Schnittstelle zur Landwirtschaft, ja, ist natürlich ganz wichtig.
Willy: Wie steht ein Botaniker zur Landwirtschaft? Weil das ist ja,
Willy: ich assoziiere es einmal Wüth.
Willy: Ihr Botaniker, supergeil, ihr Botaniker,
Willy: ihr schaut euch ja die Natur der Pflanzen oder die Natur an sich.
Willy: Landwirtschaft als Ding ist ja im Prinzip eher Kulturlandschaft.
Willy: Wie schaut man als Botaniker auf die Landwirtschaft? Ist das so ein Spezialgebiet
Willy: der Natur oder setzt sich das eher kritisch oder wie schaut ein Botaniker auf die Landwirtschaft?
Anton: Naja,
Anton: Die Botaniker, das ist eine Grundlagenforschung.
Anton: Da ist der Wirtschaftsfaktor eigentlich ausgeklammert. In der Landwirtschaft
Anton: nimmt man jetzt Erkenntnisse und Forschungsergebnisse aus der Grundlagenforschung
Anton: her und führt sie quasi mit der Wirtschaft,
Anton: mit einem wirtschaftlichen Faktor zusammen.
Anton: Das heißt, die Landwirte nehmen durchaus diese Grundlagenforschungsdaten her
Anton: und vermarkten sie. Ganz einfach, Gret.
Anton: Wir als Biologen fühlen uns natürlich dem Leben zuständig.
Anton: Und ich sage einmal, ein Biologe, der muss die Natur lieben und das muss auch
Anton: immer ein Schützer sein der Natur.
Anton: Weil letztendlich sind ja immer die Interessen, jetzt habe ich die wirtschaftlichen
Anton: Interessen und dann habe ich aber diese Naturschutzinteressen.
Anton: Das sollte man halt möglichst gut kombinieren und auch fair behandeln.
Anton: Und nicht jetzt polarisieren und die einen gegen den anderen,
Anton: das wird nichts bringen.
Anton: Weil letztendlich wollen wir ja alle überleben und wir wollen ja gut überleben
Anton: und wir wollen ja gesund überleben.
Anton: Also da muss man schon auch respektvoll umgehen und auch die Anliegen der anderen respektieren.
Anton: Blöd wird es natürlich immer, wenn die Gier dazukommt. Weil dann wird die Vernunft
Anton: oft ausgeschaltet. Und das passiert halt oft.
Anton: Und darum kommt es oft zu diesen Reibereien, die einen gegen die anderen,
Anton: weil die Vernunft ausgeschaltet wird und die Gier oder das Ökonomische dann
Anton: komplett überhand nimmt.
Anton: Und das sollte meines Erachtens nicht sein. Oder man sollte zumindest nie verlieren,
Anton: mit dem anderen, sage ich mal, auf einer Ebene zu reden und zu verhandeln.
Anton: Und da geht heute, glaube ich, wirklich viel schief, weil halt alles quasi unzensuriert
Anton: ist und man kann das alles irgendwo reinstellen und viele können es lesen und
Anton: glauben das auch noch und dann kommt so ein Plätzchen raus.
Willy: Also das heißt, zwischen Botanik und Landwirtschaft gibt es Synergien.
Willy: Gibt es auch Institutionen, wo man da aufeinander trifft und wo man sich aktiv austauscht?
Willy: Der Brennnessel Pölzer, der dich ja fasziniert hat damals mit den Kakteen,
Willy: der war ja auch ein Landwirt.
Anton: Das war ein Landwirt.
Willy: Und ein Botaniker, wenn man so will. Da hat man einen Botaniker.
Anton: Ich glaube, das eine schließt das andere nicht aus. Und es gibt ja natürlich
Anton: eine ökologisch geführte Landwirtschaft, was ja wir da auch tun.
Anton: Das gibt es ja weltweit man versucht ja auch die Landwirtschaft zu diversifizieren
Anton: nachhaltiger zu gestalten, das ist der eine Weg und da hast du viel Austausch,
Anton: da muss man, also ich sage manchmal zu unseren Mitarbeitern auch
Anton: bitte schauen wir uns jetzt die Pflanze an versuchen wir sie zu verstehen und
Anton: wenn man die Pflanze versteht, dann weiß ich was sie erfüllt,
Anton: was sie braucht oder was zu viel ist oder was zu wenig ist, das ist ganz klar.
Willy: Ich frage nur deswegen irgendwie so blöd, weil jetzt mache ich seit vier Jahren BauertothePeople.
Willy: Und in der Landwirtschaft ist mir jetzt zumindest mir bewusst und mir Botaniker unterkommen.
Willy: Und wir haben nie wirklich drüber geredet.
Willy: Obwohl es jetzt, wenn ich mit dir rede, eigentlich so nahe liegen würde.
Willy: Landwirtschaft, also die Pflanzen,
Willy: ist mir noch nie unterkommen.
Anton: Naja, total. Darum wollte ich jetzt erst dorthin.
Anton: Wir Botaniker, wir beschäftigen uns hauptsächlich quasi mit der Evolution wie
Anton: das alles entstanden ist und machen diese Grundlagenforschung,
Anton: die dann hergenommen wird. Da gibt es natürlich Schnittstellen.
Anton: Also die Botaniker, die auf der POKU zum Beispiel lernen, das sind von ihrer
Anton: Ausbildung her Botaniker.
Anton: Das sind keine Landwirte. Aber die lernen quasi dann, was braucht die Pflanze,
Anton: die Nährstoffe, die Knöllchenbakterien, Symbiosen und, und, und.
Anton: Also da gibt es schon Schnittstellen.
Willy: Gehen wir nochmal zurück in dein Studium. Es war ja, worauf hast du dich,
Willy: lernt man dann Botanik generell oder hast du dich auf irgendwas fokussiert?
Willy: Warum nicht Kakteen oder waren sie eh die Kakteen?
Willy: Und was war dann dein Diplomarbeitsthema?
Anton: Ja, also gehen wir jetzt nochmal zurück.
Willy: Sehr wichtig, glaube ich. Die Diplomarbeit war nicht ganz unausschlaggebend.
Anton: Die Diplomarbeit war sehr wichtig. Das ist erst einmal das Abschluss vom Studium.
Anton: Da wird es dann richtig, da geht es um das Eingemachte.
Anton: Dann muss man einmal beweisen, ob man wirklich das auch kann und schafft.
Anton: Und da muss man sehr wohl überlegen, was man macht und was man nimmt.
Anton: Und ich habe quasi, also der erste Abschnitt, der erste Studie ist Biologie,
Anton: der erste Studienabschnitt.
Anton: Und im zweiten tut man sich dann spezialisieren und da haben wir auf Botanik spezialisiert.
Anton: Und dann in der Botanik gibt es ja wieder sehr viel, wie wir jetzt schon wissen. Zweige.
Anton: Und also Kakteen wären durchaus ein Thema gewesen, aber es gibt in Wien,
Anton: hat es niemanden gegeben, der quasi da geforscht hätte. Also war das eher,
Anton: haben wir beim Hobby belassen.
Willy: Weggehen war ein Thema, damals im Studium noch.
Anton: Nein, und die Kakteen waren eher immer was Gärtnerisches.
Anton: Also es war nie so großes Forschungsthema. Es hat sich halt einfach nicht ergeben.
Anton: Aber was sich dann schon ergeben hat, ich habe dann den Werner Huber kennengelernt
Anton: und wir haben quasi miteinander studiert. Im Studium.
Anton: Genau, und der Werner war auch immer ein Reisender.
Willy: Der zweite Leiter der Tropenstation.
Anton: Der Werner Huber ist der zweite Leiter der Tropenstation. Also wir beide haben
Anton: das da quasi mit vielen anderen natürlich, aber wir waren an der Spitze,
Anton: wir haben das quasi aufgebaut.
Willy: Also Michael Schlitz war.
Anton: Dann sind wir gekommen und wir haben es beim Studium kennengelernt.
Anton: Und es war dann so, dass der Werner auch Reisender war, aber eher in Asien.
Anton: Und ich war schon zweimal in Costa Rica. Und dann war ich immer,
Anton: naja, machen wir was gemeinsam. Ja, in den Tropen, das war schon lässig,
Anton: der Diplomarbeit und so.
Anton: Und wir haben immer hin und her geredet. Wir haben gerne Schach gespielt und
Anton: dann haben wir immer diskutiert. Ach, wir haben da gerne gespielt.
Anton: Ja, ja, wir waren Schachspieler.
Willy: Bei mir kommt jetzt langsam ein bisschen zu einem Nerd-Verdacht.
Anton: Warte, das ist sowas, was man so im positiven Sinne aus Nerds bezeichnet. Naja, sicher.
Anton: Sonst, glaube ich, kommst du da nicht her, sonst machst du das nicht. Nein, ganz sicher.
Anton: Wobei, Nerd, wir haben ja damals gesagt, wir sind Freaks.
Willy: Freaks, ja? Man hat sich selber so bezeichnet.
Anton: Ja, nicht wirklich. Aber ich glaube, wir wurden so bezeichnet.
Willy: Wir haben selber gesagt, wir sind Freaks.
Anton: Nein, wenn du sagst, der hätte eher gesagt, wir waren Freaks.
Willy: Ganz spezielles Interesse.
Anton: Aber wir haben alles gemacht. Wir haben viel gemacht. Wir haben Rallturen gemacht.
Anton: Wir sind Wandern gegangen, wir waren Skifahren. Wir haben sehr, sehr viel gemacht.
Anton: Wir konnten uns auf jeden Fall nicht wirklich einigen, wo wir jetzt die Diploma werden machen.
Willy: Naja, scheiße, jetzt hat es zerrissen. Asien, Süd- und Mittelamerika.
Anton: Oder dort. Und ich habe dann gearbeitet in Wien in einem Hotel,
Anton: habe ich mein Studium verdient, meine Reisen verdient, habe dort im Service gearbeitet,
Willy: Habe gekocht, habe die Kremse ausgezahlt.
Anton: Also das war wirklich super und ich bereite die Schule überhaupt nicht, muss ich sagen.
Anton: Und auf jeden Fall, einer der Arbeitskollegen damals ist gekommen und hat gesagt,
Anton: hörst du, ich habe dir heute eine Radiosendung gehört im Ö1,
Anton: da gibt es in Costa Rica den Regenwald der Österreicher,
Anton: du willst ja eh in Costa Rica was machen. Ja, das ist interessant.
Anton: Er hat sich die Nummer aufgeschrieben und da wurde genannt Professor Weber,
Anton: ist also für die Wissenschaft zuständig.
Anton: Michael Schnitzler hat die Pressekonferenz gegeben und der hat den Professor Weber gekannt.
Anton: Michael Schnitzler ist ja ein Geiger, also ein professioneller Geiger,
Anton: war ja beim Heidenquartett und bei den Symphonikern und kannte den Anton Weber,
Anton: der hat bei ihm immer mal einen Kurs gemacht und der Anton Weber war quasi unser Professor.
Anton: Und den habe ich dann angerufen und habe mich angemeldet, ja,
Anton: für eine Prüfung, bei dem habe ich eine Vorlesung gemacht und bei der Prüfung,
Anton: dann fragen, jetzt habe ich mich noch angestrebert, ja, dass ich gut ausschaut.
Willy: Wenn man schon fragen will, dann musst du schon vorher gescheit performen, also das Blödsinn.
Anton: Genau. Genau, und das habe ich dann gemacht, bin ich hin und habe da die Prüfung
Anton: gemacht und dann habe ich ihn gefragt und er hat gesagt, ah,
Anton: das ist interessant, ja, das stimmt. Ich sage, naja, weil ich war den Kostarikaner, das ist super.
Anton: Na ja, sind Sie alleine? Ich sage, naja, da wäre ein Huber, wir beide würden das gerne machen.
Anton: Das ist super, weil zu zweit geht das noch einfacher und besser,
Anton: wenn man das macht. Er meldet sich.
Willy: So leicht ist es gegangen?
Anton: Nein, er meldet sich. Der Anton Weber ist eine spezielle Person,
Anton: der in dem ganzen Ensemble eine ganz zentrale Rolle spielt.
Anton: Also ohne den wäre viel nicht gegangen. Der ist einfach hinter uns gestanden
Anton: und hat uns geholfen, wo es nur geht.
Anton: Auch finanziell, muss man sagen. Also nicht nur logistisch und so,
Anton: sondern auch finanziell. Also uns quasi, dem Verein.
Anton: Der hat große Spenden am Anfang gemacht.
Willy: Er hat gespendet, wirklich aus dem Privaten? Ja, privat.
Anton: Und das hat uns sehr viel weitergebracht. Also so das erste Buchprojekt und
Anton: die ersten überhaupt Projekte, die wir gemacht haben, gehen sehr viel auf sein
Anton: Konter. Das war ja noch bevor es einen Verein gegeben hat.
Anton: Da reden wir ja, das war ja in den 1993 bis 1998 ungefähr.
Willy: Das heißt, wir sind jetzt immer noch bei der Idee der Diplomarbeit.
Willy: Es gibt den Kontakt Anton Weber mit Michael Schnitzler, aber es gibt noch keinen
Willy: Regenwald der Österreicher und noch keine Forschungsstation.
Willy: Aber zwei interessierte Studenten, einer Asien-fokussiert, der andere eh schon
Willy: quasi da in der Gegend irgendwo gedanklich daheim, die eine Diplomarbeit schreiben
Willy: wollen. Richtig. Genau.
Anton: Du hast das super zusammengefasst jetzt. Und da sind wir jetzt.
Willy: Da sind wir jetzt. Genau. Weil.
Anton: Der Anton Weber… Bei
Willy: Hocken muss ich ein bisschen hin und wieder was tun. Na, total.
Anton: Weil es ist ja schon eine lange Geschichte. Ja, schon, schon,
Anton: schon. Wir kommen vom Hundertsten ins Tausend.
Willy: Naja, das gehört dazu.
Anton: Aber es macht total Freude, das zu erzählen. Ich habe es ja eh schon immer wieder
Anton: erzählt, aber es ist immer wieder anders.
Anton: Und wenn es dann gegenüber das zusammenfasst, das Zwischenfragen, ist das super.
Anton: Und auf jeden Fall, ja, dann hat der Anton Weber gesagt, er meldet sich.
Anton: Und ruft drei Wochen später an und sagt, ja, er hat für uns einen Kurs gebucht
Anton: im Februar in Costa Rica.
Willy: Hat er schon gebucht? Eh klar.
Anton: Anton Weber.
Willy: Du hast ja gesagt, speziell.
Anton: Speziell. Und mir hat das getaugt. Und ich habe dann zum Werner gesagt,
Anton: Werner, der Toni, der Anton Weber, Professor Weber, haben wir damals noch gesagt,
Anton: der hat da was und wie schaut das aus und geht das bei dir?
Anton: Und der, wow, das ist alles so schnell und hin und her.
Anton: Also der war jetzt fast ein bisschen
Anton: überfordert, es war halt sehr überraschend. Für ihn, das ist eh ganz klar.
Anton: Und da haben wir hin und her diskutiert und ich habe gesagt,
Anton: ich habe das Gefühl, der Zug war, das ist, das müssen wir jetzt machen.
Anton: Und das haben wir dann gemacht. Und dann sind wir 1993 da her,
Anton: 1993 haben den Michael Schnitzler auch getroffen, da ist der Anton Weber,
Anton: hat einmal vororganisiert, der war
Anton: schon da. Weil der Verein Regenwald der Österreicher wurde 1991 gegründet.
Anton: Und das ist ja so verlaufen, man hat in Österreich dann, Michael Schnitzel hat
Anton: in Österreich Geld gesammelt, hat es dann quasi übergeben, beziehungsweise Grundstücke
Anton: gekauft für den Nationalpark.
Anton: Und da ist auch die Idee entstanden, dass man hier eine Forschungsstation macht.
Anton: Darum war ja auch diese Ö1-Sendung damals, diese Pressekonferenz,
Anton: die man in Ö1 gebracht hat, Regenwald der Österreicher.
Anton: Darum sind wir ja draufgekommen, dass es das überhaupt gibt.
Anton: Also das hat es schon gegeben, aber es war noch sehr, sehr klein.
Willy: Also ihr seid so drauf und es gab es schon.
Anton: Ja, eben dieser Arbeitskollege im Hotel im Haus Niederösterreich damals.
Anton: Und so sind wir dann dahergekommen. Und genau wo jetzt die Station ist,
Anton: hat damals gewohnt der Ronald Meuer mit seiner Familie und seinen Kindern.
Anton: Und den hat der Michael Schnitzler kennengelernt und der hat für uns eingefädelt
Anton: dann, dass wir da bleiben können und hier uns umschauen, ob es möglich ist,
Anton: wie das ausschaut, hier quasi eine Diplomarbeit zu machen. Das waren die ersten
Anton: Diploma. Da war vorher keiner da.
Anton: Das war ja nicht da. Die Straßen hat da vorne geendet.
Anton: Und da war dieses kleine Haus. Da war ein Bauernhof.
Willy: Der Ronald mit seiner Familie.
Anton: Der Ronald mit seiner Familie, mit drei Kindern. Der Großvater war noch da, also der Vater.
Anton: Und da hinten hat im Prinzip dieser Wald angefangen, aber da ist geholzt worden.
Anton: Also wir sind damals aufgewacht. Wir waren dann da elf Tage.
Anton: Wir sind aufgewacht, eigentlich immer mit Muttersägen-Geräusch.
Anton: Da hat sich viel geändert.
Anton: Heute wachen wir auf, in der Früh fliegen die Aras drüber. Also das war ein Wechsel.
Willy: Man hört sich im Hintergrund, wir sind mitten in der Tropenstation,
Willy: wir sitzen bei dir auf der Veranda, umgeben vor allem.
Willy: Ich sage jetzt Bäume und Pflanzen. Du kannst natürlich alles bestimmen.
Willy: Also es hat sich schon sehr, sehr vieles geändert. Ich glaube,
Willy: wir müssen da jetzt mal einen kurzen Exkurs machen.
Willy: Wir nennen jetzt diesen Exkurs den Regenwald der Österreicher Exkurs.
Willy: Damit wir da jetzt auch verstehen, wie der zustande gekommen ist.
Willy: Weil inzwischen bist du auch der Obmann des Regenwalds der Österreicher.
Willy: Scheint so, als hätten sich du und der Michael Schnitzler ganz gut verstanden
Willy: und er auch vertrauen in dich gefasst.
Willy: Erklär uns doch einmal bitte, was ist das Projekt Regenwald der Österreicher
Willy: und der Verein inzwischen?
Willy: Was war damals die Intention von Michael, das zu machen?
Willy: Und wie hat sich das dann auch entwickelt? Was ist das Sinn und Zweck dieses
Willy: Regenwald? Wo brauchen die Österreicher einen Regenwald in Costa Rica?
Anton: Ja, naja, eh, diese Frage kann man sich durchaus stellen.
Anton: Aber ich sage einmal, Naturschutz ist international.
Anton: Der kennt keine politischen Grenzen. und vieles hängt auch mit Zufällen zusammen
Anton: und der Michael Schnitzler ist auch gerne gereist und ist schon Ende der 80er
Anton: Jahre hergekommen und das war jetzt in Costa Rica schon eine heiße Zeit,
Anton: weil jetzt kommt die United Fruit Company,
Anton: die ist ja 1986 von hier weg.
Willy: Exkurs im Exkurs jetzt.
Anton: Exkurs im Exkurs. Und 1986 weg und hat da ziemlich alles einfach liegen lassen und ist abgezogen.
Anton: Die Bauern haben damals für die United Fruit Company hauptsächlich Bananen produziert.
Anton: Jetzt waren die weg. Jetzt was machen die mit ihren Bananen?
Anton: Die haben es nicht mehr verkaufen können.
Anton: Also haben sie die Bananenstauden alle wegschnitten und haben Viehweiden gemacht.
Anton: Haben einfach Kühe aufgestellt.
Anton: Und die, die quasi Land hatten im Hinterland, haben begonnen
Anton: abzuholzen und das war da eben der Fall und die Abholzung schaut hier so aus
Anton: da fährst du mit Katerpillar rein in den Wald, wo es halt geht manches Gelände
Anton: ist ja steil, warum der Wald überhaupt noch da ist, ist ja weil es so steil
Anton: ist weil es so unwegs ist,
Anton: sonst wäre ich ja eh schon weg aber man hat trotzdem begonnen weiter von außen
Anton: halt einzudringen das wird dann zwar immer mühsamer,
Anton: aber es zahlt sich immer noch aus und sie haben ja keine Arbeit gehabt Also
Anton: er ist mir da eingedrungen, hat geholzt und man kann sich nicht vorstellen,
Anton: aber da fahren dann wirklich diese Caterpillar und diese Trucks und holen dann
Anton: diese Urwaldriesen heraus.
Anton: Und es ist aber so, dass nicht ein Riese nebeneinander steht,
Anton: sondern dass pro Hektar vielleicht ein, zwei, vielleicht drei Bäume sind,
Anton: die über einen Meter Durchmesser haben.
Anton: Jetzt war die Zerstörung irrsinnig hoch, im Gegensatz der Gewinn eigentlich war gering.
Anton: Das ist mir immer weiter einig, fahren immer weiter. Und Michael Schnitzler
Anton: ist genau zu der Zeit vorbeigefahren.
Anton: Da gibt es diese Straßen nach Golfito, das war damals nur mit Allrad befahrbar.
Willy: Heute zum Teil auch.
Anton: Du bist das wahrscheinlich gefahren, heute zum Teil auch, aber das war wild.
Anton: Und da sind diese Trucks einfach aus dem Urwald rausgekommen und man hat die
Anton: Zerstörung, das war irre.
Anton: Und Michael Schnitzler, ein Naturliebhaber, hat sich erkundigt und hat bestimmte
Anton: Personen, verschiedene kennengelernt.
Anton: Die haben gesagt, sie kennen das Problem, aber was sollen sie machen?
Anton: Weil der Wald, dieser Boske Eskinas, der gehört Privatbesitzern.
Anton: Ziemlich genau 140 an der Zahl.
Anton: Und sie wollen eigentlich einen Park machen, aber es fehlt an Geld,
Anton: die Privatbesitzer jetzt zu entschädigen. Und er hat gesagt,
Anton: er kann natürlich probieren, da mitzuhelfen und in Österreich quasi Geld sammeln.
Anton: Und das dann der Regierung übergeben, damit die quasi das freikaufen können.
Anton: Und so ist quasi diese Idee entstanden, Regenwald der Österreicher.
Willy: Ja, warum war der Michael Schnitzler in dem Fall, wenn manche Leute jetzt bei
Willy: Schnitzler so ein bisschen an Arthur Schnitzler denken, das hängt wirklich zusammen,
Willy: wer ist, glaube ich, der Enkel vom Arthur Schnitzler.
Anton: Ja, genau.
Willy: Was hat er ihm so zu dieser Naturliebhaberei gebracht?
Willy: Hat er das einmal erzählt?
Anton: Ich weiß es nicht genau. Nein, das weiß ich nicht genau, aber ich weiß,
Anton: dass er immer schon gerne gereist ist und dass er immer schon die Natur,
Anton: also ob das jetzt Meeresnatur ist oder ob das jetzt irgendwo Land,
Anton: also überhaupt die Erde, die Welt, die ganzen Ökosysteme, das zu sehen,
Anton: die Tiere zu sehen, das hat ihn immer, immer fasziniert.
Anton: Und er wollte halt auch etwas tun und er wollte einen Beitrag leisten.
Anton: Und das ist ihm ja wirklich super gelungen.
Willy: Müssen wir nochmal fragen, ob er auch vielleicht so einen Brennnesselbözer gehabt
Willy: hat, wie du in seiner Jugend, der ihn dann quasi auch fasziniert hat.
Anton: Er kommt eh heute Nachmittag.
Willy: Ja, müssen wir gleich fragen. Er ist eh da. Er ist da. Er kommt heute.
Anton: Er kommt zum Vortrag. Wir haben ja um zwei den Vortrag, da kommt er. Super.
Willy: Jetzt gehen wir nochmal zurück. Wir sind jetzt im Exkurs Regenwald der Österreicher.
Willy: Jetzt gehen wir in dem Exkurs wieder auf diese United Fruit Company,
Willy: weil die glaube ich für das Gesamtverständnis dieser Situation hier vor Ort,
Willy: also speziell hier vor Ort, aber insgesamt, glaube ich, auch eine sehr,
Willy: sehr wichtige Rolle spielt.
Willy: Das ist ein Riesenunternehmen gewesen, muss man sagen, ist ja dann später zerschlagen worden.
Willy: Erklären Sie mal, was hat diese United Food Company in dieser Region gemacht?
Willy: Warum ist sie dann verschwunden?
Willy: Und was bedeutet das für die Leute, die mit ihr mitgekommen sind,
Willy: nämlich die Arbeiter und Menschen, die dann später ja noch hier weitergelebt haben?
Anton: Ja, also die United Fruit Company ist da in die Gegend gekommen,
Anton: ungefähr in den 1930er Jahren.
Anton: Da gab es die sogenannte Panama Disease, also die Panama-Kranke,
Anton: das ist eine Pilzerkrankung, die Bananen stark angreift.
Anton: Und die Bananen wurden ja ursprünglich an der Karibikseite gezüchtet.
Anton: Da gibt es dieses Valle de la Estrella, an der Karibikseite ein großes Tal.
Anton: Atlantikseite, wir sind jetzt hier auf der Pazifikseite. Wir sind jetzt Pazifik, genau.
Anton: Und an der Atlantikseite, das war einfacher mit dem ganzen Seeweg,
Anton: das zu exportieren. Da gibt es einen Hafen, also dort hat man diese...
Anton: Bananenpflanzungen aufgebaut. Und das war ja Zeit, da gab es ja auch noch keine Spritzmittel.
Anton: Jetzt ist da so eine Pilzkrankheit und die breitet sich schnell aus.
Anton: Das ist epidemisch, das ist also eine Riesengefahr.
Anton: Also man hat jetzt schauen müssen, wie tun die?
Anton: Sie sind ausgewichen. Sie haben dann quasi geografisch getrennt über den Berg
Anton: drüber, auf der anderen Seite am Pazifik eine Region gesucht,
Anton: die ähnliches Klima hat und auch einen Hafen aufweist.
Anton: Und wo man diese Bananen quasi alternativ anbauen kann. Und da hat man gesagt, Golfito ist super.
Willy: Fokus war Bananen.
Anton: Fokus war Bananen, ja. Golfito ist super, weil Golfito hat einen Hafen,
Anton: der ist doppelt geschützt.
Anton: Wenn man sich das geografisch anschaut, da gibt es den Golfo Dulce,
Anton: das ist schon mal geschützt, weil die Wellen vom Pazifik, wenn die ungebremst
Anton: reinkommen, die sind einen Meter hoch.
Anton: Da kann ein Schiff gar nicht landen. Und dann hat man noch hinter dem Golfo
Anton: Dulce den Golf von Golfito. Das heißt, die Schiffe konnten da wunderbar diese
Anton: Transportschiffe einfahren.
Anton: Man hat zwar den Hafen ein bisschen herrichten müssen und eine Schneise musste
Anton: man ausheben, damit die einfahren können.
Anton: Aber das war ein geschützter Hafen. Und rundherum eben dann diese Hügelketten
Anton: beziehungsweise auch diese flachen Gebiete.
Anton: Die flachen Gebiete waren ideal für Bananen, aber die hatten natürlich noch Wald.
Anton: Es war ja alles bewaldet. Bis vor 100 Jahren war hier alles bewaldet.
Anton: Es gab angeblich eine kleine Straße, nur mit Aldrape Faba, wenn man überhaupt
Anton: mit einem Auto gefahren ist damals. Aber es gab so einen Verbindungsweg.
Anton: Die Menschen sind ja immer schon gewandert von Nord nach Süd.
Anton: Und das ist da vorbeigegangen.
Willy: Aber da war einfach nur Wald.
Anton: Da war nichts.
Willy: Und Indigene.
Anton: Und Indigene. Also Golfito war eine kleine indigene Ortschaft.
Anton: Und die United Fruit ist dann gekommen, hat dann mit der Regierung von Costa
Anton: Rica natürlich auch verhandelt, hat gesagt, wie können wir das machen.
Anton: Die waren interessiert daran.
Anton: Einnahmequellen und so weiter. Und man hat begonnen, in Golfito eine Stadt aufzubauen,
Anton: quasi vom Reißbrett weg.
Anton: Das ist ja heute noch existent. Das ist voll interessant. Golfito.
Willy: Auch Golfito. Das ist Golfito, genau.
Anton: Und hat dann versucht, nachdem keine Menschen da waren, dass man Menschen quasi
Anton: jetzt, dass man das so attraktiv gestaltet, dass die kommen.
Willy: Da waren ja keine Leute.
Anton: Wir brauchen aber Arbeiter. Da waren keine Leute, wir brauchen Arbeiter.
Willy: In einer Region, die nur wild war.
Anton: Genau. Genau, das ist der Punkt.
Anton: Und wie hat man dich jetzt angelockt? Indem man gesagt hat, da unten kannst
Anton: du dir ein Land abstecken, das ist ganz billig oder kostet sogar zum Teil gar nichts, ja?
Anton: Und du musst das nur urbar machen.
Anton: Also du musst ein Teil, du steckst jetzt ab, ich sage jetzt irgendeine Zahl,
Anton: 50 Hektar oder 100, 200, also viel größer nicht.
Willy: Das waren so die Dimensionen, die man gekriegt hat.
Anton: So Dimensionen, also der Ronald hat über 200 Hektar gehabt und hat sich quasi
Anton: da hinten dieses Tal abgesteckt.
Anton: Und du musstest aber nachweisen, dass du auch einen Teil quasi abgeholzt hast
Anton: und dass du den landwirtschaftlich nutzt.
Anton: Und so sind die Leute gekommen, aus dem Norden sind viele gekommen,
Anton: aus Nicaragua, aus El Salvador sind gekommen, es gab im Norden so eine Kaste,
Anton: das war immer schon mehr bevölkert,
Anton: da gab es jetzt auch soziale Verlierer, die sind dann dahergekommen,
Anton: also es war quasi hier dann ein buntes Gemisch, ist es nach wie vor noch,
Anton: von verschiedenen Familien, die aus verschiedenen Ländern Mittelamerikas gekommen sind.
Willy: Und einen Grund gehabt haben, auch ihren damaligen Standard zu verlassen.
Anton: Wir haben auch einen Grund gehabt gehabt. Und das war halt attraktiv und sehr
Anton: oft, wie man hört, sind eher ärmere, soziale, untere Schichten gekommen,
Anton: bildungsfern, wie auch immer.
Willy: Auf der Suche nach Chancen.
Anton: Auf der Suche nach einer neuen Chance. Und das sind heute, die Nachkommen sind
Anton: quasi immer noch da. Das sind die Menschen, mit denen wir arbeiten.
Anton: Vielfach ist es auch so. Und dann ist quasi die United Fruit Company gekommen
Anton: und hat mit denen Verträge geschlossen.
Anton: Und die haben für die United Fruit dann Bananen produziert.
Anton: Und die United Fruit hat hier den Hafen gehabt, Golfito, hat eine Eisenbahn gebaut von Palma Norte.
Anton: Das ist so 50 Kilometer weg von da.
Anton: Und auch dort gab es Bananen. Und entlang der ganzen Bahn gab es immer wieder
Anton: auch Bananenpflanzungen.
Anton: Und der Zug ist gefahren und hat immer aufgeladen und hat es dann nach Golfito
Anton: gebracht, dort wurde es verschifft und ist dann nach Nordamerika gegangen, das meiste.
Willy: Was für ein Export?
Anton: Das ist eigentlich fast alles für ein Export, genau.
Anton: Und entlang dieser Bahnlinie haben sich dann auch die Siedlungen,
Anton: die kleinen Dörfer entwickelt.
Willy: Nach und nach ist es bevölkert worden.
Anton: Und wenn du heute die Leute fragst, die heute das noch kennen,
Anton: da reden sehr, sehr viele eigentlich von dieser guten alten Zeit und wie schön
Anton: das war und das war toll. Weil dann 1986...
Willy: Hat jeder Arbeit gehabt, deswegen gute Jobs?
Anton: Wir haben irgendwo da gearbeitet, ja, die meisten als Tagelöhner, muss man auch sagen.
Anton: Also der Bauer, der als erstes gekommen ist, der hat Land gehabt.
Anton: Dem ist es ja nicht so schlecht gegangen.
Anton: Aber die Nächsten, die dann gekommen sind, die waren dann oft nur mehr die Tagelöhner.
Anton: Das gibt es ja bei uns gar nicht so in Österreich. Wir sind ja sehr gut sozial abgesichert.
Anton: Aber der hat quasi eine Machete gehabt oder gekriegt.
Anton: Und der Bauer hat gesagt, du, heute gehst du da hin und schneidest das um oder du der und das.
Willy: Für den Tag Arbeit kriegst du dann noch.
Anton: Genau. Und wenn er am nächsten Tag eine Arbeit gehabt hat, ist er wiedergekommen,
Anton: aber irgendwann hat er keine gehabt, dann ist er halt nicht gekommen,
Anton: hat auch nichts verdient. Also die waren sozial nicht abgesichert.
Anton: Und die United Fruit war aber immer irgendwie so dieser große,
Anton: also manche haben sie auch die Krake genannt, weil die United Fruit hat sich
Anton: wie eine Krake in ganz Mittelamerika und auch Südamerika, nördliche Südamerika
Anton: ausgebreitet, wie eine Krake.
Anton: Und hier haben sie aber auch El Patron, also dieses Patronalsystem.
Anton: Das heißt, der Patron, der Besitzer, der ist auch für die verantwortlich.
Anton: Das heißt, die haben jetzt zwar keine Sozialversicherung gehabt,
Anton: aber wenn sie irgendwo angestellt waren bei der United Fruit,
Anton: dann haben sich die auch gekümmert um dich und um deine Familie.
Anton: Aber in einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis. Also das war nicht ganz einfach.
Anton: Aber oberflächlich betrachtet sicher super. Aber es gibt natürlich auch andere,
Anton: die sagen, das war nicht gut, weil die Leute so abhängig waren.
Anton: Wie Sklaven eigentlich und vor allem sie haben Druck auf die kostarikanische Regierung ausgeübt.
Anton: Darum dieser Begriff Bananenrepublik.
Willy: Das kommt von da.
Anton: Weil die United Fruit war wirtschaftlich so stark, dass sie überall eingemischt
Anton: hat und die Regierungen ohne die United Fruit quasi gar nichts mehr wirklich
Anton: entscheiden haben können. Also die öffentlichen
Willy: Strukturen unterwandert und haben so krumm gemacht, die Bananen.
Anton: Richtig, genau. Und dann haben sie in dieser Zeit, also in den 80er Jahren,
Anton: gab es dann schon immer wieder ein bisschen Unruhen, soziale Unruhen,
Anton: angeblich die Böden sind auch immer schlechter geworden, ist eh ganz klar,
Anton: tropische Böden sind landwirtschaftlich nicht so geeignet auf lange Zeit und
Anton: haben sich dann die Bananen produzierenden Länder zusammengetan und haben gesagt,
Anton: sie wollen jetzt nicht irgendeine Steuer, Die United Fruit hat irgendwas an
Anton: Steuern bezahlt, was sie wollten.
Anton: Nicht, was sie mussten oder was der Staat gesagt hat, was sie wollten.
Willy: Das wird nicht sonderlich viel gewesen sein.
Anton: Genau. Und die haben dann gesagt, die haben sich diese bananenproduzierenden
Anton: Länder zusammengetan und haben gesagt, sie wollen pro Kiste,
Anton: die wir kennen in Europa, nicht so eine Kiste, sondern so eine Bananenkiste, pro Kiste einen Dollar.
Anton: Und die haben das beschlossen, ja super, das machen wir. Aber die Einzigen,
Anton: die das wirklich durchgestanden haben und dann wirklich auch exekutiert haben, war Kostarika.
Anton: Alle anderen sind wieder umgefallen. Und das war dann die Zeit,
Anton: wo die kostarikanische Banane die teuerste Banane am Weltmarkt war.
Anton: Die haben sie einfach nicht mehr angebracht.
Anton: Und dann hat die United Schultz gesagt, gut, dann gehen wir.
Anton: Und sind von hier, von heute auf morgen eben abgezogen.
Willy: Der Patron. Die Leute waren da, haben sich angesiedelt, Tagelöhner,
Willy: abhängig von einer großen zentralen Firma, Unternehmen.
Willy: Und das waren von einem auf den nächsten Tag. Also wirklich sehr schnell, oder?
Anton: Sehr schnell. Das ist sehr schnell gegangen. Wir gängen.
Anton: Haben die Eisenbahn gelassen, also die Eisenbahnwaggonen, die kann man heute
Anton: noch sehen, teilweise museal ausgestellt.
Anton: Die Schienen wurden abgebaut von den Einheimischen, die haben zum Teil Brücken
Anton: gebaut, zum Teil halt selber irgendwie gebraucht und es war vorbei.
Anton: Und die Leute sind da gestanden ohne Arbeit. Und dann hat man in Golfito gesagt,
Anton: was machen wir, die Regierung, ja verdammt, und haben dann eine Freihandelszone eingerichtet.
Anton: Oder sogenannte Deposito Libre. Da kann man auch heute noch,
Anton: sage ich mal, steuergünstig einkaufen.
Anton: Und damals hat man das so gemacht, man konnte nicht einfach da hinfahren und
Anton: kaufen, sondern man hat hinfahren müssen.
Anton: Da gab es dann ein Office, ein Büro, da bist du reingegangen mit deinem Boss
Anton: und hast du dir eine Erlaubnis, eine sogenannte Tachetta geholt für den nächsten
Anton: Tag zum Einkaufen. Eine bestimmte Summe.
Anton: Das heißt, du hast jetzt nur übernachten müssen da. Du hast was essen müssen,
Anton: trinken müssen, also man hat ein bisschen sozusagen diesen Tourismus,
Anton: den einheimischen Tourismus gefördert.
Anton: Heute ist es vorbei, heute kannst du kommen und kannst direkt einkaufen.
Anton: Du darfst aber zum Beispiel nur bestimmte Sachen in bestimmter Menge,
Anton: in bestimmter Zeit kaufen.
Anton: Du kannst nicht jetzt drei Kühlschranken dreimal im Jahr kaufen,
Anton: sondern du kannst glaube ich alle zwei Jahre oder so einen Kühlschrank kaufen.
Anton: Also das ist nicht zum Handeln, sondern nur für den Privatgebrauch.
Willy: Die Zahlen für Bier und Wein habe ich schon einmal gehört.
Anton: Ja.
Anton: Wesentlich billiger.
Willy: Aber auch die Limitierung. Ich glaube, es waren 40 Flaschen Wein pro Person
Willy: und Jahr, das du, glaube ich, kaufen kannst.
Anton: Ah, das kann sein.
Willy: Ja, ja, die Informationen habe ich dann irgendwie schneller bekommen.
Anton: Das ist wichtig, ja.
Willy: Ja, kommt drauf an. Außer es ist Weißwein, du musst ihn kühlen,
Willy: dann brauchst du einen Kühlschrank gar nicht.
Anton: Ja, das stimmt. Du brauchst vielleicht sogar zwei, 40 Flaschen.
Willy: Aber sagt diese United Food Company, gibt es die halt noch?
Anton: Die Nachkommen, also Chiquita, Del Monte, Pintecca und so. Das ist dann quasi zerschlagen worden.
Anton: Und es gab dann Nachfolgefirmen. Und also die Palmatica, diese Ölpalmen, war auch so ein Teil.
Anton: Das ist aber heute dann verkauft worden, soweit ich weiß, sind diese Ölpalmen.
Anton: Heute ist der Besitzer ein Nicaraguaner, aber da bin ich mir ganz sicher.
Anton: Das verändert sich auch immer.
Anton: Also Chiquita hat ja heute noch einige Grundstücke an der Karibikseite.
Anton: Also da waren ja die ganzen Grundstücke in der Hand von den privaten Bauern.
Anton: Dort die United Fruit nicht besessen, nur die Struktur, also nur die Handelsstruktur.
Anton: Auf der Karibikseite, die ersten, die haben sie selbst zum Teil besessen und
Anton: die besitzen sie ja auch heute noch.
Anton: Und der Karibik würde heute noch viel Banane anbauen, da bei uns weniger.
Willy: Okay, das heißt, wir merken uns durch die United Fruit Company mit dem Panama-Bild
Willy: zu Beginn der 1930er-Jahre,
Willy: hat sich hier einfach eine landwirtschaftliche Struktur, Bevölkerungsstruktur
Willy: überhaupt erst einmal entwickelt, die bis die United Fruit Company dann gegangen ist,
Willy: die sind dann auf einmal taggestanden, mehr oder weniger, mit ihren Kompetenzen,
Willy: die waren eigentlich abhängig von der Firma, waren viel arbeitend,
Willy: direkt bei den Tagelöhnen hast du gesagt.
Willy: Ist, glaube ich, dann wichtig zu verstehen, wenn wir dann zu euch gehen,
Willy: auf die Forschungsstation oder die Tropenstation, woran ihr da forscht,
Willy: weil ihr forscht ja auch bei landwirtschaftlichen Anbaumethoden und das kommt
Willy: man dann wieder zurück nachher.
Willy: Das macht ja dann wieder einen Sinn, weil da viel Kompetenz einfach gar nicht
Willy: vorhanden war bei den Menschen, die ihr ja jetzt versucht, wieder in diese Region
Willy: zu bringen, damit sich die Menschen da nachhaltig selbst besser versorgen können.
Willy: Das ist ein Ding. Aber jetzt bleiben wir noch kurz beim Regenwald der Österreicher.
Willy: Da sind wir gerade in den Anfängen gewesen.
Willy: Was habt ihr da gemacht? Habt ihr da Regenwald gekauft? Oder Michael Schnitzel
Willy: hat da Regenwald gekauft? Von wem? Mit welchem Ziel?
Willy: Und wie hat das funktioniert?
Anton: Ja, also Michael war dann da, ist dann quasi zurück nach Österreich, hat da Geld gesammelt.
Anton: Verein Regenwald der Österreicher. Michael kennt ja viele Personen,
Anton: auch berühmte Personen und das hat sich dann ausgebreitet.
Anton: Es ist schon einiges an Geld zusammengekommen und letztendlich war er immer
Anton: in Verbindung mit dem Umweltministerium von hier und die haben dann Finkers gekauft,
Anton: also Grundstücke gekauft und haben versucht, diesen Nationalpark,
Anton: Es gab nämlich eine Grenze vom Nationalpark.
Anton: Also der war ja schon quasi abgegrenzt.
Anton: Aber es waren noch Privatgrundstücke. Und die mussten ja abgelöst werden.
Anton: Und jetzt wollten auch nicht immer alle gleich verkaufen. Und manche haben gesagt,
Anton: ja sofort. Und die haben gesagt, na, da habe ich noch Kühe drauf und so weiter.
Anton: Also ich lasse mir noch Zeit. Und so schön langsam in Zusammenarbeit.
Anton: Das hat hauptsächlich das Ministerium gemacht, das Umweltministerium.
Anton: Übrigens ein sehr potentes Ministerium. Also die haben viel Einfluss.
Anton: Weil Costa Rica ist ja auch ein Vorbildland im Naturschutz.
Anton: Und die haben gesagt, na der verkauft und der und der. Und dann hat man quasi
Anton: geschaut, wie viel Geld hat man und hat diese Fingers gekauft.
Anton: Und das ist schon eingeschlagen. Also es ist dann auch bekannter geworden,
Anton: dass da quasi ein Nationalpark gemacht werden soll, dass das Geld fehlt.
Anton: Und es gab dann auch US-amerikanische Stiftungen, die Moore Stiftung zum Beispiel,
Anton: hat einmal die Einnahmen vom Regenwald der Österreicher, das eingenommen wurde,
Anton: verdoppelt. Es gab dann Firmen, die da mitgespendet haben.
Anton: Die Kostarikaner selber haben Geld bekommen, international.
Anton: Also das war ein Gemeinschaftsprojekt, das da quasi gemacht wurde.
Anton: Und die Österreicher haben aber immerhin, der Park hat etwa 160 Quadratkilometer
Anton: Größe und die Österreicher haben ein Viertel, also circa 40 Quadratkilometer,
Anton: beigetragen, dass das freigekauft wird.
Willy: Über die Jahre, zum heutigen Tag. Über die Jahre, genau.
Anton: Also der Park galt dann 2010 quasi als gerettet.
Anton: Da gibt es sicher noch vielleicht das eine oder andere Grundstück,
Anton: das man noch kaufen muss.
Anton: Aber es geht auch immer um den Zugang. Also die Grundstücke,
Anton: die irgendwo im Park drinnen sind, wenn die verkauft sind oder nicht, das ist eigentlich...
Anton: Nicht so wichtig, weil da kommt eh keiner hin und die dürfen auch nichts machen.
Anton: Das Forst-Gesetz hat sich auch geändert, muss man sagen. Also 1996 wurde ja
Anton: das Forst-Gesetz so verändert, dass man nicht einfach einen Baum umschneiden kann.
Anton: Das hat ja auch noch mitgewirkt.
Willy: Also da hat die Regierung auch unterstützt, quasi um das Projekt zu realisieren
Willy: oder auch zu erleichtern oder zu ermöglichen. Ja, genau.
Anton: Also ohne Regierung war sowieso nichts gegangen. Und die Umweltministerinnen
Anton: haben ja auch immer gewechselt, alle paar Jahre, das war einmal besser,
Anton: einmal schlechter, einmal leichter.
Anton: Aber insgesamt hat es eigentlich, muss man sagen, trotzdem Schwierigkeiten, es ist gemacht worden.
Anton: Und man hat schon gemerkt, also gerade in die 80er Jahre, da hat ja Costa Rica
Anton: weltweit die höchste Abholzungsrate weltweit gehabt in den Tropenländern.
Anton: Also da war die Entwaldungsrate bei, ich glaube, bei 3-4%. Das war irre.
Anton: Und man hat schon gewusst, das kann nicht so weitergehen.
Anton: Und dann hat man das Forstgesetz geändert und hat das 1996 implementiert.
Anton: Und die Zeit dieser Notbremse bis zum Implementieren war für den Wald eine harte Zeit.
Anton: Weil die haben noch rausgeholt, wo es gegangen ist.
Anton: Darum, das war die Zeit, wo wir da waren, wo ich da gesagt habe,
Anton: in der Früh sind wir aufgewacht mit dem Motorsägen-Geräusch.
Willy: Was war der Auslöser? Woran haben Sie dann erkannt, dass es so nicht weitergeht?
Willy: Weil woanders ist es ja nicht so.
Anton: Ja, also es ist bei uns in Österreich jetzt vielleicht ein Vergleich,
Anton: gab es ja auch den Aufreihekauf, da wollte man das Kraftwerk in Heimburg bauen
Anton: und das wurde auch nicht gebaut.
Anton: Und das war auch ein Umdenken, diese Grünbewegung, die damals entstanden ist.
Anton: Und dann sind Nationalparks gegründet worden und das war ganz ähnlich hier.
Anton: Da hat man schon angefangen, also in den 70er Jahren wurde Corcovado,
Anton: das ist diese Halbinsel Osa, da gibt es einen Park, Corcovado Park,
Anton: wurde damals gegründet in ganz ähnlicher Art und Weise.
Anton: Die Leute haben sich dort angekettet, sind ins Gefängnis gekommen und heute
Anton: ist das das Aushängeschild für Costa Rica, dass sie die Natur schützen.
Anton: Costa Rica macht viel Geschäft mit Tourismus. Wenn sie das nicht hätten, wäre das kaputt.
Anton: Und die tropischen Böden, die geben nichts her auf lange Sicht.
Anton: Also das war schon gut, dass man diesen Weg eingeschlagen hat.
Anton: Das ist nachhaltig. Man weiß eh nicht, wie sich was entwickelt.
Anton: Aber wenn es einmal kaputt ist, die Natur, dann ist sie kaputt.
Anton: Es ist gar nicht so einfach, das alles wieder rückzuführen.
Willy: Das ist aber ein Teil unserer Arbeit.
Anton: Das ist ein Teil unserer Arbeit. Und für das kämpfen wir auch.
Anton: Wir sagen, natürlich sagen, bei euch ist es noch so schön und so viel Wald.
Anton: Ja, aber damit das bestehen bleibt, muss man dafür kämpfen, muss man auch Aufklärungsarbeit
Anton: leisten, das ganz wichtig ist und natürlich auch Alternativen bieten,
Anton: Zukunftsperspektiven bieten.
Willy: Wem habt ihr den Wald abgekauft, den Menschen, die dann gekommen sind und sich
Willy: das abstecken haben können damals, oder?
Anton: Genau, die da gekommen sind und die das einmal abgesteckt haben,
Anton: die haben sich, sage ich mal, 200 Hektar abgesteckt, dann haben sie einmal 50
Anton: Hektar irgendwann verkauft und den nächsten gegeben. Also die ersten,
Anton: glaube ich, die da gekommen sind, die haben schon sehr profitiert davon.
Anton: Und dann ist das immer weiter quasi zerstückelt und verkleinert worden.
Anton: Ja, und wie dann diese United Fruit Company weggezogen ist, waren die Leute
Anton: ja quasi ohne Arbeit, sind in den Wald.
Anton: Und haben ja dann Kühe zum Beispiel aufgestellt, wie schon erwähnt, auf ihre Grundstücke.
Anton: Und die haben vom Staat auch, also die, die nichts gehabt haben,
Anton: haben vom Staat auch Grundstücke zugewiesen bekommen. Also da gab es die sogenannten IDA-Grundstücke.
Anton: IDA heißt Instituto de Desarrollo Agronomica, also quasi so ein landwirtschaftliches Institut,
Anton: das sich um die landlosen Bauern kümmert und die haben dann quasi ein Grundstück
Anton: gekriegt und das gibt es heute noch.
Anton: Und das konnte man, wenn man dann wollte, man hat das dann quasi auch jetzt
Anton: bebaut und weiter Urbau gemacht oder hat irgendwas angebaut,
Anton: damit die Leute leben konnten.
Anton: Weil das waren die Tagelöhner, die ja dann keine Arbeit gehabt haben.
Anton: Jetzt hat man denen quasi irgendwas geben müssen. Und da wurden dann Grundstücke
Anton: so von zwischen 10 bis 15 Hektar vergeben an die Bauern.
Anton: Und viele haben sich das dann eintragen lassen und haben das dann später verkauft,
Anton: auch an den Park wieder, quasi an den Nationalpark zurückverkauft.
Willy: Die sind zum Beispiel die Finca Alberto gegangen oder Finca Marie oder sonst was.
Willy: Das waren dann die Finkas, also die Grundstücke von diesen Menschen,
Willy: die ihr dann nach und nach jetzt zurückgekauft habt.
Anton: Genau.
Willy: Hat es von Anfang an schon eine
Willy: Strategie gegeben? Es gibt ja jetzt dieses Projekt, ich wollte versuchen,
Willy: von der Pacific-Seite zur Atlantik-Seite einfach einen durchgehenden Korridor
Willy: zu schaffen, wo quasi Tiere von der einen Seite zur anderen auch wandern können,
Willy: wo da einfach ein durchgängiger, wie soll ich sagen, ein grüner Korridor ist.
Willy: War das von Anfang an schon eine Strategie oder war einfach nur am Anfang die
Willy: Idee, kaufen, wo es geht und schützen?
Willy: Oder war da schon ein Masterplan auch dahinter?
Anton: Naja, die ursprüngliche Idee war eigentlich diesen Boske Eskinas,
Anton: der da quasi überblieben ist, den zu schützen und einen Nationalpark zu machen.
Anton: Also man hat es erst nur gekauft und geschützt innerhalb dieser Grenzen.
Anton: Und da ist die ganze Kraft hineingeflossen, das ganze Geld.
Anton: Und das war dann circa 2010, war das dann soweit, dass man gesagt hat,
Anton: jetzt ist der Park wirklich geschützt.
Willy: Woran kann man das festmachen?
Anton: Ja, dass keine Abholzungen mehr sind, dass die Leute wieder stabiler waren,
Anton: dass die Arbeit gefunden haben.
Anton: Also es war die Gefahr, dass man eindringt in den Wald, die war einfach nicht mehr groß.
Anton: Die Wilderei hat nachgelassen, aber das war ja alles da. Die Leute haben sich
Anton: einfach den Wald, die haben ihn ausgebeutet, total.
Anton: Und das ist halt weniger geworden. Und da haben wir gesagt, gut,
Anton: jetzt passt das eigentlich.
Anton: Das Minai, also das Umweltministerium, die haben das geschützt.
Anton: Es gab Parkwächter, es ist eine Struktur aufgebaut worden.
Anton: Man konnte den Park besuchen, man zahlt einen Eintritt. Also das ist richtig...
Anton: Es wurde gemanagt und dann war auch schon immer wieder nicht,
Anton: wir waren mit Michael Schnitzer, wir waren damals quasi die Forscher und der
Anton: Regenwald der Österreicher und die Forscher.
Anton: Wir waren am Anfang beinahmt und dann wurden wir oder wir haben uns getrennt
Anton: und arbeiten parallel, aber immer sehr, sehr eng zusammen.
Anton: Aber es gab immer den Umweltschutzbereich und es gab den Forschungsbereich.
Willy: Den gab es immer schon getrennt.
Anton: Am Anfang war alles benaunt, hat er sich ja entwickelt.
Anton: Aber dann ist es doch sehr bald, hat man gemerkt, dass der Forschungsbereich
Anton: eigentlich Universität Wien sein soll und der Naturschutzbereich beim Regenwald
Anton: der Österreicher bleiben soll.
Anton: Das wäre sonst zu teuer gewesen. Der Verein, die Statuten waren auch nicht danach.
Anton: Man hat schon Forschung unterstützt, macht man immer noch.
Anton: Aber es war doch, der Verein Regenwald der Österreicher ist mehr der Naturschutzbereich
Anton: Und die Tropenstation La Gamba,
Anton: der Verein, der dann 2003 gegründet wurde, kümmert sich um die Forschung und
Anton: arbeitet intensiv und sehr eng zusammen auch im Naturschutz mit dem Regenwald der Österreicher.
Willy: Aber zwei komplett getrennte Einheiten.
Anton: Wir sind zwei Vereine, die sehr eng kooperieren und zusammenarbeiten.
Anton: Und ich glaube, das ist auch eines der Erfolgsrezepte, warum das über so lange
Anton: Zeit eigentlich gut geht.
Anton: Und wir dort sind,
Willy: Wo wir heute sind.
Anton: Die Kooperation.
Willy: Die Kooperation, nicht die unterschiedliche Aufteilung in zwei Vereine.
Anton: Ich glaube, dass das auch gut ist, weil der Forschungsverein hat andere Aufgaben
Anton: wie ein Naturschutzverein.
Anton: Und das muss man auch vielleicht ein bisschen aus der Geschichte sehen.
Anton: Die Universität Wien entwickelt sich auch immer weiter und der Naturschutz war
Anton: in der Zeit damals nicht vordergründig.
Anton: Das ist aber heute anders geworden,
Anton: weil auch Naturschutz ein Teil der Universitäten ist, quasi dieses CSR.
Anton: Also man ist schon auch verantwortlich, dass es quasi allen gut geht und das
Anton: konnte man damals gar nicht so argumentieren, weil die Denkweise war noch anders.
Anton: In Costa Rica war das immer schon so, dass die Universitäten sehr eng auch im
Anton: Naturschutzbereich quasi mit verbunden waren und auch mit der Bevölkerung.
Anton: Und in Europa hat sich das vielleicht erst später so in diese Richtung entwickelt.
Anton: Und man muss jetzt sagen, dass die Tropenstation ein Mitgliederverein ist.
Anton: Und der Verein Regenwald der Österreicher mehr ein Spendenverein.
Willy: Also man kann für Spenden für den Regenwald der Österreicher,
Willy: gibt es Spendenkonto, wenn man Naturschutz unterstützt wie in Costa Rica.
Anton: Genau.
Willy: Okay, kann man das machen.
Anton: Im Prinzip kann man für beide spenden.
Anton: Aber es kommt letztendlich eh mehr oder weniger alles zusammen und dem ganzen Projekt zugute.
Anton: Das eine ist halt mehr Forschung und das andere ist halt mehr Naturschutz.
Anton: Aber es ist ja so, dass viel, würde es den Naturschutz nicht geben,
Anton: könnte man da gar nicht mehr drinnen forschen, weil es den Wald gar nicht mehr geben würde.
Anton: Aber jetzt sind wir ziemlich abgetrifftet.
Willy: Ich bin immer noch beim Regenwald der Österreicher. Ich bin immer noch in der Kontrolle.
Anton: Bist du noch dabei,
Willy: Sehr gut. Ich weiß, dass wir noch quasi, wir waren in der Abweichung von der
Willy: Abweichung, sind jetzt quasi in der ersten Abweichung im Regenwald der Österreicher.
Willy: Und dann noch eine letzte Frage, wem gehören denn die Flächen jetzt eigentlich?
Anton: Nein, da wollte ich nämlich jetzt noch mal hin, Weil 2010, da muss ich den Zweig,
Anton: 2010 hat sich der Regenwald der Österreicher entschieden, sich der Idee,
Anton: das wir damals von der Station hatten, anzuschließen.
Anton: Und wir haben 2006 mit einem kleinen Projekt begonnen, das wir über die OMV
Anton: damals finanziert bekommen haben, wo wir lange überlegt haben,
Anton: soll man das machen und was denn mit Firmen und so weiter.
Anton: Und wir haben gesagt, nein, das machen wir und wir sind sehr froh,
Anton: dass wir das gemacht haben.
Anton: War alles sehr fair, ist wirklich gut gelaufen und konnten ein kleines Projekt bekommen.
Anton: Und wir waren ja eher die Forscher und haben uns mit Pflanzen befasst.
Anton: Aber in dem Projekt sollten auch Menschen integriert werden und irgendwas mit
Anton: Naturschutz integriert werden und irgendwas mit der Bevölkerung integriert werden.
Anton: Jetzt haben wir so ein Paket geschnürt.
Anton: Das wollte die OMV.
Anton: Also die wollten ein Projekt schon, die Forschung ist okay, aber sie wollten
Anton: auch die Menschen irgendwie dabei haben.
Anton: Und das war für uns neu und wir haben gesagt, wir machen das,
Anton: wir haben eine Idee, weil wir kannten ja die Personen hier,
Anton: wir kennen die Gemeinde sehr gut, weil wir ja als Studenten da hergekommen sind
Anton: und wir haben schon 13 Jahre da quasi gelebt mit denen auch zusammen und wussten,
Anton: was die vielleicht brauchen, wie wir ihnen helfen können.
Anton: Und haben dann quasi da begonnen mit dem biologischen Korridor.
Anton: Da gab es jetzt mehrere Teilprojekte, das führt vielleicht jetzt zu weit,
Anton: oder? Nein, du schaust mich an.
Willy: Das war zum Verständnis. Aber
Willy: das war angestoßen durch das Projekt von der OMV. Die sagen, baust du was?
Anton: Genau, also wir waren immer wieder im Radio und da gab es eine Ö1-Sendung.
Anton: Und das hat jemand von der OMV gehört.
Anton: Und die haben gesagt, das ist interessant, die wollen wir unterstützen.
Anton: Ruf die an. Und da hat uns damals die Frau Alaya angerufen und hat gesagt,
Anton: ja, sie könnten sich vorstellen, uns dazu unterstützen.
Anton: Und die haben jetzt bald aber eine Sitzung, also es sollte relativ schnell gehen,
Anton: hingesetzt über das Wochenende. Dann haben wir gesagt, okay,
Anton: schreiben wir halt was und haben die Ideen zusammengefasst.
Anton: Und da war also ein Teil, war Forschung.
Anton: Wir hatten Luftbilder damals, haben wir gekauft von einer anderen Stiftung,
Anton: von der Bindingstiftung, gab es Luftbilder.
Anton: 2003. Und die musste man aufarbeiten.
Anton: Da haben wir gesagt, wir wollen eine Vegetationskarte von dem Gebiet haben. Die gab es nicht.
Anton: Das war der Forschungsteil. Dann haben wir gesagt, dann machen wir ein landwirtschaftliches
Anton: Projekt, ein Permakulturprojekt und dann machen wir ein Projekt mit den Einheimischen,
Anton: dass die was produzieren, Seifen, Kräuter, solche Sachen.
Anton: Die haben es schon gehabt und da gab es eine kleine Struktur schon und auf der
Anton: wollten wir aufbauen und wollen die fördern.
Anton: Und es war dann so, dass sich die Leute sehr schnell zerstritten haben.
Anton: Okay. Ja, das ist wirklich schade.
Anton: Das Bermakulturprojekt hat gut funktioniert, gibt es heute noch.
Anton: Das Forschungsprojekt ist abgeschlossen. Und während dieser Phase hat sich herausgestellt,
Anton: dass eigentlich die Wiederbewaldung von diesen Flächen sinnvoll wäre.
Anton: Und wir haben mit den Bauern begonnen, dass wir Bäume pflanzen auf ihren Finca. Weil warum?
Anton: Haben zum Teil Fingers gehabt, 10, 15, 20 Hektar, haben ja damals United Fruit
Anton: und diese Grundstücke bekommen, haben nicht gewusst, was sie machen sollen,
Anton: weil sie ja keine Bauern sind und haben einfach Kühe da raufgegeben.
Anton: Und alle Bäume waren weg. Die Kühe sind da gestanden in der prallen Sonne und es war kein Baum da.
Anton: Dann frage ich einen, sage ich, wie ist das mit deinen Kühen da?
Anton: Der Mitarbeiter von uns sagt, ja, die sind so arm, die haben keinen Schatten.
Anton: Sag ich, hast du keinen Baum?
Anton: Nein, er hat keinen Baum. Sag ich, das gibt es ja nicht. hat ja elf Hektar,
Anton: waren es glaube ich keinen einzigen Baum.
Anton: Er soll da Dachl machen, das kann er nicht machen, weil er muss das Wölblech
Anton: zahlen und Baum hat er auch keinen, jetzt kann er dem, muss er alles kaufen.
Anton: Dann haben wir gesagt, na pass auf, dann wäre es doch gescheit,
Anton: wenn wir jetzt Bäume setzen, die du in ein paar Jahren, es gibt Bäume in ein
Anton: paar Jahren nehmen kannst, damit du dir ein Dach bauen kannst für die Viecher da.
Anton: Und so ist die Idee entstanden, wir machen mit den Bauern quasi Wiederbewaldungen,
Anton: setzen da verschiedene Bäume hin und manche davon nutzt er.
Anton: Für ein Dach, für eine Ranscha, wenn man da schaut, das sind so Rundlinge,
Anton: die hier für Bauzwecke verwendet werden und die wachsen sehr schnell.
Anton: Also in fünf bis zehn Jahren hat man schöne Bäume und so ist die Idee entstanden.
Anton: Das heißt, wir haben dann begonnen, auch diese Wiederbewaldungen zu machen,
Anton: zuerst mit Bauern und heute machen wir das quasi professionell.
Anton: Und da haben wir 2006 begonnen, haben dann die ersten Fincas auch wieder bewaldet,
Anton: mit sehr vielen, bis zu 200 Baumarten. Das haben wir gelernt.
Anton: Wir haben ja bei null angefangen, aber das haben wir dann quasi gelernt,
Anton: wie das funktioniert, wie man Bäume züchtet, wie man sie aufzieht,
Anton: wie man sie aussetzt, wie man sie düngt.
Anton: Und haben dann quasi ein ganzes Projekt auch aufgezogen auf diesem Permakulturprojekt
Anton: auf der alten Schule, auf der Finca Modella oder die alte Schule,
Anton: hat das Ganze zu laufen begonnen.
Willy: Das ist ja gleich in der Nähe.
Anton: 300 Meter weg haben wir diese alte Schule quasi angepachtet für 20 Jahre,
Anton: damit man dort das Permakulturprojekt aufbaut.
Anton: Das hat damals die Kollegin, die Veronika Mayer, quasi gemacht.
Anton: Das war sehr erfolgreich, aber sie hat sich dann in eine andere Richtung orientiert
Anton: und hat quasi das, glaube ich, 2010 aufgegeben und wir haben das dann quasi übernommen.
Anton: Und das läuft heute hin. Und diese Finca Modello, diese alte Schule,
Anton: hat sich dann zum Zentrum von diesem Copiga-Projekt entwickelt.
Anton: Und das war 2010 schon, doch hat man gemerkt, das macht Sinn.
Anton: Warum macht das Sinn? Weil wir sind draufgekommen, die ganze Biodiversität,
Anton: die wir hier haben, hängt damit
Anton: zusammen, dass noch viel Waldanschluss gegeben ist hinauf in die Berge.
Anton: Regenwald der Österreicher, Nationalpark abgeschlossen.
Anton: Oben ein Nationalpark, abgeschlossen. Und dazwischen, wenn man das nicht schützt.
Willy: Also Inseln quasi.
Anton: Ja, Inseln. Geschützte Inseln. Geschützte Inseln, fragmentiert.
Anton: Und die Tiere können aber nicht vom einen Park zum anderen wandern,
Anton: wenn das nicht irgendwie verbunden ist.
Willy: Und so ist das?
Anton: Natürlich.
Willy: Ja, wieso?
Anton: Genetischer Austausch. Sonst wird das alles verarmen. Wenn du das alles eingesperrt
Anton: hast, kommt es zu einer genetischen Verarmung.
Anton: Bei Pflanzen, bei Tieren. Und das gibt es schon.
Anton: Also der Nationalpark in Manuel Antonio ist quasi so ein abgeschlossener kleiner
Anton: Park, der ist umgeben im Süden von Wasser, also Meer, und im Norden und die
Anton: anderen Himmelsrichtungen von Ölpalmenpflanzungen.
Anton: Und die Tiere gehen da nicht aus. Das heißt, die sind da drinnen wirklich eingesperrt
Anton: und der Park ist zu klein.
Anton: Also die brauchen eigentlich einen Austausch.
Anton: Und wir können das da noch machen.
Anton: Und so hat sie das quasi, 2006 haben wir eben angefangen, das hat sie dann entwickelt
Anton: und 2010, und das ist jetzt der wichtige Punkt, ist dann der Regenwald der Österreicher
Anton: gekommen und hat sich dem Projekt angeschlossen.
Willy: Ah, da sind sie wieder zusammengewachsen.
Anton: Wir waren immer beieinander, aber da sind wir dann richtig. Da haben wir gesagt,
Anton: Nationalpark, weil ich kann mich noch gut erinnern an das Gespräch und der Michael
Anton: hat eben gesagt, was soll man weitermachen
Anton: und jetzt ist der Park ja quasi geschützt. Ja, was soll man tun?
Anton: Und ich habe dann gesagt, dieser biologische Korridor, das ist schon was Sinnvolles.
Anton: Also wenn man jetzt weiterdenkt, das ist eigentlich die einzige Möglichkeit
Anton: und das ist logisch, dass man das weiter ausbauen muss.
Anton: Und wir sind da richtig schön auch in diese, da quasi so hineingerutscht,
Anton: weil kurz später hat Costa Rica begonnen, ein Netzwerk aufzubauen von biologischen Korridoren.
Anton: Man hat dann schon definiert, man wusste schon, nur einzelne Inseln als Nationalparks
Anton: zu definieren, das ist auf lange Sicht, pardon, ist das museal,
Anton: das ist wie ein Museum. Da gehe ich hinein und das war so wie früher.
Anton: Sondern man muss ja alles integrieren. Du musst die Menschen,
Anton: die da drinnen leben, also außerhalb des Parks, aber innerhalb.
Willy: Soll ich funktional sein?
Anton: Es hilft ja nichts, wir sind ja auch da. Und es muss die Tiere und die Pflanzen,
Anton: die sollen alle Platz finden da drinnen. Und da hat man jetzt bestimmte Regionen,
Anton: die halt sehr divers sind, also diese Hotspots der Diversität.
Anton: Man kennt die ja auch, die müssen landschaftlich sehr unterschiedlich sein,
Anton: gut strukturiert sein, es muss noch eine bestimmte Menge an Wald da sein.
Anton: Diese Zusammenschlüsse, wenn das noch alles da ist, hat man quasi so ein Netzwerk
Anton: gemacht und hat gesagt, das sind die prioritären Zonen.
Anton: Also da soll man schauen, dass man biologische Korridore gestalten,
Anton: dass man mit den Menschen arbeitet, dass man sich sensibilisiert,
Anton: dass man Projekte macht und das Ganze quasi mit Inhalt füllt.
Anton: Und da waren wir schon da. Also wir haben da ein bisschen die Nasenlänge vorausgehabt und
Willy: Das habt ihr ja schon gemacht eigentlich. Wir haben das schon gemacht.
Anton: Ja, richtig.
Willy: Das war aber eigentlich ein Zufall, oder?
Anton: Ja, Zufall, man muss halt immer Ausschau halten und versuchen,
Anton: was braucht man, was ist möglich auch.
Anton: Und ich glaube, wir haben einen guten Riecher gehabt.
Willy: Ja, die Idee ist in der Luftgelegenheit, dass es einen Sinn macht.
Willy: Und ihr habt das als erstes erkannt und dann sind die anderen mit aufgesprungen.
Anton: Und dann ist relativ bald, unser damaliger Forstingenieur,
Anton: Das war der Daniel Jenkin, der hat auch gute Kontakte gehabt und es hat sich
Anton: dann formiert Amistosa.
Anton: Also wir sind ja der biologische Korridor Copiga, Korridor Biologico La Gamba
Anton: und wir haben sich gekümmert quasi um diese Region hier rundherum im Tiefland.
Anton: Und der Daniel hat eben auch diese Personen von Amistosa kennengelernt und ich
Anton: kann mich noch gut erinnern, sie haben mich eingeladen. wir sollten hinauffahren
Anton: nach San Vito, das liegt so auf 1500 Meter, Kaffeeanbauzone.
Willy: Da sind wir auf?
Anton: 70 Meter. Das ist ein großer Unterschied.
Anton: Also bei 400, 500 Meter beginnt sich das Ganze umzuwandeln.
Anton: Da ist dann ein anderes Klima. Und die haben natürlich auch anderes Klima,
Anton: andere Kulturpflanzen, andere Probleme und so weiter.
Anton: Aber dort hat man so eine Sitzung gehalten und bin also mitgefahren und haben
Anton: so alles Mögliche diskutiert und geredet und Amistosa hin und her,
Anton: ja, so schwierig, so genau, was ist denn schwierig?
Anton: Nein, sie brauchen irgendwie, man muss jetzt diesen Korridor definieren,
Anton: diese Grenzen definieren und dann kann man ihn offiziell einreichen und dann
Anton: wird er so eine prioritäre Zone.
Anton: Und ich habe gesagt, naja, das ist super, ich meine, wir haben das unten,
Anton: wir haben Kobieger, wir liegen da drinnen und wie kann man helfen?
Willy: Diese Luftlinie ist nicht so weit weg.
Anton: Oder? Nein, sie ist nicht so weit weg. und ich habe gesagt, na Geld, wie viel?
Anton: Ich glaube, das waren 7000 Dollar und ich habe gesagt,
Anton: ich versuche das aufzustellen und ich habe schon gewusst, ich kenne da jemanden
Anton: und das können sie ausgehen und das war tatsächlich das waren die Luxemburger
Anton: Und die haben auch schon in der Zeit ein bisschen Geld gesammelt und haben immer
Anton: wieder ein bisschen unterstützt.
Anton: Und wir waren gerade dabei, auch ein Projekt einzureichen mit Rentforest Luxemburg.
Anton: Das hat sich dann formiert, eigener Verein in Luxemburg, so wie Regenwald der
Anton: Österreicher, Rentforest Luxemburg.
Willy: Waren die aktiv?
Anton: Doch, die unterstützen uns.
Willy: Aha, okay. Also quasi ein Supportverein für den Regenwald der Österreicher sozusagen.
Anton: Genau, für unsere Projekte hier und die Veronika Fischbach, die haben dann damals
Anton: diesen Verein gehabt mit ihrem Mann,
Anton: immer noch, sie ist quasi die Vorsitzende und die waren schon mehrmals da und
Anton: denen hat es irrsinnig gefallen. und haben gesagt, wie können wir euch unterstützen?
Anton: Das Erste, was wir gemacht haben, haben wir mal drei Vorraten gekauft,
Anton: das war 2006 oder 2007 und dann haben sie einen Mitarbeiter unterstützt für
Anton: die Finca Modello, weil das OMV-Projekt ist dann schon ausgelaufen.
Anton: Da haben wir gesagt, wie machen wir jetzt weiter? Und die hat gesagt,
Anton: sie finanziert den Mitarbeiter und da habe ich gewusst, da könnte etwas,
Anton: Das könnte sie ausgehen, dass die diese 7.000 Dollar für diese Karte quasi finanzieren.
Anton: Und das haben wir dann vorfinanziert von diesem Projekt mit dem Ministerium
Anton: in Luxemburg, das spielt dann auch mit.
Anton: Und diese 7000, das ist wirklich nicht viel Geld, aber wenn du es nicht hast,
Anton: ist es viel, haben dazu geführt, dass das Ganze formiert wurde.
Anton: Und das war quasi der Ausgang von dem Amistosa, von diesem biologischen Korridor
Anton: Amistosa, der dann offizialisiert wurde,
Anton: also offiziell eingetragen in dieses Netz der biologischen Korridore und auf
Anton: einmal warst du sichtbar und auf einmal hast du jetzt Projekte einreichen können,
Anton: auch in Costa Rica und die sagen dann, aha, wo ist das?
Anton: Amistosa, ja super, ihr seid prioritäre Zone, also ihr bekommt jetzt zum Beispiel
Anton: eine Förderung. Ganz vereinfacht, jetzt gesagt. Das war ein wichtiger Schritt.
Willy: Das heißt, dieses Cobiga ist jetzt das Gesamtnetz, oder wie versteht man das?
Anton: Cobiga ist ein Teil im Amistosa. Also Amistosa heißt Amistat Osa.
Anton: Da gibt es einen Nationalpark Amistat oben in den Bergen.
Anton: Amistat heißt Freundschaft und das ist so ein Freundschaftspark zwischen Costa Rica und Panama.
Anton: Und dann gibt es die Halbinsel Osa mit dem Nationalpark Corcovado und dazwischen
Anton: liegt der Regenwald der Österreicher hier,
Anton: also der Nationalpark Piedras Plankas und dann geht es hinauf in die Berge und
Anton: dieser Korridor hinauf in die Berge von uns hier,
Anton: Hinauf ist dieser Amistosa, also Amistat und Osa, biologischer Korridor.
Anton: Und da ist der Teil im Tiefland, ist der Teil, mit dem uns wir beschäftigen
Anton: und das ist Copiga, Korridor Biologico La Gamba.
Willy: Und das Gesamtprojekt, also versuchen, da einen Gesamtkorridor zu schaffen, das ist ein Teil der….
Anton: Dieses Netzes der biologischen Korridore.
Willy: Das wiederum von einer Regierung betrieben wird.
Anton: Genau.
Willy: Und ihr seid doch quasi ein Teil dieses Korridors zusammen mit anderen Teilen.
Willy: Genau. Okay, nur so was wir...
Anton: Das sind ganz viele, ja. Also es ist so, dass das Ganze wieder organisiert ist in diese Consejos.
Anton: Also das ist, das Ganze lebt nur und geht nur, weil die Menschen da auch mitarbeiten.
Anton: Großteils freiwillig. Also es gibt ganz wenige wirklich Angestellte da drinnen,
Anton: sondern viele Freiwillige, die da
Anton: mitarbeiten, die helfen, Schulen mit einbeziehen, Vorträge und, und, und.
Anton: Also dieser Inhalt, weil der biologische Korridor muss auch mit Inhalt gefüllt werden.
Anton: Wir machen die Wiederbewaldungen, wir haben die landwirtschaftlichen Projekte,
Anton: aber auch Vorträge, Schulen, die müssen alle mithelfen.
Anton: Das muss sensibilisiert werden. Man muss wissen, für was man eigentlich dann
Anton: quasi arbeitet, um das aufrechtzuerhalten.
Willy: Ich sage es jetzt nur für unsere Hörerinnen und Hörer und auch die Leute,
Willy: die zuschauen, wenn du denkst, die Tonqualität, da ist im Hintergrund ein Geräusch, das sind Zikaden.
Willy: Und je nach Ort und Zeit sind die Teilweise richtig, richtig hart.
Anton: Ja, wenn sie anstarten. Wenn einer anstarrt, kommen die Nächsten dazu.
Willy: Also nicht wundern.
Anton: Jetzt ist es gerade ruhig fast.
Willy: Jetzt ist es gerade ruhig, jetzt war gerade wieder einer da.
Willy: Nur nicht wundern, das gehört da dazu. Das ist quasi authentisch.
Anton: Ja, das ist voll authentisch. Ich weiß nicht, ob das noch kommt. Ja.
Willy: Schauen wir mal, was die Audio noch runterläuft.
Anton: Weil das ist der Tuberkelhocco.
Willy: Der Tuberkelhocco?
Anton: Das ist so ein großer Vogel.
Willy: Aha.
Anton: Und die Männchen hauptsächlich, die Männchen machen diesen ganz dunklen, so ganz tiefen, so...
Anton: Und das hören wir immer wieder. Und einen ganzen Hoden haben sie auch.
Anton: So wie ein Pfeifen, so...
Willy: Schauen wir mal, ob es das hört.
Anton: Die haben wir auf jeden Fall früher, haben wir jahrelang nicht gesehen.
Anton: Die schmecken sehr gut, die wurden bejagt. Die sind sehr zutrauliche Tiere,
Anton: haben keine große Fluchtdistanz.
Anton: Und die haben wir angeschossen, haben wir gegessen. Das sind Truthahn-verwandte Vögel.
Anton: Und seit ungefähr zehn Jahren sind die aus dem Wald, der sie ja regeneriert
Anton: hat, wieder rausgekommen und bei uns in der Station, wir haben so doch,
Anton: sag ich mal, einen dichteren Garten.
Anton: Es ist kultiviert, aber es ist doch relativ dicht.
Willy: Man sieht die im Hintergrund.
Anton: Und da kommen die Vögel und das sind mehrere Familien, die bei uns im Garten brüten.
Willy: Man sieht es teilweise vorbeiwandern, man sieht übrigens überhaupt viel vorbeiwandern,
Willy: am ersten Tag war ich Fass auf eine Schlange drauf gestiegen,
Willy: aber wir haben uns gegenseitig geschreckt und haben uns dann wohlwollend in Ruhe gelassen.
Willy: Aber die Biodiversitätsdichte hier im Garten ist schon eine sehr,
Willy: sehr hohe wahrscheinlich.
Anton: Also da von der Terrasse wurden in, ich glaube, drei Tagen damals,
Anton: ein Kollege, über 70 verschiedene Vogelarten gesichtet. Von der Terrasse.
Willy: Nur von da, nur im Sitzen? Nur von da.
Anton: Nur im Sitzen. Das ist viel. So siehst du bei uns vielleicht,
Anton: wenn du ein Glück hast, 20, ja.
Willy: Wahnsinn. Jetzt haben wir vorher gesagt, Teil eurer Forschung ist es ja auch,
Willy: und dieses, achso, das wollte ich noch fragen, dieses Kobiga-Projekt,
Willy: ist das aus dem OMV-Projekt außer entstanden, oder? War das das? Genau.
Anton: Also die Initialzündung für das ist kommen von der OMV, dass man mit den Menschen
Anton: zusammenarbeiten soll und Forschung machen.
Anton: Die Forschung abgeschlossen, die Menschen sind quasi dann geblieben.
Anton: Also wir bauen immer noch auf auf dem. Das hat sich da entwickelt,
Anton: das war sehr erfolgreich.
Willy: Ja, geben, weil du gesagt hast, abgeschlossen.
Anton: Ja, es ist eigentlich ein Blödsinn, aber das Ursprungsprojekt.
Willy: Das ist auch ein Blödsinn. Was interessiert mich mein Geschwätz schon vorher?
Willy: Ich behaupte jetzt einfach das Gegenteil.
Anton: Es ist alles nicht so ab.
Willy: Ja, es ist. Aber die guten Sachen sind immer kompliziert.
Anton: Weil die Vegetationskarte, das Ursprungsprojekt, das ist schon abgeschlossen.
Anton: Aber aus dem hat sich dann sehr viel weiterentwickelt. Wir waren am Anfang hauptsächlich
Anton: im Primärwaldforschen oder in diesem alten Wald.
Anton: Und das hat sich so verändert, dass heute viele in dem biologischen Korridor
Anton: forschen, also auch so in der Naturschutzforschung jetzt tätig werden.
Anton: Und das macht schon Sinn.
Willy: Forschung, warum gerade da drin? Weil da so viele unterschiedliche Flächen in
Willy: unterschiedlichen Zuständen und...
Anton: Du hast hier ein sehr schönes Landschaftsmosaik. Du hast den sehr alten Wald,
Anton: den jungen Wald, dann hast du Kulturland, dann hast du Plantagen,
Anton: dann hast du Flüsse, dann hast du Ortschaften, dann hast du Gärten.
Anton: Also dieses Mosaik, das gesamte Mosaik, das kann man super erforschen.
Anton: Wie schnell wird etwas zugewachsen?
Anton: Die Sukzessionsstufen, wie schnell kommen die Tiere?
Anton: Wie entwickelt sie was? Wie sind die Zusammenhänge? Was beeinflusst wie stark
Anton: den anderen Organismus? Wie lang dauert das?
Anton: Nährstoffe, welcher Baum an welchem Ort und, und, und. Also da sind sehr viele
Anton: Projekte, die sich daraus entwickelt haben. Und die laufen all innen.
Anton: Und das wird auch weitergehen.
Willy: Und das ist im Prinzip die Basis der Forschungsstation jetzt.
Anton: Oder? Das ist jetzt die Basis der Forschungsstation. Weil wir haben dann begonnen
Anton: 2010, wie der Regenwald der Österreicher zu uns quasi da jetzt mitgetan hat,
Anton: gab es plötzlich finanzielle Mittel.
Anton: Um zum Beispiel auch jetzt Finkers außerhalb dieses Nationalparks zu kaufen.
Anton: Weil der Nationalpark, die haben gesagt, wir vergrößern den Park nicht,
Anton: der Park bleibt so, wie er ist.
Anton: Also wenn ihr da weitermachen wollt, dann macht ihr das quasi privat und kauft
Anton: halt die Flächen, die sinnvoll sind.
Anton: Und das machen wir. Also wir schauen, dass wir Flächen, die außerhalb sind,
Anton: die für diesen biologischen Korridor sinnvoll sind, die landwirtschaftlich jetzt
Anton: nicht besonders wertvoll sind,
Anton: weil die Leute brauchen ja auch Einkommensquellen, müssen ja Landwirtschaft
Anton: betreiben, das ist ja ganz wichtig, wir wollen ja da nichts wegnehmen und das machen wir.
Anton: Und da ist eben 2010 wurde dann die erste Finca in La Bolsa,
Anton: das ist ein sehr schönes Gebiet, grenzt quasi an das Forstreservat von Golfito
Anton: an, das gibt es nämlich auch noch, das sollte irgendwann einmal eingegliedert
Anton: werden, auch in den Nationalpark und dort gab es ein Grundstück,
Anton: das ist super eignet.
Anton: Und das war quasi das Erste, das wir gekauft haben und da haben wir die erste
Anton: offizielle Wiederbewaldung auch gemacht in Kooperation mit dem Regenwald der Österreicher.
Willy: Wie finde ich das?
Anton: La Bolsa.
Willy: La Bolsa. La Bolsa. Findet man alles bei euch auf der Website.
Anton: Das ist alles bei uns auf der Website, lagamba.at und da gibt es auch die Karten
Anton: und da kann man das sehen, auch wie sich die Vegetation entwickelt hat.
Anton: Es gibt viele freiwillige Mitarbeiter, die uns helfen, Mitarbeiterinnen.
Anton: Und der Richard zum Beispiel hat eine Karte gemacht, wo du schauen kannst von
Anton: 2013 bis 2023, wie sich die Vegetation entwickelt hat.
Anton: Da gibt es so einen Schuber und da kannst du links und rechts schirmen.
Anton: Und das hast du links einmal, wie es damals war und dann wie es heute ist und
Anton: wie es sich entwickelt hat. Das ist ganz spannend zu sehen.
Anton: Das sind so Spielereien, aber das macht das Ganze sichtbar. dass das,
Anton: was wir machen, auch einen Sinn macht und auch wirkt.
Anton: Weil es gibt schon viele Wiederbewaldungsprojekte, wo der Baum nicht wächst.
Anton: Im Internet gibt es ja viel. Du kannst einen Baum um einen Euro pflanzen.
Anton: Das geht überhaupt. Wir schaffen das nicht. Du kannst ihn vielleicht pflanzen,
Anton: aber damit er wirklich wächst, musst du ihn pflegen und musst ihm helfen,
Anton: damit er so stark wird, damit er alleine überleben kann.
Anton: Und das machen wir. Wir pflegen ja die Bäume, wir züchten sie alle selber.
Anton: Wir wissen auch, wo welcher Baum gut wächst, täuschen uns manchmal auch.
Anton: Mortalitäten sind bei uns unter 10 Prozent jetzt zum Glück.
Anton: Und dann pflegen wir ihn drei Jahre und wenn er abstirbt in den drei Jahren, setzt man ihn nach.
Anton: Und üblicherweise in drei Jahren ist es ein stattlicher Baum,
Anton: der jetzt über das Gras hinaussteht.
Anton: Das Gras ist immer ein Thema und der von den Lianen auch nicht mehr so überwachsen wird.
Willy: Das heißt, der Kriktion kann dann wachsen und ist dann mehr oder weniger in
Willy: einem sichereren Lebenszyklus Ja.
Anton: Also er ist dann so konkurrenzstark, es geht immer um die Konkurrenzen,
Anton: er ist so konkurrenzstark, dass er überlebt.
Willy: Das ist ein bisschen Jungle-Other quasi, ja?
Willy: Hätte er sein müssen, ja.
Willy: Aber das ist jetzt eigentlich eine super Überleitung ein bisschen,
Willy: weil wir reden die ganze Zeit schon explizit oder implizit vom Regenwald.
Willy: Und ich muss ganz ehrlich sagen, ich habe viel Tarts angeschaut und viel sonst
Willy: was, man hört ja immer wieder Regenwald.
Willy: Aber ganz ehrlich gesagt, wissen, was ein Regenwald ist, tue ich nicht.
Willy: Also was macht ein Regenwald aus, welche Arten von Regenwald gibt es?
Willy: Man hört dann immer wieder tropischer Regenwald und hin und her.
Willy: Es gibt so viele Begriffe, Dschunkel habe ich jetzt gesagt.
Willy: Man verwendet sie und glaube, bei mir merke ich es oft, bis mich dann befragt,
Willy: von was ich eigentlich rede, und dann merke ich, dass ich eigentlich keine Ahnung
Willy: habe, obwohl es jeden Tag in den Mund nimmt, das Wort, oder sehr oft.
Willy: Also vielleicht können wir mal anfangen und ein bisschen herausfinden,
Willy: was ist eigentlich Regenwald, was ist tropischer Regenwald, wie kann ich mir das vorstellen?
Anton: Ja, naja, wie der Name schon sagt, Regenwald, also Regen spielt natürlich eine
Anton: große Rolle und es ist ein sehr allgemeiner Begriff, wie du schon gesagt hast.
Anton: Also Regenwald ist nicht Regenwald, tropischer Regenwald ist ein Regenwald in
Anton: den Tropen. Es gibt aber auch temperate Regenwelt, also in Kanada zum Beispiel.
Anton: Aber der Regen spielt immer eine große Rolle. Und der Regen muss höher sein
Anton: als die Verdunstung. Das ist einmal ganz wichtig.
Anton: Und wenn es in den Tropen ist, dann hast du halt diese...
Anton: Also dieses Tageszeitenklima, das ist also das, was uns quasi jetzt betrifft.
Anton: Das heißt, du hast Temperaturschwankungen während eines Tages,
Anton: die sind höher als die während eines Jahres.
Anton: Darum ein Tageszeitenklima. Wir haben ein Jahreszeitenklima,
Anton: wir haben vier Jahreszeiten und die Temperaturunterschiede Winter,
Anton: Sommer sind bei uns in Österreich, Mitteleuropa jetzt wesentlich höher als die eines Tages.
Anton: Und das ist da nicht so. Was wir dann noch haben, das ist eine Trockenzeit und
Anton: eine Regenzeit, wobei die Trockenzeit sehr kurz ausfällt und es eigentlich auch
Anton: in der Trockenzeit zu keinem Wasserdefizit im Boden kommt. Das ist der Punkt.
Anton: Also es muss mehr Regen als was dann eigentlich verdunstet.
Anton: Und wenn es das tut, dann hast du diese immergrünen Wälder, beziehungsweise
Anton: immergrünen Regenwälder.
Anton: Wenn jetzt, da gibt es verschiedene, da gibt es Tropical Wet Forest,
Anton: Superwet, da gibt es Kategorisierungen.
Anton: Aber ich glaube, das Wichtige ist, die Verdunstungsrate geringer und es kommt
Anton: zu keinem Wasserdefizit und immergrün, weil es keine ausgeprägte Trockenzeit gibt.
Willy: Warum ist das da so? Also ist es rund um den Äquator?
Anton: Rund um den Äquator, ja. Da hast du ganz eigene klimatische Verhältnisse.
Anton: Da bleibt quasi so, Wasser steigt auf, kühlt sich ab und regnet wieder ab.
Anton: Also der Kreislauf ist ein sehr enger.
Anton: Und wenn du schaust, das ist um den Tropen weltweit, um den Äquator,
Anton: hast du ein grünes Band. Und das ist genau deswegen.
Willy: Und das sind die Tropen?
Anton: Das sind die Tropen. In den inneren
Anton: Tropen ist es so, bis circa 10 Grad nördlich-südlicher Breite plus, minus.
Anton: Und dann beginnen die Subtropen.
Willy: Ah, Äquator.
Anton: Ja, grünes Bad.
Willy: 10 Grad auf. Plus, minus. Tropen.
Anton: Ja.
Willy: Und dann Subtropen.
Anton: Subtropen. Und dann aus den Wüsten. Das geht dann auf so bis 20, ja, Wendekreis.
Willy: Was kommt dann?
Anton: Dann wird es temperat.
Willy: Dann ist temperat. Dann wird es temperat. Dann ist es temperat.
Willy: Dann ist es temperat. Ja, genau. Und dann?
Anton: Arktisch.
Willy: Arktisch.
Anton: Ja.
Willy: Ah, das ist vom Äquator her zum Denken.
Anton: Sehr, sehr einfach jetzt vom Äquator.
Willy: Naja, irgendwann muss man anfangen.
Anton: Ja, ja, genau.
Willy: Für uns reicht das jetzt einmal, sage ich einmal, Tropen, Subtropen,
Willy: temperat, arktisch. Genau.
Willy: Und wir sind Österreich temperat, hier, Kostarika, Tropen.
Anton: Tropisch, genau, innere Tropen.
Willy: Innere, äußere Tropen.
Anton: Wäre dann schon subtropisch.
Willy: Ja, aber man kann es wahrscheinlich noch ein bisschen weiter aufpassen,
Willy: aber da wird es dann wild.
Anton: Aber da, quasi nördlich vom Äquator, kommen dann diese Trockenzonen.
Willy: Aha.
Anton: Also die Sahara zum Beispiel.
Willy: Was ich jetzt noch nicht ganz verstehe, du hast gesagt, die Verdunstung ist
Willy: immer geringer als der Niederschlag, oder?
Anton: Genau. Das ist per Humid, also das ist immer feuchte Tropen.
Willy: Aber wenn es immer mehr ist als das andere, dann wirst du ja irgendwann einmal...
Anton: Es kommt kein Wasserdefizit im Boden. Es verdunstet schon, aber du hast kein
Anton: Wasserdefizit im Boden.
Willy: Das heißt, der ist immer...
Anton: Der ist immer feucht. Und wenn es regnet, rinnt es meistens oberflächlich ab,
Anton: weil der Boden wassergesättigt ist und gar nichts aufnehmen kann.
Willy: Okay. Passt. Jetzt haben wir quasi die Token geklärt.
Anton: Ja, jetzt wird es aber trockener dann. Jetzt wird es zum Beispiel da in Costa
Anton: Rica. Wir sind eine sehr feuchte Insel. Da, die Zone.
Willy: Also nicht Insel, sondern Region.
Anton: Ja, eine feuchte Region, sagen wir so. Keine Insel, feuchte Region.
Anton: Das hängt dort mit der Geografie auch zusammen, weil wir haben den Golfo Dulce.
Anton: Das ist ein abgeschlossener Golf, der sich in relativ warm ist.
Anton: Also der tauscht sich nicht so aus mit dem offenen Ozean. Darum verdunst du
Anton: relativ viel Wasser. Und wir haben da hinten diese Bergkette.
Anton: Da kommt es dann zu Steigungsregungen, Regen. Und dadurch ist das hier wirklich
Anton: so ein ganz extrem feuchtes Gebiet.
Willy: Da regnet es auch wirklich viel. Da regnet es auch wirklich viel.
Willy: Seitdem ich da habe, wenn wirklich viel kränkt.
Anton: Und dann gehen wir nördlich, südlich oder so und es wird immer trockener.
Anton: Und je weiter nördlich ich jetzt gehe, auch in Costa Rica, umso trockener wird
Anton: es. Also ungefähr 300 Kilometer Luftlinie weg von hier, ringt nur mehr ein Drittel.
Anton: Wir haben hier etwa 6000 Millimeter, da oben ringt nur mehr 2000.
Anton: Und dann ist es zwar immer noch in den inneren Tropen,
Anton: aber es ist schon so, dass der Boden dann in einer bestimmten Zeit,
Anton: dass die Trockenzeit so ausgebildet ist, ausgeprägt ist, dass der Boden ein
Anton: Wasserdefizit bekommt.
Anton: Du gehst dann durch und da rascheln die Bladen und da ist alles extrem trocken.
Willy: Das passiert da gar nicht.
Anton: Das passiert da gar nicht. Und das verändert dann natürlich auch die Vegetation.
Anton: Weil bei uns ist es immer grün, aber dort wird es dann wechselgrün.
Anton: Das heißt, in der Trockenzeit verlieren viele Bäume die Blätter.
Anton: Und das nennt man dann Trockenwald.
Anton: Obwohl der immer noch in den Tropen ist.
Willy: Aber es ist ein tropischer Trockenwald.
Anton: Tropischer Trockenwald, genau.
Willy: Und kein tropischer Regenwald. Tropischer Regenwald, tropischer Trockenwald.
Willy: Genau, genau. Jetzt, Wahnsinn.
Anton: Und das wird dann immer weniger. Das kann dann sein, dass es nicht mehr 2000
Anton: Millimeter regnet, sondern nur mehr 1000.
Anton: Und dann kommt es zu Tornbuschland.
Anton: Oft sind es dann irgendwelche tornige Bäume. Es wird die Savanne immer mehr.
Anton: Also Savanne ist dann quasi ein Grasland, bestanden ein bisschen mit Bäumen.
Anton: Bis zur Halbwüste, Wüste.
Willy: Wahnsinn.
Willy: Was ist jetzt, weil wir gerade beim Begriff ein bisschen klären sind, Dschungel?
Anton: Dschungel ist ein einfacher Begriff, glaube ich, für irgendeinen Wald,
Anton: der ein bisschen undurchdringlich ist.
Anton: Also jeder, der da sind, geschaut hat, kennt einen Dschungel.
Anton: Aber das ist jetzt weder Urwald oder weder tropischer Wald.
Anton: Dschungel ist einfach ein bisschen ein Wildnis, würde ich das jetzt so darstellen.
Willy: Ein bisschen ein wilder Wald.
Anton: Ja, ein bisschen mit Urwald, wenn man so will, kann man das vielleicht zusammentun.
Anton: Dschungel-Urwald, was ist ein Urwald?
Anton: Urwald ist halt ein sehr alter Wald.
Anton: Aber das hat jetzt nichts mit einem botanischen Begriff wie tropischer Regenwald zu tun.
Anton: Weil tropischer Regenwald engt das schon ein geografisch auf die Tropen und
Anton: Regenwald auf den ökologischen Waldtyp.
Anton: Während Dschungel kann irgendwo sein. Ich sage mal ein bisschen undurchdringliches
Anton: Gestrüpp oder Gewächs oder Wald.
Anton: Ist ein Dschungel und das verbindet man manchmal mit Urwald.
Anton: Wobei der Urwald ja etwas ist, der lange Zeit sozusagen wachsen konnte,
Anton: wie er wachsen konnte. Dann ist er sehr urig.
Anton: Wildnis. Ja, ein Wildnis. Aber das sind alles menschliche Begriffe.
Willy: Wildnis ist auch noch ein menschlicher Begriff?
Anton: Ja, ich finde schon. Das ist ein alles menschlicher. Aber das andere hat zwar
Anton: einen botanischen Hintergrund, einen wissenschaftlichen und das eigentlich nicht.
Anton: Aber jeder weiß, was man damit verbindet. ein bisschen, aber es ist,
Anton: ich kann nicht sagen, es ist so eine richtige Wildnis da im tropischen Regenwald.
Anton: Nein, es ist auch blödsinnend. Man muss da die Begriffe trennen.
Anton: Aber es ist eher irgendein Begriff, der
Anton: einfach verwendet wird, ohne etwas Bestimmtes Botanisches zu meinen.
Willy: Wie nennt man denn dann einen Wald, was mir oft bei der Lobau glaube ich,
Willy: wenn ich das unterkommen büde, eben der Begriff der Wildnis, also ein Urwald,
Willy: der nicht durch menschliche Nutzung, also wo nichts gepflanzt wurde,
Willy: sondern wo der Wald einfach noch so dasteht, wie er, was die Frage natürlich immer schon war.
Willy: Immer war er ja kein Wald, sondern je nachdem wie alt er ist,
Willy: ist er schon länger oder kürzer.
Willy: Aber ein Wald, wo nicht eingegriffen wird oder Naturraum, wo nicht eingegriffen
Willy: wird. Wie nennt man das in der Bonanne?
Anton: Also lange Zeit, wie ich noch studiert habe, war das der primäre Wald,
Anton: der primäre Regenwald in unserem Fall.
Willy: Der Primary.
Anton: Ja, Primary Forest. oder der Secondary Forest, der Sekundärwald.
Anton: Das war so irgendwie. Aber man ist ein bisschen weggekommen von diesen Begriffen,
Anton: weil das würde implizieren, der primäre Regenwald ist einer,
Anton: wo der Mensch noch nie drinnen war und wo nie was gemacht wurde und der ist
Anton: ganz, ganz ursprünglich heilig.
Anton: Manche sagen, das gibt es gar nicht, weil irgendwann war schon der Mensch einmal
Anton: drinnen und hat das irgendwie beeinflusst.
Anton: Und das wird tatsächlich so sein, weil sogar im tiefsten Amazonas findet man
Anton: Brandspuren von Holzkohle oder so. Das heißt, irgendwann war da auch der Mensch.
Anton: Was man heute verwendet, ist eher so Old Stent Forest, also ein alter oder Old Gross Forest.
Anton: Das ist ein alter Wald, das heißt, der hat lange Zeit wachsen können,
Anton: jetzt vielleicht über Jahrhunderte, ohne dass da jetzt wirklich großer Einfluss war.
Anton: Aber das ist irgendwie sauberer, weil sonst sagt man, da war noch nie ein Mensch
Anton: drin und man weiß es ja gar nicht. Aber so ist es ein alter Wald und das ist
Anton: aktuell, also dieser Begriff, der wahrscheinlich am saubersten ist.
Willy: Der saubersten ist, weil so oft jetzt, seitdem ich da bin, sind ja viele Wissenschaftler
Willy: da und mir ist einfach so oft, ich habe das nie gehört, Primary,
Willy: Old Secondary, New Secondary und so weiter.
Willy: Ist aber schon wieder quasi, wird schon wieder abgelöst durch die Begriffe.
Anton: Eigentlich schon, ja. Ich meine, das Sekundärwald kann man vielleicht noch besser
Anton: akzeptieren, weil da war halt eine Störung, eine menschliche Störung.
Anton: Muss auch nicht immer menschlich sein. Es kann auch sein, dass da jetzt einmal
Anton: ein Orkan durchgezogen ist.
Anton: Darum wäre es besser, dass man halt sagt, das ist ein junger Wald.
Anton: Aber man kann Sekundärwald, meines Erachtens, vielleicht sagen andere wieder
Anton: was anderes, Das kann man eher noch verwenden als diesen Primärwald,
Anton: obwohl es so ein schöner Ausdruck ist.
Anton: Es tut mir fast ein bisschen leid, dass man nicht mehr nehmen kann, aber richtig.
Willy: Ja, aber hin und wieder muss man sich einfach lösen.
Willy: Was sind denn die größten Missverständnisse, die du so kennst aus deiner Arbeit
Willy: und wenn es rund um den Regenwald geht, den tropischen Regenwald?
Willy: Was kommt da immer wieder an?
Anton: Ich glaube, das größte Missverständnis ist das, dass man glaubt,
Anton: die tropischen Böden, das ist alles so fruchtbar, weil alles so üppig ist.
Willy: Man sehe hinaus, es ist alles grün. Es ist schwer vorzustellen,
Willy: dass es nicht so ist, oder?
Anton: Ja, aber das ist halt, ja, es ist wirklich so und es täuscht heute,
Anton: wissen das viele noch nicht.
Anton: Aber das ist eigentlich eh ganz einfach erklärt, weil es regnet viel, es ist warm.
Anton: Das heißt, die Böden sind hier alle sehr, sehr weit und tief erodiert.
Anton: Es kommen kaum Nährstoffe vom Boden nach.
Anton: Die Nährstoffe, die da sind, die werden ausgewaschen und was überbleibt in den
Anton: oberen Schichten, Also ist jetzt natürlich auch immer wieder sehr verallgemeinert,
Anton: aber was dann überbleibt, sind Eisen-Aluminiumoxide,
Anton: das siedelt sich an in den obersten Schichten und das sind dann diese Rotlehmböden,
Anton: die so typisch sind für die Tropen.
Anton: Und wo jetzt wirklich die Nährstoffe sind, warum kann da so ein Wald sein?
Anton: Weil die Nährstoffe sind gelagert und eingebaut in der Biomasse.
Anton: Das heißt, in den Bäumen, in den Blättern, in den ganzen Pflanzen,
Anton: in der Vegetation sind die Nährstoffe eingebaut. Und die Blau fallen runter, die Est fallen runter.
Anton: Das wird irrsinnig schnell remineralisiert, sofort abgebaut und geht wieder
Anton: in die Vegetation. Und das ist ein Kreislauf.
Willy: Beschreib mir das bitte mal am Beispiel oder im Kontrast zu,
Willy: was hast du mal vorher gesagt?
Willy: Tropisch, subtropisch, wo sind wir in der A-Rat in Österreich?
Anton: In der gemäßigten Zone.
Willy: In der gemäßigten Zone. Erklären wir das mal im Verhältnis zu,
Willy: wie das bei uns funktioniert. also in Österreich, sage ich mal,
Willy: im Vergleich zu da, damit ihr versteht, weil was heißt das, die Nährstoffe sind in der Biomasse?
Willy: Das ist ein schöner Satz, aber irgendwie ich tue mir so schwer, dass ich greife.
Anton: Es kommt von unten, vom Boden kommt nichts nach. Die Bodenbildung ist hier anders.
Anton: Weil bei uns ist es so, ich nehme jetzt hier das Waldviertel,
Anton: da komme ich her, da haben sie jedes Jahr geackert und dann sind da die Sterne
Anton: rausgekommen und die haben es dann auf einen Haufen gekaut und dann ist ein
Anton: Sternhaufen entstanden, auch wieder mit einer eigenen Vegetation, sehr schön.
Anton: Dann sehr harte oft wegsprengen und da merkt man schon, da löst sich sozusagen das Grundgestein auf.
Anton: Der Granit oder hauptsächlich Granit bzw.
Anton: Gneis löst sich auf und entlässt jetzt Mineralstoffe.
Anton: Der Stein zerfällt aufgrund der Temperatur und entlässt Nährstoffe und es bilden
Anton: sich im Boden solche Tonmineral-Schichten.
Anton: Bodenkunde ist ein eigenes Studium, muss ich nur dazu sagen.
Anton: Aber das wird dann gelagert und es löst sich heraus und ist im Boden.
Anton: Und dann kommt von oben noch jetzt zum Beispiel dazu Blätter,
Anton: die halt runterfallen im Herbst.
Anton: Die werden also abgebaut, aber nicht so schnell und es bildet sich eine Humusschicht.
Willy: Organische.
Anton: Ja, eine organische Humusschicht. Und jetzt habe ich quasi diese Bodenbildung,
Anton: ist jetzt ein Gesamtes von dem, was unten kommt und was von oben kommt.
Anton: Und in den Tropen ist es aber so,
Willy: Dass… Und bleibt da ein Boden dran. Und bleibt dann. Humus, also Boden ist beides.
Willy: Boden, Mineral und Humus.
Anton: Das gehört zusammen. Da gibt es verschiedene Horizonte, die haben alle Namen
Anton: von A, B, C und so weiter und A, Null.
Willy: Ich sage jetzt mal Boden.
Anton: Wir nennen das Boden und dann haben wir diese Humusschichten.
Anton: Und da hast du natürlich Nährstoffe gelagert drinnen.
Anton: Und die sind den Pflanzen, die stehen zur Verfügung. Und das wird langsam abgegeben.
Anton: Und in den Tropen ist es aber so, dass wenn man da jetzt runtergräbt,
Anton: wenn du im Waldfeld runtergräbst, kommst du irgendwann zum Starr.
Anton: Wenn du da oben grabst, ja, bei uns, dann kommt es mit der
Anton: unterhalb ist immer noch der Lehm. Weil das ist alles schon abgebaut.
Willy: Da geht nichts durch.
Anton: Das hat sich alles schon abgebaut und das ist alles ausgewaschen worden.
Anton: Durch diesen starken Regen sind die Nährstoffe alle weggeschwemmt worden.
Willy: Das heißt, wenn eine Pflanze nimmt, Nährstoffe aus dem Boden aus,
Willy: Mineralien, organische Materialien, über die Wurzeln.
Willy: Genau. Das heißt, die Wurzeln, wenn ich jetzt zusammenrechne,
Willy: eins und eins zusammen soll, sind da, müssen sie nicht so tief graben, oder wie?
Anton: Ja, das ist komplett.
Willy: Nährstoffe nicht im Boden sind, also es zahlt sich nicht aus in die rote Schicht,
Willy: was du gesagt hast, sondern wo sind die dann?
Anton: In den obersten Zentimetern.
Willy: Also schon am Boden, aber...
Anton: Genau. Der Kreislauf ist sehr kurz.
Anton: Pflanze wächst, Blätter fallen ab und werden unten durch Bakterien und Pilze
Anton: und andere Organismen, Tiere, und so weiter, das wird irrsinnig schnell abgebaut.
Anton: Das hängt mit der Temperatur zusammen.
Anton: Tageszeitenklima. Wir haben das ganze Jahr ein ausgeglichenes Klima.
Anton: Da gibt es keinen Winter, wo irgendwas abstirbt. Das ist ja bei uns auch noch der Fall.
Anton: Bei uns im Herbst fallen die Blaulaber. Das wird gar nicht so schnell abgebaut.
Anton: Kann nicht. Darum bildet sich die Humusschicht.
Anton: Da fällt es aber, du gehst in den Wald eine bei uns und du hast keine Humusschicht.
Anton: Sondern du hast das Blätterl, was da liegt, weg und es sind sofort Wurzeln da.
Anton: Da wurzeln die Bäume auch nicht tief hinunter. Bei uns sagt man oft,
Anton: der Eiche, das was über der Vegetation steht, ist auch unter quasi im Boden noch einmal.
Anton: Also bildlich jetzt gesprochen, aber großes, dichtes, ausgeprägtes,
Anton: tiefes Wurzelwerk, das ist da überhaupt nicht der Fall.
Anton: Auch die großen Bäume hier, die Wurzeln nicht sehr tief hinunter.
Anton: Oft ist noch ein Meter, bei den großen, ist schon aus, aber sie haben dafür ausladende Wurzeln.
Willy: Zwei, drei Bäume pro Hektar.
Anton: Die ganz Großen haben wir über einen
Anton: Meter Durchmesser. Auf unseren Untersuchungen waren das wenige Bäume.
Willy: Ja, aber sind das deswegen, weil es so breit Wurzeln?
Anton: Nein, das ist die natürliche Struktur eines Waldes. Das wäre auch bei uns so.
Anton: Aber ich sage also, hier haben die Bäume oft sehr weit ausladende Brettwurzeln.
Anton: Das ist andererseits, die gehen nicht tief runter.
Willy: Brettwurzeln?
Anton: Brett, die nennt man Brettwurzeln. Da gibt es manche schon aus wie Brett, die sind ganz dünn.
Anton: Flach und dünn und stabilisieren den Baum.
Willy: Achso, weil er halt in die Bräden...
Anton: Genau. Und dann ist es aber so, wenn die in den Boden hineingehen,
Anton: hast du gleich sehr viele Feinwurzeln.
Anton: Das ist bei uns nicht, weil bei uns hast du eine Wurzel und die verzweigt sich
Anton: irgendwo weit unten, weil da sind ja Nährstoffe.
Anton: Die Wurzel, die Feinwurzel, wächst ja dorthin, wo Nährstoffe sind.
Anton: Das heißt, die Brettwurzel kommt zum Boden und sofort hast du Feinwurzeln.
Anton: Und weil dort habe ich wieder die Nährstoffe in den obersten Zentimetern.
Anton: Das macht keinen Sinn, hinunter zu wachsen.
Anton: Das ist allein durch dieses natürliche Wurzelwachstum wächst die hin zu den
Anton: Nährstoffen und weiter wachsen, das würde ja nichts bringen.
Anton: Das heißt, das impliziert ja, das ist eine Reaktion der Pflanze.
Willy: Das heißt, der Boden arbeitet das einfach, wie sagt man, Bioreaktor habe ich
Willy: den ganzen Tag im Kopf das Wort.
Willy: Das ist wahrscheinlich ein Blödsinn, aber das, was Das Dekompostieren, das heißt,
Willy: wenn ich am Blödsinnheit rede und die ganze Zeit so lustig bin,
Willy: dann haust du mich irgendwann mal da auf Zeiten und ich bin relativ schnell
Willy: aufgearbeitet und du findest mich dann quasi in meinen Einzelteilen in den Blättern
Willy: wieder. Und das ist relativ schnell.
Willy: Wenn du es bei mir in Österreich machst, dann liege ich da erst einmal eine Zeit.
Anton: Ja, dauert es länger.
Willy: Die ganze Vegetation da ist darauf eingestellt, dass es einfach möglichst schnell,
Willy: möglichst effizient...
Anton: Kurzer Kreislauf.
Willy: Das heißt, es wächst ja alles schneller da. Wahrscheinlich dann, oder?
Anton: Im Prinzip ja.
Willy: Wir müssen da nicht ins Detail, sondern nur, es reicht ja, wenn man quasi so einen Einstieg hat.
Anton: Du hast keinen Winter. Dadurch hast du im Prinzip hier, hast du,
Anton: sage ich einmal, zwölf Monate im Jahr, hast du die Möglichkeit zu wachsen.
Anton: Das ist genug Wasser da.
Anton: Der limitierende Faktor sind sicher die Nährstoffe. Manchmal geht es um die
Anton: limitierenden Faktoren. Das Ganze muss ausgeglichen sein.
Anton: Du musst genug Wasser haben, genug Nährstoffe, damit das Pflanzenwachstum gut
Anton: ist. Wenn du zu viele Nährstoffe hast, ist es auch schlecht.
Anton: Das halten manche Pflanzen nicht aus. Wenn es zu trocken ist,
Anton: halten sie auch nicht aus.
Anton: Das passt nicht. Wenn du Pflanzen zu viel Stickstoff düngst,
Anton: das passiert ja manchmal, dann werden sie weniger widerstandsfähig,
Anton: werden leichter von Schädlingen angegriffen.
Anton: Also dieses Zusammenspiel, das muss passen.
Anton: Licht, Nährstoffe und Wasser.
Willy: Okay, das muss ich aufzeigen. Temperatur. Wie kannst du zu wenig Nährstoff?
Willy: Nährstoffe sind zwar nicht im Boden, sondern ständig unterwegs.
Willy: Aber zu wenig?
Anton: Das ist ganz einfach. Naja, jetzt habe ich das gerade erklärt. Was haben wir gesagt?
Anton: Die Nährstoffe sind in der Biomasse. Haben wir gesagt.
Anton: Wenn ich die Biomasse entnehme, das heißt, wenn ich den Baum umschneide und
Anton: wenn ich entwalde, sind die Nährstoffe weg.
Anton: Genau. Und das ist das Problem.
Willy: Was ich dann jetzt überhaupt nicht verstehe, in dem Kontext.
Willy: Wir können da in alle Richtungen abschweifen.
Willy: Jetzt ist die United Fruit Company, wir kommen wieder zur United Fruit Company.
Willy: Jetzt kommen die in der Region, in der, wo ich den Baum rausnehme,
Willy: am Boden kein Boden ist, sondern keine Nährstoffe, sondern ein roter Lehmboden.
Willy: Wenn ich die Bäume entnehme, die Nährstoffe draußen sind,
Willy: welchen Anreiz habe ich in so einer Region Landwirtschaft zu betreiben,
Willy: sprich eine Monokultur in den Boden zu setzen, auf dem nichts ist und dort etwas anzubauen.
Willy: Das spreizt bei mir im Hirn noch ein bisschen. Wie geht das?
Anton: Es ist ganz logisch.
Willy: Das ist logisch, hast du nicht zugekommen?
Anton: Nein, nein, die Frage ist total berechtigt.
Willy: Danke.
Anton: Und man kann es euch erklären. Die Banane braucht so ein Klima.
Anton: Die wächst nicht in den Berg oder in den gemäßigten Breiten, sondern die Banane,
Anton: die Gattung Musa und alle ihre Verwandten, Das sind tropische Gewächse,
Anton: die brauchen das Tageszeitenglima, die brauchen eine hohe Durchschnittstemperatur,
Anton: die brauchen viel Wasser, dort wachsen sie.
Anton: Und da hast du halt einfach den Nachteil, dass im Boden eigentlich wenig Nährstoffe sind.
Anton: Aber trotzdem, sie würden nicht woanders wachsen, außer du magst ihnen das Klima.
Anton: Du könntest natürlich Glashäuser bauen und dort einen Bananen einsetzen,
Anton: auch in Island von mir aus.
Anton: Aber das wäre wahrscheinlich teurer als wie hier. Und hier musst du dann Nährstoffe
Anton: zuführen, indem du das düngst.
Anton: Und jede Monokultur ist natürlich schädlingsanfällig, muss natürlich mit Spritzmitteln
Anton: beziehungsweise schauen, dass
Anton: du keine oder möglichst wenig Schädlinge kriegst. Das ist ein Aufwand.
Anton: Und letztendlich ist es natürlich ein Profit, weil die Banane ist ja eine herrliche
Anton: Frucht. Wir lieben sie ja alle, wird ja exportiert und das zahlt sich aus.
Anton: Wenn sie sich nicht auszahlen wird, wird man es nicht machen.
Willy: Also die Bananen ist eine tropische Frucht?
Anton: Ist eine tropische Pflanze.
Willy: Braucht Regenwald, also tropischen Regenwald?
Anton: Braucht ein tropisches Klima.
Willy: Ah, Regenwald sage ich. Tropisches Klima? Braucht ein tropisches Klima.
Willy: Entschuldigung, jetzt habe ich einen Fehler.
Willy: Aber die Nährstoffe, die muss ich dann, wenn ich das jetzt großflächig als Monokultur
Willy: und nicht als Teil eines biodiversen Raums anbaue, da muss ich permanent Nährstoffe
Willy: zuführen, oder wie? Ja, genau.
Anton: Ist ja bei uns auch so. Du musst ja bei uns auch, die Bauern düngen ja mit Kunstdünger,
Anton: der Mineralstoffdünger.
Anton: Das ist ja im Prinzip nicht anders wie bei uns.
Anton: Was halt hier das Problem ist, was da schon das Problem ist,
Anton: dass halt so viel regnet und dass immer wieder, jetzt düngst du,
Anton: wird das sofort ausgewaschen.
Anton: Bei uns wird ja auch ausgewaschen, wenn man zu viel düngt.
Anton: Aber da ist halt so, wenn du düngst, ist meistens sofort schon wieder der Regen
Anton: da und das wird schneller ausgewaschen, als du die Pflanzen aufnehmen kannst.
Willy: Und der Boden hat vom Haus aus keine Kapazität, nicht?
Anton: Ja.
Willy: Das heißt, ich habe einen unendlich
Willy: größeren oder einen ungleich höheren Notwendigkeit, externe Nährstoffe.
Anton: Genau.
Willy: Also sind Bananen eigentlich als Monokultur, wenn man es jetzt vergleicht,
Willy: was er sieht mit Soja, bauen sie auch in der gleichen Dinge.
Willy: Oder wenn man es auch Soja anbaut.
Anton: Es ist überall,
Anton: Du musst ja der Pflanze Nährstoffe zuführen, wenn es zu wenig hat,
Anton: sonst kann es ja nicht wachsen.
Willy: Ja, aber nehmen wir nicht nur die Banane, sondern nehmen wir Soja.
Willy: Soja Regenwald ist ja auch so ein Thema.
Anton: Soja Thema.
Willy: Ich kann nicht dran, es tut mir leid.
Willy: Ist das nicht der denkbar dümmste Boden, um Soja anzubauen?
Willy: Also weil jetzt Brasilien nimmt, Brasilien, Bolsonaro, hat sich zum Glück wieder
Willy: ein bisschen rückgängig gemacht, einfach tropische Regenwälder abzuholzen und
Willy: dort Soja hinzustellen auf einem Boden, auf dem von Haus aus nichts wächst.
Willy: Und Soja ist ja immer tropische Pflanzen in dem Sinne.
Anton: Oder? Ich glaube, man muss schon, das Ganze liegt immer im Detail.
Anton: Also ich hatte einmal die Chance, dass ich mir so Sojapflanzungen anschaue und
Anton: die wurden also da angebaut in einer Region, wo das Klima natürlich wieder gut
Anton: passt und wo die Böden nicht so nährstoffarm sind.
Anton: Also man kann nicht total generalisieren.
Anton: Ich rede jetzt hauptsächlich von uns und von diesen Rotlehmböden.
Anton: Aber da gibt es ja alle Möglichkeiten, je nachdem auch welche Ausgangsgesteine
Anton: du hattest, welche Seehöhe, der Niederschlag und so weiter und so fort.
Anton: Also da muss man schon aufpassen. Aber eines ist schon generell so,
Anton: dass halt die Böden dann irgendwann einmal ermüden.
Anton: Weil alles, was unter der Erde ist, sehen wir nicht. Wir glauben,
Anton: das ist alles eins und das ist alles das Gleiche.
Anton: Aber das ist es natürlich nicht.
Anton: Da gibt es ein ganz eigenes Bodenleben da drin, die Mikroorganismen.
Anton: Und die halten auch nicht alles aus.
Anton: Also gerade diese Sojafelder, die ich gesehen habe, das sind schon über viele
Anton: Jahre jetzt Sojafelder gewesen.
Anton: Die haben drei Kulturen, die sich anbauen. Soja, was haben sie noch gehabt? Weizen und eine ...
Anton: Drei waren es.
Willy: Anusspflanzen, die dritte.
Anton: Ja, also drei unter Gründüngung haben sie zwischendurch angebaut.
Anton: Und da kann sie immer variieren, wie das geht.
Anton: Aber du merkst schon, dass die Böden wirklich verarmen und auch das Edaphone,
Anton: also das ganze Bodenleben, dass das weniger wird.
Anton: Und dann kommt man mit biologischen Präparaten und versucht es wieder aufzubauen.
Anton: Das ist halt eine Frage, wie lange das geht.
Anton: Da gibt es ja auch ganz unterschiedliche Meinungen natürlich und Prophezeiungen.
Anton: Aber eins wird klar sein, es wird alles ein Ende haben.
Anton: Ja, weil ich kann nicht nur herausnehmen, herausnehmen, herausnehmen und glauben,
Anton: das geht immer so weiter.
Anton: Das wird nicht möglich sein, denke ich.
Anton: Man sagt ja auch bei uns im Machfeld, dass man da aufpassen muss,
Anton: auch wenn man das Ganze bewässert, dass diese Böden dann versalzen.
Anton: Das wird schon sein, nur unser Denken ist halt oft sehr kurzfristig.
Anton: Ja,
Willy: Ja, das heißt, die Böden sind überall ein bisschen unterschiedlich,
Willy: aber sie werden alle irgendwann einmal degradieren und denken.
Willy: Man spricht ja, glaube ich, so von 10 Ernten noch 20, 30, 40,
Willy: 50, 60 Ernten, je nach Boden, bis dann der Boden einmal komplett degradiert.
Anton: Früher hat man gehabt, diese Drei-Felder-Wirtschaft, da hat man immer angebaut
Anton: und alle drei Jahre hat man ein Feld dann quasi einmal rasten lassen.
Anton: Da gab es halt noch keinen Kunstdünger.
Willy: Früher gab es. Ja, genau. Früher heißt es, also Zeit vor dem Ersten Weltkrieg eigentlich.
Anton: Ja, genau.
Willy: Also es ist nicht so lange her.
Anton: Das ist nicht so lange her. Nein, nein. Und überhaupt, manche Forscher früher,
Anton: die dachten ja, dass die Pflanzen den Boden fressen und da wachsen.
Anton: Also dass die Nährstoffe sozusagen dann wichtig sind, die Mineralstoffe,
Anton: das hat der Justus von Liebig herausgefunden, ich glaube, vor ein bisschen mehr als 100 Jahren.
Willy: Seit er hat sich viel verändert.
Anton: Du hast ja viel verändert und das ist auch wichtig und dass das in einem bestimmten
Anton: Ausmaß und Ausgleich sein muss, in einem gewissen Maß, das zusammenstimmen muss.
Willy: Wir kehren wieder in den Regenwald hier zurück und sagen, jetzt habt ihr ja Leute da.
Willy: So aus biologischer Sicht kann man sagen, naja, eigentlich blöd,
Willy: war leichter die ganze Arbeit oder nicht einmal notwendig, wenn die Leute nicht da waren.
Willy: Jetzt sind sie halt einmal da und vertreiben wollt ihr es wahrscheinlich auch
Willy: nicht, sondern jetzt muss man Lösungen finden, wie man da quasi in dieser gewachsenen
Willy: Struktur, die ich vor 100 Jahren noch einfach wollte war.
Willy: Durch die Einwirkung des Menschen, also irgendwie ist ja schon der Mensch ein
Willy: bisschen schuld an der Veränderung, auch hier, wie man da Landwirtschaft betreiben kann.
Willy: Wie schafft man es jetzt, dass man auf Böden, die offensichtlich ganz wenig
Willy: Nährstoffe haben, wo zwar alles scheinbar wächst, dass man da Landwirtschaft
Willy: betreibt? Das ist ja auch Teil eurer Forschung ein bisschen.
Anton: Das ist Teil unserer Naturschutzforschung, das ist Teil des biologischen Korridorprojektes,
Anton: weil ja der Mensch eine zentrale Rolle spielt.
Anton: Der Mensch ist ja da und man kann nicht rausschmeißen, das wollen wir ja auch
Anton: gar nicht, sondern man sollte versuchen in dem Korridor eine möglichst nachhaltige
Anton: Landschaft zu betreiben und wir schauen ja, dass die Leute Alternativen haben.
Anton: Es gibt ja erst einmal ganz wenig Arbeitsplätze da und die Plantagenwirtschaft merkt man schon.
Anton: Manche haben die Ölpalmen und die sind natürlich dem Preis, dem Weltmarktpreis ausgeliefert.
Anton: Und nicht jeder hat Ölpalmen, nicht jeder hat auch Grundstücke.
Anton: Aber viele haben einen kleinen Garten oder haben ein kleines Grundstück,
Anton: wo man vielleicht Nahrungsmittel auch produzieren kann. Die Schwierige da ist
Anton: ja bei uns auch wieder das Klima.
Anton: Es ist einfach sehr warm und es ist sehr, sehr feucht und das fördert ja auch Schädlinge.
Anton: Und dann habe ich zusätzlich noch diese nährstoffarmen Böden, wie wir wissen.
Anton: Das heißt, es ist wirklich eine Herausforderung. Und dann habe ich natürlich
Anton: noch die Menschen, die da hergekommen
Anton: sind, als Tagelöhner, leben jetzt am Land, sind aber keine Bauern.
Anton: Also ich hätte einmal gesagt, wenn ich es mir aussuchen hätte können,
Anton: ein landwirtschaftliches Projekt woanders aufzubauen, wäre das wahrscheinlich gescheiter gewesen.
Anton: Aber wir sind nur einmal da und wir lieben es und wir haben diese Herausforderung angenommen.
Willy: Man wächst ja quasi an den Herausforderungen im wahrsten Sinne des Wortes.
Anton: Und haben also begonnen quasi hier mit den Einheimischen Jetzt gibt es
Willy: Wieder eine Vollgas.
Anton: Ich glaube da oben sitzt Man sieht es Nein, sehe ich eben gerade nicht
Anton: Sie sind auch sehr unscheinbar muss man sagen Sie sind groß so ungefähr Ja,
Anton: aber sie sind unscheinbar
Willy: Die Zikare Du wirst es voll wissen Ja.
Anton: Weil in dem Kakao muss er drinnen sitzen
Anton: Ja, also es ist sicher nicht jetzt, sage ich mal, das beste landwirtschaftliche
Anton: Gebiet, aber die Leute leben da.
Anton: Und Lebensmittel sind in Costa Rica irrsinnig teuer geworden.
Willy: Keine Agrar-Subventionen, null, oder?
Anton: Und vieles kommt aus dem Hochland, also Erdäpfel, Tomaten und so weiter.
Anton: Es gibt ja sehr schöne Vulkane und die Vulkane haben guten Boden.
Anton: Das ist wieder anders, ganz anders gelagert und vor allem, die sind im Hochland,
Anton: da kannst du viel mehr anbauen.
Anton: Nur ein Kilo Erdäpfchen da 6 bis 7 Dollar, ein Kilo Tomaten 8 Dollar, Kilo.
Anton: Das ist natürlich viel Geld. Und da haben wir gesagt, versuchen wir doch gemeinsam
Anton: zu schauen, was geht, was habt ihr, was wollt ihr und machen da jetzt quasi
Anton: ein landwirtschaftliches Projekt innerhalb dieses Korridors.
Anton: Wir machen die Wiederbewaldungen einerseits, wir machen aber auch mit der Bevölkerung
Anton: dieses landwirtschaftliche Projekt.
Anton: Und da haben wir halt angefangen auch 2006 mit der Finca Modello und sind dann
Anton: draufgekommen, okay, wenn wir jetzt da Produkte haben,
Anton: ob das jetzt Salat ist oder ob das jetzt Jucca ist,
Anton: also Maniok, oder wir schauen nicht, dass wir möglichst viele sehr robuste Sorten,
Anton: die es früher auch angebaut haben, jetzt wieder zu sammeln und an die Bauern auch weiterzugeben.
Anton: Wir haben eine Samenbank angelegt zum Beispiel auch und wir haben jedes Jahr diese Samenmesse,
Anton: die stattfindet, die jetzt mittlerweile bekannt ist, wo über voriges Jahr,
Anton: glaube ich, 150 Leute da waren aus der Umgebung und da wird Samen getauscht,
Anton: da wird Erfahrung getauscht.
Anton: Also wir bringen sozusagen das Wissen auch zusammen.
Anton: Wir haben ein Wissen durch die Erfahrung mit den Einheimischen,
Anton: Aber auch viele andere kommen und tauschen quasi da jetzt ihre Erfahrungen aus.
Anton: Und man muss ja auch sagen, dass dadurch, dass die Lebensmittel so teuer sind,
Anton: die man kaufen kann, essen die meisten Reis und Bohnen und kaum irgendein Gemüse.
Anton: Das heißt, die Ernährung ist sehr einseitig.
Anton: Und da ist halt auch die Idee, ein bisschen Gemüse, ein bisschen Blätter,
Anton: Salat dazu zu bringen, das man selber sehr einfach in kleinen Strukturen anbauen
Anton: kann und das halt quasi gesundheitsfördernd sind.
Willy: Das heißt, die Idee oder die Idee dahinter ist, grundsätzlich ist die Kaufkraft
Willy: jetzt da in der Region nicht sonderlich hoch bei den Menschen.
Willy: Viel haben Garteln, also fast jeder eigentlich.
Willy: Das ist es quasi, ihnen landwirtschaftliche Produkte, Samen an die Hand zu geben,
Willy: die sie selbst anbauen können, um sich selbst auch zu versorgen.
Willy: Also das ist die Hauptidee dahinter, oder?
Anton: Um sich selbst zu versorgen, ja. Und wenn sie wollen und geschickt sind und
Anton: ein kleines Geschäft damit machen wollen, was auch passiert,
Anton: dann bauen sie halt mehr Salat an oder bauen sie halt einen Kürbis an oder das und verkaufen das.
Anton: Und wir fördern das auch. Also wenn jemand was anbaut in der Gegend,
Anton: dann kaufen wir das auch.
Anton: Kaufen wir zusätzlich. Wir schauen ja auch, wir sind einerseits so ein Versuchsgarten.
Anton: Wir kriegen ja auch Förderungen dafür. Wir schauen aber schon,
Anton: dass man die Sachen, die wir produzieren, dass das mehr wird,
Anton: dass wir auch eine Produktion haben und dass wir das bei uns in der Station auch essen.
Anton: Es gibt ja viele Lebensmittel in Costa Rica, die sind wirklich mit also Pestizid belastet.
Anton: Vor allem Papaya zum Beispiel ist ganz intensiv oder Pestizid intensiv.
Anton: Das schauen wir auch, dass wir das selber anbauen, dass wir gute,
Anton: gesunde Lebensmittel kriegen.
Anton: Und das, was wir zu viel haben, das geben wir dann auch weiter an unsere Mitarbeiter.
Anton: Die können das kaufen zu einem sehr, sehr guten Preis.
Anton: Und wir haben uns auch der Kreislaufwirtschaft verschrieben,
Anton: was auch nicht ganz einfach war am Anfang.
Anton: Weil was heißt ist, also wir schauen, dass die Nährstoffe möglichst in diesem Kreislauf bleiben.
Anton: 100%ig geht es eh nicht, aber im Prinzip, also die Abfälle, die wir haben,
Anton: verfüttern wir an die Schweine, an die Hühner. Wir haben Schweinehühner Wachteln.
Anton: Wir produzieren halt die Eier. Bis circa, 8 Personen, wenn in der Station sind,
Anton: 8 bis 10 Personen, sind relativ gut selbst versorgt.
Anton: Wir haben natürlich auch Spitzen. Wenn es mehr wird, können wir das nicht.
Anton: Wenn es weniger wird, bleibt ein bisschen was über. dann geben wir es her,
Anton: aber dass wir schauen, dass wir möglichst diesen Nährstoffkreislauf bei uns behalten.
Anton: Was dann die Schweindel nicht fressen oder was jetzt Sachen sind,
Anton: die dann mal kompostieren und dann wieder düngen.
Willy: Was wächst da, also was wächst, wo sind euch schon Erfolge gelungen,
Willy: was wächst gar nicht und wie schafft man es auch, dass Dinge hier wachsen auf
Willy: diesen Böden scheinbar.
Anton: Ja, also was wächst gar nicht, sind zum Beispiel Gewächse, die Speicherstoffe
Anton: oder Speicherknollen oder so produzieren.
Anton: Erdäpfel kannst du da vergessen, die sind im Hochland. Zwiebel kannst du auch
Anton: vergessen. Was schon geht, sind Karotten, kannst du auch vergessen.
Anton: Alles quasi, was Speicherstoffe anlegt, um zum Beispiel über den Winter zu kommen.
Anton: Das wird dann nicht ausgebildet, das kannst du vergessen. Was schon geht,
Anton: sind zum Beispiel Süßkartoffeln.
Anton: Das geht schon, weil das ist wieder tropisches Gewächs.
Anton: Was wir auch gelernt haben, ist also stärke, hältige Produkte außer Erdäpfel zu züchten.
Anton: Und da schauen wir, dass wir halt selektieren solche Sorten,
Anton: die sehr robust sind, die sehr widerstandsfähig sind.
Anton: Wir wollen ja, dass die Menschen aus dem Korridor das anbauen und das geht eigentlich
Anton: ganz gut. Wir haben bestimmte Obstsorten, also Bananen zum Beispiel,
Anton: Kochbananen bauen wir an.
Anton: Wir haben Obstbäume, Fruchtbäume. Kass ist zum Beispiel ein ganz toller Baum
Anton: mit einer wunderbaren Frucht, die man für Fruchtsäfte verwenden kann.
Anton: Kass. Kass. Ja, Kass. Das ist so eine kleine, runde Frucht, eine grüne.
Anton: Herrlich, schmeckt ein bisschen säuerlich. Es ist wunderbar,
Anton: weil in der tropischen Hitze nicht so etwas Saures ist. ist schon gut richtig schwitzt ist das ja
Willy: Ja ja ja.
Anton: Wir haben bestimmte gewürzpflanzen ja die man früher jetzt
Willy: Gehst du das war jetzt der.
Anton: Berglockung
Anton: zu den schaden
Anton: Ja, wir haben verschiedene Salate. Gewürze, habe ich gesagt.
Anton: Wir erzeugen auch Chili. Das ist eines unserer Steckenpferde.
Anton: Also Gewürzpflanzen, das ist herrlich. Das können wir trocknen.
Anton: Das können wir ein bisschen bei uns auch in Österreich verkaufen.
Willy: Kakao, glaube ich.
Anton: Kakao, ja. Kakao ist das neueste, was wir haben.
Willy: Das hat ja auch Bohnen mitgebracht.
Anton: Da gab es eine Kakao-Finka, die Finca La Flora.
Anton: Und der hat dort 500 Bäume gehabt. der Clementa der Kassen.
Anton: Und die haben wir vor wenigen Jahren gekauft. Clementa ist weggezogen, altersbedingt.
Anton: Und dem hat es irrsinnig gut gefallen, Pflanzen auch anzubauen.
Anton: Also auf der Finca sind viele, viele Obstbäume.
Anton: Avocado hat der und viele Bäume.
Anton: Und auf jeden Fall der Kakao, aber er hat das am Schluss nicht mehr wirklich
Anton: betreuen können. Jetzt sind die verwildert.
Anton: Und dann war die Idee, was machen wir mit denen? und ich habe ein paar Kilo
Anton: mitgenommen nach Österreich und habe es dann einem Chocolatier,
Anton: dem Emile, gegeben, Zartpralinen in Staats.
Anton: Und das ist ein sehr, sehr guter Chocolatier. Und der hat sich bereit erklärt,
Anton: er unterstützt unser Projekt und macht Schokolade.
Anton: Und der hat ihm gesagt, nimm einmal ein bisschen was mit von der Finca La Flore,
Anton: damit wir schauen, ob das eine gute Qualität ist.
Anton: Emile hat gesagt, super Qualität. Und jetzt haben wir probiert,
Anton: dass wir diese Kakaoplantage, die wirklich extrem verwildert war,
Anton: dass wir die verjüngern.
Anton: Und das machen wir gerade. Und wir haben jetzt wieder geerntet vor wenigen Tagen ein paar Kilo.
Anton: Und das sind jetzt keine großen Mengen. Aber es sind alte Sorten.
Anton: Und gerade Kakao ist ja heute ein bisschen ein Hype mit dem Kakao.
Anton: Aber das sind alte Sorten.
Anton: Wahrscheinlich ein Forastero. Das muss man mit Bruno nochmal genauer besprechen.
Willy: Gibt es einen Podcast schon?
Anton: Da gibt es einen Podcast mit Bruno. und der kommt jetzt zur Samenmesse und will
Anton: sich auch die Pflanzung anschauen, das ist wirklich ein Profi und dann schauen
Anton: wir, ob wir die weiter vermehren können.
Anton: Weil vielfach geht ja so ein Wissen und auch diese alten Sorten verloren,
Anton: wenn man es gar nicht schätzt. Das ist überall das Gleiche.
Anton: Und das ist eine der letzten Pflanzungen hier. Früher hat man mehr angebaut,
Anton: aber es ist ja dann in die 70er Jahre eben ein Pilz gekommen und der hat viele
Anton: von diesen Kakaopflanzungen quasi vernichtet.
Willy: Das war ja Costa Rica, war ja sehr dicht für Pflanzdurchfahrer.
Willy: Aber das heißt, Kakao würde hier auch in der Region, das ist auch eine Pflanze,
Willy: mit der man arbeiten kann.
Anton: Ja, ich glaube schon. Das ist unser nächstes Ziel. Jetzt wissen wir mal, die Sorte ist gut.
Anton: Jetzt können wir die weiterzüchten und mit Samen beziehungsweise auch mit Ableger.
Anton: Und wenn wir das dann haben und wissen, das funktioniert so,
Anton: dann kann man das weitergeben und kann das wieder ein bisschen forcieren.
Anton: Es geht ja auch, dass die Menschen einerseits natürlich Lebensmittel haben,
Anton: aber auch etwas produzieren, das man vielleicht verkaufen kann.
Anton: Und es ist schon ein Ziel, wir haben jetzt angefangen, sehr klein,
Anton: aber dass man vielleicht alternative Einkommensquellen in Zukunft auch bietet.
Anton: Und es wäre auch die Möglichkeit, Samagrod dabei zu schauen,
Anton: ob es sinnvoll wäre, dass man zum Beispiel in La Gamba einen kleinen Wochenmarkt aufbaut.
Anton: Da geht er Straßen durch, da fahren viele auch Richtung Golfito.
Anton: Und wieso nicht? Aber das muss man analysieren. Vorher wollen die Leute,
Anton: was gibt es, welche Produkte?
Anton: Und in dem nächsten Projekt, das wir jetzt vorhaben,
Anton: ist das ein Punkt, dass wir eine Bestands- und eine Bedarfsanalyse machen,
Anton: ob das sinnvoll ist und ob die Leute von La Gamba mitmachen würden.
Willy: Wie verhindert sie oder inwiefern kann man dann quasi eine, angenommen,
Willy: das ist erfolgreich, Kakao wird super angenommen, Staats baut schon aus,
Willy: weil so viel Kakaobohnen kommen, jeder will mehr.
Willy: Wie integriert ihr das da quasi in euren Naturschutzgedanken?
Willy: Also wo sind da die Grenzen oder inwiefern, wie kann man das zusammen denken?
Anton: Ja, das ist sicher ein wichtiger Punkt, gute Frage.
Willy: Danke.
Anton: Naja,
Anton: aktuell ist es so, dass wir eigentlich immer ein bisschen zu wenig haben.
Anton: Das ist das Tante-Jolische-Rezept.
Willy: Ich sage es mal, wer andere wie ich. Alle waren ein wenig zu wenig.
Anton: Das hat schon was.
Willy: Ich bringe den so oft, die Tante-Jolische.
Anton: Aber es ist ja auch gut, oder?
Willy: Die Grauspeckerl, ja.
Anton: Weil wir sind schon gewohnt, immer alles zu haben und in ausreichenden Mengen
Anton: zu kaufen, dieser Konsum.
Anton: Und wenn ich halt ökologisch arbeite,
Anton: bin ich immer irgendwie ein bisschen am Limit. Und ich muss halt das nehmen,
Anton: was ich kriege und mit dem arbeiten, was ich kriege und nicht das, was ich immer will.
Anton: Das ist gar nicht so schlecht. Aber man muss sich schon ein bisschen dran gewinnen.
Willy: Ja, aber wir bringen das in den Kopf rein von einem Mensch, von mir.
Anton: Naja, das geht schon ein bisschen. Ich meine, in Österreich,
Anton: die haben ja auch das Gemüsekisterl, oder? So manche. Da kriegst du das, was es gerade gibt.
Willy: Waren auch schon bei uns im Podcast.
Anton: Ja, waren schon im Podcast.
Willy: Zwei davon.
Anton: Ja, und das funktioniert auch, oder? es gibt ja immer was, aber es gibt halt
Anton: nicht immer das, was ich vielleicht will, was ich mir halt bestellen kann,
Anton: aber es gibt ja immer was.
Anton: Es ist auch bei uns in der Küche, ich sage auch zu unseren Köchinnen,
Anton: jetzt haben wir das, jetzt haben wir das und das war am Anfang gar nicht so
Anton: leicht, weil die wollten jetzt unbedingt was anderes kochen,
Anton: also nicht jetzt unbedingt
Anton: Jogger, sondern Erdäpfel. Nein, wir haben jetzt gerade Jogger und wir haben
Anton: keine Erdäpfel, dann kochen wir die Jogger.
Willy: Wir sind ja gerade gestern von der Finca Alexis zurückgekommen oder vorgestern
Willy: mit zwei großen Kisten voll mit allem Möglichen drinnen, was da oben gewachsen ist.
Willy: Und mit dem muss ich dann halt arbeiten. Wenn es etwas anderes gibt, gibt es etwas anderes.
Anton: Genau.
Willy: Was heißt das? Das heißt, wir waren ja beim Kakao. Kakao, den geht ja dazu,
Willy: wenn es ein richtig guter ist. Und ihr habt die seltenen Sorten.
Willy: Oh, und jeder will jetzt die seltenen Sorten von euch, weil toll.
Willy: Da muss ich ja mehr vom Kakao machen.
Willy: Oder sagt sich dann ganz bewusst, Tante Jollisch, wir halten die Menge niedrig,
Willy: schirm dafür einen Preis auf.
Anton: Angebot und Nachfrage ist immer natürlich ein Ding. Also es gibt ja Schokoladen,
Anton: die sind ja sowas von teuer.
Anton: Ich weiß jetzt den Preis nicht mehr, aber das ist ja fast so wie Gold.
Anton: In Ecuador gibt es ja da Finkas, wo so eine Tafel, glaube ich,
Anton: mehrere hundert Dollar kostet.
Anton: Glaubt man nicht, die sind dann gelagert und so weiter. Also da gibt es schon
Anton: ganz bestimmte Sachen, da wollen wir nicht hin. Wir wollen ja,
Anton: unser Ziel ist ja, Alternativen zu schaffen, ein bisschen was anzubauen.
Anton: Aber wir wollen ja nicht Plantagen machen.
Willy: Nein, jetzt als Forscher, jetzt als Naturschützer, aber da kommt so ein bisschen
Willy: die dritte Babel der Unternehmer daher.
Anton: Das kommt deswegen, um das Projekt langfristig auch tragbar zu machen.
Anton: Das ist der Sinn. Das ist jetzt nicht, dass man da jetzt großes Geschäft macht,
Anton: sondern es ist eher, Alternativen zu suchen für die Menschen,
Anton: die hier im Korridor leben.
Anton: Das ist der Sinn. Da wird es immer um kleinste Mengen gehen.
Anton: Also du kannst Kakao da in der Gegend sicher nicht so riesig machen.
Anton: Ich glaube nicht, dass wir die Leute dafür finden.
Anton: Ich kann es nicht sagen, aber das ist auf jeden Fall nicht das Ziel.
Anton: Das Ziel ist, um das Projekt tragbar zu machen, dass man sagt,
Anton: man hat bestimmte Einnahmegwellen.
Anton: Man hat eine Marke vielleicht und man kann was verkaufen und man hat,
Anton: sage ich jetzt einmal, 10 Bauern, 20 Bauern, die da jetzt im Korridor ökologisch arbeiten.
Anton: Wenn das nicht mehr ökologisch ist, dann ist es für unsere Projekte und nach
Anton: unserem Denken und Gedankengut nicht mehr wertvoll. dann könnten wir gleich
Anton: bei der Ölpalme bleiben.
Anton: Ja, ganz einfach. Aber so machen wir uns ja viel Arbeit, versuchen,
Anton: stecken da Forschung hinein.
Anton: Es geht immer um den Korridor. Es geht um diese 1000 Quadratkilometer Korridor,
Anton: die erhalten bleiben sollen oder ausgebaut werden sollen, wo Wälder nicht fragmentiert werden sollen,
Anton: wo ökologisch gearbeitet wird, wo Tier, Mensch und Pflanze gute Lebensbedingungen
Anton: vorfindet und nicht mit Pestiziden verseucht. Das ist das Ziel.
Willy: Es spürt die Idee der Genossenschaft für Organisationen dann auch dieses Anbaus
Willy: und dieses Verkaufs ein bisschen im Kopf herum.
Anton: Das kann man machen. Es gab früher eine Genossenschaft. Das ist im Prinzip,
Anton: sage ich mal, das ist etwas, das muss wahrscheinlich entstehen.
Anton: Von den Einheimischen auch. Also wenn wir, wir könnten das durchaus initiieren,
Anton: aber ich sage, das ist etwas, das muss glaube ich kommen.
Anton: Das kannst du niemandem anschaffen. Das kannst du nicht erzwingen.
Anton: Das wäre falsch. Und bei dem Ausgangsprojekt mit den Frauen,
Anton: die damals die Seifen gemacht haben, hat das überhaupt nicht funktioniert.
Willy: Die haben sich dann alle gestritten.
Anton: Und das ist eigentlich genau das.
Anton: Also ich denke, wenn es da Personen gibt hier, und die wachsen vielleicht,
Anton: also durch die Aktivitäten, die wir haben, durch auch die Möglichkeiten.
Anton: Wichtig ist ja, dass sie Perspektiven sehen, dass sie das, was wir machen, auch sinnvoll finden.
Anton: Das Verteidigen, das Gutfinden, Einnahmequellen haben, Zukunftsperspektiven haben.
Anton: Wenn das funktioniert, dann wird das kommen.
Anton: Wenn die Zukunftsperspektive nicht gegeben ist, dann bringt es das auch nicht.
Anton: Und das muss von innen herauskommen. Also wir haben immer so gearbeitet.
Anton: Wir geben schon manche Ideen vor, aber so manches muss wirklich kommen von den
Anton: Leuten, die müssen dann begeistert sein.
Anton: Ansonsten müssen wir wechseln, müssen wir was anderes machen.
Willy: Genau, funktioniert damit. Weil du sagst Zukunft, wichtiges Thema für die Zukunft ist Klimawandel.
Willy: Klimawandel ist sehr, sehr viel mit CO2 verbunden und bei Regenwald wird immer
Willy: so gesagt, der Regenwald bindet so viel CO2, so ein wichtiger CO2-Speicher.
Willy: Kannst du mir oder uns im Idealfall erklären, warum gerade der Regenwald ein
Willy: so guter CO2-Speicher ist?
Anton: Der Regenwald, jetzt sind wir wieder beim Tageszeitenklima, die Bam wachsen halt das ganze Jahr.
Anton: Und es gibt halt Arten, die haben sehr, sehr schnelle Wachstums- und hohe Wachstumsraten.
Anton: Ums Raten, das heißt, da gibt es Bam, die wachsen in einem Jahr fünf Meter,
Anton: die nehmen sehr viel CO2 sehr rasch aus der Luft auf und speichern es und bauen es ein.
Anton: Und das ist, warum der Regenwald natürlich jetzt, sage ich mal,
Anton: ein sehr, sehr guter und ein sehr schneller und effektiver CO2-Speicher ist.
Anton: Je weiter du nach Norden gehst, umso härter das Klima wird, umso weniger wachsen
Anton: die Pflanzen, umso weniger und umso langsamer wird das CO2 quasi eingebaut.
Anton: Und es geht ja darum, dass man möglichst rasch das CO2,
Anton: es gibt ja viele Ideen, wie man das machen kann und wie man das verhindern kann,
Anton: aber einer dieser Möglichkeiten, CO2 aus der Atmosphäre zu nehmen,
Anton: ist es also einzubauen quasi in die Vegetation und dort einmal zu speichern.
Anton: Und da ist halt der Regenwald super.
Willy: Aber hast du nicht gesagt, der Regenwald so schnell wächst und speichert,
Willy: so schnell vergeht er ja auch wieder, oder?
Anton: Naja, diese Umbruchraten sind schon sehr hoch.
Willy: Das ist richtig.
Anton: Es funktioniert ja auch nur dort, wo quasi kein Wald ist und wo zusätzlich Wald geschaffen wird.
Anton: Dann ist das eine CO2-Senke, weil sie aus der Atmosphäre entnommen wird.
Willy: Aber ein bestehender Wald.
Anton: Der wächst auch, aber der ist mehr oder weniger CO2-neutral,
Anton: weil das, was runterfällt, wächst dann wieder nach.
Willy: Außer er wächst noch, er ist noch im Wachstum quasi.
Anton: Außer er ist im Wachstum, genau. Also wenn du jetzt hernimmst,
Anton: zum Beispiel so einen Sekundärwald oder so einen jungen Wald,
Anton: und der ist jetzt fünf Meter hoch, wie wir da jetzt waren, oder zehn Meter,
Anton: der nimmt natürlich schon mehr auf.
Anton: Der nimmt sogar in einer bestimmten Phase, am Anfang, wenn Grasland ist und
Anton: jetzt kommen einmal so Stauden, kleine Bäume, wird einmal relativ wenig aufgenommen.
Anton: Aber irgendwann kommen die Bäume dann im Schatten, das ist so eine Sukzession,
Anton: im Schatten von diesen Stauden und so, wachsen dann Bäume und die nehmen dann sehr, sehr viel CO2 auf.
Anton: Das heißt, die Kurven ist am Anfang weniger, wird dann mehr und flacht dann wieder ab.
Anton: So ist die Kurve. Wenn der Voucher quasi hoch ist, sind wir da oben und das
Anton: ist quasi ein Equilibrium.
Willy: Ein Equilibrium. Das gleicht sich aus. Das heißt, wenn man jetzt immer davon
Willy: redet, ich versuche das jetzt nur
Willy: ein bisschen einzuordnen, wir brauchen Regenwälder für den Klimaschutz,
Willy: dann ist eher das Problem, dass wir die bestehenden, die alten Regenwälder abholzen,
Willy: und einfach da CO2 freisetzen, das da einfach gebunden war.
Willy: Weil wenn man den Bestand der Regenwelt einfach so nehmen würde,
Willy: wie er war und sagt, den verändert ich nicht, wäre das aus CO2-Sicht einfach,
Willy: wie du sagst, Equilibrium oder wäre es neutral.
Willy: Sie tragen jetzt nicht aktiv, weil es ist oft so in der Idee.
Willy: Wir brauchen den Regenwald für den Klimaschutz.
Willy: Wir brauchen ihn insofern, dass wir ihn nicht niederholzen. Aber wenn er da
Willy: ist, ist er eigentlich neutral. Ist das eigentlich ein komplett anderer?
Anton: Ja, klar. Wenn es ihn abholzt, machst du es frei. Das ist natürlich ganz schlecht.
Anton: Das ist das eine für das CO2.
Anton: Das ist aber auch die andere Geschichte mit der Biodiversität. Okay. Da.
Willy: Den Zusammenhang nämlich.
Anton: Ja, aber das ist ein Dilemma. Ja, das ist super. Ein Dilemma.
Anton: Naja, weil die CO2-Thematik ist ja das, wir wollen das CO2 rauskriegen.
Anton: Da ist es immer wichtig, dass der Wald nachwächst.
Anton: Und die Biodiversität ist aber hauptsächlich, sage ich mal, jetzt gebunden oder
Anton: die Biodiversität ist in diesen alten Wäldern drinnen.
Anton: Und die sind wichtig zum Erhalten für die Biodiversität. Vom CO2-Standpunkt
Anton: her zählen die aber nichts bis ganz wenig, weil man sagt, da ist ja das CO2 eh schon gespeichert.
Anton: Die entnehmen ja nichts mehr. Und das ist aber nicht sinnvoll.
Anton: Und das ist schon eine Diskussion und das wird auf höchsten Ebenen auch besprochen.
Anton: Nur man weiß noch nicht, wie genau man damit umgehen soll, damit das in alle Köpfe auch eindringt.
Willy: Pass auf, ich muss das jetzt zusammenfassen. Das heißt, theoretisch gesehen
Willy: wäre es sinnvoller, nicht biodiversitätstechnisch gesehen,
Willy: aus CO2-Speicher-Klimawandel-Logik, wäre es besser, alte Regenwälder zu nehmen,
Willy: das Holz nicht zu verbrennen, sondern zu verbauen,
Willy: weil wenn ich es niederhaue, bleibt das CO2 im Holz gespeichert.
Willy: Das heißt, ich kann ja Heiser damit bauen, müsste man halt Holzheiser bauen
Willy: und nicht Betonheiser und sonst was.
Willy: Und neu gleichzeitig nebenbei neue Wälder aufzuforsten, weil die wieder CO2
Willy: speichern, was quasi bei den Holzhäuser ja immer noch gebunden ist.
Willy: Das heißt, so würde ich mehr CO2 rausnehmen, würde aber gleichzeitig die Biodiversität
Willy: wieder reduzieren, weil die da wieder gebunden ist.
Anton: Genau, also das sollte man auf keinen Fall machen.
Willy: Ja, dass du das jetzt sagst, ist klar und dass das irgendwie unterm Haus auch
Willy: Sinn macht, glaube ich, verstehen das jetzt eh die meisten.
Willy: Aber inwiefern hängt denn erstens mal, was passiert denn, wenn wir Biodiversität
Willy: verlieren, weil sonst sagt man, es ist schön, wenn du jetzt gerne ich sage es
Willy: jetzt wirklich plakativ und provokant wenn du Pflanzen magst,
Willy: dann Kakteen und der andere mag Fegel,
Willy: dann sind halt ein paar weniger dann haben wir da ein bisschen weniger Biodiversität,
Willy: besser, wir haben einen Klimawandel warum ist diese Aussage nicht richtig?
Willy: Außer aus rein ästhetischen und liebhaberischen Gründen, dann gibt es da auch.
Willy: Biologische oder ganz andere Implikationen, warum das ein Blödsinn ist,
Willy: was ich gerade gesagt habe.
Anton: Nehmen wir ein
Willy: Tropisches Beispiel.
Anton: Du kennst die Paranuss?
Willy: Nuss.
Anton: Paranuss, das sind Nüsse aus Südamerika. Das sind sehr schöne Bäume und haben
Anton: dann sehr große Früchte.
Anton: Und da drinnen sind diese Nüsse.
Anton: Die schmecken super. Gibt es eh bei uns auch zu kaufen.
Anton: Die sind teuer, werden exportiert. Und da wollte man Plantagen machen.
Anton: Das ist ein Urwaldbaum. Wächst. Urwald. und wollte mir Plantagen machen.
Anton: Weit weg vom Wald und ist draufgekommen, ja, die Pamplieren,
Anton: aber keine Nüsse, weil sie nicht bestäubt werden.
Anton: Die werden nämlich bestäubt von Prachtbienen. Prachtbienen sind sehr prächtig,
Anton: wie der Name schon sagt, prächtig gefärbte Bienen.
Anton: Da gibt es männliche Tiere und da gibt es weibliche Tiere.
Anton: Und die weiblichen Tiere, das sind ganz brave Bestäuberinnen,
Anton: Sind soziale Insekten, das heißt, sie verhalten sich so ähnlich wie unsere Bienen,
Anton: wie die Honigbiene und die sammeln dann Bollen und sammeln Nektar,
Anton: um ihre Jungen aufzuzüchten.
Anton: Und dabei bestäuben sie die Blüten.
Anton: Die Prachtbienen haben aber auch Männchen. Die Männchen sind auch für sich jetzt
Anton: nicht die großen Bestäuber,
Anton: außer bei ganz bestimmten Pflanzen, nämlich bei sogenannten Blüten,
Anton: die bei sogenannten Parfumblüten.
Anton: Also es gibt Blüten, die sondern ein Parfum ab.
Anton: Und auf das reagieren die Männchen.
Anton: Und diese Parfumblumen, das können nicht sein, Orchideen im Wald,
Anton: das können nicht bodenlebende Pflanzen sein, aber die leben immer irgendwo in
Anton: einem sehr intakten Wald.
Anton: Die findest du nie irgendwo draußen in der Plantage auf einem Feld.
Anton: Die sind im Wald, die brauchen diesen Wald.
Anton: Und das Parfum sammeln sie nicht als Gaudee, sondern um Weibchen anzulocken. Jetzt sind wir beim Sex.
Willy: Aha, ja und beim Parfum, Parfum werden sie ja quasi.
Anton: Genau, und die sammeln das, die sind speziell, also das sind Bienen jetzt auch
Anton: prächtig gefärbt, haben einen langen Rüssel und haben vor allem auf der Hintertibia,
Anton: also auf der hintersten Extremität haben sie eine aufgeblasene Tibia,
Anton: also ein aufgeblasenes Glied ihrer Hinterextremität und das ist ein Parfumflakon, ein Parfumflaschel,
Anton: wie ein Parfumflaschel.
Anton: Jetzt sammeln Sie mit Ihren Vorderextremitäten,
Anton: mit Ihren Vordertasen, sammeln das und stecken das quasi, höseln das,
Anton: stecken das hinten ein in das Parfümflaschel und das machen Sie immer wieder
Anton: und dabei bestäuben Sie diese Pflanze, die im Primärwald lebt.
Anton: Und dann an manchen Stellen setzen Sie sich hin, diese Männchen,
Anton: und verbreiten jetzt dieses Parfüm, ein Duft, und da werden die Weibchen angelockt
Anton: und dann kommt es zur Bahrung.
Anton: Das heißt, jetzt habe ich schon die Bestäubung von der Paranuss,
Anton: dann habe ich die Bestäubung von diesen Parfumpflanzen.
Anton: Das brauchen die, weil sonst treffen sie sie nicht.
Anton: Und ohne diese Prachtbienen wird die Paranuss nicht bestäubt.
Anton: Jetzt habe ich ein kleines Netz, das wir verstehen. Jetzt geht es aber weiter.
Anton: Das sind dann die Paranüsse.
Anton: Die Paranüsse kann man natürlich züchten. Die leben aber auch im Wald.
Anton: Das sind ja wilde, wilde Pflanzen. Und die Paranüsse, das sind massive Früchte
Anton: eigentlich, verholzte Früchte, die fallen dann runter in der Natur.
Anton: Und wenn sie dann unten liegen, brauchen sie ein Tier, das quasi das aufbeißt,
Anton: damit da Wasser eindringen kann, damit diese Samen wieder keimen.
Anton: Und da kommt das nächste Tier ins Spiel, das ist nämlich das Akute.
Anton: Das sind die, die bei uns da herumlaufen, auch im Garten unter anderem. Der Akute ist.
Willy: Ich sage immer, das ist das Wappentier der Notfallmediziner. Die Akute ist.
Anton: Die Akute ist. Manche sagen, das ist die Reinkarnation der Kokosnuss.
Willy: Die schauen auch ein bisschen so aus. Die schauen so aus wie ein Beutetier.
Willy: Das ist irgendwie so ein Schinkentier unterwegs.
Willy: Das ist auch ein bisschen, oder? Das ist so kaum nutzige Viecher. Ja, Entschuldige.
Anton: Ja, und dann fällt diese Frucht da hinunter. Und unten kommt das eine gute.
Anton: Das hat ja auch einen Hunger.
Willy: Ist das so eine große Nuss? Kann das sein? Ja, so. Ich habe heute gerade eines
Willy: gesehen, was mit so einer Nuss unterwegs war.
Anton: Ja, das war wahrscheinlich die Kokosnuss. War es eine Kokosnuss?
Anton: Also wir haben da keine Baranüsse. Das war eine Kokosnuss.
Willy: Das war auch weit weg. Ich habe nur die Nuss.
Willy: Super, jetzt habe ich mich so gefreut. Also ja, gut, jetzt beißen die Nüsse auf.
Anton: Die beißen dann die Nuss auf. Und die sprießen dann wieder. Und dann, genau.
Anton: Und erst dann, die fressen dann ein Stückchen, laufen ein Stückchen,
Anton: weil die sind große Samen, die kann nicht die ganze Nuss mitnehmen,
Anton: das ist schwer, aber sie nimmt dann raus,
Anton: rennt ein Stückchen, frisst ein bisschen was, irgendwann ist sie saat,
Anton: lasst das einfach liegen, die kann die nicht fressen und dort kämmt das aus,
Anton: der Samen und quasi dieser Kreislauf ist ein bisschen geschlossen.
Anton: Und dann wächst dieser Baum und irgendwann blüder und dann kommen wieder die Brachbinden.
Anton: Das heißt, es ist ein kleines Netz, wollte ich nur damit sagen,
Anton: wo man die Biodiversität braucht, wo ein Organismus von anderen abhängig ist.
Willy: Und das verstehen wir gar nicht oft, oder?
Anton: Und oft sehen wir das gar nicht, wir verstehen es gar nicht.
Anton: Darum ist es oft so schwierig zu sagen, na, für was und hin und wer.
Anton: Manches, vieles, unser Denken ist nicht gebaut, sehr vernetzt,
Anton: also unser Hirn ist nicht so zum Vernetzdenken gebaut.
Anton: Darum ist es auch so schwierig. Die Biologen befassen sich halt dann mit irgendwas
Anton: und beobachten und stellen halt solche Netze dann auf und versuchen sie zu verstehen.
Anton: Und das kannst du jetzt weiterführen und weiterführen.
Anton: Das heißt aber auch, wenn jetzt zum Beispiel die Prachtbienen nicht mehr sind,
Anton: hat die Paranus keine Früchte.
Anton: Es haben aber auch die Orchideen. Jetzt kein Bestäuber mehr zum Beispiel.
Anton: Also wenn da eines ausfällt, die sind so spezialisiert. Das macht aber andererseits
Anton: auch wieder das ganze System, andererseits anfällig, aber durch die Diversität
Anton: auch wieder resilient. Genau.
Anton: Ich hoffe, das habe ich jetzt ein bisschen so, dass man das versteht,
Anton: was eigentlich Biodiversität bedeutet.
Willy: Ja, es ist im Prinzip schon, ich denke schon, weil wir haben auf der einen Seite
Willy: einen Klimawandel und da weiß man ja auch nicht, was passiert jetzt,
Willy: wenn jetzt der eine Golfstrom oder der eine Strom jetzt abkühlt oder unter gewisser
Willy: Temperatur fällt, was heißt das dann wieder für das Wetter?
Willy: Du tust irgendwo eine Variable raus oder zerstörst sie oder veränderst sie und
Willy: weißt aber dann nicht, aber komplex sind wir beim Butterfly-Effekt für die Populärwissenschaftler
Willy: unter uns, also für mich.
Willy: Wo es nicht war, schlägt dort ein Schmetterling mit dem Flügel,
Willy: könnte es sein, ob dort vielleicht ein Wirbelsturm ist, ein paar hundert Kilometer weiter.
Willy: Und so ist es bei der Biodiversität auch. Das heißt, es könnte ein kleiner Eingriff
Willy: in die Natur zu großen Auswirkungen ganz woanders führen.
Anton: Ja, richtig. Und macht halt diese Systeme, werden wir es halt nicht wissen, sehr anfällig.
Anton: Es sagt manchmal, na für was ist das jetzt gut vielfach
Anton: ist es futter ja aber alles hat eine alles hat
Anton: eine funktion ja war nur ein organismus ausfällt
Anton: kann das jetzt einmal gar keine oder ganz wenige auswirkungen haben
Anton: die für uns nicht sichtbar sind aber es kann natürlich wenn jetzt
Anton: ein organismus nimmt sehr der elefant fällt
Anton: mir ein nicht wann der jetzt zum beispiel in afrika jetzt ausfällt dann hast
Anton: du auch nicht mehr diese diese diese funktion nicht also elefanten haben ja
Anton: auch eine große funktion und zum Beispiel Vegetation jetzt kurz zu halten und
Anton: öffnen den Boden und so weiter.
Anton: Das ist ja dann einfach nicht mehr da.
Anton: Und dann wird das Tier, das jetzt zum Beispiel abhängig ist,
Anton: wird dann in der Population halt weniger werden.
Willy: Und wie bringen wir es dann jetzt zusammen? Also was sagst du,
Willy: entweder abholzen und dann wieder aufforsten oder Biodiversität schützen?
Willy: Oder wie bringen wir es jetzt zusammen? Weil im Prinzip das Problem haben wir jetzt noch nicht.
Anton: Naja, wenn die Biodiversität einmal weg ist, wenn das verloren gegangen ist, ist es ja weg.
Anton: Also die alten Wälder, die sollte man meiner Meinung nach wirklich nicht antasten.
Anton: Die sollte man lassen. Wir haben eh schon so viel angetastet.
Anton: Und Wirtschaftswälder sind natürlich dazu da, dass man jetzt Bäume setzt und
Anton: die man dann auch nutzen kann.
Anton: Das ist schon gut und das ist auch notwendig. Und Holz ist ein wunderbarer Baustoff, das passt schon.
Anton: Und dann sollte man halt Gegenden, wo man sagt, das hat man vielleicht der Natur,
Anton: da ist man zu weit vorgedrungen, man hat das abspenstig gemacht,
Anton: das sollte man wieder renaturieren, wie jetzt der Ausdruck ist.
Anton: Das macht natürlich schon Sinn. Und das ist genau das, was wir machen.
Anton: Also wir sagen, okay, man ist ja hier in den 70er Jahren, war ja eine große
Anton: Abholzungsrate, wie schon erwähnt, 80er Jahre und da ist gerade da oben in den
Anton: Bergen sehr viel abgeholzt worden. Das kann man auf den Fotos ja sehen.
Anton: Und diese Gegenden, die kann man heute wirklich wieder rückführen in die Natur,
Anton: Wald entstehen lassen, wo Wald gewachsen ist, mit Bäume setzen oder einfach
Anton: der Sukzession überlassen.
Anton: Das hilft der Biodiversität und das hilft natürlich auch dem Klima.
Anton: Das hängt ja immer zusammen.
Willy: Wir haben den Begriff der Sukzession einmal gehabt in der Forstwirtschaft,
Willy: aber da haben wir uns da noch nicht ganz drüber getraut.
Willy: Erklär uns doch in wenigen Worten, was ist die Sukzession, weil du hast es jetzt
Willy: schon ein paar Mal erwähnt und die dürfte wichtig sein.
Anton: Die Sukzession ist ganz wichtig. Das ist quasi ein Naturgesetz,
Anton: das sich alles weiterentwickelt.
Willy: Sukzessive.
Anton: Sukzessive, wie das Wort sagt. Bei uns heißt es, an einem Beispiel,
Anton: das ist eine Viehweide zum Beispiel, man hat jetzt den Wald abgeholt.
Anton: Man hat einen Wald und der wird abgeholt, man macht eine Viehweide,
Anton: dann wächst der Gras. Und wenn ich das jetzt einfach lasse, dann fällt bestenfalls
Anton: in das Gras hinein irgendein Same von der näheren Umgebung, vom Wald raus und es wächst.
Anton: Es wächst jetzt ein kleiner Baum, irgendwann beschattet der sozusagen dieses Gras.
Willy: Die Fläche rund um ihn.
Anton: Die Fläche rund um ihn und das Mikroklima ist immer ganz wichtig für das Pflanzenwachstum.
Anton: Jetzt kann in dem Schatten von dem Baum zum Beispiel ein anderer Keimling aufkommen.
Willy: Der sonst nicht aufgegangen war.
Anton: Der sonst nicht aufgegangen war. Und das Gras zum Beispiel, das braucht sehr
Anton: viel Sonne, also Licht, Lichtenergie.
Anton: Wenn das beschattet wird, wird es immer weniger.
Anton: Man muss es immer in der Konkurrenz auch sehen.
Anton: Und dann entwickelt sich sozusagen in diesem Schatten von dem Baum ein Keimling,
Anton: der nächste Keimling, der nächste. Irgendwann ist das Gras komplett weg. Machen Wiederschaden.
Anton: Machen Wiederschaden. Und das wächst. Jetzt wächst der, sag ich mal,
Anton: das Gras ist so hoch und der Baum wächst dann so hoch, beschattet das.
Anton: Im Schatten kommt der nächste Baum, der wird dann so hoch und so entstehen dann
Anton: quasi unterschiedliche Höhen, Etagen, bis irgendwann quasi wieder ein Wald,
Anton: wie er ursprünglich war, entstanden ist.
Anton: Und das ist bei uns genau das Gleiche. Das ist die Subzession. Das ist die Subzession.
Willy: So sukzessive entwickelt sich, also nach und nach wächst was,
Willy: aufeinander aufbauen, voneinander abhängig, Wiese, Busch, Baum,
Willy: irgendwann ist ein Wald.
Anton: Und irgendwann, sagt man, ist eigentlich der Wald, ist der Urzustand wieder da.
Anton: Und das ist halt oft der Wald, aber nicht immer. Aber da ist es zum Beispiel der Wald, der
Anton: Der alte Wald, früher hat man gesagt, der primäre Wald, ist dann quasi so dieses
Anton: Endstadium der Sukzession.
Willy: Und der hört dann auch irgendwann einmal zum Wachsen auf, oder?
Anton: Nein, er wächst dann weniger. Es ist auch so, dass die Biodiversitätszunahme,
Anton: die ist am Anfang sehr hoch, das ist so eine Kurve, das geht rauf und nimmt dann ab.
Anton: Und so ist es auch beim Wachstum. Der wächst halt am Anfang schnell,
Anton: weil die ersten, die kommen, die haben wir ja letztes Mal angeschaut,
Anton: dieser Ameisenbaum, wenn du dich erinnerst, das ist ein sehr schnellwüchsiger
Anton: Baum, ein sogenannter Pionierbaum.
Anton: Also der ist Pionier, weil er eine offene Fläche, Grasland oder so, wieder einnimmt.
Anton: Das ist ein Pionier. Und der wächst meistens sehr, sehr schnell.
Anton: Und der schafft das Mikroklima für die, die nachkommen.
Anton: Und weil jeder Baum hat eine andere Funktion, hat ein anderes Mikroklima.
Anton: Und dadurch, dass wir 600 Baumarten in der Region haben, 600, das ist echt viel.
Anton: Das ist wirklich viel. Also das ist einer der artenreichsten Gegenden weltweit,
Anton: behaupte ich jetzt, 600.
Anton: Ganz Mitteleuropa haben wir um die 50, 600. Das heißt, da sind die Funktionen,
Anton: diese Nischen, wo ein Baum jetzt oder eine Pflanze wächst, das sind ja alles,
Anton: wir sagen, eingenischt.
Anton: Der nimmt eine bestimmte Nische ein, das ist so wie ein Beruf.
Anton: Ja, da gibt es den und den und den.
Anton: Und der nimmt quasi diese Nische ein. Und da gibt es bei 600 Baum natürlich viele Nischen.
Willy: Arbeitsteilung.
Anton: Arbeitsteilung. Und darum gibt es jetzt solche Pioniere, die langsam wachsen,
Anton: die schneller wachsen, die bis am Ende der Sukzession noch da sind,
Anton: andere sterben schon wieder ab.
Anton: Also das ist sehr, sehr komplex. Da hat man viel geforscht, so in den 80er,
Anton: 90er Jahren. Das war vielfach gar nicht so bekannt.
Willy: Hast du auch irgendwas, was du da lernst, da in Österreich? Du bist ja quasi,
Willy: ich habe mir vorhin einen Titel aufgeschrieben für unseren Podcast,
Willy: ich werde ihn nennen der Regenwaldschirrtler.
Willy: Nein, das gefällt mir. Das ist gut.
Anton: Warum bin ich noch nicht selber draufgekommen?
Willy: Ja, das liegt doch auf der Hand, oder? Super.
Anton: Kannst du eigentlich irgendwas,
Willy: Bitte? Kannst du irgendwas von dir mit anwenden bei uns? Oder ist das wirklich eine andere Welt da?
Willy: Was man da so lernt, wie du sagst, Arbeitsteilung, 600 Baum,
Willy: ganz gesellschaftliche Bäume, ganz komplex.
Anton: Ich glaube immer, das ist alles, was man so lernt und sieht,
Anton: das tut sich alles formieren in unserem Hirnkastel und irgendwann wendet man das an, auf alle Fälle.
Anton: Was ich gelernt habe, dass man halt schaut, dass man bestimmte Sachen immer
Anton: offen hält, was jetzt ein bisschen so regenerative Landwirtschaft ist,
Anton: was ich früher nicht so gemacht habe, aber da merke ich das,
Anton: weil einfach alles so schnell wächst, bei uns wächst es ja langsam,
Anton: aber da wächst alles so schnell und durch das Schneiden gibt man wieder Raum
Anton: und das mache ich daheim, ich habe daheim ein kleines Hügelbett und
Anton: Seit ich weiß, wie das da geht, mache ich das den Hammer.
Willy: Also Gewissens-Transfer zumindest auf privater Ebene findet schon statt.
Anton: Ja, ja, sowieso. Ja, auf professioneller Ebene, ja, du hast mich jetzt schnell gefragt.
Willy: Oder interdisziplinär, weil ich habe oft so Assoziationen, weil ich jetzt gesagt
Willy: habe, die Gesellschaft der Bäume, du hast das an Beruf geschrieben,
Willy: kann man nicht so transdisziplinär, interdisziplinär was voneinander lernen.
Willy: Wir waren letztens, du hast mich mitgenommen, dankenswerterweise,
Willy: zu so ein paar Touren, dann hast du so ein Schleifpapier auf einmal gehabt und
Willy: hast gesagt, das ist Peeling und du hast so ein Blatt aufgesetzt,
Willy: weil du gesagt hast, das ist gegen Kopfe.
Willy: Da ist so viel Interaktion ja auch möglich, oder was man lernen kann voneinander,
Willy: wo oft, weil ich gesagt habe, ganz am Anfang vom Gespräch, ich habe in den vier
Willy: Jahren noch keinen Botaniker gehabt und irgendwie Rap.
Willy: Kann man nicht voneinander lernen? Oder geht es mehr so integrative Wissenschaften?
Anton: Nein, das passiert ja auch. Es sind ja bei uns nicht nur Botaniker.
Anton: Ich sage einmal, es sind Biologen hauptsächlich da.
Anton: Und bei den Biologen, da gibt es jetzt einen Botaniker, da gibt es Zoologen,
Anton: da gibt es Anthropologen, Genetiker.
Anton: Dann hast du die Physiologen, dann geht das weiter bis zu den Chemikern.
Anton: Wir haben jetzt Pharmakologen, die kommen. Wir haben Wirtschaftler schon gehabt. Ich sehe immer
Willy: Noch die Grenze der Naturwissenschaft, die hier steht.
Anton: Ja, aber darum sage ich, die Wirtschaftler haben wir gehabt,
Anton: die Soziologen haben wir gehabt,
Anton: alles, man findet sich schon und oft sind das allgemeingültige Gesetze,
Anton: also die Naturwissenschaftler arbeiten ja auch in anderen Bereichen,
Anton: für uns ist das manchmal eine bestimmte Denkart, die uns halt an den Tag gelegt
Anton: wird, aber du kannst alles, was da passiert, was man da sieht und kannst du
Anton: von anderen Gesichtspunkten beleuchten, auf jeden Fall,
Anton: das passiert und wir sind da, wirklich auch für alle Bereiche offen.
Anton: Die Dante Jolisch, hast du ja schon gesagt.
Willy: Beim Prinzip der regenerativen Landwirtschaft und nachhaltigen Landwirtschaft,
Willy: quasi auf Dante Jolisch zu schauen.
Willy: Dorberg hat sicher nicht daran gedacht, wie er das geschrieben hat,
Willy: dass er da jetzt gerade Inputs gibt.
Anton: Was da für Energie drinnen steht, oder?
Willy: Ja, definitiv, oder? Kann man schon mitnehmen. Ich habe mir jetzt noch eine
Willy: Geschichte offen, bevor wir es dann in die Zielgerade einbiegen.
Willy: Und zwar habt ihr bei euch auf der Seite Regenwald der Österreicher geschrieben,
Willy: dass ein Baum ungefähr 11,2 Kilogramm CO2 pro Jahr speichert.
Willy: Ich versuche das noch einmal runterzuhalten, weil mir immer gesagt hat, Wald ist neutral.
Willy: Geht es da von den Aufforstungsprojekten aus oder sind das auch bestehende Worte?
Anton: Flächenmarkt. Wiederbewaltung. Wir machen kein Forst. Entschuldige, ich meine nicht,
Anton: weil Forst ist immer eine... Forst.
Willy: Ach Gott, Brutzufix, da musst du aufpassen.
Willy: Das passiert da. Das ist ein Beispiel dafür, was im alltäglichen Sprachgebrauch,
Willy: und ich nehme mich da vorne nicht aus, passiert. Man zockt so dahin.
Willy: Das habe ich ja vorher gesagt, und weiß eigentlich nicht, von was man redet.
Willy: Ich bin das beste Beispiel.
Anton: Darum versuche ich, jetzt zu sensibilisieren. Bitte, sensibilisier mich.
Anton: Oberlehrer. Nein, nein, nein. Das ist ein wichtiger Punkt.
Anton: Es ist so, das sind natürlich Bäume, die wir setzen, die wir pflanzen.
Anton: Und wir müssen ja unsere Projekte irgendwie finanzieren. Und es gibt also Personen,
Anton: die sagen, ja, ich möchte mir jetzt einen Flug kompensieren oder irgendwas.
Anton: Also wir sind nicht auf diesem CO2-Handel.
Anton: Wir haben auch keine Zertifikate. Nein, das ist viel zu klein,
Anton: viel zu klein, aber wir machen es halt im biologischen Korridor,
Anton: also wir haben jetzt quasi mit einem Schlag mehrere Fliegen,
Anton: weil wir die Biodiversität lieben und weil wir das Klima natürlich lieben,
Anton: jetzt setzen wir da einen Baum, der dann im biologischen Korridor wächst und
Anton: auch wieder die Biodiversität fördert, weil man ja eine Wiederbewaldung und
Anton: kann Forst machen und der Baum bleibt ja auch stehen,
Anton: also der wird im Prinzip nachher nicht mehr genutzt.
Willy: Forst ist die Nutzvariante von der Wiederbewaldung.
Anton: Der Forst ist die Nutzvariante. Der Forst ist halt wirklich ein Wirtschaftswald.
Anton: Das machen wir auch, aber mit den Bauern. Also wenn die Bauern sagen,
Anton: ich möchte da jetzt so zehn Orten haben, die ich auch nutzen kann, das machen wir auch.
Anton: Das sind aber nicht die Bäume, die wir quasi da jetzt für die Wiederbewaldung
Anton: nehmen, wo man jetzt ein CO2, sage ich mal, speichern kann, weil die bleiben stehen.
Anton: Und da sind das Durchschnittswerte, dass im Baum, wenn man jetzt rechnet 60
Anton: Jahre, dass der alt wird, bindet der circa 700 Kilo.
Anton: Und wenn ich das jetzt dividiere, dann bin ich bei diesen 11 Kilo wahrscheinlich, was du sagst.
Willy: Ja, das sind spannende Zahlen, weil ich habe mir das einmal versucht auszurechnen,
Willy: das heißt, du brauchst ungefähr,
Willy: ein Fußbeviertel voll Regenwald, damit quasi ein Österreicher mit unserem CO2-Aufdruck,
Willy: den wir haben, das sind 6,54 Tonnen im Jahr, also aktuelle Zahlen sind das,
Willy: brauchst du ungefähr eine Regenwaldfläche von Regenwald, wieder Bewaltung,
Willy: um das zu kompensieren, was wir in einem Jahr verbrauchen.
Anton: Dabei sind wir da noch im mittleren Durchschnitt, glaube ich.
Willy: Ja, da geht es noch weit auf. Der
Willy: weltweite Durchschnitt ist ein halbes Fußballvödel oder 4,7 Tonnen. Ja.
Willy: Aber da sieht man schon mal, was da für Flächen sind, weil wenn man den ganzen,
Willy: ein Fußball, ich muss aufschreiben, die ganze Fläche von Meskinas Regenwald,
Willy: das sind ungefähr 200.000 Personen pro Jahr, wenn man das quasi als Wiederbewaldungsflächen will.
Willy: Also da muss man schon wirklich viel wiederpflanzen, wenn man da was reinmacht, was man will.
Anton: Ja, ja, das ist schon, also das sind schon Mengen, ja.
Willy: Das ist eure Arbeit, ist auch so ein bisschen das Bohren an harten Brettern,
Willy: nicht? Auf der Aua gesehen, nicht?
Anton: Ja, natürlich, ja. Aber ich sage, wir, ich, wir, wird dann überzeugt,
Anton: dass das schon gut ist. Darum machen wir es auch.
Anton: Aber es ist natürlich hart, wenn du siehst, irgendwo anders wird umgeschnitten
Anton: und wir machen da mühsam wieder, setzen die Bam.
Willy: Aber mit dem müsst ihr auch irgendwo leben.
Anton: Oder? Mit dem muss man leben, mit dem muss man rechnen. Und es ist mir völlig
Anton: klar, man kann nicht überall Wald machen, das wollen wir auch gar nicht,
Anton: sondern eben diese Mischung, diese vernünftige, für uns vernünftige,
Anton: ökologisch sinnvolle Mischung
Anton: zwischen Biologie, Naturschutz, Wirtschaftlichkeit. aber es muss halt auch in
Anton: einem gewissen Maß sein, weil sonst wird es ja wieder unwirtschaftlich oder unökologisch
Willy: Glaubst du, dass uns das gelingen wird, dass wir diese ganzen Sachen einfach
Willy: mal unter den Hut bringen werden? Oder wird es immer Leid wie Eich geben und immer Leid?
Anton: Ja, das glaube ich schon. Aber ich glaube, der eine lernt vom anderen.
Anton: Naja, es ist auch immer wieder irgendwie so ein Pendel.
Anton: Aktuell geht viel in diese falschen Informationen und da sitzen halt schon Leute
Anton: auch am Ruder. Da geht es hauptsächlich ums Geld.
Anton: Wer glaubt, dass es wieder besser wird? Nein, es hat sicher einen Einfluss.
Anton: Also ich kann mir nicht vorstellen, wenn das nur in diese Richtung gehen würde, wäre es ja bald aus.
Anton: Das wäre ja eine Katastrophe.
Willy: Wir haben heute schon vom Ding geredet, vom chemischen, synthetischen Düngemittel,
Willy: vom Liebig, Justus von Liebig.
Willy: Geht es nicht seither, landwirtschaftlich gesehen, wenn man sich die Statistik
Willy: und sämtliche Trends anschaut, immer in die gleiche Richtung.
Willy: Und ihr seid so quasi diese Ausreißer auf dieser Kurve. Da retten wir,
Willy: da macht man was Gutes. das freut uns ein bisschen.
Anton: Wenn du dir anschaust, zum Beispiel Costa Rica, die haben die höchste Abholzungsrate
Anton: gehabt in den 70er, 80er Jahren.
Anton: Und aufgrund dessen hat man dann die Nationalparks gemacht und heute hat Costa
Anton: Rica ein Viertel seiner Landesfläche sowieso unter Schutz gestellt und es ist wesentlich mehr Wald.
Anton: Ich glaube, es sind mittlerweile an die 40 Prozent wie der Wald, nicht sogar mehr.
Anton: Da hat sich schon auch was getan. Aber es ist immer oft wie ein Pendel,
Anton: das schlagt so, das schlagt so.
Willy: Aber Costa Rica lebt ja vom Ökotourismus, hat es ja sein Steckenpferde auch
Willy: gemacht und wenn man sich die Nachbarländer anschaut, was da passiert,
Willy: bis nach Südamerika runter, dann ist ja das Gegenteil.
Willy: In der Mehrzahl der Länder und der Mehrzahl der Flächen ist das Gegenteil eher
Willy: der Fall, wie das, was da passiert.
Willy: Das ist ja so quasi die grüne Ausnahme eigentlich eher, oder?
Anton: Ja, aber es ist jedes Land ein bisschen anders.
Anton: Also Venezuela kenne ich auch ganz gut, da ist es momentan politisch ganz schlecht,
Anton: aber die haben viel Wald, nur das herrscht gar nicht.
Anton: Und da ist die Politik so, dass das so instabil ist, dass dort keine Investoren
Anton: hinkommen. Das ist für die Natur manchmal sogar gut.
Anton: Also ich würde das nicht verteidigen, das ist eine Tatsache,
Anton: weil da ist noch viel Wald da. In anderen Regierungen, die dann vielleicht stabil
Anton: gelten oder freie Marktwirtschaft oder Neoliberalismus, wie auch immer,
Anton: auf einmal geht das los und das wird dann abgeholzt.
Anton: Also man kann gar nicht sagen, dass das eine jetzt, das wird sich gegenseitig beeinflussen.
Anton: Aber insgesamt ist es schon so, dass man, da bin ich schon der Meinung,
Anton: dass man jede Natur, die es heute noch gibt, sollte man eigentlich schützen.
Anton: Man sollte versuchen, das, was wir haben, nicht weiter aufzugeben,
Anton: nur durch wirtschaftliche Interessen.
Anton: Man sollte das, was man vielleicht hat und was da ist, eh schon zerstört ist,
Anton: weiterarbeiten. Sonst ist das nur, nicht die Gier.
Anton: Die Gier ist ein Luder, wie man so sagt.
Willy: Gier ist ein Hund, ja. ein Luderhund, wobei ich mag Hund, eigentlich,
Willy: bleiben wir beim Luderhund, ich liebe Hunde, das darf man gar nicht so sagen.
Anton: Aber das wird so philosophisch dann,
Willy: Es ist… Gerne, es wird von mir aus, es darf noch ruhig viel philosophischer
Willy: werden, weil dort findet man dann auch oft in die Gedankenwelten der Philosophen,
Willy: findet man dann auch oft Antworten auf Dinge, die einem in der Praxis oft weiterhelfen können.
Willy: Aber wir haben jetzt gehabt, Regenwald der Österreicher, wir haben jetzt die
Willy: Forschungsstation La Gamba, eure Tätigkeiten, Versuch Menschen und Wiederbewaltung,
Willy: Umweltschutz in Einklang zu bringen.
Willy: Wir haben gestreift ein bisschen CO2 und dann Biodiversität und auch ein bisschen
Willy: so diesen Zusammenhang.
Willy: Und wir haben dich kennengelernt, den Regenwaldviertler. Ja,
Willy: und was habe ich jetzt in dem ganzen Kontext, damit es halbwegs eine runde Kugel
Willy: wird und den Menschen, die das hören, ein bisschen den Einstieg ermöglicht,
Willy: ein besseres Verständnis oder zum Anfang eines besseren Verständnisses dieser ganzen Thematiken.
Willy: Was haben wir jetzt vergessen, was wirklich, wirklich wichtig ist,
Willy: was man inhaltlich dazu noch sagen muss?
Anton: Ich glaube, ganz wichtig ist, auch wie es in der Geschichte entstanden ist,
Anton: ist quasi, dass man hier einen Wald geschützt hat,
Anton: Regenwald der Österreicher, Nationalpark, dass man hier eine Forschungsstation
Anton: gegründet hat, wo man Grundlagenforschung macht und dass da ein Nukleus irgendwie entstanden ist,
Anton: aus dem sehr viel Gedanken, sehr viel Wissen herausgenommen wird für, sage ich mal,
Anton: Auch für eine bessere Welt, nenne ich sie jetzt.
Anton: Und man sieht das auch nicht. Die jungen Leute, die da herkommen,
Anton: die lieben das, die forschen, die tragen das nach außen.
Anton: Und das ist wichtig und das hält das Ganze auch am Leben.
Anton: Und das Schöne ist auch, dass viele Universitäten da auch mit dabei sind.
Willy: Lokale auch?
Anton: Lokale auch, natürlich. dass auch die Universität Wien da voll dabei ist und
Anton: das Ganze unterstützt und auch eine gewisse Sicherheit gibt.
Anton: Weil sonst, wenn du nur angewiesen bist auf Privatspenden, geht auch,
Anton: aber so ist das Gute und das Ganze, dass jeder da auch seinen Beitrag oder sich
Anton: in dem Projekt wiederfindet.
Anton: Und ich glaube, das ist auch das Erfolgsrezept. Ich habe am Anfang gesagt,
Anton: diese beiden Vereine, es ist gut, dass wir zwei Vereine haben,
Anton: Es ist gut, dass wir eine Uni haben, dass andere Unis kommen und dass eben jeder
Anton: auch einen gewissen Beitrag leistet.
Willy: Es steht stabiler, wenn du mehr Säulen hast.
Anton: Da sind wir wieder bei den mehr Säulen, da sind wir wieder bei der Diversität,
Anton: da sind wir wieder bei der Resilienz.
Willy: Siehst du, ganz in einem anderen Bereich, jetzt sind wir in der Organisationsstruktur
Willy: und in der Finanzierung.
Anton: Natürlich, wir haben jetzt wenig über die Forschungsprojekte gesprochen,
Anton: die es da auch noch alle gibt, Aber da gibt es natürlich auch viele,
Anton: aber da muss man eh, das wäre im Prinzip dann wahrscheinlich zu viel.
Willy: Wenn man dann einzelne Interviews einmal dazu machen.
Anton: Da kann man einzelne Interviews. Es gibt so viele Kollegen, die da sehr wunderbare
Anton: Ergebnisse haben, die in ganz vielen Bereichen dann auch eindringen.
Willy: Wenn man dann einzelne Folgen dazu machen, was da mal wirklich spezielle Sachen
Willy: ergibt, die da gut dazu passen.
Willy: Letzte Frage, wie verhindert man wir sind ja alles jetzt Europäer die wieder
Willy: mal in irgendein Land kommen, helfen ich sage es bewusst ein bisschen provokant,
Willy: Entwicklungshilfe ein bisschen leisten,
Willy: ich,
Willy: Wie verhindert man denn, dass wir quasi das Eurozentristische,
Willy: die heimische Brille, dieses Helfen-Wollen, dieses, mein Gott,
Willy: jetzt müssen wir eigentlich quasi unsere Lebensweise aufdrucken,
Willy: weil wir wissen ja, wie es geht und jetzt zeigen wir euch, wie es geht.
Willy: Also das Missionarische, Kolonialistische, wird ja oft wieder als Kritik,
Willy: auch gerade in EZA-Projekten, Entwicklungszusammenarbeitungsprojekten immer wieder gebracht.
Willy: Wie verhindert ihr das, dass euch das nicht passiert oder kann man da gar nicht gefeit davor sein?
Anton: Ja, es ist tatsächlich nicht einfach. Und am Anfang, wie wir hergekommen sind,
Anton: haben wir sicher natürlich auch Fehler gemacht.
Anton: Und man glaubt an ihn, man will so heim wie daheim.
Anton: Mir sind früher alles mögliche abgegangen da. Ich habe zum Beispiel ein Schwarzbrot,
Anton: das ist mir abgegangen, das ist mir der Käse abgegangen, die Schnitzel.
Anton: Das ist heute nicht mehr so, weil man halt länger da ist. Und je länger man
Anton: da ist, umso mehr merkt man auch, dass es wenig sinnvoll ist,
Anton: jetzt Europa oder das, was man kennt, daher zu verfrachten.
Anton: Das beginnt mit irgendwelchen Materialien, wo man sagt, das ist alles ein Klumper,
Anton: das ist alles, nur das hält nicht lang, ich nehme das jetzt mit aus Europa,
Anton: das Rost, irgendwelche Gerätschaften und so weiter, Computer,
Anton: Ganz egal, in Europa ist alles besser.
Anton: Man kommt dann drauf, dass es extrem mühsam ist und dass das,
Anton: was es da gibt, eigentlich gut genug ist für diese Gegend.
Anton: Nicht zu sagen, man kann es nicht verbessern, aber es sozusagen sagen,
Anton: Europa oder uns, das, was wir gewohnt sind, von Kindheit daherzubringen,
Anton: das ist ein Schwachsinn. Also das haben wir aufgehört.
Anton: Und ich glaube, dass, ich habe den Eindruck, dass die Jungen,
Anton: die Studenten, die heute kommen und Menschen, die halt auch gereist sind,
Anton: das immer mehr verstehen.
Anton: Da ist es so, wie es ist. Und natürlich kann man es verbessern,
Anton: aber nicht so, wie wir glauben, mit unserem Gedankengut.
Anton: Und je länger man da ist, umso mehr verstehe ich auch die Ticos.
Anton: Also die Ticos sind die Kostarikaner, was natürlich nie leicht ist,
Anton: wenn du da nicht aufgewachsen bist, das zu verstehen,
Anton: aber dadurch, dass man halt sehr lange auch da ist und mit denen zusammengearbeitet
Anton: hat, nicht nur immer forschungsmäßig und in einfachen Situationen,
Anton: sondern auch Freunde gewonnen hat und mit denen halt plaudert,
Anton: umso mehr wächst man da hinein und umso mehr versteht man sich und
Anton: also ich sehe bei mir jetzt aktuell keinen Bedarf, da irgendwas Europäisches zu implementieren.
Anton: Aber
Anton: Nein, das ist auch ein Blödsinn. Es gibt schon Dinge, die man sagt,
Anton: okay, das könnte man herbringen, aber anpassen, adaptieren.
Anton: Das sollte man, glaube ich, schon, weil auch unsere Küche zum Beispiel da in der Station.
Willy: Fusion-Küche ist immer super. Oder?
Anton: Das ist schon sowas, ja. Und wir bauen dann auch Sachen an, die man früher gar
Anton: nicht gekannt hat und die jetzt die Einheimischen selber nutzen. Also das ist schon.
Anton: Aber da natürlich zu unterscheiden, was ist jetzt gut, was ist jetzt schlecht.
Anton: Es ist wie alles im Leben, ein gewisses Fingerspitzengefühl.
Anton: Und mit einem Maß zu arbeiten,
Anton: von zwei Sachen zusammengemischt, kann was Schönes entstehen.
Willy: Und das ist wieder so quasi der Querverweis in die Botanik. Du hast ja auch
Willy: gemerkt, dass da gewisse Sachen einfach nicht wachsen, weil das Klima anders ist.
Willy: Das ist das Gleiche mit dem kulturellen Thema. Man kommt um und sagt,
Willy: wir machen das jetzt so, wie ihr sie daheim im Waldviertel oder sonst wo gelernt
Willy: habt. Wächst halt da nicht.
Willy: Man kann eh so viel voneinander lernen.
Anton: Ja, total. Man muss wirklich viel. Und jeder kann von jedem lernen.
Anton: Und ich glaube, das tun wir auch. Am Anfang war es oft so, dass die Einheimischen,
Anton: Kostarikaner sind ein sehr stolzes Volk und die haben nicht vertragen,
Anton: dass man offen gesprochen hat über irgendein Thema oder irgendein Problem.
Anton: Das ist mittlerweile überhaupt kein Thema mehr.
Anton: Also wir reden auf Augenhöhe und man darf kritisieren und sagen,
Anton: du, das ist super und das ist vielleicht, das sollte man besser machen.
Anton: Das geht aber. Da muss man natürlich auch das Fingerspitzengefühl,
Anton: aber das ist einfacher geworden.
Anton: Also bei uns, mit unseren Mitarbeitern, die wissen das schon langsam. War ein langer Weg,
Willy: Muss ich auch sagen. Was können wir von Costa Rica lernen? Also wir.
Anton: Die Kostadikaner sind sehr offen, was Einflüsse von außen betreffen.
Anton: Also Ratschläge und so, da sind sie wirklich sehr offen.
Anton: Kritik weniger, wie gesagt, aber Ratschläge und überhaupt zu sehen,
Anton: wie es die anderen machen.
Anton: Und sie sind irrsinnig freundlich und sie haben eine Lebenslust,
Anton: also immer, wenn ich nach einem Aufenthalt komme, ich nehme dieses Pura Vida.
Anton: Das ist nicht nur Touristen-Schmäh,
Willy: Oder?
Anton: Nein, das haben sie schon selber. Jetzt nehmen es natürlich viele Touristen
Anton: auf. Ist ja ganz klar, was taugt.
Anton: Aber für mich persönlich drückt das schon das Lebensgefühl aus, das sie haben.
Anton: Und die Kostadrikaner gelten ja als eines der...
Anton: Oh, schaut euch das an.
Willy: Was ist das?
Anton: Der Helm Basilisk.
Willy: Der Helm Basilisk.
Anton: Ja.
Willy: Das ist einfach eine riesige...
Anton: Ja, manche sagen auch Jesus Christ.
Willy: Du siehst das jetzt leider nicht, aber wir müssen jetzt gerade ein bisschen
Willy: schauen. Schaut aus wie ein kleiner Trauchen, der auf den Baum aufgeräumt.
Willy: Krass, den habe ich auch nicht.
Anton: Und hinkt diesen Helm auf, ist ein Männchen, hat diesen Kamm,
Anton: lebt also immer in Wassernähe und kann übers Wasser laufen.
Anton: Darum hat er auch den Beinamen Jesus Christ.
Willy: Nice, super. Entschuldigung, woher kommt diese Lebensfreude? Woher kommt die?
Willy: Ist das die Temperatur? Macht es das? Oder ist das grün?
Anton: Ja, das Klima wirkt sich sicher aus, auf alle Fälle. Es ist ein kleines Völkchen,
Anton: muss man sagen, es ist ein kleines Mischvölkchen.
Willy: 5,4 Millionen Einwohner, glaube ich, oder so.
Anton: Ja, das ist ein durchschnittlich großes Land in Mittelamerika.
Anton: Es ist ein gemischtes Volk.
Willy: Divers. Divers. Divers, Resilienz, Setting,
Willy: Pura Vida.
Anton: Pura Vida.
Willy: Was würdest du in einer utopischen Welt, wenn du könntest, an unserem Lebensmittel
Willy: oder Lebensmittelsystem verändern?
Anton: Möglichst viel unterschiedliches Essen.
Willy: Diversität, Resilienz.
Anton: Ich glaube, das ist der einzige Weg.
Willy: Ja? Ja.
Anton: Aber in alle Richtungen. Ich glaube, nur in eine Richtung, das ist auch für uns nicht gut.
Anton: Das ist fad, macht auch keine Freiheit.
Anton: Und zu schauen, in alle Richtungen Ausschau zu halten.
Anton: Und was gut ist, was mir gefällt, da gehe ich weiter, dann sehe ich weiter,
Anton: weiter, weiter und nicht, nein, da will ich hin.
Anton: Ein bisschen vielleicht auch der Weg ist das Ziel.
Willy: Philosophisch.
Anton: Das verändert sich ja wahrscheinlich auch, oder? Ich meine, Ich habe vor zehn
Anton: Jahren noch anders gedacht wie heute.
Anton: Vor zehn Jahren habe ich nicht gewusst. Ich habe das Ziel nicht gehabt,
Anton: wo wir heute sind, sondern das hat sich entwickelt.
Anton: Und darum geht es jetzt auch weiter. Darum machen wir jetzt die Bedarfsanalyse
Anton: zum Beispiel und schauen, macht das überhaupt Sinn?
Anton: Und wenn ja, dann werden wir es machen und wenn nein, dann machen wir es halt nicht.
Anton: Also nicht irgendwas unbedingt zu wollen, nur des Willens wegen,
Anton: sondern schauen, was macht auch Sinn?
Anton: Vielleicht ein bisschen opportunistisch.
Willy: Ja.
Willy: Apropos Botanismus, du hast ja sogar ein eigenes Reisebüro noch nebenbei,
Willy: wo du weltweit auch Reisen organisierst.
Willy: Das heißt, du bist wenig daheim.
Willy: Jetzt frage ich die Frage nach der Bucketlist.
Willy: Ich kann mir vorstellen, dass bei dir jetzt mal ausnahmsweise nicht,
Willy: ich muss noch irgendwo hinreisen. Du vermutlich weißt schon überall.
Willy: Aber was steht auf deiner Bucketlist ganz, ganz oben?
Anton: Du meinst?
Willy: Die Listen von Dingen, die du unbedingt noch machen möchtest.
Anton: Die unbedingt noch machen?
Willy: Noch mehr reisen kann es nicht sein.
Anton: Ich reise, ich kenne viel noch nicht natürlich.
Anton: Was ich ganz gut kenne, ist vielleicht Mittelamerika, aber da sind auch viele Länder.
Anton: Mir geht es oft auch darum, dass ich an manchen Stellen öfter bin.
Anton: Wenn ich das erste Mal dort bin, bin ich immer so nervös, weil da ist alles so neu.
Anton: Und wenn ich das zweite Mal komme, kann ich schon ein bisschen in die Tiefe
Anton: gehen. Also ich fahre wirklich an viele Plätze, weil die Tiefe interessiert
Anton: mich dann, um etwas zu verstehen, um eine Landschaft zu verstehen,
Anton: um ein Ökosystem zu verstehen. Das boxt dabei einmal gar nicht. Mir geht es auch so.
Willy: Ich fahre aber öfter wohin, weil du lernst die Leute kennen,
Willy: du wachst ein bisschen mit der Gegend.
Anton: Genau, aber wenn du mich jetzt so fragst, das ist oft so, manchmal wird ich
Anton: gefragt, was ist deine Lieblingspflanze? Ich kann es gar nicht sagen.
Anton: Mir gefällt wirklich so viel. Was ist dein Lieblingsessen?
Willy: Das ist mein Lieblings-Podcast, fragst mich. Das ist nicht schwer.
Anton: Aber ich liebe zum Beispiel in Europa auch diese Nahen Länder.
Anton: Italien zum Beispiel ist ganz super. Oder Spanien, weil ich natürlich Spanisch kann.
Anton: Die östlichen Länder kenne ich viel zu wenig. Da will ich noch Richtung Rumänien diese Urwelt.
Willy: Also doch Reisen bucketlistmäßig, wirklich.
Anton: Naja.
Willy: Spannend. Ja.
Anton: Reisen macht schon immer Spaß, ja. Neues kennenzulernen.
Willy: Lassen wir es so stehen. Ich habe zwar eingeleitet, das wird jetzt fix nicht,
Willy: dafür ist das fix geworden, aber ja.
Willy: Wann tut dann irgendwann eines Tages, wahrscheinlich wird man da eh 100 Jahre
Willy: alt, aber diese Welt dann endgültig verlässt.
Willy: Wofür soll man sich gerade an dich erinnern?
Willy: Ist schon so weit. Nein, nein, ich habe eh gesagt, ich habe eh gesagt, es dauert noch.
Anton: Naja, ich glaube schon. Also irgendwie ist mein Leben, das ist doch hergefallen und
Anton: Also wenn da irgendwie, wenn man da ab und zu redet und denkt,
Anton: ist das wahrscheinlich schon gut und wahrscheinlich auch richtig.
Willy: Dass man sich hier an dich erinnert.
Anton: Naja, ich glaube, da habe ich schon einen Beitrag.
Willy: Einen ökologischen Fußabdruck.
Anton: Einen Beitrag sicher geleistet, ja. Mit den ganzen vielen anderen,
Anton: muss man auch sagen. Aber mein Leben ist schon da.
Willy: Zeit der Diplomarbeit, der war entscheidend.
Anton: Und vor allem auch arbeitsmäßig. Ich bin ja sehr gerne in Österreich.
Anton: Ich hätte ja auswandern können, theoretisch, aber ich bin kein Auswanderer.
Anton: Ich bin, glaube ich, vom Herzen wirklich ein Österreicher.
Willy: Du bist ein Rückkehrer.
Anton: Aber ein Rückkehrer. Ich weiß, wie schön es daheim ist. Ich geh nur auf Furt,
Willy: Damit ich wieder abkomme.
Anton: Weil ich auf Furt war.
Anton: Ja, aber da ist es natürlich berufsmäßig und die Natur ist schon faszinierend.
Anton: Und da kann man auch viel Gutes tun.
Willy: Begraben hier oder begraben im Waldviertel?
Anton: Hier nicht, glaube ich. Verstreut in Österreich. Oder irgendwo bei einem Baum.
Willy: In alle Winde verstreut, oder? Ja.
Anton: Ein Nährstoffkreislauf.
Willy: Das ist perfekt, oder? Super. Na gut, das war es jetzt fast.
Willy: Jetzt gibst du mir ganz zum Schluss noch ein Zitat, einen Witz,
Willy: einen Spruch oder irgendwas, was dir besonders wichtig ist und was du uns zum
Willy: Schluss noch mitgeben willst.
Anton: Du fragst mich Sachen. so schwierig, nach so langer Zeit. Was will ich mitgeben?
Anton: Nichts gefallen lassen?
Willy: Ja, passt. Nichts gefallen lassen? Ja.
Anton: Unbedingt sich für die Natur einsetzen, für die alten Bäume.
Anton: An die Jugend glauben. Ja.
Anton: Und auch irgendwo genießen. Das Leben muss man auch genießen. Das ist ganz wichtig.
Willy: Pura Vida.
Anton: Ein Pura Vida, ja.
Willy: Wir sind fast zu abschließen jetzt, oder?
Anton: Ja, was G'scheit ist, das fällt mir eh nicht mehr ein.
Willy: Lieber Antonio, wie Sie dann nennen, vielen Dank für das Gespräch.
Anton: Gerne, Willi. Es war wirklich ein Vergnügen. Für dich.
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