Folge Nr: 105
Ahaa! – Ursachen, warum so viele Lebensmittel im Müll landen
... erklärt von Gudrun Obersteiner, Abfallexpertin an der BOKU
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Über die Folge:
Studie "Teller statt Tonne"
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Gudrun Obersteiner könnt ihr auch in Folge 69 ausführlich kennenlernen.
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„Leit hoits zamm“ – Haindling
thx an Jürgen Buchner
„Power to the People“ – Junior Kelly
thx and Michael Lechleitner @ Irievibrations Records
… und ein bisserl selbst gesungen
thx to me, my voice und eure Schmerzschwelle
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Viel Spaß beim Reinhören und Entdecken!
Transcript - Ahaa! – Ursachen, warum so viele Lebensmittel im Müll landen
Einleitung: In der aktuellen Folge der Bauer to the People Aha-Momente erklärt uns die Gudrun
Einleitung: Obersteiner, wo genau Lebensmittelabfälle in Österreich entstehen.
Einleitung: Und ganz wichtig, wie sie das herausgefunden Vulgo gemessen haben.
Einleitung: Die Gudrun ist stellvertretende Leiterin des Instituts für Abfall und Kreislaufwirtschaft
Einleitung: an der Wiener Universität für Bodenkultur oder kurz BOKU.
Einleitung: Und vor allem ist die Gudrun zusammen mit ihrer Kollegin Sandra Luck die Autorin
Einleitung: der im Jahr 2020 erschienenen Studie Teller statt Tonne die vom WWF in Auftrag gegeben wurde.
Einleitung: Eine Studie an der man in Österreich wenn es ums Thema Lebensmittelabfälle geht
Einleitung: definitiv nicht vorbei kommt.
Einleitung: Der Link zur Gudrun und zu ihrer Studie den findet ihr bei uns in den Show notes
Einleitung: und in den Beschreibungen zu dieser Folge.
Einleitung: Und ja, jetzt kann ich nur noch sagen, möge der Aha-Moment mit euch sein.
Ahaa: Und ich würde dann gleich weitermachen mit einer weiteren spannenden Frage,
Ahaa: nämlich, was sind denn die Ursachen für die Lebensmittelabfälle?
Ahaa: Warum haben wir denn so viele Lebensmittelabfälle, die im Müll landen.
Ahaa: Und genauso wie die Erhebungsmethoden unterschiedlich sind, sind die Gründe
Ahaa: ganz unterschiedlich, wenn man mit der Landwirtschaft beginnen wollen.
Ahaa: Das sind so klassische Gründe, zum Beispiel die Erntetechnik.
Ahaa: Also wenn die Erntemaschine auf eine gewisse Größe eingestellt ist bei den Kartoffeln,
Ahaa: dann werden die, die zu klein sind, einfach automatisch durchfallen und landen dann wieder am Feld.
Ahaa: Es kann aber auch ökonomische Gründe geben, dass man sagt, okay,
Ahaa: der Preis für die Ware ist zurzeit so tief, dass es sich gar nicht mehr rechnen
Ahaa: würde, das in Österreich zu ernten.
Ahaa: Keine Ahnung, die polnischen Äpfel so billig sind,
Ahaa: dass die steirischen Äpfel nicht mehr konkurrieren können und das Ernten,
Ahaa: und wenn man sie dann sowieso nicht verkaufen kann als Apfel,
Ahaa: sondern maximal noch irgendwie für die Saftproduktion verwenden kann,
Ahaa: dann rechnet sich das Ernten einfach gar nicht mehr.
Ahaa: Großer Teil in der Landwirtschaft sind natürlich echte Schäden,
Ahaa: das können Frassschäden sein, das können aber natürlich auch Hagel- oder Umwetterschäden sein.
Ahaa: Dann ein Thema sicherlich in der Landwirtschaft Überproduktion.
Ahaa: Die meisten Landwirte haben ja gewisse Verpflichtungen gegenüber bestimmten Abnehmern.
Ahaa: Um diese Verpflichtungen einhalten zu können, müssen sie ja von vornherein ein
Ahaa: bisschen mehr produzieren, damit sie
Ahaa: dann in jedem Fall, auch wenn es ein schlechteres Jahr ist, genug haben.
Ahaa: Wenn es aber jetzt ein besseres oder ein optimales Jahr ist,
Ahaa: dann haben alle Landwirte natürlich viel zu viel.
Ahaa: Dann sind wir auch wieder beim Thema ökonomische Gründe. Also meistens haben
Ahaa: dann alle zu viel oder eben alle zu wenig und wenn alle zu viel haben,
Ahaa: dann haben wir natürlich auch ein ökonomisches Problem.
Ahaa: Ein Thema in der Landwirtschaft, das glaube ich allen bekannt ist,
Ahaa: das man immer wieder hört, das sind die sogenannten Marktkriterien,
Ahaa: dass eben gewisse Größen bevorzugt werden vom Markt,
Ahaa: Also von uns Konsumentinnen, vom Handel dann in weiterer Folge und das wird
Ahaa: dann auch an die Landwirtschaft so weiter transportiert,
Ahaa: dass halt ein Kohlrabi nicht zu groß sein soll oder ein Hokkaido-Kürbis nicht
Ahaa: zu klein sein soll und so weiter.
Ahaa: Und ein Thema in der Landwirtschaft sind natürlich auch Hygienestandards,
Ahaa: die eingehalten werden müssen.
Ahaa: Im Handel sind die Gründe, andere, da haben wir zum Beispiel und da müssen wir
Ahaa: uns ein bisschen selber an der Nase nehmen, als Konsumentinnen.
Ahaa: Wir haben mittlerweile eine Erwartungshaltung, dass immer alles verfügbar ist.
Ahaa: Also wenn wir am Abend im Supermarkt gehen und uns einbilden,
Ahaa: wir wollen jetzt irgendwie einen Mondweckal haben, dann sind wir total unglücklich,
Ahaa: wenn um 19.20 Uhr nur mehr Semmeln da sind und deshalb versucht der Handel uns
Ahaa: natürlich die Mondweckalen zur Verfügung zu stellen.
Ahaa: Nur wenn Wenn wir an dem Abend lieber Salzstangen wollen, dann bleiben halt die Mondweckerl über.
Ahaa: Und das gilt natürlich für viele andere Produkte auch. Also wir sind es nicht
Ahaa: mehr gewohnt, so wie es früher war.
Ahaa: Mein Mutter ruft mich heute zum Teil noch an und sagt, und jetzt vor Weihnachten,
Ahaa: du musst ein Parkett bestellen, damit du es kriegst.
Ahaa: Nein, muss ich heute nicht mehr bestellen. Vor 20, 30 Jahren hat man das noch
Ahaa: gemacht. Vor Feiertagen, damit man die Sachen kriegt, hat man es halt bestellt,
Ahaa: hat sich der Handel darauf einstellen können, hat super funktioniert.
Ahaa: Und jetzt ist es aber so, dass wir davon ausgehen, dass immer alles da ist.
Ahaa: Und das, was wir nicht nehmen am Samstag, das wird dann halt natürlich entsorgt.
Ahaa: Wir haben aber im Handel zum Beispiel auch das Thema mit Fehletikettierungen,
Ahaa: mit zerstörten Verpackungen, mit Problemen in der Logistik.
Ahaa: Wenn dann wieder irgendwo keine Ahnung, ein Demo ist oder ein Streik ist oder
Ahaa: was auch immer, dann kommen halt die LKWs nicht durch von Spanien über Frankreich nach Österreich.
Ahaa: Also auch das sind immer wieder Gründe, die zu massiven Ausfällen führen,
Ahaa: aber natürlich auch zum Teil mangelndes Wissen, was man sonst noch machen könnte mit unverkaufter Ware.
Ahaa: In der Außerhausverpflegung, also in der Gastronomie, in den Hotels und so weiter,
Ahaa: da muss man auch ein bisschen genauer differenzieren bei den Gründen.
Ahaa: Im normalen Restaurant zum Beispiel ist einer der Gründe,
Ahaa: wenn es eine zu große Auswahl gibt, dann führt das dazu, dass man zu viele Produkte
Ahaa: im Lager haben muss und das die dann natürlich, wenn die von der Konsumentin
Ahaa: nicht gewünscht werden, irgendwann einmal schlecht werden.
Ahaa: Wir haben das Thema mit den Haltbarkeitsdaten, die man sehr eng interpretieren
Ahaa: kann und einfach, wenn jetzt keine Ahnung, das Joghurt das Mindesthaltbarkeitsdatum
Ahaa: erreicht hat, wirft, obwohl es eigentlich noch genießbar wäre.
Ahaa: In seltenen Fällen gibt es wahrscheinlich auch noch Gastronominnen,
Ahaa: die ganz genau einen Überblick haben über ihr Lager. Aber das sind eigentlich Randerscheinungen.
Ahaa: Wir haben in der Gastronomie natürlich hohe Anforderungen an das Aussehen des Endprodukts.
Ahaa: Das heißt, wenn das leicht angebrannt ist oder was auch immer,
Ahaa: geht es natürlich nicht mehr raus zum Gast.
Ahaa: Wir haben Hygienebestimmungen, die eingehalten werden müssen.
Ahaa: Das trifft uns vor allen Dingen bei den Buffets, aber auch bei den Keterern,
Ahaa: wenn alles was einmal draußen beim Gast ist, das darf nicht mehr weiterverwendet
Ahaa: werden aufgrund der geltenden Hygienebestimmungen.
Ahaa: Das heißt, wenn jetzt Frühstücksbuffet hergerichtet ist und das auf einem zu großen Tablett ist,
Ahaa: wo halt relativ viel Wurst drauf ist und das nicht regelmäßig nachgerichtet
Ahaa: wird auf kleineren Interplätz, haben wir halt einen relativ großen Anteil an
Ahaa: Lebensmittelabfällen.
Ahaa: Aber auch so Dinge wie essbare Dekoration, die nur da liegt,
Ahaa: um hübsch zu sein und am Ende des Tages weggeworfen wird.
Ahaa: Dann haben wir natürlich in der Gastronomie das Thema mit den zu großen Portionen,
Ahaa: wo wir dann eben Tellerreste haben, wo auch wir wieder als Konsumentinnen gefordert
Ahaa: sind und sagen können, bitte ich hätte gerne eine kleine Portion.
Ahaa: Mit dem zusammen hängt auch zum Teil die mangelnde Kommunikation zwischen Küche und Personal,
Ahaa: weil wenn das Personal rechtzeitig in der Küche bekannt gibt,
Ahaa: da draußen sitzt ein starker Esser oder da draußen sitzt eine Person,
Ahaa: die schon rein optisch nicht in der Lage ist, diese riesigen Portionen zu verdrücken.
Ahaa: Also da mangelt es einfach teilweise an der Kommunikation.
Ahaa: Und dann haben wir natürlich als letzten Lebensmittelabfallverursacher die Haushalte,
Ahaa: die eben wie gesagt die meisten Lebensmittelabfälle verursachen,
Ahaa: nicht nur in Österreich, sondern das sind einfach auch europaweite Zahlen, die das belegen.
Ahaa: Und da ist schon einer der Hauptgründe zum Beispiel die falsche Lagerung.
Ahaa: Also ein sehr großer Teil von den Lebensmittelabfällen aus Haushalten sind Obst und Gemüse.
Ahaa: Und Obst und Gemüse wird weggeworfen, weil wir uns irgendwie mitgenommen haben,
Ahaa: vielleicht auch von der Präsentation im Handel, da wird das alles so offen in
Ahaa: dieser Marktsituation präsentiert.
Ahaa: Und deswegen sind viele von uns der Meinung, wir sollten unser Obst vor allen
Ahaa: Dingen auch irgendwie so in der Obstschüssel lagern.
Ahaa: Und ich habe dann auch schon immer wieder gehört von Menschen,
Ahaa: die gesagt haben, na ja aber der Apfel verliert ja Geschmack,
Ahaa: wenn ich ihn im Kühlschrank tue.
Ahaa: Und ich versuch dann immer zu erklären, wenn wir jetzt keine Ahnung mehr,
Ahaa: jetzt haben wir gerade erst Februar, aber auch im Februar der steirische Apfel,
Ahaa: den wir im Februar kaufen im Supermarkt, wo war denn der jetzt seit Herbst?
Ahaa: Im Kühllager, natürlich im Kühllager bei 4 Grad.
Ahaa: Also der kann jetzt nicht zusätzlich an Geschmack verlieren,
Ahaa: wenn er schon vier, fünf Monate im Kühllager ist, wenn wir ihn auch noch im Kühlschrank tun.
Ahaa: Und dieses Wissen ist aber verloren gegangen, dass das meiste Obst und sowieso
Ahaa: fast jedes Gemüse sich im Kühlschrank wohlfühlt und das wird dann halt herausgelagert.
Ahaa: Das nächste ist, dass viele Menschen der Meinung sind, sie müssen eingekauftes
Ahaa: Obst und Gemüse sofort, wenn sie heimkommen, ausbacken, weil ja diese Plastikverpackung
Ahaa: irgendwie schädlich ist.
Ahaa: Am spannendsten sind für mich die Geschichten, wo es dann umgepackt wird in
Ahaa: ein anderes Plastik-Geschirrl, hauptsächlich offen.
Ahaa: Aber dem ist nicht so. Also die Verpackungen sind ja höchst optimiert,
Ahaa: damit die Produkte länger halten. Das heißt immer erst öffnen,
Ahaa: bevor man es wirklich aufbraucht, bevor man es wirklich essen will.
Ahaa: Dann haben wir natürlich bei den Haushalten den fehlenden Überblick,
Ahaa: wo vor allen Dingen die Sachen in den Vorratsschränken, Dosen,
Ahaa: Mehl, Marmeladen oder was auch immer schon 5, 6, 7, 8, 9 Jahre lagern und dann
Ahaa: irgendwann einmal vielleicht wirklich nimmergut sind, wobei das eigentlich selten der Fall ist.
Ahaa: Das führt uns natürlich zu einem Thema, das wir bei den Haushalten haben,
Ahaa: nämlich das falsch verstandene Mindesthaltbarkeitsdatum, wo wirklich Menschen
Ahaa: immer noch glauben, man kann das tatsächlich nicht essen, aber dem ist nicht so.
Ahaa: Also man sollte da mehr den eigenen Sinnen vertrauen, wenn es darum geht.
Ahaa: Ist jetzt das Joghurt noch gut oder ist es nicht gut? Nicht einfach wegwerfen,
Ahaa: wenn das Datum überschritten ist, sondern immer schauen, riechen,
Ahaa: schmecken und nur wenn es wirklich schlecht ist, muss man die Dinge wegwerfen.
Ahaa: Neben zu viel eingekauft ist dann einer der Hauptgründe bei den Haushalten natürlich
Ahaa: noch, dass unser Bild die Kenntnis verloren gegangen ist.
Ahaa: Was können wir denn mit den Resten machen? Was kann man denn schnell machen,
Ahaa: wenn schon die ersten Äpfel schrumpelig werden? Wie kann ich schnell ein Apfelmus
Ahaa: machen? Wie kann ich eine Erdbeermarmelade machen?
Ahaa: Wie kann ich sehr einfach aus den Resten von gestern, indem ich Erdäpfel und
Ahaa: Eier dazu tue, irgendein Kröstl machen und so weiter. Das ist nicht mehr so
Ahaa: wirklich in vielen von uns drin.
