Folge Nr: 108

B2P Interview | Wege aus der Lebensmittelverschwendung im Gemüseanbau

Gemüsebauer Patrick Pranger, Steiermark

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Über die Folge:

Bianca im Gespräch mit dem steirischen Gemüsebauern Patrick Pranger zu seinen Ideen und Ansätzen zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen am eigenen Betrieb.


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… und ein bisserl selbst gesungen
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Transcript - B2P Interview | Wege aus der Lebensmittelverschwendung im Gemüseanbau

Ja, herzlich willkommen beim neuen Bau to the People Interview mit Patrick Pranger.

Eine Million Tonnen genießbarer Lebensmittel landen bei uns jedes Jahr im Mist. Das haben

wir uns zum Anlass genommen, um einfach mal genauer nachzufragen, denn am Anfang dieser

Reise in der Landwirtschaft sind es rund 167.000 Tonnen noch guter Lebensmittel,

die dort in Mist landen. Nach unserem letzten Interview darüber mit Markus, dem Wiener

Gemüsegärtner, hat sich der Patrick aus der Steiermark bei uns gemeldet. Der ist nämlich

Bio-Gemüsebauer und hat ein bisschen eine andere Perspektive. Und jetzt zeig mal kurz,

Patrick, was genau baut ihr an und wie ist das bei euch? Ja, hallo Bianca, freut mich sehr,

dass ich heute da sein darf. Wir bauen in der Südostensteiermark ungefähr zwischen 20 und 25

verschiedene Kulturen an, je nach Jahr und nach Nachfrage. Im Sommer das Fruchtgemüse,

also Tomaten, Paprika, Gurken, Zucchini, Chili, Pepperoni, sehr breite Palette, Melanzane.

Und wir ändern unser Sortiment saisonal und im Winter dann gehen wir in Richtung

Richtung Kohlgewächse, Salate und Laulgemüse.

Bei euch wächst das am Feld, im Glashaus, in einem Folientunnel oder wie kann ich mir das vorstellen?

Ein Teil wächst im Freiland.

Die ganz meiste Lagergemüse, Kinakohl, Rote Rüben, Sellerie, Lauch.

Und der Großteil wächst bei uns im Gewächshaustunnel unter Folie.

Also es sind nicht beheizte Tunnel.

Die Saison startet da, wie im Rest von Österreich, mit der Pflanzung im April, je nachdem wie warm das ist. Mitte, Ende April.

Und endet dann durch die meist ganz warmen Herbstmonate, die wir jetzt immer haben, schon,

im November, kann man sagen, mittlerweile schon.

Ja und... Okay, das heißt momentan wird nichts angebaut? Momentan schaut es so aus,

Das Sommergemüse, also das Fruchtgemüse wie Tomaten, Gurken und Paprika, die sind

dann im Oktober, November ausgeräumt geworden.

Manche ein bisschen früher, manche später.

Und dann wurde bei uns Salat gepflanzt. Also Rucola, Feldsalat, Asiasalate, Spinat, Pflücksalate, also eine ganz breite Palette

von Salaten.

Und wenn man früh genug in das Falling House reinkommt, also das heißt, wenn man da im

Oktober noch reinkommt. Im Praxisbeispiel, im Frühjahr sätts Gurken, da baust du Gurken Ende

April an und dann hast du das bis Anfang Oktober, räumst das raus und dann kannst du den Salat

reinsetzen. Und der Salat, der wird aber noch vor Weihnachten fertig. Also Salat spring ich

zum Beispiel von einem Feldsalat oder einem Pflücksalat. Der wächst dann wirklich noch so

schnell, weil die Sonnenstunden noch verfügbar sind, dass er vor Weihnachten fertig ist. Und

Im Endeffekt gibt es bei uns in der Bioküste in dem Fall frischen Salat über die Weihnachtszeit.

Jetzt muss der Willi kurz schneiden, ich führe gerade ein Interview, Alter.

Jetzt muss der Willi dann rausschneiden. Das ist ja authentisch. Gut.

Absolut, wie immer, gell? Passt. Ich würde jetzt von dir gerne wissen, weil ich gelernt habe, das ist überall so.

Patrick, warum entsteht denn bei euch Abfall? Warum landet Gemüse in der Tonne und wie viel bei euch pro Jahr und was?

Ja, das Abfallthema beschäftigt uns alle schon und die ganze Gesellschaft.

Das ist ein ganz wichtiges Thema und vor 100% Abfallvermeidung kann man nie sprechen.

Das finde ich auch nicht ehrlich und richtig. Aber mir ist es ganz wichtig, dass man sich schon Systeme überlegt, wie man annähernd

zu den 100% kommen kann.

Und in unserem Fall ist es so, wir produzieren auch Gemüse für den Lebensmitteleinzelhandel.

Und es ist halt einfach die Realität, dass Gemüse, wenn man es anbaut, irgendwo einen

Peak hat, also eine sehr hohe Erntemenge, das ist meistens im Juli und August.

Und es ist auch wie bei den vorherigen Podcasts auch vollkommen richtig, die durchschnittliche

Konsumentin in Österreich, die kann halt nicht mehr essen.

Sie kauft jetzt keine zwei Kilo Tomaten, wenn sie immer ein Kilo Tomaten kauft.

Das macht Sinn. Ja, also wir wissen im Vorhinein schon, es fallen zu diesen zwei, zweieinhalb Monaten

Übermengen an oder werden anfallen.

Ja und da denke ich mir, sollten wir schon weit genug, in unserem Fall machen wir das,

denken, wie kann man das dann verarbeiten, ohne dass man es jetzt verschenkt, weil so

viel kann man nicht verschenken.

Ja und ohne dass es in die Biogasanlage geht, weil das ist schon noch Realität, die man

schon auch ansprechen muss.

Und wir haben uns gesagt, na wir starten, also das war vor über 10 Jahren mittlerweile

schon, wir starten mit der Veredelung. Veredelung heißt, wir veredeln Gemüse im Glas. Wir rechsen sein, auf deutsch gesagt.

Und das funktioniert sehr, sehr gut. Natürlich gibt es da, also ich kann gleich mal ins Detail

gehen, es gibt Herausforderungen mit, bleiben wir bei Tomaten. Eine Salat-Tomate ist schwierig

zum vorarbeiten. Die hat sehr viel Wasser. Wir versuchen da im Anbau schon auch mit Handelsketten

die Kommunikation so starten, okay welche Sorten würdet ihr vorschlagen, dann sagen,

okay welche würden wir vorschlagen und dann wie im Nutzteilhaltungsbereich so zwei Nutzungsrassen

gibt es ja auch im Gemüsebereich, zwei Nutzungsgemüse sozusagen. Da gibt es schon Möglichkeiten,

dass man auf Tomatensorten in dem Fall, wenn man bei Tomatenbleiben rückgreifen kann und sagen,

jetzt entsteht der Markt, da geht gerade nichts weiter. Passt, dann wird bei uns ein Kuchli

angeschmissen. Dann machen wir entweder Tomatensoße, Tomatenketchup. Wir trocknen seit vier Jahren

Tomaten. Also wir sind da, würde ich schon sagen, recht ideenreich unterwegs und probieren uns gut

aus. Und ich glaube, die Systeme, wir machen es halt im Gärnstil noch. Also man kann jetzt nicht,

Was macht man ungefähr 4-5.000 Liter Tomatensauce im Jahr. Das sind mehr als 10 Tonnen Tomaten.

Aber ich glaube, die Systeme sind auch auf großes Ziel umlegbar und da wirklich aktiv

zu einer Lebensmittelverschwendung beizutragen. Das heißt, schafft ihr es wirklich, dass ihr 100%

von dem was sonst schlecht werden würde weiterverarbeitet oder gibt es doch noch

Stellen wo du sagst okay da müssen wir jetzt einfach was weg tun?

100% schafft man nicht. Also es gibt schon zum Beispiel Cocktailtomaten, da sind immer wenn man die erntet.

Und man hat zum Beispiel eine kühle Wetterperiode zuvor, dann erntet man die, die springen, die

sind dann in der geernteten Kiste und am nächsten Tag können sie schon in der Kiste Schimmel anfangen,

auch im Kühlraum. Das geht sehr schnell. Und die sortieren wir natürlich aus, weil die schimmeligen

die kann man ja auch nicht mehr verarbeiten. Ein ganz kleiner Prozentteil ist immer im Ausschuss.

Es kann ja jetzt nicht jeder sich die Infrastruktur aufbauen,

selber weiter zu verarbeiten. Was können die tun oder was würdest du denen raten? Weil es kann ja nicht jeder A. direkt vermarkten und B. auch nicht

einfach selber weiter verarbeiten, quasi in diesem nächsten Schritt der

Wertschöpfungskette übernehmen. Du hast vollkommen recht, aber das liegt in

unseren Verantwortung von Bäuerinnen und Bauern die Wirtschafts- und Handelsketten zu Ende zu

denken. Weil wir produzieren ja nicht immer nur Frischware. Wir wissen, es fällt Abfall an und wir

müssen uns mit dem Thema unbedingt auseinandersetzen. Das heißt auch gemeinsam in einem Boot zu sitzen

und auch vielleicht Bäuerinnen und Bauern. Ich finde die Entwicklung eh schon super, wo es mit

der jungen Generation, also mit meiner Generation nicht hingeht. Es gibt viel mehr Kommunikation.

Und wenn sie die auf den Backel hauen und zusammen tun, dann sage ich, wir haben alle das gleiche Problem.

Wir haben Übermengen in den zwei Monaten. Warum machen wir nicht zusammen was?

Dann kriegen wir eine Marke. Eine Marke, die zum Beispiel die erste Tomatensoße aus Österreich.

Wo die Tomaten in Österreich angebaut werden und da verkauft und veredelt werden.

Weil das gibt es in dem Fall nicht.

Also du denkst schon an Lösungen gemeinsam mit dem nächsten Verarbeitungsschritt

mit dem übernächsten Player quasi in der Wertschöpfungskette mit dem Handel. Also

hier mal ein Ausruf, hallo meldet euch beim Patrick, der hat Ideen erstens und zweitens.

Es ist ja jetzt so, dass wenn man sich nackt die Zahlen anschaut, dass wir von dieser einen

eine Million Tonnen Lebensmittel, die in Österreich wirklich im Mist landen pro Jahr,

zu Hause fast die Hälfte davon in die Tonne dreschen. Also wirklich ganz am Ende der Reise.

Und ich stelle diese Frage sehr gerne, weil jeder eine andere Perspektive hat. Was denkst du denn,

was wir oder jeder von uns da zu Hause dazu beitragen kann, dass das vielleicht ein bisschen weniger wird.

Ich spreche oft mit Freunden darüber, weil uns das ja selbst betrifft.

Ich auch manchmal Sachen wegkaufe zuhause, weil das Management nicht funktioniert.

Die Verpackungsgrößen sind teilweise zu groß.

Man ist nicht immer zuhause, man ist auf Ausweisterminen. Es ist sicher nicht leicht.

Aber ich glaube, sich mal mit Lebensmitteln zu informieren und jeder, der den Podcast

hört, der macht das schon.

Einfach mal die Information, dass sie da ist und die Awareness, hey, ich habe Lebensmittel

daheim, die sind wertvoll und ich werde jetzt einmal am Freitag nicht meine geplante Pizza

machen, sondern ich habe noch Resten im Kühlschrank und werde die aufbrauchen.

Also da braucht es sicher Kreativität und ja, einen gewissen Grad an Bildung, damit

man auch weiß, was man damit tun soll.

Das ist das erste Mal. Und sonst eh die herkömmlichen Tipps und Tricks zur Lebensmittelverschwendung in der

eigenen Küche, also in den eigenen vier Wänden, die wir eh schon alle kennen.

Ja, jetzt unterm Strich ist es, und das zeigen auch die Studien so, dass uns in unserem hektischen

Leben einfach die Zeit fehlt, um uns mit ganz vielen Themen rund ums Essen auseinanderzusetzen,

aber eben auch damit, was mache ich denn mit dem Zeug, wenn ich es daheim habe und es ist zu viel.

Und vor allem, wann mache ich das? Und ich denke mir genauso, wie du es jetzt gesagt hast,

sich vielleicht mal wieder an einem Samstag mit Freunden Zeit nehmen, den Kühlschrank aufreißen

und schauen, was ist da drin, was gehört da weg.

Und ja, was das Thema Lebensmittelverschwendung anbelangt, Patrick,

sage ich hier mal Danke und wir werden wieder von dir hören. Danke dir.

Music.

Untertitel im Auftrag des ZDF für funk, 2017.

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